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Nachricht vom 08.11.2018 - 16:37 Uhr    

Ein Koloss aus Stahl und Rädern: Nachtschicht mit 326 Tonnen auf 35 Achsen

Drei Zugmaschinen vorne, eine hinten, dazwischen zwei jeweils zehnachsige Plattformanhänger mit einem allein 175 Tonnen schwerem Transformator: Dieser insgesamt circa 326 Tonnen schwere und rund 75 Meter lange Verband fuhr PS-stark in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch von Elben die Steigung nach Steineroth hoch und bis zum Umspannwerk Dauersberg von Amprion – und: Zwei identische Kolosse sollen am 12. und 19. November folgen.

Zur Hälfte ist der Schwerlasttransport hier bereits über die zweite Überbrückungskonstruktion gerollt. (Foto: tt)

Elben. Es war schon nach Mitternacht, als sich der Schwertransport an der Trafoumladestation Elben in Bewegung setzte – da noch mit einer Zugmaschine vorne und einer hinten. Zwei weitere standen für die Steigung bereit, gleich hinter dem zweiten „Flyover“. Diese Überbrückungskonstruktionen waren seit dem frühen Abend über die Brücke des Elbbaches beziehungsweise des Steinebachs errichtet worden, und zwar so, dass die zwei Bauwerke der Landesstraße L 281 beim Überfahren des Spezialtransportes nicht belastet wurden. Der von Siemens Nürnberg gebaute 333,3 Megavoltampere-Transformator war über die Schiene nach Elben gekommen. Das Gesamtgewicht des Schienenfahrzeugs, der Tiefladewagen rollte mit zwei mal zehn Achsen über die Gleise, samt Transformator drückte 362 Tonnen und war 87 Meter lang.

Überbrückungskonstruktionen errichtet
An der Umladestation kam der Trafo mit einer Einhängelänge von 9,60 Metern, einer Breite von 3,28 Metern und einer Höhe von 4,468 Metern auf das Spezialfahrzeug, um die letzten dreieinhalb Kilometer über die Straße zurück zu legen. Zwei Plattformanhänger mit jeweils zehn Achsen nahmen den Koloss auf. Bevor die Firma den Schwertransport starten konnte, mussten in Elben zwei Überbrückungskonstruktionen an der L 281 aufgebaut werden. Eine Aufgabe, um die sich die Firma Felbermayr (Österreich) kümmerte.

Als die Mitarbeiter am späten Nachmittag mit den Arbeiten begannen, waren Schaulustige vor Ort – und auch nachts, als der Schwertransport marschierte, waren Interessierte dabei, um das nicht alltägliche Schauspiel mitten in Elben live mitzuerleben und mit Handy oder Kamera zu verewigen. Um diese letzten Kilometer auf der Straße zu bewältigen, war einiges an Aufwand erforderlich. Ein 100-Tonnen-Autokran der Firma Dornseiff stand bereit, und die „Brückenbauer“ waren mit ihrem Equipment angerückt. Zehn Lastwagen waren auf Achse, berichtete Projektleiter Jürgen Schüring (Felbermayr).

Bei einem ähnlichen Transport vor einigen Jahren war schon einmal eine solche Überbrückungskonstruktion in Elben errichtet worden. Seit zehn Jahren gebe es diese Vorgaben, teilte Dr. Andreas Preuß mit. Er ist der Pressesprecher des Übertragungsnetzbetreibers Amprion und war am Dienstag mit von der Partie, als die zwei Überbauten errichtet wurden und schließlich der Schwerlastverband die schwere Fracht hoch auf den Berg transportierte. Das ist erforderlich, weil die Anlage ausgebaut wird. Die drei Transformatoren werden nichts ersetzen, sondern ergänzen, „für die Zukunft der Stromversorgung“, berichtete Preuß. Ein Ausbau, der mit der Energiewende zusammen hänge, auf einer der wichtigsten Nord-Süd-Verbindungen. Eine Investition in die Zukunft, für eine sichere Stromversorgung: So äußerte sich der Pressesprecher. Von ihm war zu erfahren, dass für einen Trafo anderthalb bis zwei Millionen Euro investiert werden.

Großer Aufwand
Und der erste von drei Trafos nahm in der Nacht zu Mittwoch seinen Weg an seinen künftigen Bestimmungsort – nachdem mit erheblichem Aufwand, auch zeitlich, die Brücken gesichert worden waren. Vier Stromaggregate speisten die Strahler an den Teleskopmasten, die die Baustelle taghell ausleuchteten, als die Arbeiter parallel an beiden Brücken mit den Arbeiten los legten. Akribisch wurde alles mit Messband und Zollstock ausgemessen. Als die Markierungen gesetzt waren, rückten die Lastwagen an. Bei der Brücke am Steinebach war der Autokran aufgebaut. Rampen wurden ausgerichtet. Eine mit dem Lastwagen angelieferte Überfahrbrücke hievte der Kran in Position. Zeitgleich, aber ohne Autokran, wurde an der Brücke des Elbbaches gearbeitet: Ein Lastwagen brachte eine Überfahrbrücke exakt an die zuvor markierten Punkte. Die Hydraulik setzte die Stempel auf die Fahrbahn und hob die Stahlkonstruktion an. Nachdem der Lastwagen drunter weggefahren war, wurde das Element allmählich hydraulisch abgelassen. Zwischen dem Bauteil und der Fahrbahn blieb Luft, und an den Enden wurden Rampen mit einem Lastwagenkran ausgelegt.

Denn auch hier sollte das Bauwerk der Landesstraße beim Überfahren des Schwerlasttransportes keine Belastung aufnehmen müssen. Für die Fahrt musste aber noch ein breiterer Überbau geschaffen werden: Der komplette Vorgang wiederholte sich mit einer zweiten Überfahrbrücke. Auch an der Brücke Steinebach wurde Zentimeterarbeit geleistet. Nachdem hier eine zweite Überfahrbrücke auf den Rampen lag, wurde der Raum zwischen beiden Elementen wurde mit Stahlkonstruktionen abgedeckt. Es war inzwischen frisch geworden, als nach Mitternacht der Protagonist der Nacht heranrollte: Ein Koloss aus Stahl und Rädern – allein die zwei Plattformanhänger mit den so genannten Schwanenhälsen rollten auf 80 Reifen durch die Nacht.

Mit der Kraft von knapp 1200 Pferdestärken und behutsam rollte der Schwerlasttransport auf und über den Überbau am Steinebach. Die Zugmaschine holte weit aus, um den Trafo um die Kurve zu bugsieren, und dann ging es auch schon auf den zweiten Überbau. Oberhalb davon wurden noch eine ganze Menge weiterer Pferdestärken vorgespannt: Zwei zusätzlich Zugmaschinen wurden angekoppelt. Schließlich hatte der komplette Schwerlasttransport auch die zweite Konstruktion überwunden – und nun lag die Steigungsstrecke vor den vier Zugmaschinen, den zwei Plattformanhängern und dem Trafo, der alleine 175 Tonnen - ohne Öl – wiegt.

Das Umspannwerk in Sicht
Die Formation marschierte mit einer kräftigen Schrittgeschwindigkeit die Steigung hoch und erreichte Steineroth. Hier bog der Transport nach rechts in Richtung Elkenroth, um die zwei zusätzlichen Zugmaschinen wieder abzuhängen. Die zwei verbliebenen wurden umgekehrt angehängt, denn die letzten paar hundert Meter von Steineroth bis zum Ziel fuhr der Verband in umgekehrter Fahrtrichtung weiter, um dann auf das Gelände des Umspannwerkes einzufahren.

In einer so genannten Trafobank wird der Transformator eingebaut werden, berichtete Pressesprecher Preuß. Die Arbeiten werden vier bis fünf Wochen in Anspruch nehmen, pro Trafo. Anfang 2019 soll das Trio – zwei weitere Trafos werden folgen – seine Arbeit aufnehmen und den Strom, der mit 380 Kilovolt im Umspannwerk ankommt, auf 110 Kilovolt transformieren.

Zurück nach Elben: Nachdem der Schwerlasttransport die Überbrückungskonstruktionen problemlos passiert hatte und seinen Weg weiter bergauf nahm, kehrte zu nächtlicher Stunde wieder betriebsam Hektik in der Ortsmitte ein: Was in vielen Stunden aufgebaut worden war, wurde wieder zurückgebaut, damit morgens der Verkehr wieder fließen konnte. Das alles soll sich am Montag, 12. November, und Montag, 19. November, wiederholen, denn: Für diese Termine ist der Transport von jeweils einem weiteren Trafo geplant. (tt)

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