Werbung

Nachricht vom 12.11.2018    

Synode des Evangelischen Kirchenkreises tagte in Betzdorf

Der intensiven theologischen Auseinandersetzung zu „80 Jahre Pogromnacht und Antisemitismus heute“ der rund 70 Synodalen aus den 16 evangelischen Kirchengemeinden und aus dem Kirchenkreis folgte bei der Synode des Evangelischen Kirchenkreises Altenkirchen in Betzdorf ein reichhaltiges Arbeitsprogramm, insbesondere zur Planung der Zukunftsfähigkeit der kirchlichen Arbeit vor Ort und zu Personal- und Finanzentscheidungen. Auch ein Bericht aus dem kongolesischen Partnerkreis Muku stand auf dem Programm.

Pfarrer Stefan Turk wurde von der Synode des Kirchenkreises Altenkirchen mit großer Mehrheit als zweiter stellvertretender Superintendent (Skriba) gewählt. Superintendentin Andrea Aufderheide gratulierte dem Kollegen und freut sich auf die Zusammenarbeit. (Foto: Petra Stroh)

Betzdorf/Kreisgebiet. Das Gedenken an die Pogrome, die mit den Zerstörungen und Morden in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 den Einstieg in den Holocaust markierten, bestimmten den Auftakt der Synode des Evangelischen Kirchenkreises Altenkirchen, die diesmal in Betzdorf zusammenkam. Der intensiven theologischen Auseinandersetzung zu „80 Jahre Pogromnacht und Antisemitismus heute“ der rund 70 Synodalen aus den 16 evangelischen Kirchengemeinden und aus dem Kirchenkreis folgte ein reichhaltiges Arbeitsprogramm, insbesondere zur Planung der Zukunftsfähigkeit der kirchlichen Arbeit vor Ort und zu Personal- und Finanzentscheidungen. Darüber hinaus gab es intensive Einblicke in die Partnerschaft mit den Freunden aus Muku (Kongo).

Für die Wahrung von Menschenrechten auftreten
Sowohl im Abendmahlsgottesdienst zum Synodenauftakt in der Kreuzkirche wie auch im Bericht der Superintendentin und in den Aussprachen spielte das Besinnen auf den geschichtsträchtigen 9. November eine herausgehobene Rolle. „Wir als Nachkriegsgenerationen müssen, nicht aus einer kollektiven Schuld heraus, aber aus einer kollektiven Verantwortung heraus, gegen Antisemitismus und Rassismus, gegen diktatorische Regime und für die Wahrung von Menschenrechten auftreten“, unterstrich Superintendentin Andrea Aufderheide. „Dünnhäutiger, hellhöriger und empfindsamer“ müsse man als Kirche reagieren, wenn aktuell bestimmte Politiker, Parteien und Gruppierungen vieles in Frage stellten, was dem friedlichen Miteinander hier bei uns und weltweit diene, mahnte die Superintendentin, die sich in ihrem Rück- und Ausblick entlang der Jahreslosung 2019 „Suche Frieden und jage ihm nach!“ orientierte.
Für ihn als Theologe sei der „theologische Judenhass“ eine besondere Herausforderung, bekannte Kirchenrat Dr. Volker Haarmann, leitender Theologe der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR), in einem Impulsreferat vor der Kreissynode. Er spannte darin einen Bogen vom „Judenhass in der Geschichte der Kirche“ bis hinein ins Heute.

Theologische Herausforderung
Schon die Kirchenväter und die Herrschenden ihrer Zeit hätten mit ihren Thesen judenfeindliche Gedanken ins Volk „hineingeimpft“.Und nicht nur der „ältere Luther“, auch schon der „junge Reformator Martin Luther“ habe mit seinen judenfeindlichen Reden und Schriften weit über seine Lebenszeit hinausgewirkt. Luthers Schmähungen hätten noch Jahrhunderte später den rechtsgerichteten, antisemitischen Akteuren „schlagkräftige“ Argumente und Hetzparolen geliefert, erklärte er. In seinem „theologischen Gang“ durch die Geschichte nahm Haarmann die Synode mit auf den „Weg zu einer nicht-antijüdischen reformatorischen Theologie“. Auch erinnerte er an diverse Auseinandersetzungen (Beschneidungsdebatte 2012, Streit um den Nahost-Konflikt) und die Aufbrüche der Erneuerung des christlich-jüdischen Miteinanders seit 50 Jahren, etwa den rheinischen Synodalbeschluss von 1980 „Verhältnis von Christen und Juden weiterdenken – den Gottesdienst erneuern“. „Es ist ein Wunder, dass uns von jüdischer Seite die Hand gereicht wurde und es uns so möglich wurde, den Weg zu einer nicht- antijüdischen-reformatorischen Theologie zu gehen“, zeigte sich Haarmann dankbar. „Antisemitismus bleibt für uns in erster Linie eine theologische Herausforderung“, unterstrich er im Kreis der „kirchlichen Parlamentarier“.

Zukunftsfähige Strukturen aufzubauen
Bedingt durch den Pfarrstellenwechsel des ehemaligen Flammersfelder Gemeindepfarrers Thomas Rössler-Schaake in das Schulpfarramt der Berufsbildenden Schule Wissen wurde dessen Stelle im kirchenleitenden Gremium, dem Kreissynodalvorstand, als zweiter stellvertretender Superintendent (Skriba) frei. Mit großer Mehrheit wählte die Synode des Kirchenkreises den Birnbacher Gemeindepfarrer Stefan Turk in das Amt des Skriba. Im Weiteren wählte die Kreissynode Pfarrer Heinz-Günther Brinken (Betzdorf) zum Vorsitzenden des synodalen Seelsorgeausschusses und Pfarrerin Kirsten Galla (Daaden) zu dessen Stellvertreterin. Angesichts von sinkenden Mitgliederzahlen, kleiner werdenden Gemeinden und fehlendem Pfarrernachwuchs ist der Kirchenkreis bereits seit mehreren Jahren auf dem Weg, zukunftsfähige Strukturen aufzubauen. Bei der diesjährigen Kreissynode galt es nun, das „Pfarrstellenrahmenkonzept 2020-2030“ zu verabschieden. Hier – so der einstimmige Synodenbeschluss (bei drei Enthaltungen) – will man Strukturen schaffen, die den Bedürfnissen in den Gemeinden der Regionen und auch bei den überregionalen Diensten (etwa Krankenhaus-Seelsorge) entsprechen.

Schwerpunkte bei den Ausgaben festlegen
Rund 5,5 Millionen Euro beträgt das Haushaltsvolumen des Kirchenkreis Altenkirchen in der Finanzplanung 2019. Wie in den Vorjahren kann der Haushalt nicht ausgeglichen angesetzt werden (Haushaltsfehlbetrag: 228 000 Euro) und muss durch die Entnahme von Rücklagen ausgeglichen werden. Belastetet wird er in 2019 etwa durch Tariferhöhungen, aber auch durch Sonderzuweisungen und Mehraufwendungen für den Datenschutz. Entlastet wird der Haushalt durch eine Steigerung bei der kreiskirchlichen Umlage. Angesichts von strukturellen Defiziten mahnte Verwaltungsamtsleiter Uwe Danner die kirchlichen Entscheidungsträger, notwendige Festlegungen vorzunehmen: „Es gilt deutliche Zeichen zu setzen, in welchen Arbeitsgebieten man künftig die Ressourcen einsetzen will und wo man auch auf Liebgewonnenes verzichtet.“

Bericht aus Muku
Tief bewegt ist eine kleine Delegation des Kirchenkreises von einer rund zweiwöchigen Reise aus dem Partnerkirchenkreis Muku (Kongo) zurückgekehrt. Die Freusburger Gemeindepfarrerin Almuth Germann und die beiden Jugendmitarbeiter Karolin Schukowski (Gebhardshain) und Michael Utsch (Kirchenkreis) hatten sich trotz schwieriger Voraussetzungen (immer wieder aufflackernde kriegerische Auseinandersetzungen und Ebola -Fälle) auf den Weg zu den afrikanischen Freunden gemacht. Die beiden, deren Besuchsschwerpunkt naturgemäß „Jugendarbeit“ war, berichteten der Synode anschaulich in Wort, Bild und Ton, wie sehr man sich über den Besuch der Deutschen in dem weitläufigen kongolesischen Partnerkreis gefreut hat. Noch immer ganz bewegt erzählten sie von sehr positiven Entwicklungen im Kirchenkreis Muku (u. a. Fertigstellung eines dringend benötigten Lager- und Verkaufshauses, das insbesondere auch der Existenzsicherung von Frauen dient) und den täglich wachsenden Herausforderungen (instabile politische Lage, Rückschläge in der Landwirtschaft und fehlende Infrastruktur im medizinischen und verkehrstechnischen Bereich). „Eigentlich sind die Voraussetzungen im Kongo angesichts von Bodenschätzen und akzeptablen klimatischen Bedingungen sehr günstig“, bilanzierten sie. „Aber die Menschen vor Ort können davon nicht profitieren!“

Geschenke aus dem Kongo
Der synodale Ausschuss für „Ökumene, Eine-Welt und Partnerschaftsarbeit“ im Kirchenkreis will sich gemeinsam mit dem Delegations-Trio in der kommenden Zeit intensiv damit beschäftigen, wie man angesichts der Herausforderungen eine weiterhin „aufbauende Partnerschaftsarbeit“ pflegen kann. „Wir sind sehr bereichert zurückgekommen“, unterstrichen die beiden Jugendmitarbeiter, „und davon wollen wir auch den Freunden in Muku wieder etwas zurückgeben!“ Einen liebevoll gebastelten „Freundschaftsring“ aus Bananenblättern, der von zwei stilisierten weißen und schwarzen Partnern aus Altenkirchen und Muku getragen wird, hatten die Muku-Reisenden als Geschenk der afrikanischen Freunde mitgebracht und überreichten ihn mit vielen guten Wünschen der Superintendentin. (PES)


Jetzt Fan der AK-Kurier.de Lokalausgabe Betzdorf-Gebhardshain auf Facebook werden!

Weitere Bilder (für eine größere Ansicht klicken Sie bitte auf eines der Bilder):
 


Kommentare zu: Synode des Evangelischen Kirchenkreises tagte in Betzdorf

Es sind bisher keine Kommentare vorhanden

Westerwälder Online-Schaufenster


Beliebte Artikel beim AK-Kurier


Senior kollidiert mit Bus und muss aus Auto befreit werden

In der Lindenallee in Hamm hat sich am Donnerstag, 24. September, gegen 11.30 Uhr ein Verkehrsunfall ereignet. Nach bisherigen Erkenntnissen fuhr ein 81-jähriger Pkw-Fahrer von einem Grundstück in die Lindenallee ein. Hierbei kam es zur Kollision mit einem Bus, der die Lindenallee in Richtung Roth befuhr.


Acht neue Corona-Fälle im Kreis seit Wochenbeginn

Die Zahl der Corona-Infektionen im Kreis Altenkirchen steigt weiter: In den vergangenen Tagen sind acht neue Fälle gemeldet worden. Zwei Personen werden derzeit stationär behandelt.


Förderung Neubau Hallenbad: Jüngerich mahnt Sachlichkeit an

Das Jahr 2021 ist gar nicht einmal mehr so weit entfernt. Nach momentanem Stand hat es zwei Urnengänge im Gepäck: im Frühjahr auf Landes- und im Herbst auf Bundesebene. Der Wahlkampf nimmt im AK-Land indes schon Fahrt auf. Die finanzielle Förderung des neuen Hallenbades in Altenkirchen ist der Gegenstand, über den sich MdB Erwin Rüddel (CDU) und Heijo Höfer als SPD-MdL "austauschten".


Kommt Genehmigung für Windräder auf dem Hümmerich im Mai?

Der geplante Bau von über 220 Meter hohen Windkrafträdern auf dem Hümmerich zwischen Mittelhof und Gebhardshain ist in eine entscheidende Phase getreten: Die ALTUS AG hat, wie berichtet, ergänzende Unterlagen zu ihrem Bauantrag eingereicht, die derzeit bei der Kreisverwaltung in Altenkirchen auf Vollständigkeit geprüft werden.


Bauprojekte in der Ortsgemeinde Niederfischbach schreiten voran

Die Planungen der Großprojekte in Niederfischbach, die vom Förderprogramm Lebendige Zentren gefördert werden, gehen derzeit gut voran. Auf der einen Seite handelt es sich um das Kirchenumfeld, das die Ortsgemeinde in Abstimmung mit der Kirchengemeinde umsetzen wird.




Aktuelle Artikel aus Region


Nister-Wiesensee-Tour: eine große Rundfahrt um den Wiesensee

Bad Marienberg. Die Tour ist rund 34 Kilometer lang und startet in der Stadtmitte von Bad Marienberg. Für diesen Ort sollte ...

Senior kollidiert mit Bus und muss aus Auto befreit werden

Hamm. Der Fahrer des Pkw wurde in seinem Fahrzeug eingeklemmt und musste von der Feuerwehr befreit werden. Er wurde anschließend ...

Förderung Neubau Hallenbad: Jüngerich mahnt Sachlichkeit an

Altenkirchen. 15,5 Millionen Euro kostet der Bau des neuen Hallenbades auf der Altenkirchener Glockenspitze. Das kann der ...

Kommt Genehmigung für Windräder auf dem Hümmerich im Mai?

Altenkirchen. Die BI Hümmerich, die sich für den Schutz der Natur und der Menschen rund um den Hümmerich vor diesen industriellen ...

Apfel- und Birnenernte in Pracht erfolgreich abgeschlossen

Pracht. Auch wurden einige Äpfel an der Sammelstelle abgegeben. Die Obsternte 2020 wurde bei der Kelterei abgegeben und gegen ...

Bauprojekte in der Ortsgemeinde Niederfischbach schreiten voran

Niederfischbach. Hier befindet sich die umfangreiche Gesamtplanung in den letzten Zügen, um die Ausschreibung der Maßnahme ...

Weitere Artikel


Antarktis – die letzten großen Abenteuer dieser Erde

Montabaur. Die Mächtigkeit des Eispanzers in der Antarktis erreicht fast 5.000 Meter. Die tiefste jemals gemessene Temperatur ...

Zeichen für Demokratie und Menschlichkeit gesetzt

Wissen. Mit einer besonderen Gedenkveranstaltung erinnerte der SPD-Kreisverband Altenkirchen gemeinsam mit den beiden Landtagsabgeordneten ...

Sommerferien an der italienischen Adriaküste

Altenkirchen/Kreisgebiet. Die nächste gemeinsame Ferienfahrt der Schulsozialarbeit im Landkreis Altenkirchen führt im Sommer ...

„Circus for Kids“: Menschen, Tiere, Sensationen

Hamm. Seit fast einem Vierteljahrhundert erarbeitet der Circus Rondel Programme mit Kindern. Innerhalb von ein paar Tagen ...

Bambini des SSV Hattert behaupten sich in Hamm

Hamm/Hattert. Am vergangenen Samstag fuhren die Bambini des SSV Hattert früh morgens zu ihrem ersten Hallenturnier der Saison, ...

Ein „Lama-Erlebnis“ im Advent

Altenkirchen/Katzwinkel. In ein paar Wochen ist Weihnachten und bis dahin ist es für viele Menschen noch eine stressige ...

Werbung