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Nachricht vom 01.12.2018    

Mit dem Schnuller am Smartphone: Lokales Netzwerk Kinderschutz tagte in Altenkirchen

Zum zehnjährigen Bestehen des Lokalen Netzwerks Kinderschutz und Frühe Hilfen hatte die Kreisverwaltung Altenkirchen Professor Dr. Rainer Riedel eingeladen. Der Direktor des Instituts für Medizinökonomie und medizinische Versorgungsforschung der rheinischen Fachhochschule Köln sprach über die zunehmende Digitalisierung unserer Gesellschaft und dem damit verbundenen Verlust der „analogen Wirklichkeit“ der Kinder.

Altenkirchen. An der diesjährigen Veranstaltung des Lokalen Netzwerks Kinderschutz des Jugendamtes Altenkirchen nahmen zahlreiche Vertreter und Vertreterinnen verschiedenster Berufsfelder teil. Neben diversen Kindertages- und Jugendhilfeeinrichtungen kamen 125 Personen von Jugend- und Gesundheitshilfe, der Polizei sowie Kinderärzte, Hebammen und weitere Professionen, die mit Kindern von Geburt an zu tun haben, zusammen.

Zum zehnjährigen Bestehen des Lokalen Netzwerks Kinderschutz und Frühe Hilfen hatte die Kreisverwaltung Altenkirchen Professor Dr. Rainer Riedel eingeladen. Der Direktor des Instituts für Medizinökonomie und medizinische Versorgungsforschung der rheinischen Fachhochschule Köln sprach über die zunehmende Digitalisierung unserer Gesellschaft und dem damit verbundenen Verlust der „analogen Wirklichkeit“ der Kinder. Dazu gab er wissenschaftliche Einblicke in die aktuelle Forschung (BLIKK-Studie) zum Aufwachsen von Kindern in Deutschland.

Bei dieser weltweit bisher einmaligen Studie wurden 5.573 Eltern und deren Kinder zum Umgang mit digitalen Medien befragt. BLIKK steht dabei für Bewältigung, Lernverhalten, Intelligenz, Kompetenz und Kommunikation. Der aufschlussreiche Aufbau der Veranstaltung mit abschließender Fragerunde zeigte deutlich die entstehenden möglichen gesundheitlichen Folgen für die Kinder auf, die zu früh und zu lange alleine vor den Bildschirm gesetzt werden.
Dabei legte Professor Riedel die Grenze „zu früh“ klar „unter drei Jahren“ fest. Er warnte Eltern eindringlich davor, sich in den ersten Lebensmonaten des Kindes in dessen Gegenwart zu sehr mit dem Smartphone zu beschäftigen, da durch den nicht entstehenden Blickkontakt so keine adäquate Bindung zum Baby aufgebaut werden könne. „Durch den Blickkontakt mit unserem Baby lernt es die Freude die wir mit einem Lächeln ausdrücken mit in sein Leben zu nehmen, erfährt die verschiedenen Mimiken, was sie zu bedeuten haben und kann diese dann spiegeln.“ machte er deutlich. „Der Blickkontakt setzt die ersten Voraussetzungen dafür, dass wir uns später in andere Menschen hinein versetzen und Empathie zeigen können.“ Babys und Kinder sollen daher vor allem in den ersten drei Lebensjahren ausschließlich die Möglichkeiten der analogen Welt kennen und schätzen lernen. Für eine normale kindliche Entwicklung sind haptische Erfahrungen wie das Spielen im Sand, Bauen mit Bauklötzen und das Training des Gleichgewichtssinns auf dem Rädchen unabdingbar. „Diese rein körperlichen Erfahrungen sind durch keine Technik der Welt zu ersetzen“, stellte Riedel deutlich heraus. Genauso sieht er es auch in den kognitiven Lernbereichen der Kinder. Nur durch Gespräche und das Miteinander in Familie sowie Gesellschaft können Kinder „Werte wie Verantwortung, reale Kommunikation, Teamgeist und Freundschaft“ erlernen.



Aber auch nach dem dritten Lebensjahr gilt es, die Kinder nicht alleine vor den Bildschirm zu setzen, sondern den Nachwuchs bei der Nutzung zu begleiten und Medien gemeinsam mit dem Kind zu erleben. Bei der Frage nach einem frühen sorgsamen Umgang mit Medien konnte Professor Riedel auch hier klar Stellung beziehen. Er warb in seinem Vortrag die „Vorteile einer inzwischen globalen digitalen Welt zu nutzen, ohne dabei auf die Erlebnisse mit Freunden im Alltag zu verzichten“. Dabei sollten sich Eltern seiner Meinung nach keine Sorgen darüber machen, dass ihr Nachwuchs „zu spät“ mit Medien in Kontakt kommt und womöglich den Anschluss verpasst. Er machte deutlich, dass es keinen Zeitpunkt gibt, an dem es „zu spät“ für die Kinder ist: „Die heutigen technologischen Möglichkeiten sind für Kinder auch noch nach dem Grundschulalter problemlos erlernbar, zumal fast alles intuitive Techniken sind.“ (PM)


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