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Nachricht vom 18.12.2018 - 19:27 Uhr    

Graf Alexander von Hachenburg wurde zum Wolf

Der Kultur- und Verkehrsverein (KuV) Limbach hatte am Montag, 17. Dezember zu einem Vortrag über Graf Alexander von Hachenburg eingeladen. Als der Referent, der Hachenburger Stadtarchivar Dr. Jens Friedhoff, nach einer halben Stunde Wartezeit noch nicht angekommen war, bot sich der im Publikum anwesende Diplom-Biologe Dr. Frank Wörner spontan als Diskussionsleiter zum Thema „Wolf“ an. Damit hatte er einen Nerv getroffen, denn es entspann sich ein lebhaftes Gespräch und die Zuhörer blieben, bis Ralph Hilger vom KuV mit Blick auf die Uhr die Veranstaltung beendete.

Ganz spontan, ohne Bildmaterial aber sehr profund gestaltete Dr. Frank Wörner einen Informations- und Diskussionsvortrag über Wölfe. Fotos: Helmi Tischler-Venter

Limbach. Wörners Impulsfrage war: Haben wir den Wolf im Westerwald? In diesem Jahr gab es mehrere C1-Nachweise, das heißt genetisch gesichertes Material von toten Tieren oder Losung. Bei C2-Nachweisen wurde ein Wolf gesehen oder gehört. Seit der Wolf vor zwölf Jahren im Westerwald erschossen wurde, gab es 15 Nachweise. Die Frage sei nicht, ob der Wolf kommt sondern wann. Nachdem 1904 der letzte Wolf, genannt „Tiger von Saarburg“ erschossen worden war, galten Wölfe in Deutschland als ausgerottet. Wörner behauptete dagegen, dass der Wolf als Wechseltier immer präsent war.

Verteilungsmuster zeigen, dass die Tiere von Polen her zuwandern. Heidewölfe wurden bis Mitte/Ende der 50er Jahre geschossen – genau da, wo sie jetzt auch sind. Der im Westerwald erschossene Wolf tauchte ein Jahr, nachdem er bei Gießen in einen Verkehrsunfall verwickelt gewesen war (C1-Nachweis), im März 2012 bei Hartenfels wieder auf, wo er am 20. April erschossen wurde. Im Mai 2016 riss ein Wolf (per Fotonachweis belegt) in Dierdorf-Giershofen in zwei Nächten erst acht Tiere, dann noch einmal eins in einem Dammwildgehege. In Neustadt/Wied gibt es von Ende 2017 bis dieses Jahr mehrere Nachweise durch Risse. Plötzlich taucht ein Wolf beziehungsweise eine Fähe am Stegskopf auf, es gibt Sichtungen und Fotonachweise des Bundesförsters über mehr als sechs Monate, das bedeutet: Es handelt sich um einen territorialen Wolf!

Daher war es wichtig, dass am 30. Mai der Westerwald zum Präventionsgebiet erklärt wurde, weil dadurch die Weideviehhalter für Schutzmaßnahmen 90 Prozent der Kosten erstattet bekommen. In Stufen: Im ersten Jahr werden die Schäden ersetzt, im zweiten Jahr nur, wenn die Herde adäquat gesichert war und ein Wolf nachweislich die Ursache war. Wörners Meinung ist klar: Wenn die Gesellschaft den Wolf will, muss sie dafür sorgen, dass die Menschen entschädigt werden, die dadurch Schaden erleiden, das sind die Weideviehhalter, in erster Linie Schafzüchter. Sie sind gehalten, ihre Tiere zu sichern durch entsprechende Zäune und /oder Herdenschutzhunde. Das sind große ruhige Hunde, denen der Tötungsbiss abtrainiert wurde, Arbeitshunde, die bei der Herde sind und sich selbst für das Tier halten, das sie bewachen. Durch deren Präsens wird der Wolf verblüfft, das reicht meistens schon.

Auf die Frage, warum ein Wolf mehr Tiere tötet, als er fressen kann, erklärte der Diplom-Biologe, das sei der „Overkill“: Der Wolf sei es nicht gewohnt, dass seine Beute nicht wegläuft, daher müsse er zubeißen solange etwas zappelt. Füchse und Marder machen das ebenso, wie Geflügelhalter oft leidvoll erfahren müssen.

Der Wolf polarisiert: Es gibt glühende Gegner und Befürworter. Wörner appelliert, man müsse mit Ruhe die Fakten sichten. Klar ist: Wenn ein Wolf auffällig wird, muss er weg! Der schlechte Ruf als „Menschenfresser“ sei in der napoleonischen Zeit entstanden, als Wölfe herumliegende Leichen anfraßen. In der Folge setzte die scharfe Verfolgung der Wölfe ein. Bei Wolfsjagden wurde dann auf der Montabaurer Höhe 1886 der letzte Wolf im Westerwald erschossen. Das Märchen vom Wolf und Rotkäppchen ist eine Warnung vor dem Mann, der die Unschuld des Mädchens frisst.

„Der Wolf kommt auf eigenen Pfoten“, behauptet Wörner, denn er kann pro Nacht 50 bis 60 Kilometer zurücklegen. Der Westerwald bietet sich als Region für Wanderwölfe an. Der Wolf braucht keine Wälder, hat aber Probleme mit den vielen Verkehrswegen: Drei Autobahnen, ICE-Trasse, mehrere Eisenbahnlinien und Bundesstraßen sind eine große Bedrohung. Die Ernährungslage ist gut, aber der Stegskopf hat nur eine Fläche von 20 Quadratkilometern, das reicht nur für einen einzigen Wolf. Ein Rudel hat einen Platzbedarf von 250 bis 300 Quadratmetern. Im Hinblick auf die extreme Wildschweindichte in unseren Wäldern „könnten wir hier ein paar Wölfe gebrauchen“, meinte der Fachmann und belegte das mit Zahlen zur jährlichen Jagdstrecke.

Wie der Mensch auf den Hund kam, erklärt sich aus den Wesensparallelen von Mensch und Wolf: Sowohl der Neandertaler als auch der Wolf waren Jäger, territorial und sozial. Wölfe sind Vorbilder für soziales Zusammenleben. Und „von allen Tieren, die wir haben, ist der Wolf das ungefährlichste.“

Zum Abschluss des interessanten Abends „belohnte“ Ralph Hilger, der es sensationell fand, „dass Graf Alexander zum Wolf wurde“, den Spontanreferenten mit einer Packung Limbacher Apfelsaft.

Es bleibt zu hoffen, dass Dr. Friedhoff nichts Schlimmes widerfahren ist und der ausgefallene Vortrag in Kürze nachgeholt werden kann. Der KuV wird das auf seiner Homepage veröffentlichen: http://www.kuv-limbach.de. htv

Ergänzung: Inzwischen ist klar, dass eine Autopanne Dr. Friedhoff aufhielt und die Kommunikation nicht zeitgerecht funktionierte. Der Vortrag wird bald nachgeholt werden, wahrscheinlich in der ersten Februarwoche.



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