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Nachricht vom 18.12.2018 - 16:27 Uhr    

Holzbachtalbahn Altenkirchen – Selters gerettet

Die Lappwaldbahn Service GmbH (LWS) ist seit dem 26. November neuer Eigentümer der Eisenbahnstrecke von Altenkirchen nach Selters. Das Unternehmen hat viel Erfahrung in der erfolgreichen Sanierung und Wiederbelebung von Bahnstrecken. Für den Schienengüterverkehr im Westerwald sieht die LWS sehr günstige Perspektiven.

Westerwaldbahn bei Reichenstein. Foto: privat

Region. Es klingt schon ziemlich paradox: Eine Nebenbahn mit hohem Güteraufkommen, deren Nutzung allen interessierten Eisenbahnverkehrsunternehmen jederzeit offen-steht, sollte stillgelegt und dem Abriss zum Opfer fallen. Und das in Zeiten, in denen Klimaerwärmung und Verkehrsinfarkt auf der Straße einen immer bedrohlicheren Umfang annehmen. Diese Absicht ist umso mehr unverständlich, als dass gleich mehrere Unternehmen in der Region den Wunsch oder die Absicht bekundet haben, Güterverkehr von der Straße auf die Schiene zu verlagern. Sicherlich spielen dabei auch Überlegungen eine Rolle, das neue Schiene-Straße-Kombiterminal in Kreuztal nutzen zu können. Bedingung ist aber: Die Bahn muss zuverlässig funktionieren und das auch auf lange Sicht.

Die DB Cargo AG als einer der wichtigen Akteure im Westerwälder Schienengüterverkehr möchte die Strecke als Alternativroute erhalten wissen, denn für den sehr umfangreichen Tonverkehr aus der Region steht allein die Nebenbahn Siershahn – Montabaur – Limburg als Abfuhrstrecke zur Verfügung. Im Fall von Betriebsstörungen und Bauarbeiten mussten in der Vergangenheit immer wieder Züge über Altenkirchen umgeleitet werden, um die planmäßige Belieferung der Kunden sicherzustellen. Sollte es auf der Nebenbahn Limburg – Siershahn im Regionalbahnverkehr zukünftig zu einem durchgehenden Stundentakt kommen, wird es hier mit freien Trassen für den Güterverkehr noch schwieriger werden. Nicht zuletzt aus diesem Grund muss die Strecke Altenkirchen – Siershahn durchgängig für den schweren Güterverkehr erhalten bleiben. Und dass eine gut unterhaltene Eisenbahnlinie dann auch für touristische Zwecke genutzt werden kann, erklärt sich von selbst.

Die vollständige Rückverlagerung des derzeit über Limburg laufenden Güterverkehrs wird aus verschiedenen Gründen nicht schon im Dezember 2018 erfolgen können, sondern erst Ende Mai 2019. Auf der Holzbachtalbahn verkehrt aktuell nur an Samstagen ein Güterzugpaar, das aufgrund der hohen Auslastung im Bereich Siershahn/Limburg seit Sommer 2018 wieder über Altenkirchen geführt wird.

Schon einmal entging die 1984 von der Deutschen Bundesbahn für den Schienenpersonenverkehr und bald darauf auch in Teilen für den Güterverkehr stillgelegte Holzbachtalbahn dem drohenden Ende. 2006 gelang es, die Strecke Altenkirchen – Selters nach Übernahme durch die Westerwaldbahn (WEBA) wieder durchgehend in Betrieb zu nehmen, während der sich in Selters nach Süden anschließende Streckenabschnitt als Bahnhofsgleis beziehungsweise Serviceeinrichtung des Bahnhofs Siershahn weiterhin vorgehalten und an die WEBA verpachtet wurde.

Auslöser der 2017 aufgekommenen Stilllegungsdiskussion waren unter anderen die WERIT-Kunststoffwerke W. Schneider GmbH & Co in Altenkirchen, die über Brüsseler Fachanwälte Beschwerde bei der Europäischen Kommission gegen die Gewährung von Beihilfen zur Sanierung der Holzbachtalbahn eingelegt hatten. Das Unternehmen sah in möglichen Fördermitteln des Landes Rheinland-Pfalz die einseitige Begünstigung eines Industrieunternehmens in Selters, dem als letzten verbliebenen Frachtempfänger an der Holzbachtalbahn Stahlcoils verschiedener Produzenten im In- und Ausland frachtfrei zugestellt wurden.

Die Westerwaldbahn war als Eigentümer und Betreiber der rund 34 Kilometer langen Strecke unter diesen Voraussetzungen nicht länger bereit, den weiteren Unterhalt der Eisenbahninfrastruktur zu verantworten, zog die Bremse und bot die Holzbachtalbahn Dritten zur Übernahme an. Ein solches Bieterverfahren ist die Voraussetzung, um ein Stilllegungsverfahren nach Paragraph 11 des Allgemeinen Eisenbahngesetztes (AEG) einleiten zu können.

Es gab drei Bewerber, übrig blieb nach umfangreichen Verhandlungen die Lappwaldbahn Service GmbH (LWS), die seit dem 26. November 2018 nun neuer Eigentümer der Strecke Altenkirchen – Selters ist. Die LWS wird 2019 zunächst dringend notwendige Reparaturen vor allem an den Brücken durchführen, bevor ab 2020 eine umfassende Ertüchtigung vorgesehen ist. Im Zuge der Baumaßnahmen wird es aller Voraussicht nach noch einmal zu einer vorübergehenden mehrmonatigen Streckensperrung kommen, um Baufreiheit für die Erneuerung einiger Brücken zu erlangen. Die Güterzüge müssen während dieser Zeit umgeleitet werden.

Bestandteil des Sanierungskonzepts der LWS ist u. a. die Erneuerung und technische Sicherung des Bahnübergangs an der Bundesstraße 413 in Dierdorf. Ein zweiter Bahnübergang in Dierdorf sowie ein weiterer in Marienrachdorf sollen baldmöglichst ebenfalls mit Lichtzeichen und Schranken ausgestattet werden. Neue Fahrbahnbeläge sollen in den Bahnübergangsbereichen allgemein für eine deutliche Reduzierung des Verkehrslärms sorgen. Die dafür im Vorfeld notwendigen und zeitaufwendigen Plangenehmigungsverfahren werden in Kürze angestoßen.

Das Unternehmen LWS aus Weferlingen in Sachsen-Anhalt hat Erfahrung mit der erfolgreichen Übernahme von vermeintlich perspektivlosen Eisenbahnstrecken und betritt im Westerwald keineswegs Neuland. Nach erfolgreichen Übernahmen und Streckensanierungen im Bereich Niedersachsen/Sachsen-Anhalt wird in Nordrhein-Westfalen derzeit der Nordteil der Teutoburger Wald-Eisenbahn für den schweren Güterverkehr ertüchtigt. Gäbe es das Engagement der LWS nicht, wäre die Strecke dort ebenfalls nicht zu retten gewesen. (PM)



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Kommentare zu: Holzbachtalbahn Altenkirchen – Selters gerettet

3 Kommentare

Ja eine gute Nachricht, obwohl sich der Ablauf alles andere als rühmlich für die Beteiligten darstellt!
*Warum passieren angeblich so viele "Fehler" bei der Ausschreibung der Strecke?
*Warum gibt es nun neue Interessenten, die von der Straße auf die Schiene wechseln wollen? Hiermit hätte die WEBA seinerzeit kostendeckende Einnahmen vorweisen können und die Klage von Werit wäre haltlos gewesen!
*Fakt ist in diesem Fall, dass ein stark wachsendes Unternehmen in die Infrastruktur investiert hat und daher Druck ausübt, den Schienenverkehr nutzen zu können. Die Bahn wollte dies wieder übernehmen, hat aber leider anscheinend nicht die notwendigen Kapazitäten dafür.... Zudem ist die Strecke nach Limburg zu stark frequentiert!
Man kann dem Team und der damaligen Führung der WEBA nur dankbar sein, dass eine so schöne und anscheinend auch rentable Strecke vor 20 Jahren erhalten wurde, um sie für die Zukunft nutzen zu können!
Ich hätte mir, in Zeiten von Dieselskandal, CO2 Grenzen und Stickoxiden, mehr Engagement von Seiten der Politik gewünscht.
Ich bin gespannt, was die LWS aus der Sache macht! :-)

#3 von M.Nöller, am 26.12.2018 um 10:53 Uhr
Sehr gut, vor allem wenn dann auch noch Haltestellen, Bahnhöfe, wiederbelebt werden können wird es einen Gewinn für die Region.
#2 von Gerd Olzem , am 20.12.2018 um 21:11 Uhr
Das sind die erfreulichsten Nachrichten im Bahnbetrieb im Westerwald. Diese wunderschöne Strecke wird erhalten und auch noch umfangreich saniert werden. Ein ganz grosses "Daumen hoch" der LWS. Wenn dann die Strecke auch noch touristisch ( wenn auch vlt. nur am Wochenende und an Feiertagen ) genutzt werden kann und wird, wird es wieder eine reizvolle Attraktion im WW mehr geben. Ich freue mich schon darauf.
#1 von Burkhard Pritzer, am 18.12.2018 um 22:28 Uhr

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