Werbung

Nachricht vom 21.12.2018    

Studie: 36 Prozent der Beschäftigten im Kreis droht Mini-Rente

In einem größeren Ausmaß als bislang angenommen droht den Menschen im Kreis Altenkirchen Altersarmut. Das zumindest sieht die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) so. Sie bezieht sich auf eine Studie des Pestel-Instituts. Rund 17.000 Arbeitnehmer im Kreis Altenkirchen würden – so, wie sie heute arbeiten – nur eine Rente unterhalb der staatlichen Grundsicherung bekommen. Die Schwelle für „Alters-Hartz-IV“ liegt im Kreis Altenkirchen bei aktuell 711 Euro im Monat.

Sich stützen können im Alter – auch auf die gesetzliche Rente: Darauf ist der Großteil der Rentner angewiesen. (Foto: NGG)

Altenkirchen/Kreisgebiet. Dem Landkreis Altenkirchen droht Altersarmut – in einem größeren Ausmaß als bislang angenommen. Das befürchtet die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). Rund 17.000 Arbeitnehmer im Kreis Altenkirchen würden – so, wie sie heute arbeiten – nur eine Rente unterhalb der staatlichen Grundsicherung bekommen. Und das, wenn sie nach immerhin 45 Berufsjahren in den Ruhestand gingen. Das sind 36 Prozent aller Beschäftigten im Kreis. Die Schwelle für „Alters-Hartz-IV“ liegt im Kreis Altenkirchen bei aktuell 711 Euro im Monat. Dabei sind insbesondere die Kosten fürs Wohnen berücksichtigt. Dies geht aus einer Renten-Analyse des Pestel-Instituts hervor. Die Wissenschaftler aus Hannover haben dabei für die Gewerkschaft NGG amtliche Statistiken ausgewertet.

Mehr Rentner in Armut?
Demnach könnte die Zahl armutsgefährdeter Rentner im Landkreis Altenkirchen künftig noch deutlich steigen – nämlich dann, wenn die durchschnittliche Rente bis zum Jahr 2030 auf nur noch 43 Prozent des Einkommens abfallen sollte. Dann gäbe es mehr als 24.000 Menschen, die nach 45 Beitragsjahren bei einer Rente unterhalb der Grundsicherung landen, so das Pestel-Institut. Volker Daiss, Geschäftsführer der NGG-Region Mittelrhein, spricht von „alarmierenden Zahlen“. Wer ein Leben lang gearbeitet habe, müsse später auch von seiner Rente leben können. „Am Ende steht hier das Vertrauen in die staatliche Altersvorsorge und damit der gesellschaftliche Zusammenhalt auf dem Spiel.“ Die Bundesregierung hat eine Sicherung des Rentenniveaus bei 48 Prozent bis lediglich 2025 vereinbart. „Das reicht nicht aus“, so Daiss. Die Große Koalition müsse das Rentenniveau längerfristig stabilisieren und möglichst anheben.

Arbeitgeber am Zug
Zugleich sieht die NGG die Arbeitgeber in der Pflicht. „Klar ist, dass aus Mini-Löhnen keine Spitzen-Renten werden“, betont Daiss. Gerade in Branchen wie dem Gastgewerbe und Bäckerhandwerk müssten im Kreis Altenkirchen viele Beschäftigte im Alter aufstocken. „Dabei haben Hoteliers, Gastronomen und Bäckermeister bei der Bezahlung durchaus Spielraum. Anstatt auf Aushilfen mit wenigen Wochenstunden zu setzen, sollten sie reguläre Vollzeitstellen schaffen – und zwar bezahlt nach Tarif“, so der Gewerkschafter.

Frauen stärker betroffen
Viele Beschäftigte hätten zwar das Glück, dass der Partner mehr verdiene und so die Haushaltskasse im Rentenalter aufbessere. Doch häufig sei das Geld selbst dann sehr knapp. Gerade wer nur einen Teilzeit- oder Minijob habe, müsse sich auf einen „extrem mageren Rentenbescheid“ einstellen. Frauen seien davon besonders häufig betroffen. Sogar unter Vollzeitbeschäftigten hat nach Berechnungen des Pestel-Instituts aktuell rund jeder Dritte im Kreis Altenkirchen einen Rentenanspruch von weniger als 1.000 Euro monatlich – nach 40 Arbeitsjahren. Eine gute tarifliche Altersvorsorge könne zwar dabei helfen, dass im Alter etwas mehr übrig bliebe. „Aber Zusatzrenten sind nicht dafür da, ein immer geringeres Rentenniveau der gesetzlichen Rentenversicherung auszugleichen“, so Daiss. Sein Fazit: „Der Staat muss die gesetzliche Rente sichern. Alle Beschäftigten sind auf sie angewiesen. Und die Arbeitgeber müssen bei Löhnen, Arbeitszeiten und Zusatzvorsorge viel mehr tun, damit die Menschen ihren Lebensabend genießen können.“ (PM)


Lokales: Altenkirchen & Umgebung

Jetzt Fan der AK-Kurier.de Lokalausgabe Altenkirchen-Flammersfeld auf Facebook werden!


Kommentare zu: Studie: 36 Prozent der Beschäftigten im Kreis droht Mini-Rente

Es sind bisher keine Kommentare vorhanden

Anmeldung zum AK-Kurier Newsletter


Mit unserem kostenlosen Newsletter erhalten Sie täglich einen Überblick über die aktuellen Nachrichten aus dem Kreis Altenkirchen.

» zur Anmeldung



Aktuelle Artikel aus Politik


Heftige Diskussionen bei politischem Besuch in Betzdorf: FDP-Spitzenpolitikerinnen unter Beschuss

Betzdorf. Die Veranstaltung war von großem Interesse, aber nicht ohne kritische Stimmen geblieben. Etwa 60 Demonstranten ...

CDU-Bundestagsabgeordneter Erwin Rüddel bittet um Meldungen zum Girls' Day

Region/Berlin. Organisiert wird die vom 24. bis 26. April dauernde Veranstaltung von der Konrad-Adenauer-Stiftung sowie der ...

Hans Gerd Altgeld ist neuer Ortsbürgermeister in Stürzelbach

Stürzelbach. Bereits im Januar wurde durch die Wahl klar, dass Hans Gerd Altgeld das Amt des Ortsbürgermeisters in Stürzelbach ...

FWG-Kreisverband Altenkirchen stellt Kandidatenliste zur Kommunalwahl 2024 auf

Elkenroth. Ganz bewusst hatte sich der Vorstand um ein hohes Maß an Ausgewogenheit bemüht, damit zum Beispiel möglichst viele ...

CDU-Gemeindeverband Heller-Daadetal nominiert Kandidaten für Verbandsgemeinderatswahl

Daaden. Die breite Palette der nominierten Kandidaten spiegelt das vielfältige Engagement und die unterschiedlichen Erfahrungen ...

127 Millionen Euro Fördergelder fließen in den Wahlkreis Neuwied/Altenkirchen

Region. Gefördert werden unter anderem Gründungen und Investitionen von Unternehmen. Der heimische Bundestagsabgeordnete ...

Weitere Artikel


Kindergarten Güllesheim: Verbandsgemeinderat ebnet den Weg

Flammersfeld. In seiner Jahresabschlusssitzung im Dorfgemeinschaftshaus in Güllesheim beschloss der Verbandsgemeinderat Flammersfeld ...

Jugendmedienworkshop im Deutschen Bundestag

Berlin/Region. „Das unsichtbare Geschlecht – Wie gleichberechtigt ist unsere Gesellschaft?“, lautet das Motto zum Medienworkshop ...

Weihnachtsgeld: Schöne Bescherung – doch wer hat Anspruch?

Region. Sonderzahlung, Gratifikation oder Weihnachtsgeld: Für viele Arbeitnehmer ein angenehmer Geldsegen zum Jahresende. ...

Mainzer Industriereferent im Kreis: Wo drückt der Schuh im Mittelstand?

Altenkirchen/Kreisgebiet. Um herauszufinden, vor welchen Problemen und Herausforderungen Betriebe aktuell stehen, besuchte ...

Erfolgreiche Gürtelprüfung der Taekwondo-Supersonics

Wallmenroth. In der Wallmenrother Sporthalle fand Anfang Dezember wieder eine Taekwondo-Gürtelprüfung statt. Diesmal wurde ...

Bring On The Night: Ein Abend (nicht nur) für Sting-Fans

Wissen. „Message in a bottle”, „Every breath you take”, „Englishman in New York“, „All this time“, „Fields of gold“: Die ...

Werbung