Werbung

Nachricht vom 09.01.2019 - 15:42 Uhr    

Kreis Altenkirchen: Neuer Mindestlohn bringt 460.000 Euro Extra-Kaufkraft

Keiner darf weniger als 9,19 Euro pro Stunde verdienen. Das ist jetzt der gesetzliche Mindestlohn. Beschäftigte haben damit mehr Geld in der Tasche und können sich mehr leisten. Trotzdem ist „noch reichlich Luft nach oben“, meint die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). Die Wirtschaft im Kreis profitiert: Die Kaufkraft wächst durch das Mindestlohn-Plus in diesem Jahr um rund 460.000 Euro.

Der Mindestlohn steigt ab Januar um 35 Cent auf jetzt 9,19 Euro pro Stunde – und mit ihm der Verdienst von 1.970 Menschen im Landkreis Altenkirchen. (Foto: NGG)

Kreisgebiet. Der Mindestlohn steigt ab Januar um 35 Cent auf jetzt 9,19 Euro pro Stunde – und mit ihm der Verdienst von 1.970 Menschen im Landkreis Altenkirchen. So viele Beschäftigte arbeiten hier derzeit zum gesetzlichen Lohn-Minimum. Auch die Wirtschaft im Kreis profitiert: Die Kaufkraft wächst durch das Mindestlohn-Plus in diesem Jahr um rund 460.000 Euro. Das teilt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) mit und beruft sich auf eine aktuelle Analyse des Pestel-Instituts aus Hannover, das die Auswirkungen der Mindestlohn-Entwicklung regional untersucht hat.

Lohnuntergrenze soll armutsfest werden
„Mal ins Kino oder Essen gehen. Und auch mal etwas Neues für den Haushalt anschaffen – fast jeder Euro, den Mindestlohn-Beschäftigte am Monatsende extra haben, fließt in den Konsum. Und einen Großteil davon geben sie vor Ort aus“, sagt Volker Daiss von der NGG-Region Mittelrhein. Denn wer zum untersten Lohn arbeite, könne nichts auf die hohe Kante legen. Für den Gewerkschafter ist der gesetzliche Mindestlohn aber auch nach der aktuellen Erhöhung zu niedrig: „Selbst für eine Vollzeitkraft ist es extrem schwer, mit dem Mindestlohn klarzukommen. Gerade dann, wenn auch noch Kinder im Haushalt leben. Und bei steigenden Mieten sowieso“, so Daiss. Die NGG fordert deshalb ein deutlich stärkeres Mindestlohn-Plus. Erst in einer Größenordnung von mehr als zwölf Euro pro Stunde werde die Lohnuntergrenze „langsam armutsfest“.

NGG-Geschäftsführer Daiss sieht bei den Löhnen „Luft nach oben“ und die Arbeitgeber in der Pflicht: „In Branchen wie dem Gastgewerbe und dem Bäckerhandwerk gehen trotz guter Wirtschaftslage selbst Fachkräfte oft nur mit dem gesetzlichen Minimum nach Hause.“ Messlatte sei aber nicht der Mindestlohn, sondern der Tariflohn. Daiss prangert die zunehmende Tarifflucht als Hauptgrund dafür an, „dass seit Jahren viel zu viele Menschen im Niedriglohnsektor gefangen sind“ und fordert die Unternehmen auf, sich zu Tarifverträgen zu bekennen: „In den Tarifverträgen der NGG sind meist deutlich höhere Löhne, auch in den unteren Lohngruppen, vereinbart. Und wer nach Tarif zahlt, der hat auch zufriedenere Mitarbeiter, die sich im Job engagieren.“

Zu viele Schlupflöcher
Daiss betont, dass von der Einführung des gesetzlichen Mindestlohns seit 2015 rund vier Millionen Menschen profitiert haben. Allerdings werde dieser gesetzliche Anspruch viel zu wenig kontrolliert, weil die Finanzkontrolle Schwarzarbeit nach wie vor nicht ausreichend personell ausgestattet sei. „Es gibt viel zu viele Schlupflöcher: Arbeitszeiten werden nicht korrekt erfasst oder Überstunden nicht bezahlt, um den Mindestlohn massenhaft zu umgehen. Das ist ein Skandal“, kritisiert der Gewerkschafter und fordert die Beschäftigten auf, ihre Januar-Lohnabrechnung genau zu kontrollieren.

Bei seiner Einführung 2015 lag der gesetzliche Mindestlohn bei 8,50 Euro pro Stunde. Nach dem Mindestlohngesetz steigt er alle zwei Jahre. Wie hoch das Plus ist, hängt insbesondere von der Entwicklung der Tarifverdienste ab. Die NGG war die erste Gewerkschaft, die sich für die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns stark gemacht hat.

Ein Euro mehr brächte dem Kreis 4 Millionen Euro
Nach Berechnungen des Pestel-Instituts hätte ein höherer Mindestlohn starke Auswirkungen auf die regionale Wirtschaft: Würde der gesetzliche Mindestlohn um einen weiteren Euro – auf dann 10,19 Euro – steigen, wäre damit allein im Landkreis Altenkirchen ein Anstieg der Kaufkraft um 4 Millionen Euro im Jahr verbunden. Denn davon würden dann sogar rund 4.800 Menschen profitieren – nämlich neben den bisherigen Mindestlohnempfängern auch die Beschäftigten, die derzeit für einen Stundenlohn arbeiten, der nur knapp oberhalb des gesetzlichen Mindestlohns liegt. (PM)

---
Jetzt Fan der AK-Kurier.de Lokalausgabe Altenkirchen auf Facebook werden!


Kommentare zu: Kreis Altenkirchen: Neuer Mindestlohn bringt 460.000 Euro Extra-Kaufkraft

1 Kommentar

Ob ich jetzt 9,19 Euro die Stunde verdiene oder 15 es macht keinen Unterschied ausser das ich weniger Stunden habe......bei 450 Euro ist schicht,da müsste dran gearbeitet werden !
#1 von Dirk, am 09.01.2019 um 16:23 Uhr

Aktuelle Artikel aus der Wirtschaft


Mindestlohn für 1.050 Bauarbeiter im Kreis Altenkirchen gestiegen

Kreisgebiet. Mehr Geld für Maurer und Co.: Die 124 Bauunternehmen im Landkreis Altenkirchen müssen Facharbeitern nun mindestens ...

Roulette Online – Worauf muss geachtet werden?

Roulette ist bereits seit mehreren Jahrhunderten eines der beliebtesten Glücksspiele der Welt. Kein Wunder also, dass es ...

Strafgebühr und Sperren für Arzttermin-Schwänzer

Wenn der Patient nicht zum Termin erscheint

Die ärztliche Versorgung in Rheinland-Pfalz ist nicht überall gut. ...

Westerwald Bank erneut als bester Arbeitgeber ausgezeichnet

Hachenburg/Region. Bei der Westerwald Bank wird Arbeitgeberattraktivität großgeschrieben - und der Erfolg gibt dem Unternehmen ...

Zehn Jahre EventPartner in Birken-Honigsessen

Birken-Honigsessen. Mit einer Piaggio APE, einem Gefährt mit drei Rädern, fing alles an: Die Brüder Dirk und Thomas Broschk ...

Sparkasse Westerwald-Sieg fördert Sportabzeichen mit 75.700 Euro

Hachenburg. Achim Schwickert betonte in seinem Grußwort, wie wichtig es sei „den Sport in die Breite der Bevölkerung zu bringen“, ...

Weitere Artikel


Nächtliche Einbrüche in Daaden: Ein Täter wurde gesehen

Daaden. Gleich mehrere Vorfälle meldet die Kriminalinspektion Betzdorf aktuell aus Daaden. Im Zeitraum von Dienstag, dem ...

Eine Schicksalswahl für Europa

Altenkirchen. Etwa 40 junge Christdemokraten aus elf Landkreisen des nördlichen Rheinland-Pfalz erarbeiteten zusammen ein ...

Festliche Posaunenklänge zum Neujahrskonzert in Marienstatt

Marienstatt. Schrietter selbst war viele Jahre Soloposaunist der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz und lehrt nach ...

Brand in einer Firmenhalle forderte Feuerwehreinsatz

Neitersen. Am Dienstagnachmittag (8. Januar) wurden die Feuerwehren Neitersen und Altenkirchen zu einem Einsatz im Gelände ...

Freiherr-vom-Stein-Gymnasium: Neue Streicherklasse geplant

Betzdorf. Zum kommenden Schuljahr 2019/2020 bietet das Freiherr-vom-Stein-Gymnasium (FvSG) in Betzdorf wieder eine Streicherklasse ...

Helena Peters ist neue Kreisvorsitzende der Schüler-Union

Betzdorf/Kreisgebiet. Die Schüler-Union (SU) im Landkreises Altenkirchen hat einen neuen Vorstand gewählt. Dabei gab der ...

Werbung