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Nachricht vom 26.01.2019    

Sozialstaat 4.0: Neujahrsempfang in Hamm regte zum Nachdenken an

Auch in diesem Jahr luden die beiden Kirchengemeinden und die Verbandsgemeinde Hamm (Sieg) wieder zum Neujahrsempfang ins Dietrich-Bonhoeffer-Haus ein. Zahlreiche Gäste waren gekommen, um den Vortrag von Prof. Dr. Stefan Sell zu hören und im Anschluss in regen Austausch zu treten.

Prof. Dr. Stefan Sell referierte beim 22. Neujahrsempfang der VG Hamm zum Thema "Sozialstaat 4.0". (Fotos: Regina Steinhauer)

Hamm/Sieg. Seit 22 Jahren Jahren werden die verschiedensten Referenten zum Neujahrsempfang der Verbandsgemeinde Hamm eingeladen, um über bestimmte Themen zu informieren.

Dieses Mal hat man sich dem Thema „Sozialstaat 4.0: Zwischen bedingungslosem Grundeinkommen und kommunalen Kümmerern von der Wiege bis zur Bahre“ gewidmet.
Als Referenten konnte man dazu in diesem Jahr einen Experten in Arbeitsmarktfragen gewinnen: Professor Dr. Stefan Sell. Er lehrt Volkswirtschaftslehre, Sozialpolitik und Sozialwissenschaften am RheinAhrCampus Remagen der Hochschule Koblenz. Darüber hinaus veröffentlichte er bereits mehrere Fachbücher sowie eine Vielzahl an Fachaufsätzen und Beiträgen in Fach- und Lehrbüchern und Fachzeitschriften. 2016 wurde er für sein sozialpolitisches Engagement mit dem „Regine Hildebrandt Preis 2016“ ausgezeichnet.

Was hat das Thema Sozialstaat mit der Verbandsgemeinde Hamm zu tun? Eine Menge, meint Professor Sell zu Beginn seines Vortrags. Der Geburtsort Raiffeisens ist untrennbar mit dem Genossenschaftsgedanken verbunden und genau darum geht es bei der Entwicklung des Sozialstaats.

Ärztemangel spitzt sich zu
Bevor Sell diesen Gedanken am Ende wieder aufgriff, zeichnete er ein Szenario. Nicht etwa eines, das im Jahr 2050 eintreffen wird. Nein, es geht um das Jahr 2023, in dem mehr als 1.500 Zahnärzte in Rheinland-Pfalz in den Ruhestand gehen. Das sind 57 Prozent der derzeit praktizierenden Ärzte und das bedeutet, dass dann fast 4.000 Patienten auf einen Zahnarzt kommen.

Was ist der Grund dafür? Na klar, die Auswirkungen des demografischen Wandels werden spürbar. Die geburtenstarken Jahrgänge gehen in den Ruhestand. Aber möchte denn niemand mehr Medizin studieren? Doch! Die Zahl der Bewerber für ein Medizinstudium ist acht Mal höher als das Angebot an Studienplätzen. Der Numerus Clausus ist allerdings so hoch, dass die Mehrheit gar nicht zum Studium zugelassen wird. Viele gehen dann nach Ungarn oder Bulgarien, absolvieren dort ihr Studium und kommen, im besten Fall, zurück nach Deutschland.

300.000 Ärzte in deutschen Krankenhäusern kommen derzeit aus Rumänien oder Bulgarien. Sie sind dort geboren, haben ihre teure Ausbildung dort gemacht und sind nun unverzichtbare Arbeitskräfte in Deutschland. Ohne sie würden die Betriebe zusammenbrechen. In ländlichen Regionen sind die Auswirkungen des Ärztemangels bereits zu spüren.




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Alle sind gefragt
Ganz ähnlich sieht es auch in der Altenpflege aus. Zehn Prozent der Pflegekräfte in Deutschland haben einen ausländischen Hintergrund und arbeiten überwiegend illegal in deutschen Haushalten. Ohne sie wäre eine Versorgung nicht denkbar. Doch wie fühlen sich ältere, pflegebedürftige Menschen, wenn sie von einer Person gepflegt werden, die ihre Sprache nicht spricht und deren kultureller Hintergrund ein ganz anderer ist. Für diese Menschen ist es schwer, sich daran zu gewöhnen, noch dazu, wenn nicht einmal die Möglichkeit besteht, eine dauerhafte Beziehung zueinander aufzubauen, weil die Fluktuation der Pflegekräfte zu hoch ist.

„Eine Pflege, die menschenwürdig ist, kann nur vor Ort geleistet werden“, sagt Prof. Dr. Sell ganz klar. Seniorengenossenschaften müssen etabliert werden, um der kommenden Aufgabe gerecht zu werden. Hilfe zur Selbsthilfe heißt, wie so oft, die Devise. Sie müssen dort entstehen, wo die Versorgung der älteren Menschen durch professionelle Arbeitskräften nicht mehr sichergestellt werden kann, damit die Menschen möglichst lange in ihrem gewohnten Umfeld leben können.

Ein Fazit
Es gibt nicht den einen „Passepartout-Schlüssel“ für dieses Thema, sagte Sell zum Abschluss seines Vortrages. Aber es lohne sich gerade in ländlichen Regionen, die Menschen mit einzubinden, um eine Versorgung aller Menschen sicherzustellen. Eben „von der Wiege bis zur Bahre“.

Im Anschluss an den Vortrag hatten die Gäste Gelegenheit für Fragen und in gemütlicher Runde bot sich die Möglichkeit für regen Austausch zu einem komplexen Thema, das alle angeht. Bürgermeister Dietmar Henrich bedankte sich für den spannenden und leidenschaftlichen Vortrag. „Wir haben Aufgaben für die Kommune daraus mitgenommen. Wir werden uns der Welle, die auf uns zukommt stellen müssen.“ (rst)



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