Werbung

Nachricht vom 08.02.2019    

Medizinische Versorgung: Uni Siegen und Landkreis Altenkirchen kooperieren

Der Landkreis Altenkirchen und das Forschungskolleg der Universität Siegen planen eine Kooperation zum Thema Digitale Gesundheit. Zwei Projekte sollen umgesetzt werden: der Einsatz von medizinischen Assistenzsystemen und die Errichtung eines Gesundheitskiosks. Mit verschiedenen Technologien und Anwendungen, die nun entwickelt werden, kann Versorgungslücken in ländlichen Regionen entgegengewirkt werden.

Der Landkreis Altenkirchen und das Forschungskolleg der Universität Siegen planen eine Kooperation zum Thema Digitale Gesundheit. (Symbolfoto: Uni Siegen)

Siegen/Altenkirchen. Eine der grundlegenden Ideen, um die Gesundheitsversorgung in ländlichen Gebieten zu verbessern, ist ein verstärkter Einsatz von nichtärztlichen Praxisassistentinnen (NäPas), die von medizinisch-technischen Assistenzsystemen unterstützt werden. Darüber hinaus könnten sogenannte Gesundheitskioske als Orte des Austausches und bei gesundheitlichen Fragen für die Bevölkerung eingerichtet werden. Diese Ansätze wurden auch beim Themenworkshop „Digitale Gesundheit Kreis Altenkirchen 2019“ diskutiert und sollen im Rahmen eines gemeinsamen Projektes zwischen dem Landkreis und dem Forschungskolleg (FoKos) der Universität Siegen in diesem Jahr entwickelt werden.

Workshop: NäPas sollen helfen
Unterschiedliche Krankheitsbilder bedürfen individueller medizinischer Versorgung. Eine bevorstehende Abgangswelle führt zu einer signifikanten Reduktion der niedergelassenen Vertragsärzte und -psychotherapeuten im Kreis Altenkirchen. Landrat Michael Lieber ist daher besorgt um die zukünftige gesundheitliche Versorgung der Bürgerinnen und Bürger. Deshalb initiierte er mit dem Direktor des FoKoS, Professor Dr. Björn Niehaves, den Workshop in Siegen, an dem auch Vertreter des Expertengremiums „Hausärztliche Versorgung im Landkreis Altenkirchen“ teilgenommen haben.

Gemeinsam mit den Altenkirchener Medizinern Dr. Erik Becker, Dr. Wolfgang Dörwaldt und Dr. Michael Theis, der Regionalentwicklerin Jennifer Siebert sowie der evangelischen Landjugendakademie, vertreten durch Meike-Mirjam Drey und Matthias Gebauer, gingen die Teilnehmer der Frage nach, welche Projekte im Bereich der digitalen Gesundheit im Laufe des Jahres im Landkreis Altenkirchen erforscht und praktisch erprobt werden könnten. Konkret sollen zunächst die nichtärztlichen Praxisassistentinnen durch den Einsatz von digital-technischen Assistenzsystemen in ihrer täglichen Arbeit unterstützt werden. Bei Hausbesuchen können die Geräte fachgerecht von den Assistentinnen an den Patientinnen und Patienten angelegt werden. Die Patienten lernen so den Umgang mit den neuen Technologien und können schneller Vertrauen in die technischen Helfer fassen. Die Assistenten wiederum werden entlastet, da die händische Datenaufnahme und -weitergabe mehr und mehr substituiert werden kann.

Blutdruckmessung aus der Ferne
Der Allgemeinmediziner Dr. Charles Adarkwah erläuterte, wie eine analoge Praxis zu einer digital funktionierenden Praxis umgestaltet werden kann. Er ist Vertretungsprofessor für Versorgungsforschung an der Lebenswissenschaftlichen Fakultät (LWF) der Uni Siegen. Das Konzept erarbeitete er gemeinsam mit seinem Kollegen Professor Dr. Rainer Brück, der die dafür notwendige technische Ausrüstung an der Fakultät und seinem Lehrstuhl für Medizinische Informatik und Mikrosystementwurf entwickelt hat. Ein entsprechendes Einsatz-Szenario könnte etwa so aussehen, dass mit Hilfe spezieller medizinischer Geräte der Blutdruck von zu Hause aus gemessen werden kann. Die Werte werden umgehend in eine digitale Cloud übermittelt und sind in der Patientenakte verfügbar. Auf die Akte kann der Hausarzt oder die Hausärztin von überall und zu jeder Zeit zugreifen. Rezepte könnten automatisiert erstellt werden. Denkbar ist zu einem späteren Zeitpunkt auch die Übermittlung an die Apotheke auf digitalem Weg. Patientinnen müssten für die Blutdruckmessung also keine Praxis aufsuchen. Die Daten könnten durch den Einsatz innovativer Technik zudem häufiger erhoben und ausgewertet werden, sodass die Versorgung verbessert wird.

Die Patienten könnten zudem allen behandelnden Ärzten Zugriff auf ihre digitale Akte gewähren. Dies würde die Kommunikation unter den Ärzten erleichtern und Synergieeffekte erzeugen. Für eine dezentrale Datenerhebung und -speicherung sprach sich auch Professor Dr. Joachim Labenz von der Fachabteilung für Innere Medizin des Diakonie-Klinikums Jung-Stilling in Siegen aus. Er nannte als Beispiel eine Refluxbehandlung, die in verschiedenen medizinischen Einrichtungen erfolge.

Den Weg in die Digitalisierung erleichtern
„Mit den verschiedenen Technologien und Anwendungen, die wir im FoKoS im Hinblick auf einen Einsatz in der Praxis erforschen, kann Versorgungslücken in ländlichen Regionen entgegengewirkt werden“, sagte Niehaves. Doch das alles müsse kommuniziert werden. Ein Gesundheitskiosk soll daher zukünftig als Treffpunkt zum Austausch dienen. Einem ehrenamtlichen Netzwerk sollen auch technikaffine und sozial engagierte Jugendliche angehören, die den älteren Generationen den Weg in die Digitalisierung erleichtern. „Ein Helfernetzwerk bringt die Generationen zueinander und bietet für alle Beteiligten Vorteile“, sagte der Geschäftsführer des FoKoS, Dr. Olaf Gaus. Als Anreiz könnten die Jugendlichen ihr Engagement und die damit einhergehende Ausbildung zertifizieren lassen und so einen ersten Schritt auf dem Weg zu einer medizinischen Weiterbildung absolvieren, so Meike-Mirjam Drey von der evangelischen Landjugendakademie. In regelmäßigen Abständen könnten auch örtliche Gesundheitsanbieter in den Kiosk kommen und Vorträge zu medizinischen und pflegerischen Themenbereichen anbieten.

„Wir freuen uns, mit dem FoKoS einen kompetenten Partner im Bereich digitaler Gesundheitsversorgung für die auf uns zukommenden Herausforderungen im ländlichen Raum gewonnen zu haben“, sagte Landrat Michael Lieber nach dem Workshop. Ohne Innovation in der gesundheitlichen Versorgung und die dafür notwendige Weiterentwicklung der digitalen Gesundheitsversorgung befürchtet er Nachteile für Menschen, die auf dem Land leben. (PM)


Jetzt Fan der AK-Kurier.de Lokalausgabe Altenkirchen-Flammersfeld auf Facebook werden!


Kommentare zu: Medizinische Versorgung: Uni Siegen und Landkreis Altenkirchen kooperieren

Es sind bisher keine Kommentare vorhanden

Beliebte Artikel beim AK-Kurier


Region, Artikel vom 04.06.2020

Einschränkungen für Pendler auf der Siegstrecke

Einschränkungen für Pendler auf der Siegstrecke

Rund eine Woche lang müssen Pendler auf der Siegstrecke erhebliche Einschränkungen hinnehmen. Seit dem frühen Donnerstagmorgen, 4. Juni, bis zum 10. Juni fallen beim Regionalexpress 9 zahlreiche Züge aus, werden umgeleitet und auch der Halt am Kölner Hauptbahnhof und in Köln Messe/Deutz entfällt. Ein Ersatzhalt in Köln-Süd wird teilweise eingerichtet.


Kreis Altenkirchen aktuell ohne Corona-Infektion

Erstmals seit Mitte März gibt es im Kreis Altenkirchen keinen laborbestätigten Corona-Fall: Mit Datum vom 3. Juni, 14 Uhr, meldet das Gesundheitsamt des Kreises 152 Geheilte und keine neuen Infektionen. Insgesamt wurden kreisweit 163 Personen positiv auf Covid-19 getestet, elf Menschen mit Vorerkrankungen verstarben im Verlauf der Pandemie.


Ortsdurchfahrt Hilgenroth früher als gedacht wieder frei

Das Ende ist in Sicht: In rund acht Wochen könnte die sanierte Ortsdurchfahrt Hilgenroth nach dann mehr als einjähriger Komplettsperrung wieder für den Verkehr freigegeben werden. Damit wäre das Projekt deutlich früher abgeschlossen als geplant.


Endlich darf im Motionsport Fitness Club wieder trainiert werden

Zehn Wochen lang war der Motionsport Fitness Club aufgrund der Corona-Pandemie geschlossen, für Mitglieder und Betreiber in vielerlei Hinsicht eine lange Durststrecke. Am 27. Mai gab es dann endlich die langersehnte Wiedereröffnung und ab sofort wird unter strengen Hygienemaßnahmen wieder trainiert.


VG-Feuerwehr führt Belastungsübung in Eigenregie durch

An insgesamt drei Samstagen führte die Verbandsgemeindefeuerwehr Daaden-Herdorf die diesjährige Belastungsübung für ihre Atemschutzgeräteträger in Eigenregie durch. So ist die Einsatzbereitschaft der Feuerwehren der Verbandsgemeinde Daaden-Herdorf weiterhin sichergestellt.




Aktuelle Artikel aus Region


VG-Feuerwehr führt Belastungsübung in Eigenregie durch

Daaden. Anlass für das Durchführen der Übung war, dass die Frist für die vorgeschriebene jährliche Wiederholung der Übung ...

Gemeinde Hövels plant Änderung des Bebauungsplans „Siegenthal“

Hövels. Das Baugebiet „Siegenthal“ liegt in Südhanglage und mit herrlichem Blick auf das Siegtal in der Gemeinde Hövels, ...

Faszination Westerwald – Das Herzlich-Willkommen-Magazin ist da!

Montabaur. Zusätzliche Themen-Specials wie Rad, Wandern, Genuss, Naturparke oder Geopark bieten darüber hinaus weitere Ideen ...

Digitale Stadtrallye jetzt auch in Betzdorf und Kirchen

Betzdorf. Um mitzumachen sind ein internetfähiges Smartphone oder Tablet notwendig. Wem es hieran mangelt, der kann sich ...

Radfahrer trafen sich auf der Köttingerhöhe

Wissen. Die eine war in Montabaur gestartet. Über Hachenburg ging es dann durch die Kroppacher Schweiz und an der Nister ...

Benutzte Einweg-Masken und -Handschuhe richtig entsorgen

Altenkirchen/Kreisgebiet. Viele Bürgerinnen und Bürger fragen sich in diesen Zeiten, wie die richtige Entsorgung von Einwegmasken ...

Weitere Artikel


Einzigartig in Deutschland: Muntere Feuerwiesel im Zoo Neuwied

Neuwied. Feuerwiesel werden auch Kolonok oder Sibirische Wiesel genannt, wobei letzterer Name auch Aufschluss über ihr natürliches ...

Zeitspender gesucht: Wer macht mit beim Kinderschutzbund?

Altenkirchen. Familienstrukturen und das Zusammenleben in Familien haben sich vielfach verändert. So ist beispielsweise das ...

Im Gedenken an die in den Konzentrationslagern Ermordeten

Marienstatt. Bereits bei der Eröffnung äußerte Martin Kläsner, dass es 74 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs immer ...

50 Jahre Stadt Wissen: Vereine und Gewerbe sind eingeladen

Wissen. Ein Fest von Bürgern für Bürger in der gesamten Region: Das möchte die Stadt Wissen am zweiten Maiwochenende zum ...

Bürgerpark ist Thema in der Zukunftswerkstatt Niederfischbach

Niederfischbach. Im Rahmen der Initiative „Zukunftswerkstatt Niederfischbach“ der Niederfischbacher SPD tagt der Arbeitskreis ...

Niederfischbach ist Vorreiter: WLAN-Hotspot am Marktplatz eingerichtet

Niederfischbach. Als erste Ortschaft in der Verbandsgemeinde Kirchen hat Niederfischbach einen öffentlichen WLAN-Zugang eingerichtet. ...

Werbung