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Nachricht vom 24.01.2010    

Den Wohlstand der Menschen neu definieren

Den Satz "Wachstum verspricht Wohlstand für alle" entzauberte Professor Dr. Meinhard Miegel mit seinem Vortrag bei Pro AK im Kasino der Werit-Werke in Altenkirchen. Er forderte eine neue Sichtweise der Gesellschaft, um auch ohne Wachstum gut leben zu können.

Altenkirchen. Das Kasino der Werit-Werke in Altenkirchen war gut gefüllt, und mit Spannung wurde der Vortrag von Professor Dr. Meinhard Miegel erwartet. Hausherr Dr. Helmhold Schneider freute sich sichtlich, die Veranstaltung von Pro AK, dem Forum für Kultur, Wirtschaft und Politik in seinen Räumen zu haben. "Pro AK ist mittlerweile eine Bewegung geworden", sagte Schneider und dankte dem Vorsitzenden Ulrich Schmalz für die gute Arbeit.
Pro AK hat schon oft unbequeme Themen angepackt und Experten dazu referieren lassen. Der Abschied vom Wachstums-Mythos für die westlichen Gesellschaften beleuchtete der Vorsitzende des Denkwerks Zukunft - Stiftung kulturelle Erneuerung, Professor Dr. Meinhard Miegel, der bis 2008 das Institut für Wirtschaft und Gesellschaft (IWG) in Bonn führte. Miegel ließ keinen Zweifel aufkommen, dass die fetten Jahre für die westlichen Industrienationen vorbei sind. "Wir alle sind es gewohnt, Wachstum verspricht Wohlstand, dies ist prägend für die Generationen nach 1950", führte er aus. 1950 habe die Wohlstandsmehrung begonnen, Wachstumsraten seien politisch festgelegt worden, eine gigantische Verschuldung sei die Folge. Mit den vielen Subventionen sei künstliches Wachstum erzeugt worden. Er nahm die Zuhörer mit auf einen Streifzug durch die Jahrhunderte und zeigte auf, dass mit dem Beginn der Industrialisierung und der Anhäufung von Kapital auch das Menschenbild ein Anderes wurde. Es änderte sich auch das Verhalten der Gesellschaften. Wo man in Jahrhunderten von der Natur gelebt hatte, begann mit der Industrialisierung der rasante Verbrauch der Natur. Miegel nannte die zur Neige gehenden Rohstoffe, unter anderem Öl, Gas, Kohle und Stahl. "Der Verbrauch der natürlichen Ressourcen und die Ausbeutung durch die westlichen Nationen geschah in den letzten 60 Jahren in ungeheurem Ausmaß, die Rechnung kriegen wir jetzt", sagte Miegel.
"Wir sind Kinder einer Stichflamme, unsere Gütermenge hat sich verfünffacht", führte Miegel aus. Den Einbruch der Wirtschaftskraft, vor allem im letzten Jahr, glaube die EU in zehn Jahren überwunden zu haben. Auch die Bundeskanzlerin habe in ihrer Berliner Erklärung den Satz: "Ohne Wachstum ist alles nichts" verwendet.
Miegel stellte diese Sichtweisen infrage. Fakt sei, die Zeit der Monopole sei vorbei, andere Nationen und Gesellschaften drängten nach vorne. Das Wachstum der Wirtschaft werde nicht mehr wohlstandsmehrend sein, es gehe in die Tilgung der Schulden. Außerdem zehre die Kompensation einer immer älter werdenden Gesellschaft am Wohlstand ebenso die Folgen der CO2-Reduzierung und die Ersatzbeschaffung für die natürlichen Ressourcen.
In den kommenden 20 Jahren werde sich in Deutschland mehr verändern als in den letzten 100 Jahren, prognostizierte der Professor. Die Völker der westlichen Hemisphäre würden viel zu tun haben, um ihren Lebensstandard zu halten, es werde grundlegende Veränderungen geben. Arbeitskraft werde mehr an Bedeutung gewinnen, ebenso die Sicht auf Reparaturen statt Neuerzeugung und der Dienstleistungssektor werde steigen. "Wachstum und Wohlstand werden sich entkoppeln, wir alle brauchen eine Definition von Wohlstand. Ist Wohlstand Gesundheit, Mitmenschlichkeit oder die Hinwendung zur Religion?", fragte Miegel. Die bisherigen Sichtweisen auf die Menschen und die Gesellschaften, die sich am Wohlstand orientiert haben, hätten ausgedient. Die kommende Epoche biete Chancen, den Menschen wieder in seiner Ganzheit zu sehen und nicht nur unter den materiellen Aspekten. "Haste was, biste was" habe ausgedient. Dazu brauche es Bildung und nicht die Abrichtung der jungen Generationen auf den Faktor Brauchbarkeit für Industrie und Wirtschaft.
Miegel ging in der sich anschließenden Diskussion auf die Verarmung der Gesellschaft ein. Die Wertschätzung eines Menschen richte sich nach dem materiellen Besitz, dies müsse sich ändern. Er wies auf den verhängnisvollen Prozess hin, den die Gesellschaft zurzeit durchlaufe. Leistung sei gekoppelt an Geld, nicht an allgemeiner gesellschaftlichen Akzeptanz. "Wir müssen den immateriellen Wohlstand in den Fokus rücken und nicht die "Geldschäumer", die hoch angesehen und hoch bezahlt werden", forderte Miegel mit Blick auf die Verursacher der Krise.
Es gab noch viele Fragen und Diskussionsbedarf am Ende der Veranstaltung und eines hat Pro-AK sicher erreicht: Nachdenken über die Zukunft. (hw)
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Prof. Dr. Meinhard Miegel forderte bei Pro AK eine neue Definition von Wohlstand. Fotos: Helga Wienand


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