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Nachricht vom 26.03.2019    

Informative Fachtagung zum effektiven Umgang mit Rechtsaußen

Bei der ersten Fachtagung des „DEMOS e.V.“ beleuchteten im Haus Felsenkeller in Altenkirchen bundesweit anerkannte Experten Phänomene am rechten Rand der Gesellschaft. Andreas Kemper, Soziologe von der Universität Münster und Experte für die Netzwerke innerhalb der AfD und ihrer Ziele, beleuchtete die Gemengelage aus marktradikalen, christlich-fundamentalistischen und offen faschistischen Strömungen, die die ideologische Basis der AfD bilden.

Altenkirchen/Hachenburg. „Die AfD ist die Partei der Ungleichwertigkeit,“ sagte er und führte aus, dass dies für jede der Gruppierungen innerhalb der AfD gelte. Stumpfer Rassismus getarnt als Ethnopluralismus, antifeministische Positionen und Verachtung für „den kleinen Mann“ prägten ihr Weltbild. Eine Hoffnung, dass die Partei sich selbst reinige und zumindest von den rechtsextremistischen Teilen trenne, bestehe nicht, führte er aus: „Jeder, der Höcke los werden wollte, wurde selbst rausgeworfen.“

Der Vortrag von Rolf Knieper von der mobilen Beratungsstelle für Betroffene von rassistischer, antisemitischer und rechtsextremistischer Gewalt „m*power“ legte dar, dass Gewalt, auch verbale, nicht nur physisch und psychisch gegen das Opfer wirke, sondern auch eine Funktion gegen dessen soziales Umfeld und das politische Klima im Allgemeinen habe. Daher betreue die Beratungsstelle nicht nur die Opfer eines Übergriffs, sondern habe auch einen politischen Auftrag, der aus Landes- und Bundesmitteln gefördert wird. Zentral sei jedoch die aufsuchende Beratung der Betroffenen und deren Betreuung über die einfache Beratung hinaus. „Ich habe schon jetzt weniger Angst, mich mit Rechtsextremen auseinander zu setzen, weil ich weiß, dass es das Angebot gibt“, sagte eine Teilnehmerin.

Dr. Thorsten Hindrichs, Musikwissenschaftler an der Universität Mainz, erläuterte die Bedeutung des Rechtsrocks für die rechtsextreme Szene und räumte mit dem Vorurteil auf, dass Rechtsrock eine Art „Einstiegsdroge“ sei. Die Musik sei nicht der Einstieg in die rechte Szene, sondern stärke den Zusammenhalt und die Netzwerke. Dazu sei sie ein wesentlicher wirtschaftlicher Faktor, weil das für einschlägige Musik und Kleidung ausgegebene Geld „in der Szene“ bleibe. Daraus erklärt sich auch die Notwendigkeit, Rechtsrockkonzerte zu verhindern: Man steigert dadurch den Frust innerhalb der Szene und entzieht ihr wesentliche wirtschaftliche Vorteile. Zunehmend finden gleichzeitig rechtsextreme Konzerte und Kampfsport-Events statt, um die Attraktivität der jeweiligen Veranstaltungen zu steigern und wirtschaftliche Interessen zu bündeln.



Mit Blick auf den in Dillenburg aktiven Veranstalter Lars Schulz, sagte Hindrichs: „Er versucht eine neue Strategie in diesem Markt.“ Verglichen mit Tommy Frenck oder Thorsten Heise ist Schulz ein kleiner Marktteilnehmer, unterschätzen solle man ihn allerdings nicht.

Den Tag rundeten zwei Workshops ab, in denen DEMOS die eigenen Erfahrungen in der Arbeit gegen Rechtsextremismus vermittelte und nützliches Wissen weiter gab. DEMOS zeigte sich zufrieden mit dem Erfolg der Fachtagung. „Wir sind sehr stolz darauf, so bekannte und anerkannte Spezialisten für die Vorträge gewonnen zu haben“, betont der Verein. „In den vergangenen drei Jahren haben wir im Westerwald die Raumergreifung der Rechtsextremisten stark eingedämmt. Allein die AfD ist noch übrig geblieben – sie können ja aufgrund ihrer Struktur auch nicht anders. Das heißt aber nicht, dass die Aktivitäten aufgehört haben und wir die Hände in den Schoß legen können.“

DEMOS hat im letzten Jahr die rechtsextremistischen Verbindungen mehrerer Mitglieder der AfD Westerwald offen gelegt, darunter drei Vorstandsmitglieder der AfD Westerwald. Der Verfassungsschutz bezieht sich auf DEMOS e.V. in seinem Gutachten über die AfD. (PM)


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