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Nachricht vom 12.04.2019    

Niedrigzinsen: Wie können Kommunen profitieren?

Kreise, Städte und Gemeinden stehen in der Niedrigzinsphase vor den gleichen Fragen wie der einzelne Bürger. Die Westerwald Bank lud dazu Bürgermeister, Kämmerer und weitere Finanzverantwortliche zum Kommunal-Forum „Kommunales Anlage- und Finanzierungsmanagement“ nach Hachenburg ein. „Alles in allem ist das Thema Niedrigzinsen für Sie alle und Ihr tägliches Geschäft genauso wichtig und spannend wie für uns als Bank“, unterstrich Bankvorstand Dr. Ralf Kölbach dort.

Nahmen beim Kommunal-Forum der Westerwald Bank das kommunale Anlage- und Finanzierungsmanagement in den Blick: (von links) Westerwald Bank-Vorstand Markus Kurtseifer, Götz Rinn, Regionaldirektor der DZ Hyp, Hans-Dieter Meisberger, Abteilungsdirektor der DZ Privatbank, Westerwald Bank-Vorstand Dr. Ralf Kölbach sowie von der DZ Privatbank Wealth Manager Christian Springer, Senior Portfolio Manager Ascan Iredi und Tom Schmezer, Abteilungsleiter Bankenbetreuer Vertrieb. (Foto: Westerwald Bank)

Hachenburg/Region. Die einen suchen Wege, ihr Geld gewinnbringend anzulegen, die anderen sind froh darüber, dass sie zu historisch günstigen Konditionen Kredite aufnehmen können: Kreise, Städte und Gemeinden stehen in der Niedrigzinsphase vor den gleichen Fragen wie der einzelne Bürger. Die Westerwald Bank lud dazu Bürgermeister, Kämmerer und weitere Finanzverantwortliche zum Kommunal-Forum „Kommunales Anlage- und Finanzierungsmanagement“ nach Hachenburg ein. Und sie hatte damit ganz offensichtlich einen Bedarf entdeckt, denn Bankvorstand Dr. Ralf Kölbach konnte über 50 Gäste aus dem Geschäftsgebiet begrüßen. „Alles in allem ist das Thema Niedrigzinsen für Sie alle und Ihr tägliches Geschäft genauso wichtig und spannend wie für uns als Bank“, stellt er eingangs fest. Gerade deshalb sei der Austausch in einem solchen Forum wichtig.

Zinserhöhungen weiter nicht in Sicht
Ascan Iredi von der DZ Privatbank gab zunächst einen aktuellen Ausblick auf den Kapitalmarkt in Zeiten konjunktureller Abkühlung. Denn, so machte er klar, die wirtschaftliche Dynamik lasse derzeit insgesamt nach. „Die Konjunktur in der Eurozone hat sich seit Ende 2017 deutlich verlangsamt.“ Dabei sieht er allerdings keine Anzeichen für eine Rezession. Für den Euroraum prognostiziert die DZ BANK derzeit ein Bruttoinlandsprodukt von 0,7 Prozent für 2019 und 1,3 Prozent für 2020, für Deutschland sind es 0,6 und 1,3 Prozent. Die Inflationsrate bleibe in der Eurozone bei etwa einem Prozent. Und: Zinserhöhungen wird es 2019 nicht geben, darauf deuteten auch die Signale aus den Vereinigten Staaten hin. „Für die meisten Kommunen ist das eine gute Nachricht“, erläuterte Iredi mit Blick auf deren Kreditbedarf.

Geldanlage strukturieren
Wie Kommunen ihre Gelder nachhaltig und im Einklang mit der Gemeindehaushalts-Verordnung investieren können, darüber informierten Hans-Dieter Meisberger und Christian Springer von der DZ Privatbank. Immerhin: In der Summe verfügen die Kommunen bundesweit über liquides Vermögen bei Banken von rund 65 Milliarden Euro, die allerdings alles andere als gleichmäßig verteilt seien, so Meisberger. Typische Präferenzen von Kommunen, Zweckverbänden oder kommunalen Stiftungen bei der Geldanlage seien derzeit kurze Laufzeiten, geringes Risiko und natürlich positive Renditen, wobei Meisberger zur Strukturierung der kommunalen Liquidität drei Säulen empfahl: kurzfristige Anlagen, um die jederzeitige Zahlungsfähigkeit zu sichern, mittelfristige Anlagen mit Laufzeiten von bis zu vier Jahren, um mittelfristige Verpflichtungen zu berücksichtigen, und schließlich längerfristige Anlagen von fünf Jahren und mehr, um die Chance zur Renditeoptimierung zu nutzen.




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Nicht nur Zählbares zählt
Wealth Manager Christian Springer stellte dazu ganz konkret nachhaltige Investment-Möglichkeiten für die öffentliche Hand vor, die unter anderem Anlagen in Unternehmen aus den Bereichen Gentechnik, Alkohol, Glücksspiel, Reproduktionsmedizin oder fossile Brennstoffe ausschließen und nur auf Euro lautende Anleihen von Emittenten aus der Europäischen Union berücksichtigen. Springer: „Weil eben nicht nur zählt, was zählbar ist.“ Das Besondere an dem Investmentstil unter ethisch-nachhaltigen Gesichtspunkten, so der Experte, „ist die Investition lediglich in Direktinvestments wie Liquidität, Anleihen und Aktien und eben nicht in Fonds oder Zertifikate.“ Dabei soll der Aktienanteil maximal 30 Prozent betragen. Die DZ Privatbank hat dazu bereits vor über zehn Jahren mit zwei Kirchenbanken einen ethisch-nachhaltigen Investmentansatz entwickelt und nutzt eines der weltweit führenden Research-Institute, um Investment-Möglichkeiten unter sozialen, ökologischen und ethischen Gesichtspunkten zu identifizieren. Positiv: Die Ertragslage sei im Vergleich zu klassischen weltweiten Aktienfonds gut.

Niedrige Zinsen langfristig sichern
„Chancen und Risiken der Niedrigzinsphase im kommunalen Kreditgeschäft“ war schließlich das Thema von Götz Rinn, Regionaldirektor der DZ Hyp. Rund 12 Milliarden Euro zählt der Bestand an Kommunalkrediten dort aktuell. Das entspricht etwa zehn Prozent des gesamten Kommunalkredit-Volumens in Deutschland. Anders als in der Vergangenheit, so Rinn, sei der Unterschied zwischen kurzfristigen und langfristigen Zinsen derzeit vergleichsweise gering. Er hält es deshalb für lohnenswert, zumindest für einen Teil der Kredite auf langfristige Zinsbindungen zu setzen. Beispielhaft beschrieb er ein Kommunaldarlehen mit 30-jähriger Laufzeit und Zinsbindung zwischen 0,25 Prozent für fünf Jahre bis zu 1,45 Prozent für 30 Jahre. Forward-Darlehen ermöglichten mit ähnlich attraktiven Bedingungen die Zins-Absicherung laufender Kredite. (PM)



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