Werbung

Nachricht vom 20.04.2019 - 09:37 Uhr    

Holzklappern statt Glocken: Grünebacher pflegen uralten Brauch

Mit dem Begriff „Tradition“ ist man ja schnell dabei in diesen Zeiten. Hier trifft sie zu: Das uralte Brauchtum des „Klapperns“ – andernorts in der Region heißt es „Kleppern“ oder „Rappeln“ – an den Kartagen wird in Grünebach gepflegt. Dabei sind schon die Kleinsten aktiv. Kinder und Erwachsene treffen sich, bestückt mit Klappern aller Art, Ratschen, gegeneinander schlagenden Brettern oder auch Klappern mit Klöppeln. Teilweise sind die Klappern über 100 Jahre alt.

„Klappern“ in Grünebach: Kinder und Erwachsene treffen sich, bestückt mit Klappern aller Art, Ratschen, gegeneinander schlagenden Brettern oder auch Klappern mit Klöppeln. (Foto: ma)

Grünebach. Am Gründonnerstag verstummen die Glocken in den katholischen Gemeinden aus Trauer um den Tod von Jesus am Kreuz. Im Volksmund heißt es: „Die Glocken fliegen nach Rom.“ Wenn die Auferstehung Christi in der Osternacht gefeiert wird, sind die Glocken zurück. In Grünebach wird schon seit rund100 Jahren der alte Brauch des „Klapperns“, oder, wie es die „Grömicher“ nennen, des „Rappelns“ gepflegt. Dabei ersetzten von Gründonnerstag bis zur Osternacht die Holzklappern das Geläut.

Es wird wieder geklappert in Grünebach
Nachdem vor einigen Jahren das Brauchtum des Klapperns in Grünebach fast eingestellt war und zum Schluss nur noch zwei Jungs auf dem Moped mit den Klappern durch den Ort fuhren, da war klar: Hier musste Abhilfe geschaffen werden. Mittlerweile ist der schöne Brauch wieder fester Bestandteil der Kartage. Kinder und Erwachsene treffen sich, bestückt mit Klappern aller Art, Ratschen, gegeneinander schlagenden Brettern oder auch Klappern mit Klöppeln. Dreimal am Tag wird damit die Zeit verkündet. Von Donnerstagabend bis Samstagmittag ziehen Kinder und Erwachsene durch den Ort. „Und wir werden meist schon erwartet“, erzählt Daniela Hain. „Da wird manchmal sogar extra ein Kuchen für uns gebacken“. An Karfreitag und Karsamstag sind sie schon frühmorgens um sechs Uhr unterwegs. Ausgestattet mit den kleinen Handrätschen und auch großen Klappern sind sie schon von weitem zu hören. Auf hölzerne Resonanzkästen klopfen mehrere kleine Hämmer, die durch eine Kurbel angehoben werden. Das laut knatternde Geräusch wird durch die Drehgeschwindigkeit erzeugt.

Grünebacher besitzen uralte Klappern
Markus Lück besitzt ein ganz besonders Exemplar, er trägt stolz die Klapper seines Ur-Opas Paul, die schon über 100 Jahre alt ist. Dass das Brauchtum schon von Kindesbeinen an gepflegt wird, das zeigt sich an Familie Hain: Der achtjährige Max hat sich die Klapper umgehängt, die ihm sein Nachbar, der ehemalige Ortsbürgermeister Siegfried Eicher geschenkt hat. Die uralte Klapper des Vaters haben die Hains vom Sperrmüll gerettet. Wahrscheinlich hat der Vorbesitzer nicht gewusst, was für ein Kleinod er da entsorgt hat. Jetzt ist sie in guten Händen und Rüdiger Hain hat sie und die seines Sohnes sogar noch mit dem Grünebacher Wappen verziert. Für Mutter Manuela und die beiden Töchter, die dreijährige Annika und die zwölfjährige Luna, ist es ebenfalls selbstverständlich, dass alte Brauchtum zu pflegen und mit den Klappern durch den Ort zu ziehen.

Klappern macht erfinderisch
Wie begeistert auch die Kleinsten schon dabei sind, dass zeigt sich an der zweijährigen Charlotte. Die sieben Jahre alte Lotte ist zum ersten Mal mit dabei und zeigt sich erfinderisch: In Ermangelung einer Rappel trägt sie eine mit Steinen gefüllte Blechkiste. Als kurz darauf Klappern verteilt werden, die Schreiner Werner Schwan vor etlichen Jahren gefertigt hat, da tauscht sie die Kiste gerne gegen eine davon aus. Am Samstagmorgen, dem 20. April, um 9.30 Uhr geht die Gruppe das letzte Mal los und in der feierlichen Ostermesse verkünden dann wieder die Glocken die Auferstehung Jesu. (ma)

---
Jetzt Fan der AK-Kurier.de Lokalausgabe Betzdorf-Gebhardshain auf Facebook werden!


Kommentare zu: Holzklappern statt Glocken: Grünebacher pflegen uralten Brauch

Es sind leider keine Kommentare vorhanden


Aktuelle Artikel aus der Region


Großer Familientag im Siegtalbad Wissen mit freiem Eintritt

Wissen. Natürlich gilt die Einladung aber auch für Wasserscheue, deren Besuch schon länger zurückliegt. Willkommen sind daher ...

Oldtimertreffen des Adler Motor Veteranen Clubs in Freudenberg

Freudenberg. Bereits am Freitag 2. August werden die ersten Teilnehmer erwartet. Für die früh angereisten Teilnehmer ...

Workshop „Handlettering: die Kunst der schönen Buchstaben“

Altenkirchen. Ob auf Postkarten, Geschenkanhänger, auf dem Cover eines Romans oder beeindruckend gestaltete Kreidetafel im ...

Uni Siegen: Besondere Ehrung für Prof. Carsten Engelhard

Siegen. Prof. Engelhard wird damit für seine international beachteten wissenschaftlichen Arbeiten auf dem Gebiet der Analytischen ...

Wenn das einzige Kind stirbt

Siegen. Von morgens bis abends kann Tanja P. an nichts anderes als an ihre verstorbene Tochter denken. Die verwaiste Mutter ...

Deutsche Bahn und Bundespolizei: Bahnanlagen sind kein Platz für Selfies

Region. Sicher durch die Sommerferien – Deutsche Bahn und Bundespolizei appellieren in einer gemeinsamen Pressemitteilung ...

Weitere Artikel


Daadener Kneipennacht verspricht viel Musik und Top-Stimmung

Daaden. Zum dritten Mal erwartet die Gäste in Daaden am Dienstag, dem 30. April, bei der Kneipennacht Daaden eine Nacht voller ...

Wisser Mahl: Was sich dahinter verbirgt und wie es zubereitet wird

Wissen. Am 19. April war es 50 Jahre her, dass der damalige rheinland-pfälzische Ministerpräsident Peter Altmeier Wissen ...

Die digitale Desinfektion

Siegen. Ein Krankenhausflur, am Ende des Ganges ist ein leeres Krankenbett erkennbar. Direkt vor den Augen eine große Tür. ...

Frühjahrskonzert: Blasorchester Mehrbachtal begeisterte

Weyerbusch. Zum Frühjahrskonzert des Jugendblasorchesters Mehrbachtal hatten sich zahlreiche Besucher in Weyerbusch eingefunden. ...

Betzdorfer Wochenmarkt lockte mit Osterüberraschungen

Betzdorf. Ostern naht mit Riesenschritten, das zeigte sich am Donnerstag (18. April) auf dem Wochenmarkt in Betzdorf. Der ...

„Expedition Arbeitswelt“: Gymnasiasten schnupperten ins Arbeitsleben

Altenkirchen. Zum dritten Mal fand die „Expedition Arbeitswelt“ für die achte Jahrgangsstufe des Westerwald-Gymnasiums Altenkirchen ...

Werbung