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Nachricht vom 30.04.2019    

Umweltschule Nauroth als „LernOrt Nachhaltigkeit“ zertifiziert

Die Umweltschule in Nauroth ist nun als „LernOrt Nachhaltigkeit“ zertifiziert: Bei einer Feierstunde in den Räumen des Wertstoff- und Betriebshofes des Abfallwirtschaftsbetriebes (AWB) in Nauroth überreichte Jan Hendrik Winter, Referent im Ministerium für Bildung in Mainz, die Urkunde, an Kreisbeigeordneten Konrad Schwan, Werkleiter des AWB Werner Schumacher und die pädagogische Beraterin Melanie Henn. Er betonte: „Eine nachhaltige Entwicklung lässt sich nicht verordnen, sie muss in den Köpfen beginnen.“

An einem Schild mit einer schematischen Darstellung eines Deponieaufbaus am Beginn des Lernpfades überreichte symbolisch Jan Hendrik Winter (links) die Zertifizierungsurkunde an Werner Schumacher vom AWB. (Foto: tt)

Nauroth/Kreisgebiet. Es wurde die Kirsche auf das Sahnehäubchen gesetzt, als sich unter anderem der Ministeriumsvertreter Jan Hendrik Winter, Kreisbeigeordneter Konrad Schwan, Werkleiter Werner Schumacher und ein überschaubarer Kreis von Teilnehmerinnen und Teilnehmern am Montag (29. April) zur offiziellen Zertifikatsübergabe trafen. Mit der Übergabe werde dem wichtigen didaktischen und abfallpolitischen Thema quasi die „Krone“ aufgesetzt, heißt es in einer Presseinformation des Abfallwirtschaftsbetriebes (AWB).

Ein Deponie-Lernpfad und 1,1 Millionen Kubikmeter Müll
Die Umweltschule und damit der „LernOrt für Nachhaltigkeit sind dort entstanden, wo seit Anfang der 1970er-Jahre der Müll der Menschen aus dem Landkreis Altenkirchen über viele Jahre auf der Deponie eingearbeitet wurde. 1,1 Millionen Kubikmeter kamen zusammen. Nachdem die Deponie längst geschlossen ist und der heutige Müll und Abfall anders verwertet, auch in unterschiedliche Fraktionen wie zum Beispiel Bioabfall getrennt und sortiert wird, ist buchstäblich Gras über den abgedichteten Berg an Müll gewachsen. Bei den mehr als 70 Stellen, die landesweit auch ein Zertifikat als „LernOrt Nachhaltigkeit“ erhalten werden, ist die frühere Mülldeponie als Örtlichkeit sicher ein ganz besonderer Ort, ein Ort, an dem unter anderem Mädchen und Jungen aus Kindertagesstätten und Grundschulen – aber auch darüber hinaus – sensibilisiert werden sollen, und zwar für den Themenkomplex Umwelt, Nachhaltigkeit und Müllvermeidung.

Fortbildung für Erzieher und Lehrer
Ein gutes und anschauliches Medium dafür ist der Deponie-Lernpfad. Dieser war im April 2018 offiziell eingeweiht worden, ein Jahr nach der Umweltschule. Ganz klar: Der Hauptfokus liegt auf dem Thema Deponie, schilderte Werkleiter Schumacher. Auch Aspekte wie Energiegewinnung, Setzungen und auch das hochaktuelle Thema Lebensmittelverschwendung finden sich. Im vergangenen Jahr hätten rund 50 rein auf Kinder bezogene Veranstaltungen mit jeweils 20 bis 25 Mädchen und Jungen stattgefunden. Auf der Ausbildung von Erzieherinnen und Erzieher liegt ebenfalls ein Augenmerk. Zwei Veranstaltungen gab es bereits. Akzent möchte man aber auch über die Fortbildung von Lehrerinnen und Lehrern setzen, eine erste Veranstaltung soll es Anfang Juni geben, wie bei der Übergabe des Zertifikates zu erfahren war.

Neues Abfallkonzept erarbeitet
Bei Kitas wird angefangen, und es geht über die Schulen – und bei Aktivitäten wie Tag der offenen Tür des Wertstoff- und Betriebshofes werden alle Generationen erreicht. Müll zu verringern und zu vermeiden sowie ordentliches Trennen der Wertstoffe sind Themen. „Die Menschen sollen Lust bekommen, sich an Müllvermeidung zu beteiligen“, sagte der Werkleiter. Bei der Übergabe begrüßte Konrad Schwan, in dessen Zuständigkeit als Kreisbeigeordneter die Abfallwirtschaft fällt. Er skizzierte kurz die geschlossene Deponie, und blickte nach vorne. Für den neuen Kreistag beziehungsweise den künftigen Abfallwirtschaftsausschuss habe man noch Arbeit übrig gelassen, sagte er mit einem Augenzwinkern. Das neue Abfallkonzept sei erarbeitet und nun in der Anhörung. Damit werde sich dann das in vier Wochen bei der Kommunalwahl gewählte Gremium befassen und alles umsetzen müssen, damit auf Dauer die Wertstoffe in die Verwertung kämen. Die Grundlage seien gelegt, und bis 2023 sei die Versorgungssicherheit gewährleistet. Der Landkreis selbst habe keine Verwertung, sondern nur die Einrichtung in Nauroth und die Erddeponie in Wehbach. Das sei eine „Situation, die man so nicht überall antrifft“, sagte der Kreisbeigeordnete.

Mit den Kita-Kindern fing es an
Nachhaltige Entwicklung hat man auch mit der Umweltschule und dem Deponie-Lernpfad auf der Agenda. Schumacher erinnerte, dass man einst ein außerschulischer Lernort werden wollte, und freute sich nun, dass man als erste Einrichtung als „LernOrt Nachhaltigkeit“ zertifiziert wurde. Auch mit der Auszeichnung in diesem Punkt der „letzte Schritt“ gemacht werde, wie Schumacher anmerkte, so will man den Weg weiter gehen und „das Thema weiter fortentwickeln“. Exemplarisch erwähnte er die Schulungen von Lehrerinnen und Lehrern. Gestartet sei man bei dem Projekt mit den Jüngsten, den Kindern aus Kitas und Grundschulen, aber man möchte auch höhere Jahrgänge an Schülern erreichen. In diesem Zusammenhang erwähnte er auch, dass es auf dem Wertstoff- und Betriebshof auch einen Raum mit zwei Küchen gebe, zum Beispiel für Kochkurse.

Endliche Ressourcen, Müllvermeidung und -wiederverwertung
Ministeriumsreferent Winter stellte heraus, dass Bildung und nachhaltige Entwicklung eine wichtige Querschnittsaufgabe von Kitas und Schulen seien. „Eine nachhaltige Entwicklung lässt sich nicht verordnen, sie muss in den Köpfen beginnen“, unterstrich Winter, der hier den Bogen zu Einrichtungen wie der Umweltschule Nauroth spannte und die entsprechende Ausstattung, zum Beispiel mit Bildungskoffer und Ähnlichem, anführte. Es gelte, Kinder mit den endlichen Ressourcen, Müllvermeidung und -wiederverwertung vertraut zu machen. Dafür sei ein solcher Lernort wichtig. Man könne sich aber auch kreativ in den Unterrichtsfächern, Deutsch und Kunst erwähnte er exemplarisch, mit solchen Themen kreativ auseinandersetzen, sagte Winter, der auch das beteiligte Pädagogische Landesinstitut erwähnte. Im Land Rheinland-Pfalz sollen nun mehr als 70 Einrichtungen, die wie die Umweltschule bislang „Schulnahe Umweltbildungseinrichtung“ (SchUR-Station) waren, als „LernOrt Nachhaltigkeit“ ein Zertifikat erhalten und entsprechend umbenannt werden.

Zum Kooperationspartner für Nachhaltigkeitsbildung erklärt
Die erste Einrichtung im Land war nun die Umweltschule Nauroth – und im Landkreis Altenkirchen soll auch gut ein halbes Dutzend folgen, hieß es. Winter sprach von einem Lernen „mit Kopf, Hand und Herz“, das funktioniere und unterschiedliche Sinne mit einem mannigfaltigem Spektrum anspreche. Bei der Übergabe erkannte der Ministeriumsvertreter an, dass man sich beim AWB schon länger auf den Weg gemacht habe, um ein räumliches, personelles und pädagogisches Angebot zu schaffen. Um die pädagogische Abfallberatung kümmert sich Melanie Henn. Winter stellte heraus, dass die Umweltschule es verdient habe, ausgezeichnet zu werden. Die Voraussetzungen seien gegeben, für Kitas und Schulen. Die Einrichtung bereichere die Nachhaltigkeit im Westerwald, sagte der Referent, der auch im Namen der rheinland-pfälzischen Bildungsministerin Stefanie Hubig Dank entrichtete. Er wünschte der Umweltschule ganz viel Resonanz und Ideenreichtum bei der Umsetzung der pädagogischen Angebote. Er überreichte eine Urkunde, die auch das neue Logo zeigt. Mit der Urkunde erklärt das Bildungsministerium die Umweltschule „zum Kooperationspartner für Nachhaltigkeitsbildung in Kitas und Schulen“.

„Das macht Lust auf Müllvermeidung“
Marion Schnitzler, Beraterin für Bildung für nachhaltige Entwicklung beim pädagogischen Landesinstitut Bad Kreuznach sprach von einem nachhaltigen Konzept, das entwickelt worden sei. Sie skizzierte die Stationen des Lernpfades, mit Gerätschaften und Verrottungsprozess. Abfallvermeidung sei hier hautnah zu erleben, und beim Tag der offenen Tür erreiche man Menschen über Generationen hinweg: „Das macht Lust auf Müllvermeidung.“ In einer Presseinformation des AWB heißt es, dass die Umbenennung aus einem partizipativen Prozess resultiere, an dem die SchUR-Stationen das unterstützende Umweltministerium, das Bildungsministerium und das Pädagogische Landesinstitut beteiligt waren – und: „Die neue Bezeichnung unterstreicht das Ziel, umweltbildende Angebote auf ein breites Fundament zu stellen sowie die Dimensionen der Bildung für nachhaltige Entwicklung (Ökologie, Ökonomie, Gesellschaft/Politik/Kultur).“ Es wird zugleich als wichtig angesehen, dass die „LernOrte Nachhaltigkeit“ für Kitas und Schulen bereits mit ihrer Titelwahl verdeutlichen, dass pädagogische Angebote über die Bildungskette hinweg von Belang seien.

Verständnis für Zusammenhänge fördern
Weiter wird erwähnt, dass es Ziel der Aktivitäten sei, den Schülern eine sinnhafte Primärerfahrung in der Natur zu ermöglichen und über den Aufbau einer emotionalen Beziehung zur Natur Sensibilität im Umgang mit diesen zu wecken. „LernOrt Nachhaltigkeit“ möchte Verständnis für Zusammenhänge fördern und auf die komplexen Folgen von Eingriffen in die Natur aufmerksam machen. Dazu möchte nun auch die zertifizierte Umweltschule des AWB mit ihrem Deponie-Lernpfad einen wichtigen und wertvollen Beitrag leisten. Der Pfad war von der Diplomingenieurin Sigrun Jungwirth (JUP Umweltbildung, Lohmar) entwickelt worden. An den verschiedenen Stationen werde die Thematik veranschaulicht und nähegebracht, und auch, dass man nicht auf einem Berg, sondern auf Müll stehe, sagte Jungwirth. Die Kinder sollen dabei möglichst viel selbst machen. Es gehe auch darum zu zeigen, wie lange es dauert, bis ein „PET-Flasche verschwunden“ ist, sagte Jungwirth: „Verrottet ist sie dann noch nicht.“

„Das ist gut angelegtes Geld“
Die Umweltschule sei nicht so gut an den ÖPNV angebunden, sagte Schumacher. Deshalb trage man die Buskosten für die An- und Abfahrt für Kitas und Schulen aus dem Landkreis Altenkirchen, sagte Schumacher und war sich sicher: „Das ist gut angelegtes Geld.“ Weitere Informationen gibt es auf der Homepage des Abfallwirtschaftsbetriebes: www.awb-ak.de. (tt)


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