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Nachricht vom 08.05.2019    

Ärztemangel hat auch die Kindermedizin erreicht: Fachgespräch in Kirchen

Der Ärztemangel bleibt Thema. Bei einem Fachgespräch von Medizinern und Politikern am Kirchener Krankenhaus wurde deutlich, dass auch die dortige MVZ-Kinderarztpraxis aktuell kaum in der Lage ist, nach dem Fortgang eines Facharztes mit Vollzeitstelle ihren Aufgaben nachzukommen. Kritik am Land und an der Kassenärztlichen Vereinigung wurde laut. Dazu erreichte den AK-Kurier eine Pressemitteilung des CDU-Bundestagsabgeordneten Erwin Rüddel.

Die Teilnehmer des Fachgesprächs aus Politik und Medizin in Kirchen. (Foto: Reinhard Vanderfuhr/Büro Rüddel)

Kirchen. „Die Entwicklung der Arztsituation ist fatal. Der Ärztemangel hat leider auch die Kindermedizin erreicht. Es ist allerhöchste Zeit, die Notbremse zu ziehen. Maßnahmen zur Verbesserung der Versorgungssicherheit, insbesondere in ländlichen Regionen sind unverzichtbar und müssen umgesetzt werden. Im ländlichen Bereich brauchen wir dringend neue Versorgungsformen und die bessere Vergütung der Leistungen. Mein Appell richtet sich da an die Gesundheitsministerin des Landes und die Kassenärztliche Vereinigung (KV), die einen Sicherstellungsauftrag und den zu erfüllen hat“, erklärte der heimische CDU-Bundestagsabgeordnete Erwin Rüddel bei einem Fachgespräch von Medizin und Politik im DRK-Krankenhaus Kirchen.

Besorgte Patientin gab den Anstoß
Anlass für die Zusammenkunft war ein auch an Erwin Rüddel gerichteter Brief einer Mutter, die sich ernsthaft Sorgen um den Fortbestand der MVZ-Kinderarztpraxis am Krankenhaus macht. Denn hier habe sich die Situation seit dem Fortgang eines in Vollzeit tätigen Facharztes, dessen Stelle bislang nicht neu besetzt wurde, auch für die in Teilzeit beschäftigte Ärztin sowie deren Personal dramatisch verschlechtert. „Die Patienten sind nicht weniger geworden, aber die Sprechzeiten wurden auf vier Stunden am Vormittag reduziert“, liest sich aus dem Schreiben. Für Erwin Rüddel, den Vorsitzenden des Gesundheitsausschusses im Deutschen Bundestag, Anlass unter Einbindung von Landrat Michael Lieber, dem gesundheitspolitischen Sprecher der CDU-Landtagsfraktion Dr. Peter Enders, Bürgermeister Maik Köhler und Adressatin Ilonka Schneider zeitnah das Gespräch mit Vertretern des Krankenhauses zu suchen, um die Situation und Lösungsmöglichkeiten zu erörtern. Die Klinik vertraten der kaufmännische Direktor Joachim Krekel, Pädiatrie-Chefarzt Dr. Salem El-Hamid sowie MVZ-Leiter Dr. André Becker. „Wir haben keinen Einbruch durch den Weggang eines Arztes“, äußerte Krekel. Allerdings gestaltete sich die Suche nach neuen Ärzten, ob in Voll- oder Teilzeit, schwierig.

„Die Bewerbungssituation ist dramatisch geworden. Es wird in den nächsten zehn Jahren nicht besser, sondern schlimmer, da auch die Bedingungen immer schwerer werden. Es kommt keiner nach, wobei wir nicht nur um Studenten, sondern auch um Assistenten werben. Gleiches gilt übrigens auch für die Pflege. Bei einem Altersdurchschnitt von 54 Jahren steht man in der Not des Handelns. Als Belegarzt habe ich pro Jahr 200 bis 300 Dienste“, konkretisierte Dr. Becker.

Kritik an Kassenärztlicher Vereinigung
Zustimmung auch von Dr. El-Hamid: Der Chefarzt der Pädiatrie verwies in seinem Bereich auf eine 2.000 stationär und über 6.000 ambulant zu behandelnde Patientenschar. „Wir versuchen jedes Kind zu versorgen. Denn alle Patienten, die kommen, müssen behandelt werden. Ein Problem stellt allerdings die KV-Budgetierung dar“, so der Kinderarzt. Das griff Landratskandidat Enders auf und merkte an, dass die CDU-Landtagsfraktion seit 2002 auf diese Situation hinweist. „Die Kassenärztliche Vereinigung hat ein Problem. Es geht nicht darum Regeln einzuhalten, sondern Versorgung sicherzustellen“, betonte der CDU-Landratskandidat.

Erwin Rüddel kritisierte, dass sich die Selbstverwaltung des Arztstandes der Politik lange Zeit verweigert habe: „Wir brauchen neue Modelle. In zehn Jahren wird man in der Fläche nicht mehr über ambulant und stationär reden. Wichtig ist dabei, dass es für die Kreise Altenkirchen und Neuwied existenziell ist, dass Krankenhäuser langfristig erhalten bleiben. Sorge bereitet mir aber die nicht existierende Landeskrankenhausplanung, was die Existenz von Kliniken gefährdet. Das Land muss auch ernst machen mit einer für die Krankenhäuser auskömmlichen Krankenhausfinanzierung.“ Zunehmend Probleme bereite die der zuständigen Ministerin unterstellte Kassenärztliche Vereinigung. „Hier passiert nichts“, wurde angemerkt, wobei die Kritik auch Ministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler selbst galt. „Die KV ist zu mächtig, zu groß und dadurch ist alles schwieriger geworden“, hieß es. Daraufhin wollte der Landtagsabgeordnete Enders wissen, ob dies an der Obergrenze oder am Budget liege.

Arztstelle in der Pädiatrie weiter vakant
Eine Entspannung und Verbesserung der Situation sieht der Vorsitzende des Gesundheitsausschusses im Berliner Bundesparlament durch das am 1. Mai in Kraft getretene neue Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG). „Durch dieses Gesetz stehen im System mehr als 700 Millionen Euro bereit und so können erste Hilfestellungen geschaffen werden. Zudem zeigt sich daran auch, dass der Bund seine Möglichkeiten mehr als ausschöpft. Die KV ärgert, dass die Politik stärker in ihr System eingreift. Wenn es dadurch für neue Patienten mehr Geld gibt, wird das wohl auch mehr Ärzte motivieren“, konstatierte Rüddel.

Landrat Michael Lieber wies unter Zustimmung darauf hin, dass eine bessere ländliche Versorgung nur durch Institutsüberragung sichergestellt werden könne. MVZ mit stationärer und ambulanter Versorgung sei die zukunftsorientierte Lösung. Auf den konkreten Fall der Pädiatrie im Krankenhaus Kirchen hin bezogen, wiederholte der Verwaltungschef, dass trotz vielfältiger Anstrengungen die vakante Arztstelle bisher nicht nachbesetzt werden konnte. „Wir werden hinsichtlich der KV-Budgetierungen ein Schreiben an die Ministerin verfassen, mit dem Auftrag die KV zu kontrollieren und sicherzustellen das was im Gesetz steht zeitnah umgesetzt wird“, so Enders. „Die Landesregierungen müssen die KVen zwingen das umzusetzen, was im Gesetz steht“, bekräftigte Erwin Rüddel. (PM)


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