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Nachricht vom 21.05.2019    

Landratswahl 2019: Peter Enders (CDU) im Interview

INTERVIEW | Am 31. August geht Landrat Michael Lieber in den Ruhestand. Um seine Nachfolge bewerben sich Dr. Peter Enders für die CDU und Andreas Hundhausen für die SPD. Auf der Wahlkampf-Zielgeraden hat der AK-Kurier mit beiden Kandidaten kurze Interviews geführt. Den Auftakt macht Peter Enders.

Dr. Peter Enders, MdL, bewirbt sich für die CDU um das Amt des Landrates. (Foto: privat)

Eichen/Kreisgebiet. Am Wahlsonntag, dem 26. Mai, wird ein Ergebnis wohl vergleichsweise früh feststehen: Denn während die Auszählung der umfangreichen Stimmzettel für Kreistag, Verbandsgemeinde- und Ortsgemeinderäte bisweilen bis tief in die Nacht dauern wird, dürften die Stimmzettel für die Landratswahl recht zügig ausgezählt sein. Die Entscheidung um die Nachfolge von Michael Lieber fällt zwischen Dr. Peter Enders (CDU) und Andreas Hundhausen (SPD). Der AK-Kurier hat beide Bewerber um ein kurzes Interview gebeten. Den Auftakt macht Peter Enders.

Das ist Peter Enders

Er ist Facharzt für Anästhesiologie, seit über 20 Jahren Abgeordneter des rheinland-pfälzischen Landtags, Mitglied es Kreistages, zudem Ortsbürgermeister seiner Heimatgemeinde Eichen: Peter Enders, Jahrgang 1959, war nach seinem Medizinstudium von 1983 bis 1998 Arzt bei der Bundeswehr, zuletzt als Oberarzt am Bundeswehrzentralkrankenhaus Koblenz. Nach der Wahl von Alfred Beth zum Landrat des Kreises Altenkirchen 1998 rückte er für diesen in den Landtag nach, wo er die Gesundheitspolitik zu einem Schwerpunktthema machte. Unter anderem ist er Vorsitzender des Ausschusses für Gesundheit, Pflege und Demografie. Daneben engagiert er sich als Vorsitzender des Fördervereins DRK-Krankenhaus Altenkirchen und des Fördervereins der Kreismusikschule sowie als Vizepräsident des DRK-Kreisverbandes Altenkirchen und als stellvertretender CDU-Kreisvorsitzender. Enders ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder. Zu seinen Hobbies zählen Lesen, Joggen, Wandern und Gitarre spielen.

Es geht in den Endspurt. Wie läuft der Wahlkampf? Wo drückt den Bürger der Schuh? Und wie reagieren Sie auf ganz konkrete Problembeschreibungen, beispielsweise bei Ihren Haustür-Gesprächen?

Peter Enders: Der Wahlkampf läuft extrem positiv. Ich merke, dass die Menschen sehr interessiert sind und offen auf mich zukommen. Immer wieder geht es um die ärztliche Versorgung und den Zustand unserer Straßen, aber auch um die Zukunft der Region. Die Menschen leben gerne und aus Überzeugung hier, aber sie haben durchaus die Sorge, dass wir abgehängt werden im Vergleich zu den Städten. Dabei interessieren sie sich nicht für Zuständigkeiten, sondern für Lösungen. Aber es gibt natürlich auch andere Themen wie die Fahrpläne und Preise im ÖPNV. Wichtig ist mir dabei – nicht nur im Wahlkampf – zuzuhören, die konkreten Anliegen zu bearbeiten und den Bürgern entsprechende Rückmeldung zu geben.

Beim Festakt „50 Jahre Stadt Wissen“ skizzierte der Zukunftsforscher Daniel Dettling die Möglichkeiten eines Comebacks des ländlichen Raums. Mit welchen drei Top-Argumenten wirbt ein künftiger Landrat Peter Enders für die Region zwischen Willroth und Mudersbach? Und was muss hier besser werden?

Peter Enders: Herr Dettling hat einen prägnanten Satz formuliert: „Aufs Land zu ziehen ist kein Umzug mehr in die Provinz, sondern nach vorne in die Zukunft.“ Das sollte uns Mut und Optimismus bringen. Denn klar ist: Wir haben eine herrliche Landschaft, hier lässt sich günstig wohnen, Eigentum schaffen und arbeiten. Es gibt tolle Unternehmen und qualifizierte Fachkräfte. Und wir haben eine Top-Lage zwischen den Ballungsräumen, die man zum Arbeiten schnell erreichen kann, ohne auf die Vorzüge des ländlichen Lebens zu verzichten. Die digitale Infrastruktur wird derzeit auf Vordermann gebracht und schafft Voraussetzungen für moderne Arbeitsplätze und bürgernahe Verwaltungen.

Dass die medizinische Versorgung Top-Thema bleibt ist, ist bekannt. Die Straßeninfrastruktur muss zweifellos noch besser werden: Wir brauchen die Umsetzung der Ziele von „Anschluss Zukunft“, den konsequenten Ausbau von B 8, B 62, B 256 und B 414, aber zum Beispiel auch der L 278 Richtung Autobahn A4. Dazu müssen wir weiter Druck machen bei den Landesregierungen in Mainz und Düsseldorf. Wir brauchen eine Neuordnung der Finanzbeziehungen von Kommunen und Land, damit der Kreis selbst mehr für den Straßenbau tun kann. Und: Wir können den Westerwald als Ganzes noch besser vermarkten, um unter anderen den Tagestourismus zu stärken.

Auf der kommunalen Ebene, so argumentieren parteiunabhängige Wählergruppierungen oft, habe Parteipolitik nichts zu suchen. Ganz ohne geht es aber wohl nicht. Was ist typisch christdemokratisch am Kommunalpolitiker Peter Enders?

Peter Enders: Die CDU steht nicht nur auf der kommunalen Ebene für Maß und Mitte mit konservativer, christlich-sozialer und liberaler Prägung sowie klarer Abgrenzung gegenüber Rechtspopulisten. Sich als Politiker am christlichen Menschenbild zu orientieren, ist ein hoher Maßstab. Ob es gelingt, zeigt sich im täglichen Miteinander. Dazu zählen Respekt und die Fähigkeit zum Kompromiss. Deshalb ist man kein besserer Mensch, denn man muss auch das Scheitern in Kauf nehmen. Ich glaube, man sollte sich als Politiker immer bewusst sein, dass man nicht die höchste Instanz ist.

Haben Sie eigentlich (politische) Vorbilder?

Peter Enders: Einer, an dem man sich orientieren kann, ist Friedrich Wilhelm Raiffeisen. Er hat mit der Genossenschaftsidee eine weltweite Bewegung in Gang gesetzt, war ein Optimist in schwerer Zeit. Aber er war eben auch Kommunalpolitiker, der sich – eng verwurzelt mit der Region und aus tiefer christlicher Grundüberzeugung – für die Menschen in der Region eingesetzt hat: Mit ihm verbinden wir den Bau von Straßen und Schulen, damals wie heute die Zukunftsthemen. Ich glaube, er wäre heute ein guter Landrat.

Sie haben eine Million Euro zur Verfügung: Damit sollen Sie weder Haushaltslöcher stopfen noch Straßen sanieren. Allerdings soll der Kreis profitieren. Ihr konkreter Vorschlag?

Peter Enders: Lassen Sie uns eine Stiftung gründen, aus deren Erlösen wir diejenigen Medizinstudenten unterstützen, die aus der Region stammen und sich verpflichten, nach ihrem Abschluss als Hausärzte in der Region zu arbeiten. Ich bin sicher, mit einem solchen Grundstock finden sich noch weitere Geldgeber, die eine derartige Stiftung unterstützen, bis sich die Situation der verfügbaren Ärzte verbessert hat. Danach könnte man den Stiftungszweck auf Bildungsprojekte oder vielleicht die Unterstützung von Start-up-Unternehmen in der Region ausrichten. (red)


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