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Nachricht vom 25.05.2019 - 15:26 Uhr    

Demokratiekiller Social Media: BBS-Schülerinnen siegten bei „YOUrope“

Jasmin Kexel, Katharina Nix, Katja Ruhbaum, Johanna Schneider und Marie-Theres Weber von der Berufsbildenden Schule (BBS) Betzdorf-Kirchen schafften es mit ihrem Videoprojekt beim 66. Europäischen Wettbewerbs mit dem Slogan „YOUrope – es geht um dich!“ auf den ersten Platz. Insgesamt 70.057 Schülerinnen und Schüler aus 1.131 Schulen nahmen teil.

Erfolgreiche Schülerinnen der BBS Betzdorf-Kirchen. (Foto. BBS Betzdorf-Kirchen)

Betzdorf/Kirchen. „Es ist uns heute wichtig, immer ‚Up-to-date‘ zu sein, auch wenn wir dabei gelegentlich die Zeit vergessen.“ Diese These ist Teil des Ausgangspunktes eines Filmprojekts der Klasse BS MN 16+ an der Berufsbildenden Schule (BBS) Betzdorf-Kirchen, in dessen Mittelpunkt der Social-Media-Einfluss auf die vorwiegend heranwachsende Generation steht. „Social Media – ein Demokratiekiller?“ lautete die offizielle Modulbeschreibung des über die Bundesgrenzen hinweg organisierten 66. Europäischen Wettbewerbs mit dem Slogan „YOUrope – es geht um dich!“. Insgesamt 70.057 Schülerinnen und Schüler aus 1.131 Schulen nahmen an der diesjährigen Wettbewerbsrunde teil, deren Schirmherr kein Geringerer als Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier war. Unter den Teilnehmern befanden sich auch Jasmin Kexel, Katharina Nix, Katja Ruhbaum, Johanna Schneider und Marie-Theres Weber. Die fünf angehenden Modeschneiderinnen kamen im Rahmen des Sozialkunde-Unterrichts gemeinsam mit ihrem Lehrer und Schulleiter Michael Schimmel auf die Idee, bei diesem renommierten Wettbewerb an den Start zu gehen.

Tiefe Auseinandersetzung mit sozialen Medien
Bereits nach einem ersten Schreibgespräch im Klassenverband, in dem die wichtigen Fragen rund um die Umsetzung des Projektes geklärt wurden, war das Feuer bei den fünf Schülerinnen entfacht. „Es fand eine tiefe Auseinandersetzung mit sozialen Medien und deren Wirkung statt. In diesem Zusammenhang setzten sich die Schülerinnen auch mit verschiedenen Demokratiemodellen und deren aktuellem Anwendungsbezug auseinander“, beschrieb Michael Schimmel seine Eindrücke aus dem Unterricht. Doch nicht nur innerhalb der Schule waren die 17- bis 22-Jährigen fleißig: „Wir sind für dieses Projekt auch in unserer Freizeit sehr aktiv gewesen. Wir waren einfach voll drin“, beschrieb Katharina Nix die vergangenen Wochen. Außerdem seien die gute Kommunikation untereinander und die Unterstützung durch Michael Schimmel die Schlüssel zum Erfolg gewesen.

Kein Ausweg mehr?
Die viele Arbeit sollte sich jedenfalls lohnen: Das Ergebnis kann sich mehr als sehen lassen. Ein über drei Minuten langes Video in elf Szenen plus entsprechender Ausarbeitung stellten schlussendlich das Handlungsprodukt dar. Darin zu sehen ist eine zunächst sorgenfreie junge Frau, die selten soziale Medien nutzt und weder mit ihrem Äußeren noch mit ihrer Ernährung unzufrieden ist. Dies ändert sich im Laufe des Videos mit der verstärkten Nutzung der gängigen Plattformen in den virtuellen Gefilden. Die Selbststeuerung der Protagonistin im Video nimmt fortwährend ab. Sie orientiert sich immer mehr an den vermeintlichen Vorbildern einer scheinbar perfekten und erstrebenswerten Welt. Durch ständige Anpassung der Kleidung und kostspielige Nahrungsergänzungen sinken dabei nicht nur die finanziellen Mittel, sondern auch die Lebensqualität der ursprünglich zufriedenen Frau. Sie wird in ihrem Handeln zunehmend fremdbestimmt und gerät dadurch in einen hektischen Alltag, in dem sie verzweifelt versucht, ihren Lifestyle an den ihrer „Influencer“ anzupassen. Hierbei gerät sie einen Kreislauf, aus dem es irgendwann keinen Ausweg mehr gibt.

Botschaft angekommen
Bei der technischen Umsetzung des Videos bedienten sich die fünf Schülerinnen unter anderem einer Drohnenkamera, um bei Außenaufnahmen im Molzberg-Stadion die für ihre Aussage wichtige Vogelperspektive einnehmen zu können. Aber nicht nur technisch schöpften die Auszubildenden aus den Vollen: Jedes Detail in ihrem Video wurde durchgeplant und auf den Punkt gebracht. In einer geschickten Auswahl von metaphorischen Darstellungen innerhalb der Szenen, Schnitt und Hintergrundgeräuschen gelang es der Gruppe, dem Zuschauer ihre Message zu vermitteln: „Die Aufklärung über den Einfluss und die Gefahren der sozialen Medien in unserer Zeit muss verstärkt stattfinden.“

„Selbstexperiment“ brachte den Sieg
Die hohe Relevanz dieses Appells an Politik und Gesellschaft wurde auch den Schülerinnen erst während ihrer Bearbeitungsphase so richtig deutlich. „Wir hatten die Vermutung, dass die Social-Media-Nutzung problematisch sein kann, aber so richtig eingestanden haben wir es uns zunächst nicht“, beschreiben die angehenden Modeschneiderinnen ihren Standpunkt vor dem Projekt im Nachgang. Sie selbst nutzen ebenfalls die sozialen Medien und beschrieben ihre Arbeit sogar teilweise als „Selbstexperiment“. Mittlerweile achten sie verstärkt auf profilbezogene Werbung in den sozialen Netzwerken. „Man hinterfragt das eigene Interesse jetzt wieder mehr“, geben sie geschlossen an. Sie wurden durch ihre reflexive Auseinandersetzung mit dem Thema für die damit einhergehenden Gefahren sensibilisiert. Nicht zuletzt deswegen sind sie geschlossen der Meinung, dass Aufklärung für alle Nutzer enorm wichtig ist. Diese Erkenntnis wiegt für die Schülerinnen sogar weitaus schwerer als der 1. Platz in ihrer Kategorie beim 66. Europäischen Wettbewerb. Gefreut haben sie sich natürlich dennoch darüber und verbrachten abschließend gemeinsam mit ihrem Lehrer Michael Schimmel einen „lustigen Tag“ auf der Preisverleihung im pfälzischen Germersheim. (PM)



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