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Nachricht vom 01.06.2019 - 18:39 Uhr    

Buchtipp: „Elefant – Graue Riesen in Natur und Kultur“

Kaum ein Wildtier erfreut sich so großer Beliebtheit wie das größte lebende Landsäugetier, das auf eine 50 Millionen Jahre währende Geschichte zurückblickt: der Elefant. Die sanftmütigen Riesen faszinieren bereits Kinder, und Sammler haben die markante Figur mit den Besonderheiten langer multifunktionaler Rüssel und lange Stoßzähne für sich entdeckt. Trotzdem steht der Elefant auf der Liste der bedrohten Tierarten. Markus Mergenthaler und Wolfgang Stein widmen sich in dem Begleitband zur gleichnamigen Ausstellung in Iphofen zugleich wissenschaftlich und anschaulich dem ambivalenten Verhältnis zwischen Elefant und Mensch.

Buchtitel. Foto: Nünnerich-Asmus Verlag

Oppenheim. Dieses dürfte in der Altsteinzeit mit der Jagd auf Mammuts begonnen haben, weil das Großwild neben viel Fleisch auch Fett, Knochen, Elfenbein, Fell und Sehnen für das Überleben der Höhlenmenschen lieferte. Altsteinzeitliche Mammutdarstellungen wie die im Eiszeitmuseum Neuwied-Monrepos zu sehenden Gravierungen von Gönnersdorf belegen die Bedeutung der Tiere für die Menschen dieser Zeit.

Die in Elefanten-Klans beobachtbare „Fähigkeit zur Pflege komplexer Sozialbeziehungen bildet die Voraussetzung für die Domestizierung von Elefanten durch Menschen. Die Tiere ordnen sich dabei gleichsam dem dominanten Wärter unter.“ (Bernhard Ruthensteiner)

Die Afrikanischen Elefanten unterscheiden sich von den Asiatischen Elefanten durch Größe, Ohren und Rüsselenden. Beide Arten sind stark bestandsgefährdet. Dabei ist – vor allem in Afrika - die Wilderei wegen des Elfenbeinhandels eine der Ursachen. Mittels Isotopen-Signatur und Datierung mit Radionukliden wird gegen illegalen Elfenbeinhandel angekämpft.

Im vorkolonialen Nigeria in Westafrika galten Elefant und Leopard als Königstiere. Schon in der Indus-Kultur (3.000 bis 1.700 vor Christus) wurde der Elefant auf Siegeln abgebildet, was seine Bedeutung für die Menschen auf dem indischen Subkontinent zeigt. Aus dem Zweistromland stammt eine Abbildung eines Elefanten mit reitendem Mahout aus der Zeit um 2.000 vor Christus. In antiker Zeit standen im Vorderen Orient Elefanten in Verwendung als Repräsentationstiere, zu grausamen Zirkusspielen und als Kriegselefanten. Bis heute versucht man der faszinierenden Alpenüberquerung des punischen Feldherrn Hannibal mit 37 Elefanten im Jahr 218 vor Christus auf die Spur zu kommen. Offenbar fingen die Karthager wilde Waldelefanten und trainierten sie mit Hilfe asiatischer Elefantenführer. Die Karthager sind wohl über den 2.947 Meter hohen Col de la Traversette gezogen.

Faszinierend zu lesen ist auch die lange Reise des Elefantenbullen „Soliman“, der 1551/1552 als Paradetier-Geschenk mit Erzherzog Maximilian von Portugal nach Wien ziehen musste. Nach seinem Tod wurden zu seinen Ehren Münzen geprägt und aus seinen Knochen ein Prunkstuhl gebaut. Die Haut wurde mit Stroh ausgestopft, damit das exotische Tier die Kunstkammer der Wittelsbacher bereichern konnte. Im 2. Weltkrieg fiel das Präparat im Keller des Bayerischen Nationalmuseums Schimmel und Feuchtigkeit zum Opfer.

Junge Elefanten können erst ab einem Alter von zehn Jahren gezähmt und abgerichtet werden, verwendbar waren sie mit etwa 20 Jahren. Daher unternahmen die Moghul-Herrscher große Fangexpeditionen um etwa 20-jährige Bullen zu fangen und von Mahouts zähmen zu lassen. Die sehr ruhigen und friedliebenden Tiere in lebende Kampfmaschinen zu verwandeln, gelang altindischen Trainern, indem sie zunächst den Willen der Tiere brachen und danach die Überlebenden dieser Tortur nach festgelegtem Muster trainierten.

In Südasien verloren die die Kriegselefanten seit dem 18. Jahrhundert immer mehr an Bedeutung durch die Entwicklung der Waffentechnik. Ihre Bedeutung als Last- und Zugtiere behielten sie bis heute bei. Die Jagd auf Tiger vom Rücken der Elefanten aus war ein Privileg der Moghul-Kaiser, später wurde diese Jagdmethode von den englischen Kolonialherren übernommen und bis ins 20. Jahrhundert im Rahmen der „Grand Tour“ durchgeführt.

Schon im über 3.000 Jahre alten Rig-Veda werden dem Elefanten göttliche Tugenden zugeschrieben: Stärke, Unaufhaltsamkeit, Glück und Wildheit und man bringt sie mit den Gottheiten Agni und Indra in Zusammenhang. Die sakrale Position wurde durch den Buddhismus verstärkt. Heute werden in Indien die Elefanten vor allem als Tempelelefanten bei religiösen Festivals eingesetzt. Der beliebte Elefantengott Ganesha fungiert als Mittler zwischen den Sphären. Er gilt als Beseitiger von Hindernissen und steht für Weisheit, Erfolg und Wohlstand.

Mit den im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert erfolgreichen Völkerschauen nutzte man die Faszination, die die mächtigen und friedlichen Elefanten auf europäische und amerikanische Besucher ausüben. Noch heute ist der Elefant das Wappentier des Zirkus Krone. Zoo-Elefanten gab es bereits bei den Assyrern. Im 16. Jahrhundert wurde es an den europäischen Herrscherhöfen Mode, Tiermenagerien anzulegen. Auch König Ludwig II. träumte von einem kleinen Elefanten im Wintergarten seiner fantastischen Münchener Residenz.

Ein ausgewachsener Elefant benötigt täglich bis zu 200 Kilogramm Futter und 100 Liter Wasser am Tag. Ironischer Weise wurden Elefanten von Anfang an zur Vernichtung ihres natürlichen Lebensraums, des Waldes eingesetzt.

Der bebilderte Begleitband zur Ausstellung im Knauf-Museum Iphofen ist im Nünnerich-Asmus Verlag erschienen, ISBN: 978-3-96176-068-8. htv



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