Werbung

Nachricht vom 13.06.2019    

Glücksbringer in Wohnungsnot – Mehlschwalben auch bei uns bedroht

Schwalben gelten als Glücksbringer. Früher nahm man an, dass Häuser, an denen Schwalben brüten, vor Unwetter und anderem Unheil geschützt sind. Von alters her waren sie daher gern gesehene Gäste am Haus. Diese Sichtweise hat sich inzwischen deutlich verändert. Viele Hausbesitzer legen Wert auf „vogelfreie“ Fassaden und unterbinden aus Angst vor Kotspuren Nistversuche von Schwalben oder zerstören sogar bestehende Nester. Dabei haben die ihr Zuhause eigentlich auch in unserer Region.

Zunehmend bedroht: die Mehlschwalbe (Foto: NABU Klemens Karkow)

Kreisgebiet. Leider gehören auch Schwalben zu den stark bedrohten Tierarten. Es ist bedauerlich, dass auch der Schwalbenbestand stark rückläufig ist, wobei der Wegfall von Nistmöglichkeiten die ohnehin schon aufgrund von Nahrungsmangel (Insektenrückgang) schwierige Situation der Schwalben verschlechtert.

Schwalben zählen zu den nach dem Bundesnaturschutzgesetz streng geschützten Arten (§ 39 u. § 44 BNatSchG), deren Bestand äußerst gefährdet ist und die es umso mehr zu schützen gilt, so die Untere Naturschutzbehörde der Kreisverwaltung in Altenkirchen. Einerseits dürfen die Tiere selbst weder getötet noch während ihrer Aufzuchtzeiten gestört und beeinträchtigt werden. Andererseits ist es verboten, ihre Fortpflanzungs- und Ruhestätten zu beschädigen oder zu zerstören. Schwalben sind sogenannte nesttreue Vogelarten, ihre Nester dürfen daher auch nicht während ihrer winterlichen Abwesenheit beseitigt werden. Diese Verbote sind auch im Zusammenhang mit baulichen Veränderungen an Dach und Fassade sowohl von Eigentümern als auch von ausführenden Fachfirmen zwingend zu beachten.

Das Entfernen von Nestern ist per Gesetz rechtswidrig und darf, wenn überhaupt, nur nach behördlicher Prüfung über eine Ausnahmegenehmigung erfolgen. Dies bezieht sich übrigens auf alle Tierarten, die Gebäude besiedeln, so z.B. auch auf Fledermäuse, Mauersegler etc.. Geplante Vorhaben, die zu Konflikten mit Gebäudebrütern führen, sind deshalb vorab mit der Unteren Naturschutzbehörde Altenkirchen (Tel.: 02681-812655) abzustimmen. Insbesondere können Konflikte durch die zeitliche Anpassung der Sanierungsarbeiten außerhalb der Brut- und Aufzuchtzeiten vermieden werden: Arbeiten sollten daher „schwalbenfreundlich“ nicht in der Brutzeit von Ende April bis Mitte August durchgeführt werden. Darüber hinaus können Fassaden vor Verschmutzung durch Schwalbenkot effektiv und kostengünstig geschützt werden, indem ein einfaches Kotbrett ca. 50-70 cm unterhalb des Schwalbennestes angebracht wird. Ist das Kotbrett in der gleichen Farbe wie die Fassade gehalten, ist für den Betrachter kaum eine Besonderheit an der Hausfassade wahrnehmbar.



Schwalben sind als Kulturfolger auf menschliche Siedlungen als Lebensraum angewiesen. Gerade in der aktuellen Diskussion um das Insekten- und Artensterben sollte daher die Unterstützung gefährdeter Arten vor der eigenen Haustüre anfangen (s. z.B. Auszeichnung von „Schwalbenfreundlichen Häusern“ durch den NABU). Durch ein wenig mehr Toleranz für gebäudebesiedelnde Tierarten, wie unsere Mehlschwalben, kann ein aktiver Beitrag zum Artenschutz und zum Erhalt bedrohter heimischer Tierarten geleistet werden. Die Glücksbringer werden es danken. (PM)


Feedback: Hinweise an die Redaktion

AK-Kurier Newsletter: Immer bestens informiert

Täglich um 20 Uhr kostenlos die aktuellsten Nachrichten, Veranstaltungen und Stellenangebote der Region bequem ins Postfach.

Alle Bilder (für eine größere Ansicht klicken Sie bitte auf eines der Bilder):
   



Aktuelle Artikel aus Region


Erfolg bei der Europameisterschaft 2026: Lennox Schlosser aus Kirchen belegt Platz 3

Der junge Motorsportler Lennox Schlosser hat einen weiteren Meilenstein in seiner Karriere erreicht. ...

Missbrauchsprozess in Koblenz: Schockierende Anklage gegen Vater

Das Landgericht Koblenz verhandelt einen erschütternden Fall von sexuellem Missbrauch. Der Angeklagte, ...

Nach einer Pilotphase - St. Marien-Krankenhaus Siegen erweitert Einsatz von Unit-Dose-Automaten

Das St. Marien-Krankenhaus in Siegen hat einen Schritt zur Verbesserung der Patientensicherheit unternommen. ...

Afrikanische Schweinepest: Elektrozaun im Kreis Altenkirchen nur ein Provisorium

Im Kreis Altenkirchen gibt es bisher keinen bestätigten Fall der Afrikanischen Schweinepest. Ein provisorischer ...

Gefäßchirurgie im Diakonie Klinikum Jung-Stilling: Team stellt medizinische Fortschritte vor

Die Klinik für Gefäßchirurgie am Diakonie Klinikum Jung-Stilling in Siegen feiert ihr zehnjähriges Bestehen. ...

Sparkasse Westerwald-Sieg fördert weiterhin erfolgreiche Fußballvereine

Seit Jahren unterstützt die Sparkasse Westerwald-Sieg (SKWWS) die Vertreter der Westerwälder Fußball-Rheinland- ...

Weitere Artikel


„Chalumeau“: Bunter Strauß an Musik beim Konzert in Birnbach

Hochkarätige Musik aus verschiedenen Epochen, zu einem „bunten Strauß“ gebunden, serviert am Samstag, ...

IHK-Report zu Fachkräftemangel: Die Lage spitzt sich zu

Auch wenn der Fachkräftemangel bereits seit Jahren als größtes Geschäftsrisiko bewertet wird – jetzt ...

Besuch aus Japan im Deutschen Raiffeisenmuseum in Hamm

Friedrich Wilhelm Raiffeisen hat in Japan einen besonderen Stellenwert, genießt fast so etwas wie Verehrung. ...

Motorradfahrer bei Verkehrsunfall schwer verletzt

Weil eine Autofahrerin beim Ausscheren zum Überholen übersah, dass sich ein Motorradfahrer bereits im ...

Krankenhäuser Altenkirchen und Hachenburg: DRK will einen Standort

Die DRK-Krankenhäuser Altenkirchen und Hachenburg sollen an einem Standort zusammen geführt werden. Darüber ...

Gewerkschaft will Job-Befristungen eindämmen

Trotz guter Lage am Arbeitsmarkt haben in der Region noch immer zu viele Menschen nur einen befristeten ...

Werbung