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Nachricht vom 06.07.2019    

Brückensperrung in Wissen: „Siegtal-pur“-Brücke könnte helfen

Ist die Wissener Alstadt-Brücke ab Mitte Juli gesperrt, wird der Weg ziemlich weit von hüben nach drüben. Das Land baut hier neu. Die Alserberg-Brücke wird unterdessen zum Nadelöhr für PKWs, LKWs und Busse und lässt sich ohnehin für mindestens 14 Monate nur mit einer Ampel-Regelung befahren. Anwohner, Schulen und Unternehmen sind besorgt. Für Fußgänger und Radfahrer könnte es nun eine Lösung geben, zumindest für die Sommermonate. Denn der Kreis hat schließlich eine eigene Behelfsbrücke für „Siegtal-pur“.

Die Gerüstbrücke des Kreises für „Siegtal pur“ steht seit dieser Woche wieder in Etzbach. Sie könnte auch in Wissen für Entspannung sorgen. (Foto: privat)

Wissen/Etzbach. Eingefleischte „Siegtal-pur“-Fahrer kennen die „spannenden“ Stellen im Streckenverlauf. Dazu gehört die Sieg-Querung bei Etzbach. Nur mit einer Behelfsbrücke gelingt hier seit vielen Jahren der Lückenschluss. Und genau diese Behelfsbrücke könnte jetzt auch einige Kilometer siegaufwärts für Entspannung sorgen und einigen Ärger verhindern: In Wissen wird bekanntlich ab Mitte Juli die Altstadt-Brücke im Zuge der Landesstraße L 278 über die Sieg komplett gesperrt, bis auf die Pfeiler abgerissen und neu aufgebaut. Darüber hatte der Landesbetrieb Mobilität bei einem Ortstermin informiert. Das Land investiert hier drei Millionen Euro, sorgt aber eben auch für erhebliche Unruhe, denn der komplette Verkehr verlagert sich mit Beginn der Sperrung auf die dann durch Ampelverkehr geregelte Alserberg-Brücke – Schul- und LKW-Verkehr inklusive. Damit werden Teile der Stadt Wissen für die Bauzeit von mindestens 14 Monaten von der Innenstadt „abgeklemmt“, LKWs, Autofahrer und Fußgänger müssen erhebliche Einschränkungen hinnehmen. Und: Ist das Land mit der Brücke fertig, steht mit dem Ausbau der Holschbacher Straße (Kreisstraße K 66) die nächste große Baustelle an, die den Verkehr ebenfalls beeinträchtigen wird.

Busse statt Elterntaxis
Für den Schülerverkehr, insgesamt sind es rund 1.500 Schüler täglich, hat der Wissener Stadtbürgermeister Berno Neuhoff zusammen mit den Schulen vorgeschlagen, dass alle Schüler möglichst ab August auf Busse umsteigen und ein verbilligtes Ticket als Anreiz geschaffen wird. Bislang haben weder Land noch Kreis hier Bereitschaft signalisiert, einzusteigen. Neuhoffs Ziel ist es, vor allem den PKW-Schulverkehr in den Stoßzeiten morgens und mittags am Nadelöhr Alserberg-Brücke zu reduzieren. „Wir appellieren an die Eltern, die Kinder und Jugendlichen in dieser Zeit nicht mit dem PKW zur Schule zu fahren, sondern freie Kapazitäten in den Bussen zu nutzen“, so Neuhoff im Gespräch mit dem AK-Kurier. „Zielsetzung ist es, die Schülerinnen und Schüler, die innerhalb der Vier-Kilometer-Zone im Stadtgebiet von Wissen wohnen und keinen Anspruch auf eine Schülerfahrkarte haben, mit den bestehenden Buslinien vom Regio-Bahnhof zur Realschule plus und dem Gymnasium zu transportieren, um die Flut an ‚Elterntaxis‘ jeden Morgen und Mittag zu vermeiden. Wir sprechen über insgesamt 370 Schüler.“ Eine Monatskarte hierzu kostet 40 Euro. Neuhoffs Vorschlag: Die Hälfte übernehmen die Familien selbst, denn ohne Eigenanteil gehe es nicht, die andere Hälfte teilen sich Land und Kreis. Das hat er den Verantwortlichen bei Land und Kreis zwischenzeitlich gemeinsam mit den Schulleitungen in einem Brief vorgeschlagen. Er sehe die Gefahr, heißt es da, eines möglichen Wettbewerbsnachteiles für die betroffenen Schulen in sich. „Dies kann sich im künftigen Anmeldeverfahren niederschlagen, weil eine eingeschränkte Mobilität für Eltern und Schüler unattraktiv ist. Der Unterricht wird dadurch auf absehbare Zeit mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit niemals pünktlich anfangen und den Schülern am Schulstandort Wissen entsteht ein Wettbewerbsnachteil auf Jahre.“ Die Problematik wurde auch in zwei von ihm initiierten runden Tischen mit Vertretern von Schulen, Polizei, Verwaltung und Unternehmen besprochen.



Gibt es eine Behelfsbrücke für Fußgänger?
Viele Bürger hätten sich zwischenzeitlich bei ihm gemeldet – mit Sorgen und Verärgerung, aber auch mit konstruktiven Vorschlägen. Zumindest für Fußgänger und Radfahrer zeichnet sich eine zeitlich begrenzte Übergangslösung ab: So hatten Bürger des Wissener Alserbergs und der Brückhöfe, die am stärksten von der Maßnahme betroffen sind – dort befindet sich auch ein Seniorenheim – vorgeschlagen, die Brücke von „Siegtal pur“, die vom Technischen Hilfswerk (THW) am Industriepark Etzbach aufgestellt wird und dem Kreis gehört, an der Wissener Siegpromenade zumindest für die Sommermonate zu nutzen. Neuhoff hat dazu in den letzten Tagen Gespräche mit Landrat Michael Lieber, dem Leiter des Landesbetriebs Mobilität in Diez, Lutz Nink, und dem THW in Scheuerfeld geführt. Alle unterstützen diesen Vorschlag. Landrat Michael Lieber würde der Stadt Wissen die Gerüstbrücke kostenlos zur Verfügung stellen. Das THW wäre bereit, diese aufzubauen. Der LBM würde an den Enden die nötigen Aufsätze herstellen. Da es sich beim THW um eine Bundeseinrichtung handelt, müsste der Aufbau über Spenden aus der Bevölkerung und Unternehmen finanziert werden und es müssten Freiwillige helfen, die abends die Brücke mit Bauzäunen abriegeln. Die Stadt Wissen, so Neuhoff, sei hoch verschuldet und darf, da es ein Haushaltssicherungskonzept gibt und es sich hier um eine freiwillige Ausgabe handelt, diese nicht finanzieren. Neuhoff schlägt die Brücke für Fußgänger – Radfahrer müssten abstiegen und schieben – nur für die Sommermonate vor, längstens bis 30. September, da sie Hochwasser nicht standhält. Sichergestellt werden müsse, dass die Brücke bei einer Hochwasserwarnung oder der Ankündigung von starkem Niederschlag sofort abgebaut würde.Dies müsse in weiteren Terminen besprochen werden. Außerdem hat er die Wasserbehörde zu einem kurzfristigen Ortstermin eingeladen, um den geeigneten Ort und die Möglichkeiten zu besprechen. Da die Sieg ein ökologisch sensibler Bereich ist und wegen herabfallender Betonteile an der Brücke ein Sicherheitsabstand eingehalten werden muss, käme wohl nur der Bereich der Siegpromenade unterhalb des Wisserbachs in Frage. Ponton-Brücken der Bundeswehr, die vorgeschlagen wurden, sind nicht möglich. Sie stellen ökologisch einen massiven Eingriff in die Sieg dar und sind zudem nur in Katastrophenschutzfällen vom Bund zu erhalten. Die Gerüstbrücke steht auf kleinen Metall-Füßen, Fische können ungehindert schwimmen.

Neuhoff setzt auf Einsicht und Pragmatismus
„Ich bin dem Landrat und dem THW sehr dankbar für diese Hilfe. Ich hoffe, dass die zuständigen Behörden den pragmatischen und relativ kostengünstigen Vorschlag mittragen. Die Wissener Bevölkerung, insbesondere die vielen älteren Menschen und Bewohner des Alserbergs, müssen genügend Einschränkungen hinnehmen und sind jetzt auf Kooperation und Wohlwollen anderer Behörden angewiesen. Ich setze auf Einsichtsfähigkeit und Pragmatismus. Das wäre wenigstens eine Perspektive für den Sommer“, so Neuhoff. Sollte der Vorschlag Zustimmung finden, werde er einen Spendenaufruf starten und die Bevölkerung und Unternehmen um aktive Hilfe und praktische Unterstützung bitten. (scan)


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