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Nachricht vom 24.03.2010    

Eine traumhaft schöne Reise ins ferne Indien

Mit Pater Paul nach Indien reiste eine 20köpfige Gruppe der katholischen Pfarrgemeinde "Kreuzerhöhung" Wissen im Januar. Es wurde eine unvergessliche Reise in eine andere Welt.

Eine Reisereportage von Bernd Kuball
"Wenn du Gott sehen willst, so geh' auf die Straße und schau die Menschen an!" So zitiert Pater Paul von der katholischen Kirchengemeinde Wissen in seiner Reisebroschüre eine indische Legende. Er hat dieses Heft für uns 20 Mitreisende zusammengestellt, die er im Januar auf seinen Heimaturlaub mit nach Indien nimmt, um ihnen sein Land zu zeigen.
Also öffnen wir Augen, Ohren und unwillkürlich auch den Mund, als wir nach elf Stunden Flug durch Delhi zu unserem Hotel fahren. Was wir sehen, verschlägt uns fast die Sprache: Eine endlose Menschenmasse wuselt sich im chaotischen Verkehr durch die Straßen; rechts und links eine Großstadt mit Hochhäusern, Reklame und Metro Baustelle, dazwischen immer wieder unbeschreibliches Elend, Slums, Berge von Müll und zerlumpte Menschen, die unter Brücken vom Schlaf erwachen, sich am Straßenrand Tee kochen, oder sich in überfüllte Busse ohne Fensterscheiben zwängen. Erste Eindrücke von der 10 Millionen Hauptstadt Indiens, dessen 1,2 Milliarden Menschen zu 80 Prozent mit weniger als 2 $ am Tag auskommen müssen!
Dann der Kontrast: wo wir auch aussteigen, begegnen uns aufgeschlossene, freundliche und fröhliche Menschen. Sie wollen mit uns reden, etwas zeigen, sich fotografieren lassen. Wir sind erst vorsichtig, weil wir viel gehört haben über Korruption, Kriminalität und Gewalt in Indien, aber dann fühlen wir uns doch wohl und sicher. Auch die in diesem Gewimmel verloren gegangenen Schafe aus der Reisegruppe finden heil zur Herde zurück und eine liegengelassene Tasche wird uns mit Geld und Pässen nachgeschickt. Hier ist etwas zu spüren von der über Jahrtausende vom Hinduismus geprägten, friedlichen Gesellschaft, von der nie große Kriege oder Eroberungen ausgingen und in der jeder seinen Platz im Kastensystem akzeptiert.
Ganz anders arabische, später auch türkisch-afghanische Eroberer, die im 13. Jahrhundert das Sultanat Delhi und im 16. Jahrhundert das Großmogulreich gründeten. Sie schickten sich an, von hier aus das ganze Land zu erobern und zu islamisieren, was ihnen jedoch nicht gelungen ist. Noch heute sind 80 Prozent der Inder Hindus und nur 11 Prozent Muslime, aber die Mogulkaiser haben Indien geprägt und großartige Baudenkmäler hinterlassen, die wir jetzt in Nordindien besuchen.
In Delhi sehen wir die älteste Moschee Indiens, Qutab Minar aus dem 13. Jh., die mit ihrem monumentalen Minarett den Sieg des Islam bezeugen sollte, deren hinduistische Baumeister aber Materialien und Ornamente aus ihrer eigenen Religion einfließen ließen. Beherrschend ist die größte Moschee Indiens, Jama Masjid, die von einer Anhöhe aus "auf die Welt blickt", und wunderschön das Kaiser Hymayun Mausoleum, aus rotem Sandstein und Marmor, das als Vorläufer des Taj Mahal gilt. Natürlich besichtigen wir auch den hinduistischen Birla Tempel, und das riesige India Gate, sowie das Raj Ghat, die Verbrennungsstätte Mahatma Gandhis.
Am 4. Tag geht es ins 200 km entfernte Agra zum Taj Mahal, für die Inder das schönste Gebäude der Welt und ohne Zweifel auch für uns ein Höhepunkt der Reise! In einzigartiger Lage ließ Schah Jahan dieses Mausoleum im 17. Jh. von 20.000 Arbeitern erbauen. Ein Traum in weißem Marmor, mit Edelstein- und Goldintarsien – und das nicht etwa für sich, sondern für seine geliebte Frau Mumtas Mahal, die nach der Geburt ihres 14. Kindes starb! Außerdem sehen wir die mächtige Festung von Agra und die Palastanlagen von Fatehpur Sikri. Es folgt der dritte Ort im „goldenen Dreieck“, Jaipoor, die "Pink City". Alle Gebäude dieser planmäßig angelegten Stadt, auch der berühmte Palast der Winde, tragen den typischen rosa Anstrich. Wir besuchen den City Palast des Maharaja samt Freilichtobservatorium Jantar Mantar mit riesigen astronomischen Instrumenten. Außerhalb der Stadt liegt auf einem Berg das mächtige Fort Amber, zu dem wir auf Elefanten hinaufreiten. Der prächtige Palast mit seinen gewaltigen Festungsmauern bietet einen herrlichen Ausblick auf das Umland.
Dann geht es mit dem Bus zurück nach Delhi. Für die 250 km brauchen wir über sieben Stunden! Der Verkehr folgt keinen erkennbaren Regeln. Uns kommen selbst auf vierspurigen Strassen Fahrzeuge entgegen und wir werden überholt, obwohl entgegenkommende Autos auch gerade überholt werden. Was tun die Inder? Laut fluchen? Den Stinkefinger zeigen? Nichts da! Sie weichen einfach aus, bremsen ab, lassen sich überholen. Unfälle sehen wir nur selten.
Nach dieser ersten Woche fliegen wir nach Kerala im Süden, ins "Land der Kokospalme". Welch ein Wechsel! Ein von der Natur verwöhntes, üppiges, tropisches Land, das seine Einwohner stolz "Gottes eigenes Land" nennen. Wir besuchen zunächst Kochi, die 1,5 Millionen-Stadt am Arabischen Meer mit dem holländischen Palast, der portugiesischen St. Francis Kirche und dem Grab Vasco Da Gamas, der alten Synagoge von 1567 in "Jewtown", die Fischer mit ihren chinesischen Netzen und nach einer Bootsfahrt erleben wir abends eine Aufführung des prachtvollen Tanzdramas „Kathakali“. Am nächsten Tag geht es im Bus durch tropische Wälder 2000 Meter hoch ins Gebirge zu den riesigen Teeplantagen von Munnar. Zurück aus den Bergen genießen wir im Hausboot einen erholsamen Tagesausflug durch die herrliche Landschaft der Backwaters mit kleinen Dörfern, Wäldern, Kokospalmen und Reisfeldern.
Kerala ist der christlichste der 28 Bundesstaaten mit 20 Prozent Christen, während es in ganz Indien nur 2,5 Prozent sind. Das Christentum hier ist älter als in Europa. Die Thomaschristen berufen sich auf eine in den apokryphen Thomasakten erwähnte Missionsreise des Apostels nach Indien und verehren auch dessen Grab in Madras. Ab dem 5. Jh. begann die Missionierung durch die syrische Kirche und in der Kolonialzeit kamen portugiesische, holländische und englische Missionare. So sind die indischen Christen heute konfessionell zersplittert in unterschiedliche Thomaschristen, lateinische, orthodoxe und protestantische Kirchen. Es gibt eben viele Wege in der Nachfolge Christi! Überall in Kerala sehen wir Kirchen, häufig mit Schulen, die von Kirchen geführt werden. Daher liegt die Alphabetisierungsrate mit 90 Prozent auch weit über dem Landesdurchschnitt. Hier, in Pater Pauls Heimat, besuchen wir das Generalat seines Ordens in Kochi, mehrere Häuser seines Klosters und deren Schulen. Überall werden wir herzlich begrüßt und bewirtet und Schulkinder empfangen uns mit fröhlichen Darbietungen. Ferner stehen die Gräber der ersten indischen Heiligen, Schwester Alphonsa und des Seligen Kuriakos Chavara auf unserem Programm, die zu wichtigen Pilgerstätten geworden sind.
Zum Abschluss unserer Tour verbringen wir zwei Tage in einem Strandhotel in Kovalam Beach, um uns am Indischen Ozean von all den Eindrücken und Anstrengungen zu erholen. Danach fliegen die meisten nach Hause. Pater Paul fährt noch für zwei Wochen zu seiner Familie und wir zwei Kuballs verbringen eine dritte Woche in einem Konvent der "Little Sisters", die auch in Wissen Dienst tun. Die fröhlichen, weltoffenen Nonnen verwöhnen uns als ihre Gäste und lassen uns an ihrem Leben teilhaben. So dürfen wir die großartige Einweihungsfeier zu ihrem neu renovierten ayurvedischen Hospital mitfeiern.
Es war eine Reise in eine andere Welt. Wir haben sehr viel gesehen und erlebt, aber wir wissen auch, dies ist nur ein kleiner Teil Indiens – wir müssen noch einmal wiederkommen! Fotos: Pater Paul (11), Bernd Kuball (5)
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Die Reisegruppe vor dem Taj Mahal in Agra - ein Höhepunkt der Reise.


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