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Nachricht vom 15.07.2019    

Digitale Modellregion Gesundheit Dreiländereck

Eine ausreichende ärztliche und pflegerische Versorgung in ländlichen Regionen ist zunehmend gefährdet. Um diesem Trend entgegenzuwirken haben sich Vertreter der Landkreise Altenkirchen, Lahn-Dill-Kreis und Siegen-Wittgenstein im Forschungskolleg der Universität Siegen zum gemeinsamen Vorhaben einer „Digitalen Modellregion Gesundheit“ über Ländergrenzen hinweg ausgetauscht.

Politiker diskutieren am Forschungskolleg der Universität Siegen. V. l. n. r.: Dr. Olaf Gaus, Bernd Brandemann, Dr. med. Peter Enders, Mario Schramm, Christoph Ewers, Volkmar Klein, Michael Wäschenbach, Dr. Josef Rosenbauer, Erwin Rüddel. Foto: FoKoS

Altenkirchen. Ländliche Regionen stehen vor dem drohenden Problem einer künftigen gesundheitlichen und pflegerischen Unterversorgung. Grund dafür ist weniger ein ausbleibender medizinischer Nachwuchs, als vielmehr die steigende Attraktivität urbaner Zentren. Um einen besonderen Anreiz für die ärztliche Niederlassung auf dem Land zu generieren, wollen drei Landkreise der benachbarten Bundesländer Rheinland-Pfalz, Hessen und Nordrhein-Westfalen nun unter dem Label einer „Digitalen Modellregion Gesundheit Dreiländereck“ kooperieren.

„Dreiländereck und Versorgung im ländlichen Raum – das ist ein Alleinstellungsmerkmal“, betont Michael Wäschenbach, MdL Rheinland-Pfalz und Mitglied im Gesundheits-und Umweltausschuss. Das Ziel ist eine gemeinsame Beantragung des Vorhabens beim Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses. „Nur durch Delegation und Digitalisierung kann der drohende Ärztemangel im Sinne einer sich abzeichnenden Unterversorgung ländlicher Gebiete behoben werden“, sagt Erwin Rüddel, MdB und Vorsitzender des Ausschusses für Gesundheit, der gute Finanzierungschancen für die Dreiländereck-Kooperation über den Innovationsfond sieht.

Die Grundlage bilden aktuelle Projekte des Forschungskollegs der Universität Siegen (FoKoS). Gemeinsam mit der Lebenswissenschaftlichen Fakultät der Universität Siegen hat das FoKoS im Zuge des Vorhabens einer „Digitalen Modellregion Gesundheit“ verschiedene Projekte mit einzelnen Kommunen in Südwestfalen zum Thema „Technische Assistenzsysteme für die gesundheitliche Versorgung“ initiiert. „Hier ist Lust drauf zu spüren“, konstatierte Bundesminister für Gesundheit Jens Spahn anlässlich des Themenabends im vergangenen Mai im FoKoS, an dem das Vorhaben erstmals einer breiten Öffentlichkeit präsentiert wurde. Spahn stellte die Förderung insbesondere größerer, regionaler und digitaler Projekte in Aussicht, die umfassende Versorgungsfragen konkret in den Blick nehmen.

Dreiländereck profitiert von Synergieeffekten: Prozessgestaltung durch ausgewählte Projekte
Zusammen mit Partnern aus Gesundheit, Politik und Wirtschaft werden die Projektideen mit Blick auf die Regionale 2025 sowie den Innovationsfonds weiterentwickelt. Hierzu gehört auch ein Blick über die Landesgrenzen Nordrhein-Westfalens, an denen der Trend einer quantitativ rückläufigen Gesundheitsversorgung sektorenübergreifend, also sowohl in der medizinischen wie auch der pflegerischen Betreuung, nicht Halt macht. Dr. Olaf Gaus, Geschäftsführer des FoKoS, sieht den besonderen Vorteil im „Reallabor Dreiländereck“: „Neben den Synergieeffekten der einzelnen Projekte ist unser Vorhaben vor allem durch die aktive Teilnahme der Patientinnen und Patienten als Probanden unserer Studie sowie der nachfolgenden Entwicklungsprojekte gekennzeichnet. Wir werden uns angesichts der zukünftigen Versorgungslage trauen müssen zu fragen, wer dazu bereit ist, in Zukunft selbst aktiv an seinem und ihrem gesundheitlichen Monitoring mitzuwirken?“

Dieser Prozess wird beispielhaft untersucht in dem kürzlich bewilligten Projekt „DataHealth“ in der nordrhein-westfälischen Gemeinde Burbach, wo der digitale Transfer der Vitaldaten von und durch die Patientinnen und Patienten in einen Testlauf geht, wie Burbachs Bürgermeister Christoph Ewers erklärte. Im Zuge dessen steht das Forschungskolleg derzeit auch mit der hessischen Nachbarstadt von Burbach, Haiger, im Gespräch, um die in Burbach gewonnen Erkenntnisse in einer „Digitalen Praxis“ der Zukunft zu erproben. „Haiger ist Gastgeber des Hessentags 2022, der unter dem Motto „Digitalisierung und Gesundheit“ stattfinden wird“, erläuterte Bürgermeister Mario Schramm, der diese Gelegenheit für seine Stadt in Kooperation mit dem Landkreis Lahn-Dill für eine projekthafte Entwicklung zukunftsorientierter Gesundheitsversorgung nutzen möchte. Im rheinland-pfälzischen Altenkirchen wird die „Digitale Unterstützung von nichtärztlichen Praxisassistenten/-innen für Hausbesuche beim Patienten“ untersucht. Dr. med. Peter Enders, MdL Rheinland-Pfalz und Vorsitzender des Ausschusses für Gesundheit, Pflege und Demografie, spricht sich für dieses Vorhaben aus: „Patienten haben zu viele persönliche Kontakte zum Arzt, die nicht alle bedienbar sind. Nichtärztliche Praxisassistentinnen können die Ärztinnen und Ärzte bei der Bewältigung dieser Aufgabe im Wege der Delegation noch mehr als bisher unterstützen.“

Die Idee der Dreiländereck-Kooperation basiert auf den künftigen Versorgungsproblemen, die auch in den angrenzenden Landkreisen in Rheinland-Pfalz und Hessen aktuell thematisiert werden. Unter den Anwesenden im FoKoS waren auch Volkmar Klein, MdB und Abgeordneter für Siegen-Wittgenstein, Bernd Brandemann, Vorsitzender der CDU-Fraktion im Kreistag Siegen-Wittgenstein sowie Dr. Josef Rosenbauer, Vorsitzender der CDU-Kreistagsfraktion Altenkirchen. Alle Beteiligten betonten während des Gesprächs die Notwendigkeit eines schnellen Handelns zur Umsetzung des gemeinsamen Vorhabens der „Digitalen Modellregion Gesundheit Dreiländereck“. In einem nächsten Schritt wird im Rahmen einer erweiterten Konferenz das Konzept des FoKoS im Hinblick auf eine konkrete Umsetzung im Dreiländereck diskutiert. (PM)


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