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Nachricht vom 07.09.2019    

Betriebliches Gesundheitsmanagement: Landesweites Pilotprojekt läuft

Die Gesundheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist ein wichtiges Gut – und dies will ein landesweites Pilotprojekt der Verbandsgemeinde Betzdorf-Gebhardshain erhalten und fördern: Das kommunale Netzwerk „Betriebliches Gesundheitsmanagement“ richtet sich an Klein- und Kleinstunternehmen und ist ein Angebot, um Gesundheit und Zufriedenheit der Mitarbeiter zu erhalten, zu fördern und vorbeugend zu wirken. Das Interesse ist groß: Fast 50 Unternehmen haben sich bereits dem Netzwerk angeschlossen.

Das Siegel des Betrieblichen Gesundheitsnetzwerks gab es nun auch für SvW Stahl- und Anlagenbau (von links): Sascha von Weschpfennig, Michael Becher, Anna Kötting, Joachim Brenner und Simone von Weschpfennig. (Foto: tt)

Betzdorf. Donnerstag, 10 Uhr: Bei der Firma SvW Stahl- und Anlagenbau ist Frühstückszeit. Wie jeden Morgen. Und doch war diesmal etwas ganz anders. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter brauchten diesmal die Butterbrotdose nicht auszupacken: Ein „gesundes Frühstück“ mit vielen leckeren Sachen, mit Müsli, Obst und Rohkost, stand auf den hübsch gedeckten Tischen. Sabrina Kolb, Fitnessfachwirtin (IHK) und Fachberaterin Ernährungsmedizin (Körperwelt), hatte das „gesunde Frühstück“ zusammen gestellt. Und anschließend informierte sie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über das, was ein Frühstück gesund macht, zum Beispiel mit Makronährstoffen und, eine möglichst hohe Nährstoffdichte reinzubringen.

Gesundheitsmanagement wird immer wichtiger
Gesunde Ernährung ist nur ein Aspekt, auf den das landesweite Pilotprojekt abzielt – immer vor dem Hintergrund, die Gesundheit der Beschäftigten zu erhalten. Sport und Bewegung knüpfen an, und das Stichwort Entspannung. Die entsprechenden Angebot sind in einem fast 50 Seiten starken Modulkatalog aufgeführt, der in Kooperation mit den Netzwerkpartnern angeboten. Bei der Präsentation stellte Verbandsgemeindebeigeordneter Joachim Brenner heraus, dass die Regionale Entwicklungsgesellschaft (REG) das Betriebliche Gesundheitsmanagement ins Leben gerufen hat. Er erläuterte, warum die REG und Wirtschaftsförderer Michael Becher die Initiative ergriffen haben: „Für uns als Region und die Betriebe wird der Punkt Gesundheitsförderung immer wichtiger.“ Neben Aspekten der Infrastruktur, zum Beispiel mit schnellem Internet, Verkehrsanbindung und modernen Maschinen, „ist die Gesundheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein wichtiger Faktor, für eine erfolgreiche Teilnahmen am Wirtschaftsleben“. Für Brenner ist es „auch unsere Aufgabe“, den Aufbau eines Betrieblichen Gesundheitsmanagements zu unterstützen.

Er machte auf veränderte Situationen aufmerksam, Stichwort demografischer Wandel. Es sei ein Problem, dies abzudecken. Ergo müssten Beschäftigte länger arbeiten gehen. Als einen weiteren Aspekt nannte er, dass „die Verdichtung im Arbeitsleben wird immer größer wird“. Die Gesundheit der Beschäftigte sei ein wichtiges Gut. „Die Sensibilität für das Thema steigt mit der Personalnot“, war sich Brenner sicher.

Als Dienstleistung wurde der Modulkatalog entwickelt, der die Palette der Möglichkeiten aufzeigt, mit vielfältigen Angeboten und Kursen, die unter anderem Bewegung, Sport und gesundes Essen beinhalten. Den Katalog möchte man den im Netzwerk verbundenen Klein- und Kleinstunternehmen an die Hand geben, vom Handwerksbetrieb über Dienstleister bis zur Arztpraxis. Wirtschaftsförderer Becher stellte seinen Worten drei Punkten voran: demografischer Wandel, Fachkräftemangel und eine schnelllebigere Arbeitswelt. Über deren Kombination spannte er den Bogen hin zu dem Gedanken, wie man Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gesund und leistungsfähig halten kann. Ein kleiner Betrieb sei bei diesem Themenkomplex oftmals überfordert, und es fehle vielleicht einfach an der Zeit, um sich tiefergehend damit zu beschäftigen. Das Betriebliche Gesundheitsmanagement setzt hier mit an: Die Klein- und Kleinstunternehmen sollen sensibilisiert werden, aber eben auch begleitet werden, von einem qualifiziertem Team aus den Netzwerkpartnern und mit den entsprechenden Angeboten. Am Ende soll ein maßgeschneidertes Konzept für ein betriebliches Gesundheitsmanagement für den jeweiligen Betrieb herauskommen. Das Spektrum reicht von Stressbewältigung über „raus aus der Schmerzfalle – fit am Arbeitsplatz“ bis zum Rücken-Kurs.

Für Bewegung begeistern
Es gibt dabei nichts von der Stange, sondern das, was adäquat und sinnvoll ist. Dafür kommen die jeweiligen Ansprechpartner in die Betriebe, so Becher. Bei dem Pressetermin stellten die Vertreter auch ihre Kernpunkte vor. Hildegard Weiss, Heilpraktikerin für Psychotherapie sowie Ernährungs- und Vitalstoffberaterin, informiert über gesunde Ernährung, aber auch Stressbewältigung und -management sind ihr Thema. Das Gesundheitswesen werde den Beschäftigten immer wichtiger, sagte Wolfgang Grube, Personalversicherungsspezialist bei der Vertriebsdirektion Süd-West beim Netzwerkpartner ARAG.

Sabrina Kolb, die den SvW-Beschäftigten das „gesunde Frühstück“ näher brachte, sagte: „Körperwelt ist gerne in dem Netzwerk dabei.“ Man möchte für Bewegung und gesunde Ernährung begeistern. Anbieten möchte beispielsweise „bewegte Pause“ und „psychische Entspannung am Arbeitsplatz“. In dem Modulkatalog finden sich auch Themen wie Coaching für Führungskräfte und Konfliktbewältigung, und auch Hilfe bei psychischen Belastungen, berichtete Becher. Anna Kötting (REG), die Sportwissenschaft studiert hat, berichtete, dass nachhaltige Prozesse entwickelt werden sollen. Ein Siegel zeige, dass das Unternehmen sich mit Gesundheit und gesundheitsfördernden Maßnahmen befasst hat, und Gesundheit ein dauerhaftes Thema ist.

Gesundheit sei ein hohes Gut in den Betrieben, unterstrich Becher. Das Betriebliche Gesundheitsmanagement wird vom rheinland-pfälzischen Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie gefördert – und: Es ist landesweit ein Pilotprojekt. Gemeinsam mit dem Ministerium und der Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz soll nun ein „Praxis-Leitfaden zum Aufbau eines betrieblichen Gesundheitsnetzwerkes in der Kommune“ entwickelt werden – und zwar mit dem Untertitel „Betzdorfer Modell“.

Irgendwann tut es weh
Zurück zum laufenden Projekt in der Verbandsgemeinde: Einige Betriebe haben bereits Maßnahmen durchgeführt, so Becher. Interessierte Unternehmen, können sich im Rathaus melden. Jedes Unternehmen stellt übrigens einen Koordinator. Bei dem Paket habe man alles kompakt, zeigte sich Simone von Weschpfennig von der Geschäftsleitung von SvW mit seinen 20 Beschäftigten überzeugt. Sie erinnerte, dass die meisten Beschäftigten im eigenen Unternehmen körperlich belastet werden. Noch seien sie jung, „aber irgendwann wird es kommen, dass es weh tut“. Das Konzept für ein Betriebliches Gesundheitsmanagement sei eine ganz individuelle Sache, die man über den Betrieb abdecken könne. (tt)


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