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Nachricht vom 12.09.2019    

Den Bürgern auf Augenhöhe begegnen: Landrat Peter Enders im Interview

INTERVIEW | Mit Schwung hat Dr. Peter Enders (CDU) seine Amtszeit als Landrat des Kreises Altenkirchen begonnen. In den kommenden acht Jahren wird er die Geschicke des AK-Landes führen. Die Schwerpunkte seiner Arbeit sind mit denen seines Vorgängers Michael Lieber (CDU) so gut wie identisch: Die Sicherstellung der medizinischen Versorgung und die Sanierung der Kreisstraßen gehören unter anderem auch dazu. Der AK-Kurier traf Enders zum Interview.

Neuer erster Mann im AK-Land: Dr. Peter Enders ist als Landrat für acht Jahre gewählt. (Foto: privat)

Kreis Altenkirchen. Die neue Ära ist gerade erst einmal ein paar Tage alt: Vor Dr. Peter Enders (60), dem neuen Landrat des nördlichsten Kreises in Rheinland-Pfalz, liegen viele Aufgaben, denen er sich annehmen muss und auch wird. Trotz seiner Funktion sieht er sich weiterhin als „ganz normaler Bürger“, wie er in einem Exklusivinterview mit dem AK-Kurier erklärt:

Wie sitzen Sie in diesem für Sie neuen Chefsessel hinter diesem großen Schreibtisch?
Diesen großen Sessel brauche ich auch, da ich an diesem großen Schreibtisch viel sitze. Hier wartet viel Arbeit auf mich. Das macht es aber auch spannend. Jeder Tag ist ein neues Erlebnis, gerade in diesen ersten Tagen, weil viele neue Eindrücke auf einen zukommen. Man hat als normales Kreistagsmitglied Verwaltungsabläufe aus einer ganz anderen Perspektive kennengelernt. Jetzt muss ich Entscheidungen treffen, wie ich es als Arzt gewohnt war. Wenn es nötig ist, muss ich natürlich auch Dinge aufschieben. Das ist eine Herausforderung und anstrengend, das macht aber auch Spaß. Ich empfinde das als positiven Stress.

Was hört sich besser an: MdL Dr. Peter Enders oder Landrat Dr. Peter Enders?
Ich bin der Mensch Peter Enders, und der möchte ich als Landrat auch bleiben. Ich lege großen Wert darauf, dass ich ein ganz normaler Bürger bin, der einfach jetzt Chef des Kreises für acht Jahre ist. Ich lege auf Titel keinen großen Wert. An meiner Haustüre steht nur mein Nachname.

Als Sie die Schule in Altenkirchen nach dem Abitur verließen, stand Ihnen der Sinn gewiss nicht nach diesem Posten ...
Nein, ich kannte die Kreisverwaltung nur vom Schulweg. Die Bushaltestelle war am Schlossplatz, wo der Bus nach Flammersfeld abfuhr. Wenn wir es ganz eilig hatten, mussten wir bis an den Bahnhof laufen. Da habe ich nie an diesen Posten gedacht. Ich kann mich noch gut erinnern. Eine Klasse über mir war ein Sohn des ehemaligen Landrates Krämer. Als Schüler hätte ich nie einen Landrat angesprochen. Heute ist das ganz anders: Landräte sollten nah bei den Bürgern sein. Man muss den Bürgern auf Augenhöhe begegnen. Das trägt wohl dazu bei, dass die Bürger wieder mehr Lust haben, den Staat mitzugestalten. Es gibt gewisse Hierarchien, die möglichst klein sein sollten.

Nur wenige Tage im Amt: Kennen Sie inzwischen alle Mitarbeiter im Haus?
Nein, das ist völlig unmöglich. Ich habe die Mitarbeiterliste einmal durchgearbeitet. Ich mache folgendes: Durch die vielen Rücksprachen, die wir haben, füllt sich dieses große Mosaik jeden Tag mehr. Wenn ich im Haus unterwegs bin und treffe jemanden, stelle ich mich vor und frage, ob er Mitarbeiter ist. Das ist eine gute Möglichkeit, möglichst viele möglichst schnell kennenzulernen. Wir werden sicherlich nach einer gewissen Einarbeitungszeit eine Personalversammlung machen. Ich habe zum Dienstantritt eine Mail an alle Mitarbeiter geschrieben und mich vorgestellt und die Kolleginnen und Kollegen begrüßt. Darauf lege ich großen Wert. Gemeinsam mit ihnen versuche ich, den Kreis voranzubringen. Mir ist es besonders wichtig, dass die Mitarbeitenden wissen, dass sie mit mir als Landrat und Dienstvorgesetztem Kontakt aufnehmen können. Wer bei mir einen Termin braucht, muss nicht lange warten.

Welche Ziele haben Sie sich für die ersten 100 Tage als Landrat gesetzt?
Zunächst einmal möchte ich möglichst viele Mitarbeiter kennenlernen, dann möchte ich den Kreis in seiner Größe und Tiefe und in verschiedenen Bereichen noch besser kennenlernen. In wenigen Tagen wird es eine erweiterte Kreisvorstandssitzung mit den Fraktionssprechern geben, um die anstehenden Themen zu sammeln und zu hören, was die einzelnen so denken. Es ist der beste Weg, gemeinsam und nicht gegeneinander zu arbeiten. Wir sind kein Parlament, wo politische Farben regieren, sondern ein Kreistag, der die Aufgabe hat, im Rahmen der Möglichkeiten die Interessen der Bürger voranzutreiben. Ich werde in alle Verbandsgemeinden fahren und mich mit den Bürgermeistern und Ortsbürgermeistern treffen, um auch die lokalen Themen zu erfahren. Ich werde mir ein Bild von den sanierungsbedürftigen Kreisstraßen machen. Ich kenne die Prioritätenliste, möchte mir die Straßen aber auch anschauen. Der neue Haushalt wird anstehen: Bis Ende November muss er vorliegen, wenn wir ihn noch im Dezember verabschieden wollen. Auch die medizinische Versorgung mit all ihren Facetten wird eine große Rolle spielen. Wenn man diese Prozesse jetzt beginnt, sind die nach 100 Tagen nicht beendet. Das Thema Kreisstraßen wird uns weiterhin beschäftigen, das Thema Konsolidierung des Haushaltes ebenso und das Thema „Anschluss Zukunft“, die bessere Anbindung des Kreises ans überörtliche Straßennetz, wird uns auch noch Jahre beschäftigen. All die Dinge werden eine Daueraufgabe, weil die Bretter so dick sind, dass sie nicht nach kurzer Zeit durchbohrt sind. Es gibt zudem das Projekt „Smarte LandRegionen“ des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft, was die Digitalisierung des ländlichen Raums mit sehr hohen Zuschüssen unterstützen soll. Das geht in viele Bereiche hinein. Ich werde dem Kreistag vorschlagen, dass wir uns daran beteiligen.

Wie wollen Sie denn Geld für zusätzliche Sanierungen von Kreisstraßen aufbringen?
Ich könnte mir vorstellen, und da sehe ich bei den anderen Fraktionen Gesprächsbereitschaft, einen geringen Teil der RWE-Aktien zu verkaufen, wenn die Mittel investiv eingesetzt werden können. Das muss in den Gremien diskutiert und dann mit der ADD erörtert werden. Der Kreis Altenkirchen ist der größte kommunale Aktionär des RWE in Rheinland-Pfalz.

Wie stehen Sie zum Plan der DRK-Trägergesellschaft Südwest, die beiden Krankenhäuser Altenkirchen und Hachenburg zusammenzulegen?
Dieses Thema gab es schon einmal im Jahr 2014. Was man damals vorhatte, war eine Zerschlagung des Krankenhauses Altenkirchen und der Rückbau zu einem Gesundheitszentrum. Ich habe mich dagegen gewehrt, weil eine Fusion auf Augenhöhe geschehen muss und Altenkirchen die modernen Operationsräume hatte. Jetzt ist die Situation ähnlich, nicht besser, aber sie hat eine neue Qualität, weil es den Strukturfonds des Bundes gibt, wobei das Land co-finanzieren muss. Zudem ist die Unterfinanzierung durch die Fallpauschalen ein Problem. Und die Probleme, die wir hier in Altenkirchen und Hachenburg haben, werden zukünftig auch andere Standorte in Deutschland betreffen. Ich bin gespannt auf das Ergebnis des Gutachtens. Ich schlage dem Krankenhausträger vor, Kontakt mit Dierdorf und Selters aufzunehmen und zu prüfen, inwiefern man diese Krankenhausstandorte miteinbeziehen kann.

Sie können sich also eine Ein-Haus-Lösung vorstellen ...
Ich kann sie mir vorstellen, wenn das Land das genügend unterstützt und den Träger nicht alleine lässt. Der Kreis Altenkirchen wird kein Geld dazu geben können. Wir haben damals die Krankenhäuser an das DRK abgegeben, ohne dass das DRK einen Schuldendienst für Verbindlichkeiten übernehmen musste. Sollte der Träger den Krankenhaus-Standort aufgeben, wovon ich nicht ausgehe, würden wir als Kreis rein theoretisch in der Pflicht sein, den Versorgungsauftrag übernehmen zu müssen.

Wo sehen Sie dann den Standort für das neue Haus?
Beide Standorte, also Altenkirchen und Hachenburg, wären politischer Sprengstoff. Die Altenkirchener werden Vorschläge machen, die Hachenburger wahrscheinlich auch. Ob der Standort im Kreis Altenkirchen oder im Westerwaldkreis liegt, ist mir egal. Wir sollten uns nicht über 200 Meter streiten. Hauptsache ist, dass es funktioniert. Es soll ein Standort für die nächsten Jahrzehnte sein.

Blicken wir auf das Ende Ihrer Amtszeit in acht Jahren: Gibt es dann den Kreis Altenkirchen noch?
Ja! Ich setzte mich mit meiner ganzen Kraft dafür ein, auch mit meinen Kollegen Hallerbach (Neuwied) und Schwickert (Westerwaldkreis), dass die Kreise selbstständig bleiben. Die Größe und die Einwohnerzahl sind bei uns optimal. Da gibt es Kreise auf der anderen Rhein-Seite, wo es anders aussieht. Wenn wir die drei Kreise zusammenlegen, hätten wir einen Landkreis mit 500.000 Einwohnern. Wenn Sie mit Leuten sprechen, wird Ihnen gesagt, dass eine solche Verwaltungsstruktur zu groß ist. Unsere interkommunale Zusammenarbeit im Rahmen der Initiative „Wir Westerwälder“ mit den Nachbarkreisen Neuwied und dem Westerwaldkreis, welche unterschiedliche Themenfelder umfasst, ist für mich hingegen ein Modell für die Zukunft. Ich gehe davon aus, dass nach acht Jahren der Kreis Altenkirchen weiterhin besteht, eine deutliche Verbesserung der medizinischen Versorgung in allen Bereichen erfolgt ist, dass sich was bei den Kreisstraßen getan und dass sich die Identität in der Region Westerwald-Sieg gut weiterentwickelt hat. (hak)


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