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Nachricht vom 22.10.2019    

Resolution gegen Krankenhaus-Neubau bei Hachenburg geht nach Mainz

War es bislang Kritik, die eher nicht so sehr in die Öffentlichkeit vorankam, so liegt sie nun für alle verfügbar auf dem Tisch: In einer gemeinsamen Resolution sprechen sich die Fraktionen des Verbandsgemeinderates Altenkirchen, des Stadtrates von Altenkirchen und des Verbandsgemeinderates Flammersfeld indirekt gegen den Standort für den Neubau des DRK-Krankenhauses Altenkirchen-Hachenburg vor den Toren der Löwenstadt aus.

Viele Unterschriften waren erforderlich, damit die Resolution ihren Weg zu den zwei Empfängern in Mainz antreten kann. (Foto: hak)

Altenkirchen. Dass das Ergebnis der Standortsuche für den Neubau des DRK-Krankenhauses Altenkirchen-Hachenburg, das das Bremer Institut für betriebswirtschaftliche und arbeitsorientierte Beratung (BAB) im Auftrag der DRK-Trägergesellschaft Süd-West, des Klinikbetreibers, vorgelegt hatte, nicht ohne Widerspruch hingenommen werden würde, lag auf der Hand. Das ins Auge gefasste Areal vor den Toren Hachenburgs (Standort 6) wurde umgehend kritisiert. Ihre Abneigung gegen diese Lokation brachten nunmehr die Fraktionen des Verbandsgemeinderates Altenkirchen, des Stadtrates von Altenkirchen und des Verbandsgemeinderates Flammersfeld in einer Resolution zum Ausdruck. Sie fordern eine parallele Prüfung der Standorte 6 und 11 (Bahnhof Ingelbach) und hoffen, dass die endgültige Wahl auf den Standort 11 (Bahnhof Ingelbach/in der Nähe der B 414 und der L 290) fällt. Adressaten des Schreibens sind das rheinland-pfälzische Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie sowie die DRK-Trägergesellschaft Süd-West.

Nein zum Kirchtumdenken
Altenkirchens Bürgermeister Fred Jüngerich stellte noch einmal kurz dar, warum dieser Weg gewählt wurde, um die Sorgen, die inzwischen im südlichen Teil des AK-Landes aufgekommen sind, zu artikulieren. "Wir haben bei diesem Thema als Kommune zwar nicht die Hand am Schaltknüppel, können aber die Finger in die Wunde legen." Es komme darauf an, dass die Bevölkerung in der Räumen Altenkirchen und Hachenburg medizinisch gut versorgt werde. Erhalte Standort 6 den Vorzug, "steht der Kirchturm in Hachenburg". Grundsätzlich sei er jedoch gegen Kirchturmdenken. "Fakten, die im Gutachten stehen, sprechen schon gegen Standort 6", führte Jüngerich weiter aus. Als Stadtbürgermeister Altenkirchens forderte Matthias Gibhardt, dass "wir uns nicht vom Land abhängen lassen dürfen. Wir brauchen hier eine Infrastruktur, um gut leben zu können." Auch er wandte sich gegen ein "Kirchturmdenken".

Der Wortlaut der Resolution
"Die Fraktionen im Verbandsgemeinderat der Verbandsgemeinde Altenkirchen, im Stadtrat der Kreisstadt Altenkirchen sowie im Verbandsgemeinderat der Verbandsgemeinde Flammersfeld haben mit großer Sorge zur Kenntnis genommen, dass die „Standortempfehlung zur Zusammenlegung der beiden DRK-Krankenhäuser Altenkirchen und Hachenburg“ dazu geführt hat, dass mit oberster Priorität der Standort 6 (Hachenburg) und in Folge der Standort 12 (Bahnhof Hattert) einer näheren Prüfung unterzogen werden sollen. Die Fraktionen befürchten, dass trotz guter Argumente für den Standort 11 (Bahnhof Ingelbach) dieser in der weiteren Prüfung gänzlich unberücksichtigt bleibt, obwohl kein nennenswerter Unterschied nach der Gewichtung der geprüften Kriterien zu den Standorten 6 (Hachenburg) und 12 (Bahnhof Hattert) ersichtlich ist."

Initiative wird grundsätzlich unterstützt
"Grundsätzlich wird die Initiative des Krankenhausträgers, dem Deutschen Roten Kreuz, ein zukunftsfähiges und wirtschaftlich tragbares Konzept anzustreben, durch die Kommunalpolitik in Altenkirchen und Flammersfeld unterstützt. Dennoch wirft die Standortempfehlung vom 25.9.2019 Fragen auf und begründet nicht zuletzt ein Gefühl von Unverständnis in der Bevölkerung. Ein Standort in direkter Nähe zu Hachenburg bedeutet für die Bevölkerung aus dem Bereich der Kreisstadt Altenkirchen, der Ortsgemeinden Weyerbusch, Flammersfeld, Horhausen und Hamm sowie der Stadt Wissen einschließlich deren gesamten Umland unmittelbar spürbare Nachteile in der medizinischen Versorgung. Durch den geplanten Wegfall des Standorts Altenkirchen verlängern sich bereits in der Grundversorgung die Anfahrtszeiten aus dem Großraum Altenkirchen erheblich. Dies führt gerade bei älteren und bei in ihrer Mobilität eingeschränkten Personen zu Problemen. Bei einer medizinischen Notfallversorgung entscheiden die Anfahrtszeiten nicht selten über Leben und Tod. Die Bevölkerung ist gezwungen, sodann Krankenhausstandorte, die teilweise näher als Hachenburg gelegen sind, z. B. im benachbarten Bundesland Nordrhein-Westfalen oder im Landkreis Neuwied, aufzusuchen."

Bahnhaltepunkt schon vorhanden
"Der Standort 11 (Bahnhof Ingelbach) schneidet bei den Kriterien „Flächenverfügbarkeit“, „Erreichbarkeit ÖPNV“, „Erreichbarkeit Auto“ sowie „Wettbewerber“ besser ab als Standort 6 (Hachenburg). Zum Kriterium „Erreichbarkeit ÖPNV“ ist festzustellen, dass am Standort 11 (Bahnhof Ingel-bach) bereits ein Bahnhaltepunkt vorhanden ist, am Standort 6 (Hachenburg) hingegen nicht. Einen zusätzlichen Bahnhaltepunkt am Standort 6 einzurichten, bedarf der Entscheidung sowie der Finanzierung Dritter. Das Institut für betriebswirtschaftliche und arbeitsorientierte Beratung GmbH, Bremen, (BAB), hat aufgrund der besonderen Gewichtung der Kriterien „Bevölkerung“, „Erreichbarkeit ÖPNV und Auto“ und „Mitarbeiterattraktivität“ für diese Bereiche die Abstände zwischen den Platzierungen einer genaueren Analyse unterzogen, deren Ergebnisse aus Sicht der Fraktionen kritisch betrachtet werden müssen."

Teile der Bevölkerung fühlen sich abgehängt
"So wird beispielsweise nicht deutlich, woraus sich die höhere Mitarbeiterattraktivität des Standortes 12 (Bahnhof Hattert) gegenüber Standort 11 (Bahnhof Ingelbach) ergibt. Auch kann die wesentlich bessere ÖPNV-Erreichbarkeit im Vergleich dieser beiden Standorte nicht nachvollzogen werden. Ein wichtiges Kriterium für die Standortwahl ist für die Bevölkerung der Standort selbst. Ein Standort in der Nähe der Kreisstadt Altenkirchen oder der Stadt Hachenburg führt automatisch dazu, dass sich der nicht berücksichtigte Teil der Bevölkerung „abgehängt“ fühlt. Die gesellschaftspolitische Akzeptanz geht auf Seiten dieses Bevölkerungsteils verloren. Dies könnte zu Marktanteilverlusten führen, weil die Menschen aus dem unberücksichtigten Teil in andere Krankenhäuser abwandern, was für das neue Klinikum ähnliche finanzielle Probleme bedingen könnte, wie sie im heutigen Verbundkrankenhaus bereits bestehen."

Politisch nicht nachvollziehbar
"Ein möglicher Standort am Bahnhof Ingelbach würde im Vergleich zum heutigen gemeinsamen Einzugsbereich die geringsten Veränderungen und mithin die geringsten Beeinträchtigungen für die Bevölkerung beider Regionen mit sich bringen. Zudem gab es vor fünf Jahren mit dem Standort „Bahnhof Ingelbach“ einen gemeinsam akzeptierten möglichen Standort. Es ist politisch nicht nachvollziehbar, warum die damals vorhandene Akzeptanz in Politik und Bevölkerung bei den aktuellen Standortkriterien und deren abschließender Gewichtung vollkommen unberücksichtigt geblieben ist. Die Fraktionen weisen darauf hin, dass eine Schließung des Krankenhauses auch bedeutende negative Auswirkungen auf den Wirtschaftsstandort Altenkirchen sowie für die künftige fusionierte Verbandsgemeinde Altenkirchen-Flammersfeld mit sich bringen wird."

Kreis weit hinten platziert
"Bereits heute steht der Landkreis Altenkirchen im „Prognos-Zukunftsatlas“ im bundesweiten Landkreis-Ranking auf Platz 303 von 401 Landkreisen. Der Westerwaldkreis rangiert beinahe 100 Ränge weiter oben auf Platz 217. Im Falle der Standortentscheidung zugunsten von Hachenburg wird sich die Attraktivität des Wirtschaftsstandortes „Verbandsgemeinde Altenkirchen-Flammersfeld“ im nördlichsten Rheinland-Pfalz für alle Wirtschaftsbereiche dramatisch verschlechtern. Eine ausgewogene landesweite Wirtschaftsförderungspolitik, die auf gleichwertige Lebensverhältnisse zielt, darf die Region Altenkirchen, Flammersfeld und Hamm, das „Raiffeisenland“, wirtschaftlich nicht abhängen. Das kann auch nicht im Interesse der Landesregierung liegen."

Negative Auswirkungen zu befürchten
"Eine Entscheidung für ein Klinikum an einem Standort außerhalb der Grenzen der Verbandsgemeinde Altenkirchen-Flammersfeld sowie des Landkreises Altenkirchen (Bahnhof Ingelbach) lässt wegen Verlagerung von Wirtschaftspotential und Bevölkerungsanteilen durch Wegzug negative Auswirkungen auf die Steuereinnahmen der Kommunen im Raum Altenkirchen-Flammersfeld befürchten. Trotz dessen plädieren die genannten Fraktionen im Sinne einer am Gemeinwohl orientierten Lösung für diesen Standort. Die Fraktionen weisen ferner darauf hin, dass im Zuge der Standortentscheidung für das neue Krankenhaus die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beider bisherigen Standorte „emotional“ mitgenommen werden müssen. Ein Standort in der Mitte der beiden Städte Altenkirchen und Hachenburg würde diesem Aspekt am ehesten Rechnung tragen und einen Interessenausgleich gewährleisten. Rückmeldungen von Seiten des Personals zeigen, dass eine Standortwahl in Hachenburg von den Beschäftigten in Altenkirchen als bloße Übernahme erlebt wird."

Die gemeinsamen Forderungen
"Gemeinsam fordern die Fraktionen im Verbandsgemeinderat Altenkirchen, im Stadtrat der Kreisstadt Altenkirchen und im Verbandsgemeinderat Flammersfeld alle Verantwortlichen im Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie sowie beim Krankenhausträger, dem DRK, auf, eine gleichzeitige Prüfung der beiden Standorte 11 (Bahnhof Ingelbach) und 6 (Hachenburg) durchzuführen und über den Fortgang der Prüfung sowie deren Ergebnisse laufend und transparent zu berichten. Neben den von BAB geprüften Kriterien muss auch eine politische und gesellschaftliche Akzeptanz als Entscheidungskriterium für die Standortwahl Berücksichtigung finden. Die Fraktionen gehen davon aus, dass nach der endgültigen Standortentscheidung das Land dem Krankenhausträger einen zukunfts- und bedarfsorientierten Versorgungsauftrag erteilen wird. In diesem Sinne appellieren die Fraktionen an alle Verantwortlichen (Landesregierung, DRK, NachbarVerbandsgemeinden), sich für den zentralen Standort am Bahnhof Ingelbach, der auch in der Bevölkerung die größtmögliche Akzeptanz erzielen würde, auszusprechen." (hak)



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Kommentare zu: Resolution gegen Krankenhaus-Neubau bei Hachenburg geht nach Mainz

1 Kommentar

Es ist für mich nach wie vor nicht nachvollziehbar, der obere Westerwald besteht nicht nur aus den VG Altenkirchen und Hachenburg, was soll die Bevölkerung in den VG Rennerod, Westerburg oder Bad Marienberg bei der präferierten Standortwahl denken? Bevölkerung zweiter Klasse? Ein zentraler Standort bei präferierten Eine-Haus-Lösung wo jede VG etwa in der gleichen zeitlichen Spanne das Krankenhaus erreichen kann. Z.B. Nistertal, Unnau das wäre meines Erachtens nach noch eine zentrale Option dies auch aufgrund der Infrastruktur und Verkehrsanbindung. Das Standortgutachten wird doch bereits durch die hervorstechenden Diskussionen zur Makulatur erklärt. Bei der flächenmäßigen Größe sind zwei Häuser die beste Wahl welche synchron handeln und Synergien durch Kompetenzen bündeln. Die wirtschaftliche Tragfähigkeit ist doch bereits jetzt nicht gegeben 30% der Einnahmen macht etwa Notfallversorgung aus, wenn der Notarzt dann aus Weilburg, Siegen oder Koblenz kommt nimmt er den Notfallpatienten mit, im schlechtesten Fall der Notarzt kommt vom Krankenhaus und muss den Helikopter mit Notarzt nachfordern aufgrund das die Schwere des Notfalls es erforderlich machen. Unwirtschaftlich, Geld zugeschossen, Patient abgegeben, nichts verdient, dass mal salopp gesagt. Ein Krankenhaus ist ein Wirtschaftsbetrieb. Die Idee eine Hauses mag gut sein aber zu unüberlegt und das fängt nicht erst bei der Wahl des Standortes an.
#1 von Thorsten Mücke, am 24.10.2019 um 11:27 Uhr

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