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Nachricht vom 07.11.2019    

Der Maueröffner: Als Günter Schabowski nach Marienthal kam

In den nächsten Tagen wird sein Name noch oft genannt werden: Günther Schabowski, der bei seiner Pressekonferenz am 9. November 1989 mit seinen Erläuterungen zu den Beschlüssen des Politbüros faktisch zum Maueröffner wurde. Im Jahre 1998 kam er auf Bitten von CDU-Politiker Ulrich Schmalz zu einer Vortragsveranstaltung nach Marienthal.

Günter Schwabowski vor dem Veranstaltungslokal in Marienthal zusammen mit Dr. Hans Alfred Steger, einem früheren Diplomaten und Mitbegründer des Marienthaler Forums und Ulrich Schmalz. (Foto: U. Schmalz)

Ein Gastbeitrag von Ulrich Schmalz

Marienthal. Man nennt ihn den Maueröffner: Günther Schabowski interpretierte am 9. November 1989 den Beschluss des SED-Politbüros zu einem neuen Reisegesetz in einer international besetzten Pressekonferenz. Etwas verdutzt antwortete er auf die Frage nach dem Inkrafttreten und kurzem Blick in seine Notizen: „Sofort“. In diesen Tagen, wo sich der Mauerfall zum dreißigsten Mal jährt, wird sein Name oft erwähnt.

Aber alles das schilderte er auch noch einmal bei einem Vortrag neun Jahre später in Marienthal, beim Forum PRO AK. Einen Kontakt zu ihm hatte mir eine ostdeutsche Bundestagskollegin hergestellt, er wirkte zu dieser Zeit bei einem kleinen Anzeigenverlag im Hessischen. Einen Vortrag zum Thema "Über das Scheitern der DDR" könne er übernehmen, sagte er mir am Telefon. Vorher hatte ich allerdings Joachim Gauck, damals Chef der nach ihm benannten "Gauck-Behörde" befragt und er meinte: „Den können Sie einladen, der hat seine Mitwirkung an diesem widrigen System bereut.“

Gesagt getan, volles Haus und zwei Stunden Vortrag und Diskussion. Schon damals wurde deutlich, dass Schabowski sich vom Niveau der anderen Spitzengenossen abhob. Er war ja Chefredakteur der SED-Zeitung "Neues Deutschland", sprach mehrere Sprachen, war nach Studium in Moskau mit einer Russin verheiratet und gehörte dem Politbüro an. Sein intensives literarisches Studium hatte, wie er mir später erzählte, seine beginnende Systemskepsis verstärkt, nach der Wende wurde er von den früheren Mitgenossen als Renegat gemieden.

Ich habe ihn auch später immer wieder in Berlin getroffen, machte ihn mit meinem Kollegen Heinrich Lummer bekannt, der einige Jahre als Innensenator im Berliner Kabinett von Weizäcker gewirkt hatte. Das ich das noch erlebe, kommentierte Schabowski: Lummer der größte Klassenfeind! Später musste er seine Haftstrafe antreten, bei dem früheren regierenden Bürgermeister Eberhard Diepgen konnte ich gesprächsweise eine kleine Hafterleichterung für ihn erreichen.


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