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Nachricht vom 14.11.2019    

AWB mit großen Plänen – und „moderater“ Gebührenanhebung

Zwei große Vorhaben ragen aus dem Abfallwirtschaftskonzept 2019 bis 2023 des Abfallwirtschaftsbetriebs (AWB) des Landkreises Altenkirchen zunächst heraus. Das ist zum einen der Deponieabschluss und die Deponiestilllegung in Nauroth und zum anderen die Schaffung einer ökologisch und ökonomisch sinnvolleren Verwertungsmöglichkeit für Bioabfälle mit Ende der aktuellen Vertragslaufzeit.

Wie viel Müll aus den vier unterschiedlichen Gefäßen im Jahr zusammenkommt, hat der Abfallwirtschaftsbetrieb des Kreises stets im Blick. (Foto: hak)

Kreis Altenkirchen. Wohin mit dem Bioabfall? Diese Frage beschäftigt nicht erst seit diesem Jahr die Verantwortlichen des Abfallwirtschaftsbetriebes (AWB) des Kreises Altenkirchen. Das machten Gerd Dittmann, Kreisbeigeordneter und für den AWB sowie das Referat 60 (Natur- und Umweltschutz, Bauplanungsrecht, Dorferneuerung und Denkmalpflege) zuständig, und AWB-Werkleiter Werner Schumacher bei der Präsentation des Abfallwirtschaftskonzeptes für die Jahre 2019 bis 2023 am Donnerstagnachmittag (14. November) deutlich. Das knapp 70-seitige Werk wurde gemeinsam mit dem Werkausschuss sowie einer eigens gegründeten kommunalen Strategiekommission entwickelt und in der Sitzung des Kreistages am 4. November bereits einstimmig verabschiedet. Unter anderem werden in ihm die Ziele der Kreislaufwirtschaft und des kommunalen Stoffstrommanagements, die Darlegung der vorgesehenen Entsorgungswege sowie Angaben zur notwendigen Standort- und Anlageplanung und ihre zeitliche Abfolge beschrieben. "Das Konzept wirft einen Blick zurück, einen nach vorne und hält den Status quo fest", machte Dittmann deutlich. Jetzt gelte es, den Plan mit Leben zu erfüllen.

Entfernung beträgt 450 Kilometer
Ein Hauptaugenmerk wird in den nächsten Jahren darauf liegen, die Endstation für die Bearbeitung des Bioabfalls zu ändern. Derzeit wird er mit Lkws der Firma Harz-Humus nach Sachsen-Anhalt transportiert. Die Entfernung von Altenkirchen (Umladestation) bis in den Osten der Republik beträgt rund 450 Kilometer. "Das zu ändern, ist die Herausforderung", betonte das Duo gleichlautend. Aber zunächst müssen Alternativen gefunden und ausgelotet werden. Bereits jetzt existieren erste Gedankenspiele, wie der Export von frühestens Mitte des Jahres 2022 an (so lange läuft der Vertrag mit Harz-Humus) gestoppt werden kann. Dabei sind Dittmann und Schumacher offen für Lösungen in unterschiedlichste Richtungen. Selbst den Bau einer eigenen Anlage in Kooperation mit einem anderen Kreis und über Ländergrenzen hinweg gehört mit in den Topf der Überlegungen. Aber, und das arbeitete Dittmann deutlich heraus: "Wir haben bislang im Kreis noch kein Grundstück gefunden, das für uns in Frage kommen könnte. Mit Abfall und Müll will keiner etwas zu tun haben." So bleibt noch genügend Zeit, den Sachverhalt weiter zu erörtern. Aber ein wenig Druck wird sich ebenfalls einstellen. "Bereits im kommenden Jahr werden wir uns mit der neuen Ausschreibung für die Bioabfallentsorgung befassen müssen", blickte Schumacher voraus. Deutet sich unter Umständen eine Lösung an, kann der AWB sogar noch etwas mehr Zeit gewinnen. Denn alle Entsorgungsverträge können um zweimal ein Jahr verlängert werden.

Abdeckung für Hausmülldeponie
Auch der Blick gen Nauroth zur stillgelegten Hausmülldeponie wird an der Tagesordnung bleiben. Das Areal, von 1972 bis 2002 befüllt, wird im kommenden Jahr eine Schwachgasbehandlungsanlage erhalten, in der Methan in weniger schädliches CO2 umgewandelt wird. Inzwischen reicht der Gasertrag nicht mehr aus, ihn in Gasmotoren als Energieträger zu nutzen. 262.000 Euro kostete der Container samt Apparatur, sie soll im März 2020 in Betrieb gehen. Der Bund steuert 50 Prozent zu den Kosten bei. Dann muss als nächstes die Abdeckung in die Wege geleitet werden, eine Maßnahme, die so Dittmann, rund 9 Millionen Euro kostet. "Diesen Betrag decken wir aus der Rücklage", beleuchtete Schumacher die Finanzierung, der Nachsorgezeitraum betrage mindestens 50 Jahre.

Wo was entsorgt wird
Zufrieden ist der AWB nach wie vor mit der Entsorgung des Restabfalls über die Mechanisch-Biologische Restabfallbehandlungsanlage (MBA) im Abfallwirtschaftszentrum Rhein-Lahn in Singhofen. Schumacher sprach von einer "regionalen Lösung und sehr hochwertiger Verwertung". Rund 30.000 kostenpflichtige graue Beistellsäcke müssen pro Jahr zudem verladen werden. Gleich gute Noten wie die für die Restabfallsparte hatte Schumacher für die Papier-Pappe-Karton-Fraktion parat, für die die Firma Smurfit Kappa in Hürth verantwortlich zeichnet. Die Firma Remondis, für den AWB als viel gefragter Einsammler unterwegs, trägt auch die Leichtverpackungen (LVP) in den Gelben Tonnen zusammen. So kommen 44 Kilogramm pro Einwohner und Jahr zusammen, die durch eine Störstoffquote von bis zu 35 Prozent auffallen. Der Sperrabfall wandert in die Sortierung mit nachgeschalteter Verwertung bei der Fima Bellersheim in Boden, die für die Problemabfälle/Schadstoffe auch noch das Umweltmobil zu rund 200 Terminen im Jahr auf die Rundreisen durch den Kreis schickt. Jeder Einwohner des AK-Landes gibt pro Jahr 1,3 Kilogramm dieses speziellen Unrats ab. Schließlich hat der Grünschnitt die Firma Mies in Hachenburg zum Ziel, wo er kompostiert und hygienisiert wird.

Neue Wertstoffhöfe
Auf kurz- bis mittelfristige Sicht will der AWB zwei weitere Wertstoffhöfe eröffnen. Nauroth wird mit Sicherheit einen "Bruder" auf der Bauschutt- und Erdaushubdeponie in Kirchen-Wehbach erhalten, über den zweiten Standort schwiegen sich Dittmann und Schumacher aus, räumten jedoch ein, dass die Zahl 2 durchaus noch erhöht werden könnte. Kontrollen sind im kommenden Jahr angesagt. Genauer unter die Lupe genommen werden Restabfall- und Biotonnen. Inwieweit dies zu besorgniserregenden Resultaten führt, muss abgewartet werden, denn "im Kreis herrscht eine hohe Sortierreinheit". Alles in allem schreibt der AWB in diesem Jahr eine "schwarze Null". "Dennoch werden wir um eine moderate Gebührenanpassung nicht umhin kommen", waren sich Dittmann und Schumacher sicher und nannten eine mögliche Anhebung um "2 bis 5 Prozent" als Hausnummer. Als Gründe gaben sie die Maut auf Bundesstraßen, höhere Maut auf Autobahnen, höhere Kraftstoffkosten, gestiegene Lohnkosten sowie gestiegene Verwertungs- und Beseitigungskosten an, wobei die Erlöse aus PPK ziemlich im Keller sind.

Film in der Wied-Scala
"Welcome to Sodom - Dein Smartphone ist schon hier" ist der Titel eines Dokumentarfilms, der auf Initiative des AWB am Mittwoch, 20. November, 19 Uhr, in der Neiterser Wied-Scala läuft. Er lässt die Zuschauer hinter die Kulissen von Europas größter Müllhalde mitten in Afrika blicken und porträtiert die Verlierer der digitalen Revolution. Dabei stehen nicht die Mechanismen des illegalen Elektroschrotthandels im Vordergrund, sondern die Lebensumstände und Schicksale von Menschen, die am untersten Ende der globalen Wertschöpfungskette stehen. Die Müllhalde von Agbogbloshie wird höchstwahrscheinlich auch letzte Destination für die Tablets, Smartphones und Computer sein, die erst morgen gekauft werden. Am Stand des AWB kann auch diskutiert werden. Reservierungen unter www.wied-scala.de (hak)


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