Werbung

Region | - keine Angabe -


Nachricht vom 10.12.2019    

Fall des Monats: Gackernde Hühner und krähender Hahn zu laut?

Zwei Nachbarn in einem kleinen Ort im Bezirk des Amtsgerichts Diez an der Lahn streiten über die Frage, welche Beeinträchtigungen durch die Haltung von Hühnern und einem Hahn hinzunehmen sind. Dazu urteilte nun auch das Gericht.

(Foto: Sang Hyun Cho/Pixabay)

Zum Sachverhalt: Die Parteien sind Nachbarn in einem kleineren Ort mit weniger als 250 Einwohnern, der ländlich geprägt ist. Die Bebauung besteht überwiegend aus Einfamilienhäusern mit relativ großzügigen Grundstücken. Im Ortsgebiet halten zumindest drei Personen Hühner, so auch der Beklagte und zwar ca. 25 Hühner sowie einen Hahn. Hieran stört sich die Klägerin. Im Verfahren trägt sie vor, der Hahn krähe jeden Morgen ab ca. 4:00 Uhr, was zu einer unerträglichen Lärmbelästigung für sie und ihren Ehemann sowie einer erheblichen Beeinträchtigung ihres Schlafes führe. Auch tagsüber führe der Aufenthalt der Hühner und des Hahnes im Freien zu erheblichem Lärm. Zudem verursache der Kot der Tiere Gestank. Die Klägerin begehrt deshalb eine Unterlassung der Tierhaltung.

Der Beklagte verteidigt sich damit, der Ort sei ländlich geprägt. Insoweit seien die entstehenden Geräusche-und Geruchsemissionen als ortsüblich anzusehen. Das Amtsgericht hat sich in einem Ortstermin einen persönlichen Eindruck verschafft und nach den dort getroffenen Feststellungen die Klage abgewiesen. Hiermit hat sich die Klägerin nicht abgefunden, sondern das Urteil mit der Berufung angegriffen. Sie hält an ihrer Auffassung fest, dass die von den Hühnern und dem Hahn ausgehenden Beeinträchtigungen nicht als ortsüblich anzusehen seien.

Die Entscheidung
Das Landgericht folgt im Urteil vom 19. November 2019 der Auffassung des Amtsgerichts und hat die Berufung zurückgewiesen.

Im Einzelnen
Nach § 1004 Abs. 1 BGB kann ein Eigentümer Beseitigung einer Störung seines Eigentums verlangen. Insoweit hat die Kammer zugunsten der Klägerin angenommen, dass das Krähen eines Hahnes an vorher nicht bestimmbaren Tages- und Nachtzeiten aufgrund desdadurch entstehenden kurzfristigen aber kräftigen Lärmimpulses als Störung anzusehen
ist. Dies verhilft der Klage allerdings noch nicht zum Erfolg. Der Anspruch auf Beseitigung ist nach § 1004 Abs. 2 BGB nämlich ausgeschlossen, wenn der Eigentümer zur Duldung der Beeinträchtigung verpflichtet ist. Eine solche Duldungspflicht ergibt sich vorliegend aus § 906 Abs. 2 Satz 1 BGB. Danach ist sogar eine wesentliche Beeinträchtigung eines Grundstückes hinzunehmen, wenn diese durch eine ortsübliche Benutzung eines anderen
Grundstückes entsteht und nicht durch Maßnahmen verhindert werden kann, die dem Nutzer des anderen Grundstückes wirtschaftlich zumutbar sind. Hier hat das Landgericht die von dem Amtsgericht aufgrund des Ortstermines gewonnenen Feststellungen zugrunde gelegt, wonach es sich bei der Haltung von Hühnern und einem Hahn um eine ortsübliche Nutzung des konkreten Grundstückes handelt.

Die hiervon ausgehenden Beeinträchtigungen sind nach den weiteren Feststellungen der Kammer auch nicht durch wirtschaftlich zumutbare Maßnahmen zu verhindern. Der mit der Errichtung eines schalldichten Stalles verbundene Kostenaufwand würde nämlich nach Einschätzung der Kammer die Haltung eines Hühnervolkes mit Hahn als Nebenerwerb, wie vorliegend, völlig unrentabel werden lassen. Dies hätte absehbar das Ende privater Kleintierhaltung auch in ländlichen Gebieten zur Folge. Eine Geruchsbelästigung war zudem nach den Feststellungen des Amtsgerichtes auf dem Grundstück der Klägerin nicht wahrnehmbar, was diese letztlich in der Berufung auch nicht mehr angegriffen hat.

Die Klägerin wird also weiter das Gackern der Hühner und das Krähen des Hahnes hinnehmen müssen. Eine Entschädigung hierfür würde ihr nur dann zustehenden, wenn dadurch das zumutbare Maß überschritten wäre, was hier aber nicht der Fall ist. (PM)

Landgericht Koblenz – 6 S 21/19 - Urteil vom 19. November 2019
Amtsgericht Diez - 13 C 186/19-Urteil vom 19. Dezember 2018



Kommentare zu: Fall des Monats: Gackernde Hühner und krähender Hahn zu laut?

1 Kommentar
Es ist nicht nachvollziehbar, dass es Leute gibt, die auf der einen Seite die Vorteile des ländlichen Raumes für sich in Anspruch nehmen, wie z.B. niedrige Grundstückspreise, aber dann ihr Umfeld nach ihren Ansprüchen umkrempeln wollen. Es gibt also noch Gerechtigkeit und Richter, die die Kirche im Dorf lassen. Gut so.
#1 von Gabriele Marquardt, am 14.12.2019 um 21:20 Uhr

Anmeldung zum AK-Kurier Newsletter


Mit unserem kostenlosen Newsletter erhalten Sie täglich einen Überblick über die aktuellen Nachrichten aus dem Kreis Altenkirchen.

Beliebte Artikel beim AK-Kurier


Vier Corona-Neuinfektionen im Kreis – Tests nach Urlaubsreisen

Das Kreisgesundheitsamt informiert über die aktuelle Entwicklung der Corona-Pandemie im Kreis Altenkirchen: Seit Wochenbeginn wurden insgesamt vier Personen positiv getestet, bei ihnen handelt es sich jeweils um Reiserückkehrer aus Südost-Europa.


Zeugen gesucht: Täter greifen 19-Jährigen vor Supermarkt an

In Herdorf ist es am Donnerstagnachmittag zu einem Fall von gefährlicher Körperverletzung gekommen. Ein 24-Jähriger griff zunächst einen 19-Jährigen an, dann traten er und eine weitere Täterin auf ihn ein. Die Polizei sucht Zeugen.


Westerwälder Rezepte: Fruchtiger Nudelsalat für warme Tage

Heimat tut gut und schmeckt gut! Aus diesem Grund wollen wir regelmäßig Rezepte aus dem Westerwald veröffentlichen – denn unsere Region hat allerlei Leckeres zu bieten. Heute gibt es: Fruchtigen Nudelsalat. Gerne können auch Sie uns Ihre Lieblingsrezepte zuschicken.


Starke Regenfälle forderten die Feuerwehren im AK-Land

Da kam was runter! Am Mittwochabend, 12. August, hat es in weiten Teilen des Kreises Altenkirchen heftig geregnet und gewittert. Zum Teil waren die Feuerwehren durch überflutete Straßen und Keller stark gefordert.


Schulen des Kreises: Konzept für mehr Reinigungen wird erarbeitet

Die Herausforderung für die verschiedenen Schulträger im Landkreis Altenkirchen ist vor dem Beginn des neues Schuljahres identisch: Sie müssen dafür sorgen, dass in Zeiten der Covid-19-Pandemie der nunmehr für alle Jungen und Mädchen zwingend vorgeschriebene Präsenzunterricht von Montag, 17. August, an gewährleistet ist. Vorbei sind die Zeiten, in denen Schüler einer in zwei Hälften geteilten Klasse jeweils im wöchentlichen Wechsel unterwiesen wurden.




Aktuelle Artikel aus Region


Zeugen gesucht: Täter greifen 19-Jährigen vor Supermarkt an

Herdorf. Gegen 17 Uhr kam vor dem Eingang des REWE-Marktes in der Schneiderstraße in Herdorf zu der Prügelei. Der 24-jährige ...

Baubranche: 44 Prozent der Ausbildungsplätze unbesetzt

Kreis Altenkirchen. Walter Schneider von der IG BAU Koblenz-Bad Kreuznach spricht von einem „Alarmsignal“. Wenn es den Firmen ...

AckerKita „Die Phantastischen Vier“: „Mehr Wertschätzung!"

Fürthen. Fast täglich besuchen die Kinder und Erzieherinnen in kleinen Gruppen den Acker, um Unkraut zu jähten, den Boden ...

Schulen des Kreises: Konzept für mehr Reinigungen wird erarbeitet

Kreis Altenkirchen. Der Landkreis Altenkirchen ist Träger von 16 weiterführenden Schulen zwischen Willroth und Niederschelderhütte, ...

Vier Corona-Neuinfektionen im Kreis – Tests nach Urlaubsreisen

Altenkirchen/Kreisgebiet. Insgesamt weist die Statistik damit aktuell fünf Infektionen im Kreis aus. Damit steigt die Zahl ...

Neue Annahmestelle für Elektrogeräte in Weyerbusch

Weyerbusch. Die Bürger können dort Elektro- und Elektronikkleingeräte bis zu einer Größe von etwa einem DIN A 4–Blatt bei ...

Weitere Artikel


Baustelle am Amtsgericht dümpelt vor sich hin – Justizstaatssekretär vor Ort

Altenkirchen. In einer Legislaturperiode (fünf Jahre) alle eigenen Dienststellen besuchen: Das haben sich der rheinland-pfälzische ...

Kreisauskunftsbüro: Wichtiger Baustein im Katastrophenschutz

Altenkirchen. Die meisten Bundesländer haben dem DRK rechtlich die Aufgabe übertragen, mit seinem bundesweiten Netzwerk der ...

Ehemalige GHS-Halle an zwei Familienbetriebe verkauft

Niederfischbach. Die ehemaligen Bürohallen in Niederfischbach haben eine lange Geschichte. Diese reicht von einem großen ...

Strom- und Heizkosten im Blick: Monatlicher Zähler-Check

Kreis Altenkirchen. Wer immer über den Energieverbrauch informiert sein will, prüft regelmäßig die Zählerstände. So kann ...

Muss die Schulbibliothek am FvS-Gymnasium schließen?

Betzdorf. Der Leserbrief von Paul Marian Milosevic, Schüler des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums Betzdorf, im Wortlaut:

"Bereits ...

WSV sichert sich mit neuem Vereinsrekord endgültig den Klassenerhalt

Wissen/Niederaula. Zunächst musste der WSV gegen den deutschen Rekordmeister St. Hubertus Elsen antreten. Die Mannschaft ...

Werbung