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Nachricht vom 14.12.2019    

Schließung der FvSGy-Bibliothek: „Armutszeugnis für den Kreis“

LESERMEINUNG | Der Kreis Altenkirchen muss sparen und als Teil seiner Haushaltskonsolidierung wird voraussichtlich die Stelle der Bibliothekarskraft am Freiherr-von-Stein-Gymnasium in Betzdorf als freiwillige Ausgabe gestrichen. Schüler, Eltern, Lehrer und Bürger bringen vor der entscheidenden Kreistagssitzung am 16. Dezember ihre Empörung zum Ausdruck – uns haben mehrere Leserbriefe zum Thema erreicht.

Am Freiherr-von-Stein-Gymnasium in Betzdorf (Foto: Schule)

Betzdorf. Schon seit Monaten wird über die Streichung der Stelle einer Bibliothekarskraft am Freiherr-von-Stein-Gymnasium in Betzdorf diskutiert; der Protestmarsch im Juni hat gezeigt, wie sehr die damit verbundene voraussichtliche Schließung der Bibliothek für Unmut unter der Schülerschaft sorgt. Als „Bildungsklau“ bezeichnen Schüler, Eltern und Lehrer die vermutlich unumgängliche Schließung und allerorten herrscht Unverständnis darüber, warum man als erstes bei den Schulbibliotheken spare, während die gesamte Politik darüber redet, wie wichtig Bildung sei, wie es der stellvertretende Vorsitzende des Schulelternbeirats, Christoph Held, zum Ausdruck bringt. So hat auch Paul Marian Milosevic, Schüler des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums Betzdorf, in seinem Leserbrief wenig Verständnis dafür, eine Schulbibliothek zu schließen, wenn die PISA-Studie zeigt, dass sich die Lesekompetenz der Schüler stetig verschlechtert.

Auch Sabine Alberts-Wingenfeld, SEB-Vorsitzende des FvsGy Betzdorf, kann die Entscheidung nicht nachvollziehen, wie sie in einem Leserbrief schreibt: „Traurig ist die Tatsache, dass in dem ländlichen Kreis Altenkirchen mit massiven Nachwuchssorgen nicht jeder Strohhalm genutzt wird, den Kreis für junge Menschen attraktiv zu halten und zu machen, und das fängt für mich beim Schulangebot mit allen dazugehörigen Leistungen (Bibliotheksstellen, Schulhofsanierung nur noch bei Gefährdung etc.) an. Es ist bekanntlich sehr viel schwerer einmal abgewanderten Nachwuchs zurückzuholen, als alle Voraussetzungen zum Bleiben zu schaffen.“

Keine Bildung zum Nulltarif
Jens Klappert aus Kirchen stellt in seinem Leserbrief fest: „Die Leidtragenden sind wie so oft Kinder und Jugendliche“ und auch er „möchte die Entscheidung des Kreistags gerade in Zeiten der neusten Pisa-Studie in Frage stellen, hier heißt es: ‚Die Leseleistungen der deutschen Schüler sanken nach Verbesserungen in den vorherigen Pisa-Tests wieder auf das Niveau von 2009‘.“ Er kritisiert zudem die Politiker, die sich seiner Meinung in der Frage um den Erhalt der Stelle der Bibliothekarskraft „immer weggeduckt haben und nie ehrlich Stellung bezogen haben… Den Politikern möchte ich sagen, dass es keine Bildung zum Nulltarif gibt.“

Als „ein Schlag in die Magengrube des gesunden Menschenverstandes“ bezeichnet Paul Schneider, Schüler des FvSGy, in seinem Leserbrief die drohende Schließung der Schulbibliothek. Für ihn sei die Bibliothek mehr als ein Lern- und Rückzugsort: „Gerade in der Oberstufe habe ich den Wert unserer Bibliothek kennen und schätzen gelernt. Angefangen bei der Recherche für meine Facharbeit, Arbeitsplatz für Hausaufgaben und das Lernen oder als ruhiger Ort während den Freistunden – die „Bibo“ war stets da. Für die Schulgemeinschaft kaum vorzustellen was sie ohne diesen Raum gemacht hätte.“ Auch er führt die Lesekompetenz und das Bildungsniveau der Schüler als Argument für den Erhalt der Bibliothek an. „Das Nicht-Besetzen einer Stelle für eine hauptamtliche Bibliotheksmitarbeiterin, dem förmlich die Schließung unserer Bibliothek gleichkommt, wird die Situation des deutschen Bildungssystems ganz sicher nicht verbessern! Eine adäquate Betreuung kann so, vor allem in Bezug auf Recherche und Fernausleihe, nicht mehr gewährleistet werden. Ein echtes Armutszeugnis für den Landkreis Altenkirchen und unsere Politiker, die immer gebetsmühlenartig betonen, wie wichtig Bildung im ‚Land der Dichter und Denker‘ sei. Eins ist klar: In Bildung muss erst investiert werden, bevor sie sich auszahlt!“ Als problematisch sieht er zudem den Umstand, dass lediglich drei von sieben Parteien auf das Anliegen der Schüler, denen man in diesen Zeiten nur allzu oft Politikverdrossenheit vorwirft, reagierten: „Das Gefühl nicht ernst genommen zu werden, das Sie meiner Generation damit geben, sehr geehrte Damen und Herren im Kreistag des Landkreises Altenkirchen, zeichnet doch ein düsteres Bild in Bezug auf einen ‚Generationenkonflikt‘.“

Institution für die gesamte Schulgemeinschaft
Hannah Karola Strunk, Schülersprecherin des Freiherr-vom-Stein Gymnasiums Betzdorf, betont in ihrem Leserbrief die Bedeutung der Schulbibliothek für die Schülerschaft. Diese sei „nicht nur ein Raum mit Büchern. Nein, die von uns liebevoll genannte ‚Bibo‘ ist eine Institution für die gesamte Schulgemeinschaft! Das Lesen die Bildung fördert, sei außer Frage gestellt, aber zum Erhalt der ‚Bibo‘ ist Bildung nur eines von vielen wichtigen Argumenten.“ Die Bibliothek sei für sie und für viele andere ein Ort, an dem man dem stressigen Schulalltag entfliehen könne: „Es lässt sich Ewigkeiten durch etliche Regale stöbern, die Umgebung ist bunt und warm. Viel Gebasteltes, Gemaltes und liebevolle Dekorationen sorgen für eine angenehme Atmosphäre. Mit oder ohne gutes Buch in der Hand lässt es sich Ewigkeiten auf einer der warmen Fensterbänke oder der kuscheligen Couch in der ‚Bibo‘ verbringen. Zu dieser ‚Wohlfühlatmosphäre‘ gehören nicht nur die Räumlichkeiten, sondern auch eine kompetente Fachkraft. Die einem sowohl beim Heraussuchen von Fachliteratur und Finden von Büchern hilft, als auch immer für ein aufmunterndes Gespräch und motivierende Worte vor Klausuren zu haben ist.“ Sie bedauere alle jüngeren Mitschüler, die das aufgrund von politischen Entscheidungen und Sparmaßnahmen nicht mehr erleben können.

„Ich brauche einen ruhigen Ort zum Lernen“, so bringt Anika Zöller Schülerin der Stufe 13 des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums in Betzdorf in einem fiktiven Ablauf ihres Schulalltags einen der vielen Gründe für den Erhalt der Schulbibliothek zum Ausdruck. „Recherche für meine Facharbeit. Heizung aus. Licht an. Ich durchstöbere die hohen Bücherwände. Chaos. Bibliothekarin fehlt. Stelle gestrichen. Wo ist Dürrenmatts ‚Der Besuch der alten Dame‘? Kann mir jemand sagen, ob wir Sekundärliteratur besitzen? Wurde der Werteverfall bereits thematisiert?“ Düster zeigt sich hier die Zukunft ohne Schulbibliothek: „Unsere Zukunft? Dankeschön, liebe PolitikerInnen des Landkreises Altenkirchen!“

„Investieren Sie in Bildung“
„Deutsche SchülerInnen lesen immer weniger. Die Reaktion: Bibliotheksschließung“ – die Ironie der Konsequenz, die sich durch die Entscheidung des Kreistags ergibt, macht Colin Haubrich, Mittelstufensprecher des FvSGy, in seinem Leserbrief deutlich. Für ihn ist es „verständlich, dass der Kreis sparen muss, doch wie John F. Kennedy bereits sagte: ‚Es gibt nur eins was auf Dauer teurer ist als Bildung: Keine Bildung‘.“ Auch er betont die Wichtigkeit der Schulbibliothek im Schulalltag: „Wir nutzen sie! Wir brauchen unsere Bibo und einen Bibliothekar/eine Bibliothekarin. Unsere Bibo ist ein wichtiger Bestandteil unserer Schule und unserer Schulgemeinschaft!“ Er appelliert an die Politiker des Kreises: „Sparen Sie nicht an der Bildung nachfolgender Generationen, sondern investieren Sie darein!“

In einem Kommentar auf der Seite des AK-Kuriers äußert Maik Leistikow Unverständnis für die Idee der Politik, die Stelle der Bibliothekarskraft anderweitig zu ersetzen: „Man fragt sich wirklich, wie weit Politik, leider auch Kommunalpolitik, von der Realität entfernt ist. Wie sollen Schulen, die noch nicht mal zu 100 % ihrer Sollunterrichtsstunden mit Lehrern besetzt sind und zusätzlichen kurzfristigen Ausfall z.B. durch Krankheit abdecken müssen, auch noch mit u.a. Lehrern die Bibliothek besetzen?“ Als „unverantwortlich, solch eine Einrichtung dem Haushaltsplan zu opfern“, empfindet Kommentator Andreas Kipping die drohende Entscheidung für die Streichung der Stelle. „Was unseren Lokalpolitikern einfällt, ist immer erst bei den Kindern zu sparen. Die Kreismusikschule soll ja auch verkleinert werden. Man muss sich nicht wundern, wenn junge Familien von hier wegziehen, kritisiert Ursula Herling in ihrem Leserkommentar. (red)


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