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Nachricht vom 26.12.2019    

Smartphone, Smart-TV und Co.: Was ist eigentlich „smart“?

GASTBEITRAG | Was bedeutet eigentlich „smart“? Das fragt man sich angesichts immer präsenter werdender Produkte wie Smart Home, Smartphone, Smart Mobile... Brauche ich das? Sind die Produkte smarter als ich? Kann ich noch mithalten oder gehöre ich in der heutigen von Plastik bestimmten Welt zum „Alten Eisen“? Eine nicht ganz ernst gemeinte Betrachtung zur Entwicklung rund um den Begriff „smart“ vom „Grandpa“ aus dem Westerwald.

(Symbolbild: Photo Mix/Pixabay)

Region. Smart heißt übersetzt ja nun schlau, clever. Damals in den „Clever & Smart“-Comicheften konnte ich das noch nachvollziehen. Denn Clever und sein Kumpel Smart hatten schon immer schlaue Ideen parat. Was heutzutage an einem sogenannten Smartphone schlau ist, erschließt sich mir nicht immer. Ja, natürlich, als mich mein Mobiltelefon erst kürzlich an einen Konzerttermin erinnerte, den mein nicht immer ganz präzise arbeitendes Gehirn auf den darauffolgenden Tag verlegt hatte, da erschien das Telefon schon irgendwie schlau – nur: Ich hatte das gute Stück mit diesen korrekten Daten an einem guten Tag gefüttert. Ob die Abhängigkeit zur Technik, in die wir Humanoide – also letztendlich dem ursprünglichen Menschen nur noch ähnliche Wesen – uns aktuell begeben, von grenzenloser Intelligenz zeugt, sei einmal dahingestellt.

Ohne Mobiltelefon geht gar nichts mehr
Wir bezahlen mit demHandy, die Fahrkarten und Eintrittskarten sind in der Elektronik gespeichert. Fast alles ist inzwischen papierlos. An alles denken die Maschinen, ich darf nur eins nicht vergessen – nämlich das Aufladen. Sonst gibt es Probleme, zum Beispiel mit dem Zugbegleiter. Ein schwarzer Bildschirm gilt, soweit ich weiß, nicht als Ticket. Und so wandele ich inzwischen immer mehr verblödend durch die wunderschöne Gegend, muss mir um nichts außer dem Akku Gedanken machen, denn ich hab ja immer etwas Smartes in der Tasche. Zunehmend sehe ich mich in Panik ähnlichen Zuständen, wenn sich der Akku dem letzten Drittel der Ladung nähert. Ich komme ohne Batterie nicht einmal mehr nach Hause. Das liegt in diesem Fall nicht an der Batterie im E-Auto, sondern daran, dass mir das Fahrzeug den Zugang verweigert, wenn das Handy nicht an ist. Dafür kann ich, sofern die Akkuladung es zulässt, schon unterwegs einen Kaffee kochen lassen. Früher machte das mein herzallerliebster Schatz nach Anruf, heute steuere ich das mit einer App.

Die Applikation - kurz App - macht alles bequem,
weil ich inzwischen alles via App von unterwegs erledigen kann. Die Heizung ist smart und kann von unterwegs geregelt werden, Lampen ein- bzw. ausgeschaltet werden. Ich kann – warum auch immer – aus Spanien meine Haustür öffnen, die Außenlampen in allen möglichen Farben leuchten lassen und natürlich die Innenlampen auch. Die ganze Hütte ist in cleveren Apps abgebildet – aber eben alles nur, solange der Akku noch am Start ist. Bequemer soll dadurch alles werden. Der ganze Schnickschnack belastet aber auch zunehmend, wenn man ein Alter erreicht hat und leider – oder welch ein Glück – nicht wie die Generationen Y und Z schon in frühester Jugend/Kindheit mit der ganzen neuen Technik aufgewachsen ist. Meine Familie kann mich jederzeit orten, weiß auf 5 Meter genau, wo ich mich gerade befinde und/oder wie schnell ich mit meinem Fahrzeug unterwegs bin.

Bedienungsfehler führen zu Verwunderung
Umso erstaunlicher für meine liebe Frau, die mich sicher auf irgendeinem Weihnachtsmarkt mit Freunden einen Glühwein teilen weiß, wenn sie plötzlich in der Küche im Dunkeln steht, weil ich völlig überfordert beim versuchten Bezahlvorgang mal eben die Rollläden heruntergefahren habe. Bei der Korrektur der Fehlbedienung erleidet sie fast einen Herzinfarkt, weil im Wohnzimmer die Stereoanlage losbrüllt. Weshalb ich gerade einen Kaffee koche, obwohl ich gerade 100 Kilometer entfernt einen Zug besteige, stößt ebenfalls nicht grundsätzlich auf Verständnis. Zum Teil hängt das auch damit zusammen, weil mein ach so schlaues Smartphone gerade am Morgen und ebenfalls bei anbrechender Dämmerung die Buchstaben und Symbole schrumpfen lässt. Nur meine Lesebrille ist natürlich nicht smart, sondern liegt genauso dämlich wie fast immer in irgendeinem Versteck.

Ist alles ein großer Plan?
Manchmal glaube ich, das ist alles ein cleverer Plan, um mich in den Irrsinn zu treiben. Eventuell planen die Bill Gates, die Geheimdienste und/oder heimlichen Strippenzieher dieser Welt, die inzwischen natürlich auch über mein ganzes Tun informiert sind, meine Abhängigkeit irgendwann für etwas Schräges zu nutzen. Oder sind große Kliniken in Vorbereitung, mir bei völliger geistiger Umnachtung einen geregelten Lebensabend zu bieten, wenn noch nicht alles Geld für smarten Unsinn mit dem Smartphone ausgegeben ist?

Tesla baut selbstfahrende Autos, die in der Lage sind, Unfälle zu fabrizieren, die ich besser nicht hinbekommen hätte. Soweit zu smart.

Manchmal fürchte ich mich vor den Anforderungen des Alterns
Kann ich die ganze Bequemlichkeit überhaupt noch meistern? Ist mein Smartphone viel smarter als ich? Ich befürchte alle möglichen Apps irgendwann durcheinander zu bringen. Statt bei der Seniorenfeier strande ich mit meinem Fortbewegungsmittel an der Nordsee. Der Akku ist endlich leer. Ich kann niemanden informieren, wo ich bin, meinen Namen und meine Adresse weiß nur mein Handy. Aber das ist ja aus. Ich kann nicht mehr geortet werden, nicht mal die NSA weiß, wo ich bin. Zahlen mit dem Handy – vorbei, es ist aus! Wahrscheinlich habe ich in 500 Kilometer Entfernung mit letzter Akkuleistung noch einen schönen heißen Kaffee gekocht, das Licht wechselt gerade von lindgrün in gleißendes rot und der Pelletofen heizt die Wohnung auf Saunatemperatur. Nur Grandpa bleibt verschwunden. Dann wird mir wieder einmal klar: Ich bin zu alt für diese Schei..! LG Euer Grandpa


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