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Nachricht vom 14.01.2020    

„Vermeiden statt leiden“ – Ausstellung zu Darmkrebs und Vorsorge

Darmkrebs ist eine der häufigsten Krebsart, aber, frühzeitig erkannt, „in ganz vielen Fällen heilbar“ – Vorsorge und Früherkennung sind deshalb umso wichtiger: Eine Ausstellung im DRK-Krankenhaus in Kirchen lenkte den Blick auf Darmkrebs und wirbt für Vorsorge. „Vermeiden statt leiden“ steht über der Ausstellung der Landeszentrale für Gesundheitsförderung Mainz. Die informative Präsentation wurde nach einem Pressegespräch eröffnet, an dem die rheinland-pfälzische Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler und Prof. Dr. Jürgen F. Riemann teilnahmen.

Zur Eröffnung der Ausstellung „Vermeiden statt leiden“ stellte sich Staatsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler mit weiteren Teilnehmer des Pressegesprächs auf. Foto: (tt)

Kirchen. Mehr als 60.000 Neuerkrankungen sowie 25.000 Todesfälle gibt es jährlich bundesweit bei Darmkrebs. Von einer sehr wichtigen und nachhaltigen Veranstaltung sprach Prokurist Dr. Christoph Faßbender von der Geschäftsführung der DRK-Trägergesellschaft Süd-West mbH Mainz im Konferenzraum des DRK-Krankenhauses in Kirchen, als er am Montag (13. Januar) unter anderem die rheinland-pfälzische Staatsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler zum Pressegespräch begrüßte. Neben den Offiziellen, zum Beispiel Vertreter der Landeszentrale für Gesundheitsförderung und aus der Medizin, wohnten auch Schülerinnen und Schüler der Krankenpflegeschule Kirchen bei. Ganz offensichtlich waren die jungen Leute noch nicht in dem Alter, ab dem seit 2019 die Mitglieder der Krankenkassen angeschrieben werden und auf die Früherkennung hingewiesen und dazu eingeladen werden – und das ist ab 50 Jahren, wie bei dem Gespräch hingewiesen wurde.

Es sollte dabei beispielsweise um neue Erkenntnisse gehen, aber auch, was erreicht wurde, leitete Dr. Matthias Krell, Geschäftsführer der Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Mainz, ein. Man wolle über die Problematik Darmkrebs und vor allem dessen Vorsorge sprechen. Das Krankenhaus sei ein guter Rahmen für eine solche Ausstellung, und um Darmkrebs zu thematisieren, dankte er. Es werde in einem breiten Spektrum informiert, sagte er, auch mit Blick auf einen eingebundenen Vortrag. Krell bilanzierte, dass die seit zweieinhalb Jahren laufende Ausstellung inzwischen an fast 40 Standorten in Rheinland-Pfalz zu sehen war. Darmkrebs sei nicht die einzige Krebsart, aber eine der häufigsten Krebsarten, sagte Krell und fragte die Staatsministerin, wie die Landesregierung zu der Problematik beziehungsweise schweren Erkrankung sich stellt. Der Landesregierung sei es ein wichtiges Anliegen, darüber zu informieren, um zu verhindern, dass eine Erkrankung entsteht, sagte Bätzing-Lichtenthäler. Es sei ein gesundheitspolitisches Thema, auch der Bundesregierung. Es werde in die Verbesserung der Behandlung und des Beratungsangebotes investiert. Als zwei wesentliche Punkte stellte sie heraus: Behandlungsansätz verbessern, Beratungsansätze verstärken.

Prävention und präventive Maßnahmen
Prävention und präventive Maßnahmen: Das sei das Zentrale, was die Landeszentrale verfolge, knüpfte Krell an und spannte den Bogen zu einer „echten Vorsorge“, und wie die zu leisten sei. Bei der Vorsorge sei jeder Einzelne gefragt, betonte die Staatsministerin. So zum Beispiel bei Ernährung, Bewegung, reduziertem Alkoholkonsum und möglichst keinem Tabakkonsum. Viele würden auch von Früherkennungsangeboten nichts wissen, hieß es bei dem Pressegespräch, zum Beispiel was an bestimmten Leistungen finanziert wird. Bei einer Früherkennung sei die Annahme noch nicht so. Das sei schade beim Darmkrebs, weil Heilungschancen bestünden, frühzeitig erkannt, würden sich diese verbessern, so Bätzing-Lichtenthäler.

Darmkrebs sei immer noch ein Tabuthema, sagte die Gesundheitsministerin. Es sei jedoch mit Scham besetzt. Umso wichtiger sei es, dass es nun dieses Einladungswesen gebe. Damit knüpfte sie an das seit 2019 praktizierte Vorsorgesystem an. Die Menschen müssten sich gar nicht aus der Deckung wagen, sondern könnten sich zu Hause damit beschäftigen, begrüßte sie diese Entwicklung: „Man holt es aus der Tabuecke heraus.“ Die Einladung zur Früherkennung, aber auch die Ausstellung wollen, dass man sich das Thema immer wieder mal bewusst macht. Und man hofft, dass es gelingt, dass mehr Menschen die Prävention und Vorsorge wahrnehmen. Das Präventionsgesetz könne man nicht allein umsetzen, hieß es, daran müssten alle dran mitwirken, zum Beispiel die Stiftung Lebensblicke (Ludwigshafen), Krankenkassen und Ärzte.

Darmkrebs „relativ einfach zu vermeiden
Geschäftsführer Krell erwähnte die „Gefährlichkeit“ von Darmkrebs, aber auch, dass er „relativ einfach zu vermeiden“ sei und nannte den Titel der Ausstellung: „Vermeiden statt leiden“. Auch der Landtagsabgeordnete Michael Wäschenbach war mit von der Partie, und der stellte heraus, dass man sich als Abgeordneter Gedanken mache, wofür Geld ausgegeben werde – und mit Blick auf die Ausstellung unterstrich er: „Es ist eine sehr sinnvolle Investition.“ Er machte darauf aufmerksam, dass das Leistungsangebot auch im DRK-Krankenhaus in Kirchen angeboten wird: „Ein Leistungsangebot vor Ort, für das Krankenhaus und die Menschen in der Region.“ Sein Anerkennung galt mit Blick auf die Präsentation der Landeszentrale für Gesundheitsförderung: „Eine ganz tolle Geschichte, und gut eingesetztes Geld.“ Das sei ein Verdienst seines Teams, gab Krell das Lob gleich weiter. Er berichtete auch, dass das Info-Portal überarbeitet worden sei.

Für Prof. Dr. Jürgen F. Riemann, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Lebensblicke, ist die Information ganz wichtig: „Wir müssen die Leute persönlich ansprechen.“ Er freute sich, dass, nach langer Laufzeit, das Präventionsgesetz umgesetzt sei. Somit bekämen nun Versicherten der Krankenkassen mit 50 Jahren eine Einladung zur Darmkrebsvorsorge, für Beratung und einen Stuhltest, mit dem „nicht sichtbares Blut“ erkannt werden könne. Neu an dem Gesetz sei es auch, dass Männer bereits ab 50 Jahren die Chance hätten, sich „darmspiegeln“ zu lassen. Männer würden früher und häufiger an Darmkrebs erkranken. Bei Frauen wird die Untersuchung ab 55 Jahren angeboten, berichtete der Professor. Wenn alles unauffällig sei, dann könne man nach zehn Jahren wieder eine Spiegelung vornehmen. Krell fragte, ob es eine Erkrankung in der zweiten Lebenshälfte sei? Auch wenn es eher eine Krankheit des älteren Menschen sei, so war bei dem Pressegespräch auch zu erfahren, dass man feststellt, dass es „sich nach vorne lagert“. Gutes Essen und Alkohol, ein westlicher Lebensstil wurden hier angeführt; aber nicht nur Darmkrebs verlagere sich vor. Man müsse den Lebensstil so einstellen, um dem mehr gerecht zu werden, lautete ein Appell.



Krebs in der Familie?
Es kam hier aber auch sozusagen wieder das Stichwort Prävention hinzu: Junge Menschen sollten sich erkundigen, ob es Krebserkrankungen in der Familie gab. Denn 20 Prozent aller Darmkrebserkrankungen hätten einen familiäre Linie. Das Risiko, Darmkrebs zu bekommen, liege hier höher. Die Darmkrebsvorsorge sollte hier mit 40 Jahren beginnen, hieß es. An der Ausstellung mitgearbeitet habe auch Dr. Mehmet Ali Göksu aus Worms, berichtete Krell, und spannte den Bogen zu Menschen mit Migrationshintergrund, die man auch motivieren möchte, eine Darmkrebsvorsorge vornehmen zu lassen. Darmkrebs sei auch in der Migration angekommen, konstatierte der Internist und Gastroenterologe Göksu: „Das mediterrane Leben, das vor Krebs schützen sollte, ist hier nicht mehr so gegeben.“ Zum Stichwort Vorsorge erwähnte er, dass Scham eine ganz große Rolle spiele, und auch Angst. Frauen seien im Übrigen früher bei der Vorsorge, berichtete Göksu, der herausstellte: „Die Leute müssen es für sich tun.“ Wie Hausärzte integriert werden können, was Krell fragte, dazu ließ sich Professor Riemann ein. Das Einladungsverfahren führe auch dazu, dass es immer mehr Anfragen bei Hausärzten gebe. Es sei wichtig, dass das Fachpersonal in den Praxen so qualifiziert sei, dass bereits an der Rezeption Vorleistungen erfolgen können, und nicht erst bei der Hausärztin oder dem Hausarzt selbst. „Wir“, sagte Riemann dem AK-Kurier und meinte damit die Stiftung Lebensblicke, „möchten Hausärztinnen und Hausärzte entlasten und medizinisches Fachpersonal so ausbilden, dass Vorinformationen bereits aufgenommen werden können.“

Von der Aussage Riemanns fühlte sich auch Sanitätsrat Dr. Michael Fink, Vizepräsident der Landesärztekammer Rheinland-Pfalz, bestärkt. Er erwähnte die eigene Praxis, eine diabetologische Schwerpunktpraxis, mit insgesamt vier Kollegen und 16 Beschäftigten, wo man es genauso mit qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern praktiziere: „Medizinischen Fachangestellten kommt eine Schlüsselfunktion zu.“ Ein wichtiges Anliegen beim Pressegespräch war es, für Vorsorge zu werben. Denn Darmkrebs frühzeitig erkannt, sei er „in ganz vielen Fällen heilbar“, hieß es. Man müsse Aufmerksamkeit erzeugen, sagte Jörn Simon, Leiter der Landesvertretung der Techniker Krankenkasse Rheinland-Pfalz, und erinnerte an begehbare Darmmodelle. Diese seien ein Erlebnis, aber auch flächenraubend. Es sei ein Terminal entwickelt worden, das gut zur Ausstellung passe. Jeder Vierte nehme die Vorsorge wahr, bereicherte Simon mit Zahlen und konstatierte : „Es sind ganz viele dabei, die das Thema verdrängen.“ Er erwähnte die Möglichkeit einer Darmspiegelung bei Männern ab 50 Jahren und berichtete, dass man ein Mittel, ein Schlafmittel bekomme. „Das Unangenehmste ist das Abführen“, schilderte er, und dafür muss der Inhalt von zwei Fläschchen eingenommen werden. Simon berichtete, dass die Quote bei der Vorsorge zwischen Frauen und Männern etwas gleich sei. Früher seien Männer „Vorsorgemuffel“ gewesen, sagte Riemann – aber: „Es tut sich etwas.“

Infoveranstaltung für Betroffene und Interessierte
Bei dem Pressegespräch war unter anderem Dirk Werner, Chefarzt und Facharzt der Inneren Medizin und Gastroenterologie am DRK-Krankenhaus in Altenkirchen mit von der Partie. Als Gastdozent wird er am Mittwoch, 15. Januar, um 17 Uhr einen Vortrag im DRK-Forum im Erdgeschoss des Krankenhaus in Kirchen halten. Bei der Informationsveranstaltung für Betroffene und Interessierte wird der Mediziner der Frage nachgehen: „Wie kann ich mein Darmkrebsrisiko reduzieren?“ Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Im Anschluss an das Pressegespräch besichtigten alle gemeinsam die Ausstellung, auch die Schülerinnen und Schüler der Krankenpflegeschule. Die Präsentation beinhaltet Stellwänden, die das Thema näherbringen, ebenso ein Terminal. Es besteht auch die Möglichkeit, hinter einen kleinen Vorhang zu greifen und im Modell einen noch gutartigen Polyp und ein bereits bösartiges Karzinom zu ertasten. Die Ausstellung informiert seit rund zweieinhalb Jahren über das wichtige Thema der Darmkrebsvorsorge. Den Auftakt gab es im Mai 2017 im Mainzer Landtag. Danach war die Ausstellung, die auch angepasst und weiterentwickelt wurde, an fast 40 Standorten zu sehen, berichtete Alke Peters, Referatsleiterin bei der Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Mainz. Die Präsentation sei inzwischen ein Selbstläufer geworden, ließ Peters wissen: „Man merkt, dass es ein Thema ist.“ In Betrieben und Institutionen war die Ausstellung zu sehen, die sich eben auch gut in ein betriebliches Gesundheitsmanagement einbauen lasse, informierte die Referatsleiterin.

Nun hoffen die Macher der Ausstellung, dass auch die Menschen hier in der Region das Angebot im DRK-Krankenhaus Kirchen nutzen, um sich über das wichtige Thema und die Vorsorge bei Darmkrebs zu informieren. Die Gelegenheit dazu besteht bis Freitag, 24. Januar, in der Einrichtung an der Bahnhofstraße in Kirchen. Und natürlich auch bei der besagten Informationsveranstaltung für Betroffene und Interessierte am Mittwoch, 15. Januar, um 17 Uhr. (tt)


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