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Nachricht vom 19.01.2020    

Landessynode: Schutz vor sexualisierter Gewalt und mehr

Für Gemeindepfarrer Steffen Sorgatz aus Daaden war es eine besondere Erfahrung, erstmalig eine Landessynode aktiv mitzuerleben. Fünf Tage kamen in Bad Neuenahr die Abgeordneten aus allen 37 Kirchenkreisen der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR) zusammen.

Zahlreiche Abstimmungen prägten die Landessynode der Evangelischen Kirche im Rheinland in Bad Neuenahr. Die beiden Pfarrer Steffen Sorgatz aus Daaden und Marcus Tesch aus Wissen waren dabei. (Fotos: Petra Stroh)

Kreis Altenkirchen/Bad Neuenahr. „Ich habe viele anregende Gespräche geführt und erlebt, wie der Geist Jesu Christi eine Synode – eigentlich eine unübersichtliche Großveranstaltung mit vielen Einzeldebatten - führt und leitet und begleitet!“, so Sorgatz im Anschluss. Die Landessynode ist das oberste Leitungsgremium der mit mehr als 2,45 Millionen Mitgliedern zweitgrößten Landeskirche in Deutschland, sie hat 206 stimmberechtigte Mitglieder, fünf davon (neben Pfarrer Sorgatz auch Superintendentin Andrea Aufderheide, Pfarrer Marcus Tesch und die beiden nicht-theologischen Abgeordneten Frank Schumann und Petra Stroh) kommen aus dem Kirchenkreis Altenkirchen.

Schutz vor sexualisierter Gewalt, Kirche und Diakonie, Juden und Christen, Kirchliche Hochschule, Ökumene, Kirchentag, Kindergrundsicherung - eine Fülle von wichtigen Entscheidungen stand auf dem proppenvollen Tagungsplan. Ebenso blickten die Synodalen auf Entwicklungen, die das Leben auf allen kirchlichen Ebenen berühren, reflektierte ihre Beschlüsse, bauten darauf auf oder passten sie an und schufen Arbeitsgrundlagen für neue Herausforderungen.

Für Pfarrer Marcus Tesch ist die Landessynode mittlerweile so etwas wie eine alte Tante, die jedes Jahr im Januar zu Besuch kommt. „Von der man aber nie genau weiß, was sie im Gepäck hat…“

Die aktuelle Synode war für den Synodalassessor aus Wissen trotz einiger ‚dicker Brocken‘ ein angenehmer Besuch, bei dem für ihn auch persönlich der rege und anregende Austausch mit den Mitsynodalen im Vordergrund stand. Froh ist er, dass nun durch das Kirchengesetz zum Schutz gegen sexualisierte Gewalt „unsere Kirche offensiv und engagiert dazu beiträgt, dass Kinder und Jugendliche in unseren Gruppen und Einrichtungen so gut wie möglich geschützt sind!“

Für Superintendentin Andrea Aufderheide war auch die Bekräftigung des vor 40 Jahren gefassten Beschlusses „Zur Erneuerung des Verhältnisses von Christen und Juden“ ein besonderer Schwerpunkt der Synode. Nicht nur angesichts von zunehmender judenfeindlicher Gewalt war es für sie, auch als Kirchenleitende, entscheidend, dass bekräftigt wurde: „Wir stehen an der Seite des Judentums!“ Präses Manfred Rekowski hatte angeregt in Kirchenkreisen und Gemeinden weitere Begegnungsräume für Christen und Juden zu schaffen und gemeinsame diakonische Projekte auf den Weg zu bringen.

Wie die Synode auch mit schwierigen internen Themen umgegangen ist beeindruckte den Synodalen Frank Schumann (Birnbach). Gezeigt hat es sich ihm besonders bei der turbulenten Aufarbeitung der landeskirchlichen Software-Umstellung. „Eine ernsthafte, emotionale und doch sehr geschwisterliche Diskussion führte zu einem großen Konsens. Einmütigkeit im besten Sinne!“



Viele Beschlüsse der Landessynode wirken direkt hinein in die Vor-Ort-Arbeit in Kirchenkreis und Gemeinden. Bei rund 690 rheinischen Gemeinden mit teils sehr unterschiedlichen Prägungen und Bedürfnissen verlangen Entscheidungen und Problemlösungen den Synodalen gutes Aufeinanderhören, engagiertes Debattieren und Kompromissbereitschaft ab. Für die Synodale Petra Stroh ist deshalb die Stärkung der presbyterial-synodalen Ordnung von großer Bedeutung. „Wir müssen auf den unterschiedlichen Ebenen gut aufeinander achten und unser Miteinander pflegen!“ Es dürfe nicht der Eindruck entstehen, dass auf den unterschiedlichen Entscheidungsebenen mit „Tunnelblick“ agiert würde. Von daher sind für Stroh auch die gerade anstehenden Wahlen (am 1. März werden die neuen Presbyterien und darauf aufbauend alle Leitungsorgane in Kirchenkreis und Landeskirche neu gewählt) wichtig. „Den vielen engagierten Ehrenamtlichen, die unsere kirchliche Arbeit tragen, dürfen keine unnötigen Hürden zugemutet werden!“

Ein konkretes Anliegen, das aus dem Kirchenkreis Altenkirchen an die Landessynode herangetragen wurde, war die Sicherstellung der Unterstützung der heimischen Evangelischen Gemeindebüchereien. 2022 soll die landeskirchliche Fachstelle für Büchereiarbeit geschlossen werden und zuvor müssen (nicht nur für die Altenkirchener Synodalen) Weichenstellung geschaffen werden, damit die hiesige Arbeit - insbesondere auch bei der Aus- und Weiterbildung der ehrenamtlichen Mitarbeitenden und im Beschaffungswesen - gut weitergehen kann.

Weitere Beschlüsse – allen voran die landeskirchlichen Finanzplanungen (mit neuen Umlageregelungen) , die direkt in die Vor-Ort-Arbeit einwirkt, aber auch „kleine Entscheidungen“: künftig sind etwa Blockwahlen zu bestimmten Gremien kirchengesetzlich möglich, ebenso neue ‚Freiheiten‘ bei der Einstellung von Kirchenmusikern - wurden bei der Landessynode angepackt und beeinflussen nun die Arbeit von Kirchenkreis und Gemeinden. Die heimischen Synodalen werden in den kommenden Tagen ihre Eindrücke und wichtige Informationen direkt in die Kirchenkreis-Welt hineintragen. (PM)


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