Werbung

Nachricht vom 26.01.2020    

Gutachten: Keine Windräder im Wildenburger Land

In der Ortsgemeinde Friesenhagen sind mehrere Windindustrieanlagen mit einer Höhe von 239 Metern geplant. Um die möglichen Auswirkungen dieser Anlagen auf die heimische Tierwelt zu dokumentieren, hat der Morsbacher Ornithologe Christoph Buchen in Zusammenarbeit mit Horst Braun aus Steeg ein Artenschutzgutachten für das Wildenburger Land erstellt und dem Landrat übergeben.

Windräder sorgen immer wieder für Diskussionen (Symbolbild: Archiv)

Friesenhagen/Altenkirchen. Dieses Gutachten wurde am 20. Januar 2020 Dr. Peter Enders, Landrat des Kreises Altenkirchen, überreicht. Außerdem erhalten die Bürgermeister der Ortsgemeinde Friesenhagen, der Nachbargemeinden Morsbach und Reichshof sowie der Landrat des Oberbergischen Kreises jeweils eine Ausfertigung.

Christoph Buchen erforscht die Tier- und Pflanzenwelt von Morsbach und dem Wildenburger Land seit über 50 Jahren. Horst Braun beschäftigt sich ebenfalls seit vielen Jahren mit der Natur seiner Heimatgemeinde und kartiert die Tierarten. Beide Fachleute sind Beauftragte für Naturschutz bei der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Altenkirchen und haben 2019 erneut 12 planungsrelevante und Windkraft sensible Tierarten beispielhaft untersucht, vier Fledermausarten und acht Vogelarten. Unterstützt wurden sie dabei von über 70 Gewährsleuten aus der Bürgerschaft.

Seltene Tierarten schließen Genehmigungen aus
Das Fazit der beiden Naturwissenschaftler ist eindeutig: Den geplanten Windindustrieanlagen stehen im Wildenburger Land und in den Nachbarregionen die Vorkommen seltener Tierarten entgegen. Die Arten würden durch diese Anlagen in ihrem Lebensraum beeinträchtigt, und es wäre in der Zukunft ein negativer Trend auf die Bestandssituation der Arten wahrscheinlich. Die geschützten Individuen sehen sich sogar nach dem Bundesnaturschutzgesetz einem signifikant erhöhten Tötungsrisiko ausgesetzt, sollten die Windindustrieanlagen tatsächlich genehmigt werden.

Folgende Untersuchungsergebnisse sprechen gegen die Errichtung von Windindustrieanlagen:
Das Große Mausohr ist eine seltene Fledermausart von europäischer Bedeutung. In zwei Stollen nahe der Gemeindegrenze von Friesenhagen haben 2019 wieder 17 Mausohren überwintert. Auch im Herbst zur Paarungszeit sind sie beobachtet worden. Die Bechsteinfledermaus ist ebenfalls im Gebiet ganzjährig anwesend. Es liegen Winternachweise und der Nachweis von zwei Wochenstuben für den Randbereich des Wildenburger Landes vor. Dies sind die ersten Wochenstuben-Funde der Bechsteinfledermaus am Schnittpunkt des Oberbergischen Kreises und des Kreises Altenkirchen.

Wildenburger Land für Windindustrieanlagen eine Tabu-Zone
Wichtigstes Argument gegen die Genehmigung von Windindustrieanlagen ist das Vorkommen von Schwarzstorch und Rotmilan. Alleine 2019 konnten 364 Flugbewegungen des Schwarzstorches im Wildenburger Land dokumentiert werden. Erfreulich ist der Nachweis von mehreren Schwarzstorchhorsten. Die Lage dieser Horste und die 3-km-Schutzradien rund um diese Horste lassen den Schluss zu, dass das Wildenburger Land für Windindustrieanlagen eine Tabu-Zone ist. Die Gesamtzahl der Schwarzstorchhorste im Wildenburger Land erhöht sich damit für die Jahre 1991 bis 2019 auf mindestens 17 verschiedene Horste mit 50 erfolgreichen Bruten und mehr als 114 Jungstörchen. Das Wildenburger Land und seine Randbereiche gelten damit seit Jahren als wichtiges Brutgebiet im Rheinischen Schiefergebirge.



Vom Rotmilan konnten 2019 immerhin 1.772 Flugbewegungen im Wildenburger Land erfasst werden. Außerdem sind in dem Gebiet 16 Rotmilanhorste und sieben weitere besetzte Reviere dokumentiert worden. In den Jahren 2015 bis 2019 sind bei 44 erfolgreichen Bruten mindestens 56 junge Rotmilane flügge geworden.

„Totschlagargument“ gegen die Genehmigung
Dieses konzentrierte Rotmilanvorkommen ist ein Indiz dafür, dass es sich bei dem gesamten Wildenburger Land und seinen Nachbarbereichen um ein Rotmilan-Dichtezentrum handelt, was quasi ein „Totschlagargument“ gegen die Genehmigung von Windindustrieanlagen ist.
Da sich der Rotmilan gegenwärtig auf die deutschen Mittelgebirgsregionen konzentriert, ist der hiesige Bereich von überregionaler Bedeutung für den Schutz dieser Vogelart europaweit.

Nach der „Verordnung über das Landschaftsschutzgebiet Wildenburgisches Land“, die 2018 genau 50 Jahre besteht, und nach dem gültigen Regionalen Raumordnungsplan Mittelrhein-Westerwald (RROP) sind Windindustrieanlagen in dem Gebiet unzulässig. Auch weisen die Autoren auf den mangelnden Brandschutz in den Wildenburgischen Forsten hin. In dem heißen Sommer 2019 kam es mehrfach zu Waldbränden, die auch von Windindustrieanlagen ausgelöst werden könnten und nur sehr schwer zu bekämpfen sind.

Mit dem vorliegenden Artenschutzgutachten 2019 möchten Christoph Buchen und Horst Braun den zuständigen Behörden eine wissenschaftliche Hilfestellung und Sachargumente an die Hand geben, die Genehmigungen von Windindustrieanlagen und die Ausweisung von Windenergie-Potentialflächen im Wildenburger Land auf rechtlicher und sachlicher Grundlage zu versagen. Außerdem betonen sie: „Wir werden die bisherigen Horstbäume ganzjährig im Auge behalten und nach neuen Horsten Ausschau halten. Die wissenschaftlichen Kartierungen werden auch in Zukunft fortgesetzt.“ (PM)


Jetzt Fan der AK-Kurier.de Lokalausgabe Kirchen auf Facebook werden!

Weitere Bilder (für eine größere Ansicht klicken Sie bitte auf eines der Bilder):
   


Kommentare zu: Gutachten: Keine Windräder im Wildenburger Land

3 Kommentare
und was die lieben Windkraftgegner noch vergessen haben: im Umkreis von 2,8km um "Windindustrieanlagen", oder doch besser Windkraftanlagen, geben Kühe nur noch Sauermilch, Maulwürfe mutieren zu Bieber- großen Raubtieren,Herzschrittmacher bleiben stehen. Positiv ist jedoch zu vermerken, dass der Infraschall Nierensteine zertrümmert.

#3 von Volker, am 29.01.2020 um 21:27 Uhr
Was nun?
Keine Kernkraftwerke, keine Kohlekraftwerke.
Das Öl geht auch irgendwann zur neige.
Und wir alle (auch ich) haben unstillbaren Hunger nach Energie.
#2 von Ärthur Groß, am 28.01.2020 um 07:47 Uhr
Liebe Windkraftgegner, bitte instrumentalisiert die deutsche Sprache nicht. Ihr wisst genau, dass die korrekte Bezeichnung Windkraftanlage ist. Eine Windindustrieanlage stellt Windkraftanlagen oder deren Bestandteile her. Von Industrie im genannten Zusammenhang zu sprechen, ist also vollkommen falsch. Kraftwerk wäre korrekt gewesen, schließlich wird dort Strom erzeugt.
#1 von Markus Bläser, am 27.01.2020 um 20:07 Uhr

Anmeldung zum AK-Kurier Newsletter


Mit unserem kostenlosen Newsletter erhalten Sie täglich einen Überblick über die aktuellen Nachrichten aus dem Kreis Altenkirchen.

» zur Anmeldung



Aktuelle Artikel aus Region


30.000 Euro zu Nikolaus ins Ahrtal gebracht

Region. “Wir unterstützen keine Einzelpersonen, da es nicht immer eindeutig ist, ob wirklich eine Bedürftigkeit da ist“, ...

Nicole nörgelt - über unpraktische Adventskalender-Ideen

Ohja, jetzt wird es makaber: Schauen wir mal kurz über die Grenzen des schönen Westerwalds gen Osten, genauer gesagt nach ...

Gerichts-Entscheidung des Monats: Streitiges Erbe

Sachverhalt:
Koblenz. Die Parteien sind Geschwister. Ihre Eltern errichteten im Jahre 1969 ein Testament, in dem sich die ...

Der Impfbus kommt nach Güllesheim

Güllesheim. Eine Anmeldung ist nicht nötig, aber während der Impfaktion kann es zu längeren Wartezeiten kommen. Deshalb wird ...

Hochwertiger Imagefilm vermarktet zukünftig die Region

Altenkirchen. Der Film ist auf der Homepage zu finden. Im Rahmen des durch LEADER geförderten Projektes „Weiterentwicklung ...

Westerwaldbahn und -Bus: Neue Struktur für Wissen und Betzdorf

Wissen-Betzdorf. Während eines Pressetermins am Donnerstag (2. Dezember) gaben Tobias Gerhardus (Erster Kreisbeigeordneter), ...

Weitere Artikel


Creativkreis steigert Basarerlös und spendet für guten Zweck

Betzdorf. Jeweils 500 Euro gingen an die Organisation „Open Doors“ (die sich für verfolgte Christen einsetzt), Augenarzt ...

Jahreshauptversammlung der SG Altenkirchen bringt Veränderung

Altenkirchen. Am Samstag (25. Januar) trafen sich rund 75 Mitglieder der Schützengesellschaft (SG) Altenkirchen im Schützenhaus. ...

Interview (Teil 1) mit Fly&Help-Gründer Reiner Meutsch: „Ich wollte einen Sinn“

Blicken wir zurück zu Anfang der 1980er-Jahre, als wir uns kennenlernten: Können Sie sich an den damaligen Menschen Reiner ...

Senioren feiern Karneval in Horhausen mit buntem Programm

Horhausen. Im Rahmen der Begrüßung durch Ortsbürgermeister Thomas Schmidt und den Vorsitzenden der Seniorenakademie, Rolf ...

Wieder Diebstahl von BMW mit Keyless Go System

Kreisgebiet. In der Zeit zwischen Montag, den 20. Januar, 22 Uhr und Dienstag, den 21. Januar 2020, 6.30 Uhr kam es zu einem ...

Falsche Taktik, großer Schaden: Fortbildung bei der Feuerwehr

Wissen/Region. Am Freitag, 24. Januar, trafen sich auf Einladung des Kreisfeuerwehrverbandes (KFV) Altenkirchen rund 250 ...

Werbung