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Nachricht vom 12.02.2020    

Sturzfluten: Die neue VG arbeitet an Vorsorgekonzept

Nein, es ist keine Karte, die farbig irgendwelche Wahlergebnisse darstellt. Vielmehr weist sie aus, wie der Stand bei der Ausarbeitung des Hochwasser-/Sturzfluten-Vorsorgekonzepts in der neuen Verbandsgemeinde Altenkirchen-Flammersfeld ist. Ein Drittel der 68 Ortsgemeinden verfügt, meistens nach Abschluss der Inaugenscheinnahme, über jeweils ein solches Exposé.

Die Karte verdeutlicht, wie der Stand der Dinge bei der Aufstellung des Hochwasser-/Sturzfluten-Vorsorgekonzeptes in der VG Altenkirchen-Flammersfeld gediehen ist. (Foto: VG)

Altenkirchen. Es ist wahrlich eine Sysyphusarbeit, die in der Alt-VG Flammersfeld vor der Fusion mit der VG Altenkirchen, die zu Jahresbeginn vollzogen wurde, geleistet worden ist. Jede Ortsgemeinde zwischen Berzhausen und Willroth kann inzwischen ein auf ihren Beritt zugeschnittenes Hochwasser-/Sturzfluten-Vorsorgekonzept ihr Eigen nennen. Das hat zur Folge, dass das Gebiet in einer Karte, die die neue Groß-VG darstellt, ganz in Grün daherkommt, sprich komplett erledigt ist, während in der Alt-VG Altenkirchen noch ein farblicher Dreiklang vorherrscht. Gelb markiert sind die Ortsgemeinden Berod, Mammelzen, Busenhausen, Heupelzen und Hilgenroth, in denen mit der Erstellung der Pläne begonnen wurde und die in wenigen Wochen mit an Ort und Stelle gewonnenen Erkenntnissen vertieft werden, während die in blau (Abschluss im Jahr 2023) und die in rot (Abschluss im Jahr 2025) dargestellten Areale noch ein wenig warten müssen. Altenkirchen selbst gehört somit zur finalen Gruppe.

Klimawandel ist real
Ziel aller Ausarbeitungen ist es, nicht "normalen" Hochwasserereignissen die Zerstörungswut aufgrund der Identifikation potenzieller Gefährdungen durch Starkregen zu nehmen, die Einwohner zu unterrichten sowie den Ortsgemeinden, Versorgungsträgern und anderen Trägern öffentlicher Belange weitere Planungshilfen an die Hand zu geben, um möglichem Unheil vorzubeugen. So wurden frühere Wetter bedingte Ereignisse aufgearbeitet, topografische Karten ausgewertet und potenzielle Abflüsse der Wassermassen ermittelt. "Der Klimawandel ist real, wir haben es immer mehr mit Regenfällen in nie gekannter Stärke und nur auf einen kleinen Bereich begrenzt zu tun", sagt Joachim Schuh, inzwischen technischer Leiter der Verbandsgemeindewerke Altenkirchen-Flammersfeld, der bereits vor der "Hochzeit" intensiv mit der Verwirklichung des Vorhabens befasst war und nunmehr weiterhin ist. Auf Risiken, die die Folgen immens starken Niederschlags sind, war er von einem Wasserwirtschaftsingenieur aufmerksam gemacht worden. Die Alt-VG Flammersfeld sei eine der wenigen in Rheinland-Pfalz, die flächendeckend über solch eine Aufstellung verfüge. "Deswegen wissen wir inzwischen, was in den Gewässereinzugsgebieten los ist", ergänzt Jannik Schwarzbach, Sachbearbeiter der Werke und ebenfalls firm im Projekt.

Viele Begehungen
Viele Begehungen der neuralgischen Stellen waren erforderlich, die Überträge in Karten unabdingbare Voraussetzungen, denen sich die Ausarbeitungen der erforderlichen Maßnahmen anschlossen. "Wir haben bewusst die Öffentlichkeit gesucht und die Einwohner mit einbezogen. Es gab viele Runde Tische - auch mit den Bauern, weil sich dort Zielkonflikte entwickeln können,", blickt Schuh zurück, "Austauschveranstaltungen und Workshops gehörten ebenfalls zum Projekt. Einwohner haben uns alte Fotos zur Verfügung gestellt, die uns zeigten, wie Situationen da und dort waren." So standen für die Entwicklung des Konzepts unter dem Strich Kosten in Höhe von rund 140.000 Euro, für die das Land einen Zuschuss in Höhe von 90 Prozent gewährt.

Maximal 60 Prozent
Weniger spendabel zeigt sich Mainz, wenn es darum geht, Maßnahmen der öffentlichen Hand zu unterstützen. 600.000 Euro sollen kurz- oder mittelfristig in den kommenden vier Jahren an 125 Stellen Verbesserungen wie zum Beispiel die Veränderungen von Bachdurchlässen zeitigen. Niedergeschrieben wurden rund 400 Korrekturen, deren Umsetzung auch langfristig ausgerichtet ist. "Die Förderung beträgt maximal 60 Prozent, bei einigen fällt sie geringer aus. Die ersten Anträge sind nach Gesprächen mit der SGD Nord schon auf den Weg gebracht", weiß Schuh, es werde aber wahrscheinlich teurer. Und was er noch weiß: Ehe sich überhaupt ans Werk gemacht werden kann, ist eine ganz schöne "Papierflut" abzuarbeiten, denn "wir müssen ja auch unter Umständen in Gewässern bauen."

Einfache Maßnahmen
Aber nicht nur der "Staat" ist gefordert, den Wassermassen, die der Boden bei Starkregenereignissen gar nicht aufnehmen kann und die möglicherweise auch Erdrutsche auslösen können, Paroli zu bieten, auch steht die private Vorsorge ganz weit oben auf der Prioritätenliste. "Wir haben Hausbesitzer darauf hingewiesen, dass sie an exponierten Stellen zum besseren Schutz einfach bloß die Lichtschächte des Kellers erhöhen sollten", zeigt Schuh einen kleinen Eingriff, der durchaus eine große Wirkung haben kann, auf, "wir haben erläutert, dass eine Elementarschadensversicherung enorm wichtig ist."

Starkregen in Alsdorf 2018 (Foto: Bianca Willwacher)

Beispiel Betzdorf und Kirchen
Wie fix der Notfall eintreten kann, zeigte sich am 31. Mai 2018 in Betzdorf und Kirchen, als sich eine Gewitterzelle mit Starkregen und Hagel beinahe punktgenau über den beiden Städten entlud und in kürzester Zeit Straßen und Keller überflutete. Fast alle Feuerwehren aus dem AK-Land wurden zu Hilfeleistungen geschickt, wie sich Schwarzbach, Feuerwehrmann in Mehren, erinnert. Das damalige Szenario im Oberkreis offenbarte, wie inzwischen quer durch die Republik, ja in ganz Europa, gleich gelagerte Wetterphänomene beweisen: "Es gibt keine Vorwarnzeiten. Wir können sie so nicht vorhersehen", ist für Schuh erwiesen - ganz im Gegensatz zu "normalem" Hochwasser: "Es kommt drei Tage, bleibt drei Tage, geht drei Tage. Die Menschen, die betroffen sind, richten sich darauf ein. Auf Sturzfluten sind sie nicht vorbereitet." (hak)


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