Werbung

Nachricht vom 13.02.2020    

Unverständnis bei Wissener Ärzteschaft über BDZ-Schließung

In einem offenen Brief wendet sich der Landtagsabgeordnete Heijo Höfer an den Vorstandsvorsitzenden der Kassenärztlichen Vereinigung Rheinland-Pfalz als Reaktion auf die Ankündigung zur Schließung der Bereitschaftsdienstzentrale in Wissen. Darin kritisiert er die Entscheidung, und auch die Wissener Ärzteschaft zeigt Unverständnis.

(Symbolbild: Darko Stojanovic/Pixabay)

Wissen. Die Ankündigung der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) in Rheinland-Pfalz, die Bereitschaftsdienstzentrale unter anderem in Wissen zum 1. Juli schließen zu wollen, sorgt für Aufregung und Empörung im Kreis Altenkirchen.
Auch auf Seiten der Ärzteschaft in Wissen herrscht Unverständnis gegenüber der Entscheidung der KV. In Anbetracht des zunehmenden Hausärztemangels im Raum Wissen und Teilen der VG Hamm stelle diese BDZ eine wichtige Säule der Patientenversorgung an Wochenenden und Feiertagen dar, heißt es in einer von Dr. Katrin Salveter, stellv. Vorsitzende des Ärztenetzes Hamm- Wissen e.V. und Dr. Michael Theis, Obmann der Kreisärzteschaft Altenkirchen, unterschrieben Mitteilung am Donnerstag. Trotz der defizitären Finanzlage der BDZ sei eine ortsnahe medizinische Daseinsvorsorge in Form eines hausärztlichen Bereitschaftsdienstes auch in der Fläche und bei vergleichsweiser geringer Bevölkerungsdichte wichtig und unverzichtbar. Das gelte in ganz Rheinland-Pfalz, wo die meisten der Menschen, gerade Ältere in ländlichen „dünnbesiedelten“ Räumen wie in Wissen und Hamm leben.

Wie aus der Mitteilung auch hervorgeht, wurde die Ärzteschaft vor Ort von der KV Rheinland Pfalz vor der Ankündigung der Schließung weder gefragt noch informiert, sondern per Brief vor vollendete Tatsachen gestellt. Dies vor dem Hintergrund, dass jeder Arzt den ärztlichen Bereitschaftsdienst mit 270 Euro im Monat gegenfinanziert, wie Salveter und Theis hervorstellen. Es müsse die Frage erlaubt sein, ob kleinere BDZs wie das in Wissen immer kostendeckend arbeiten müssen, oder ob nicht große, gut funktionierende und lukrative BDZs in Städten in Rheinland-Pfalz gerade solche kleineren wie in Wissen mitfinanzieren müssten. Dr. Michael Theis und Dr. Katrin Salveter weiter: „Wir erwarten von der KV Rheinland-Pfalz zeitnah konkrete Informationen und zeitnahe Lösungsansätze, die den Erhalt der BDZ Wissen zum Ziel haben müssen.“

Die Ärzteschaft in Wissen widerspricht auch den Darstellungen der Kassenärztlichen Vereinigung Rheinland-Pfalz zur Bereitschaftsdienstreform. Wenn dort von nur „zwei Fällen“ je geöffneter Stunde in Wissen die Rede ist, dann sei das lediglich ein „Durchschnittswert. In diesem Wert seien nicht nur die Besuche im BDZ enthalten, sondern auch die Hausbesuche, die durch die Wegezeiten jetzt schon viel Zeit in Anspruch nehmen. Auch sind keine Stoßzeiten bzw. „Arbeitsspitzen“ wie beispielsweise an Weihnachten, bei Grippeepidemien oder an Brückentagen darin enthalten, wo dann für die Menschen, die aus der VG Wissen und dem Raum Hamm kommen, überhaupt kein Angebot mehr in der Mitte des Kreises existiere. Problematisch ist das auch für die drei Seniorenheime in Wissen und in Birken-Honigessen. Diese würden dann künftig nicht mehr von Wissen, sondern mit einer zentralen Fahrbereitschaft versorgt, die viele Stunden unterwegs, somit lange Wegezeiten hat ist und die Patienten nicht kennt. Daher müsse es in Wissen weiter einen Sitz geben, so die beiden Mediziner abschließend.

Heijo Höfer: Lösung für Versorgung finden
Heijo Höfer, MdL, wendet sich in einem offenen Brief an Dr. Peter Heinz, den Vorstandsvorsitzenden der KV. Er kritisiert, dass „keine Rücksicht auf die medizinische Versorgungsstruktur vor Ort genommen wird...für Patientinnen und
Patienten aus dem Raum Wissen bedeutet die Entscheidung, dass sie zukünftig an
Wochenenden und Feiertagen weite Wege fahren müssen.“

Heijo sieht zudem kritisch, „dass beim Thema Gesundheitsversorgung die
rheinland-pfälzische Landesregierung von der Bevölkerung immer wieder in die Pflicht
genommen wird, obwohl das Land auf Entscheidungen der Kassenärztlichen Vereinigung keinen
Einfluss nehmen kann und darf; es sei denn, geltendes Recht würde verletzt.“ Für ihn stelle sich daher die Frage, „ob die derzeitige ärztliche Selbstverwaltungsstruktur noch eine angemessene Organisationsform für die Zukunft darstellt.“ Abschließend bringt Höfer seine Hoffnung zum Ausdruck, dass es mit einer gemeinsamen Anstrengung aller Beteiligter gelingt, eine Lösung für die Versorgung der Menschen im ländlichen Raum zu finden.“

Die Wissener CDU schließt sich der Kritik an: „Es kann nicht sein, dass in Anbetracht des zunehmenden Ärztemangels nun auch noch die BDZ geschlossen werden soll. Wenn dieser Schritt nun so vollzogen wird, dann haben wir ein ernsthaftes Problem in unserer lokalen Gesundheitsversorgung. “, so der Vorsitzende Michael Rödder zur derzeitigen Sachlage. Gleichzeitig monieren die Christdemokraten, dass ein Ausweichen zu den übrigen Standorten Kirchen und Altenkirchen besonders für ältere und körperlich eingeschränkte Menschen eine Zumutung sei. Schließlich sei die BDZ am Standort Wissen unentbehrlich, da auch viele Patienten aus den umliegenden Ortschaften und angrenzenden Gemeinden den ärztlichen Bereitschaftsdienst in Anspruch nehmen. Ebenfalls besorgt reagierte das CDU-Mitglied Robert Leonards auf die angekündigte Schließung: „Gerade in unserer ländlichen Region ist ein flächendeckendes Gesundheitsmanagement unentbehrlich. Die von der KV skizzierte desolate Finanzlage der BDZ darf hier kein ausschlaggebendes Argument für eine Schließung sein.“

Unterschriftenaktion als Protest gestartet
Auch Landrat Dr. Peter Enders, Wissens Bürgermeister Michael Wagener und Stadtbürgermeister Berno Neuhoff hatten die Entscheidung der KV bereits scharf kritisiert, die „klar zu Lasten der Gesundheitsversorgung der Menschen an Wochenenden, Feier- und Brückentagen“ gehe, wie sie am Mittwoch in einer gemeinsamen Mitteilung verlauten ließen. Gemeinsam mit den niedergelassenen Ärzten rufen sie zum Protest in Form einer Unterschriftenaktion auf. Entsprechende Listen liegen ab sofort in allen Arztpraxen, in Apotheken, in den drei Seniorenheimen in Wissen und Birken-Honigsessen, bei großen Firmen, bei den Regionalen Banken und bald im Einzelhandel in Wissen aus. Die Aktion ist ein erster Schritt und läuft bis 5. März, so die Initiatoren. (PM/red)


Jetzt Fan der AK-Kurier.de Lokalausgabe Wissen auf Facebook werden!

Weitere Bilder (für eine größere Ansicht klicken Sie bitte auf eines der Bilder):
 


Kommentare zu: Unverständnis bei Wissener Ärzteschaft über BDZ-Schließung

2 Kommentare
Es ist unverschämt und nicht zu glauben was sich die Theoretiker der KV Rheinland-Pfalz erlauben. Hier wird nur nach Zahlen und Gewinnoptimierung gehandelt und nicht nach den Bedürfnissen und Erfordernissen der Bevölkerung.Alle, die diese Entscheidung zu verantworten haben, wohnen sicher nicht im Ländlichen Raum und haben den Arzt oder das Versorgungszentrum mehr oder weniger vor der Haustüre. Man kann diesen Leuten nur wünschen, einmal in einen echten Notfall zu geraten.
#2 von Josef Bleeser, am 16.02.2020 um 11:53 Uhr
Das darf doch nicht wahr sein!
Ich bitte alle Mitbürgerinnen und Mitbürger sich an derUnterschriftenaktion zu beteiligen.
Die Verantwortlichen müssen wachgerüttelt werden.
#1 von Gerhard (Ola) Dörner, am 13.02.2020 um 22:03 Uhr

Beliebte Artikel beim AK-Kurier


Mann greift Polizei an, flieht und wird mit Taser überwältigt

Zwischen einem 35-Jährigen und seiner 36 Jahre alten Lebenspartnerin kam es am Dienstag, 25. Februar, in einer Wohnung in Katzwinkel wiederholt zu einem heftigen Streit. Die Frau meldete der Polizei, dass ihr Lebensgefährte „gewaltig ausrastet“ und sie Angst habe, dass er ihr etwas antun werde.


Wissen o-jö-jo: Veilchendienstagszug als Höhepunkt des Wesser Fastowends

Am Veilchendienstag fand der traditionelle Karnevalsumzug durch die Wissener Innenstadt statt. Tausende Zuschauer feierten am Straßenrand die fünfte Jahreszeit. Neben all der guten Laune war aber auch Platz für kritische Beiträge.


In die Sieg gestürzt? Polizei sucht 30-Jährigen aus Kirchen

Ein 30 Jahre alter Mann aus Kirchen-Herkersdorf wird seit dem frühen Sonntagmorgen, 23. Februar, vermisst. Er war zusammen mit mehreren Leuten in der Nacht von Samstag auf Sonntag in der Siegener Innenstadt unterwegs gewesen, als er plötzlich verschwand.


IGS Betzdorf-Kirchen überreicht Spende an Tafel Betzdorf

Ihre Einnahmen von 2615 Euro vom sozialen Tag „Schüler helfen“ haben die Schülerinnen und Schüler der IGS Betzdorf-Kirchen nun per symbolischen Scheck an die Vertretung der Tafel in Betzdorf übergeben.


Was bleibt von mir, wenn ich einmal nicht mehr bin?

„Was bleibt.“ ist der Titel einer Ausstellung, die in der Passionszeit im evangelischen Kirchenkreis Altenkirchen sowohl in der Kreisstadt als auch in Betzdorf zu sehen ist. Diese Themenwochen ergänzen rund 40 Veranstaltungen verschiedenster Prägung.




Aktuelle Artikel aus Region


Präventionsfachmann Dirk Bernsdorff geht in Ruhestand

Kreis Altenkirchen. Als Dirk Bernsdorff – ausgebildet als Gymnasiallehrer und in therapeutischer Gruppenleitung – Ende der ...

Zum 30. Geburtstag der Zooschule Neuwied gibt’s interessante Führungen

Neuwied. Die Zooschule im Zoo Neuwied ist jedoch nicht nur für Führungen zuständig. Die Vorbereitung und Durchführung verschiedener ...

Freizeit-Tanz-Club Breitscheidt spendet an HiBA Wissen

Wissen. Der FTC Breitscheidt e.V. ist ein kleiner Verein, der vor über 30 Jahren gegründet wurde. Aktuell schwingen zehn ...

IGS Betzdorf-Kirchen überreicht Spende an Tafel Betzdorf

Betzdorf. Die Schülerinnen und Schüler der IGS Betzdorf-Kirchen haben diese beachtliche Summe bei der Schulaktion „Schüler ...

Die Lebenshilfe organisierte ein buntes Karnevalstreiben

Wissen. Die drei Teens im Alter von 11-13 Jahren waren aufgeregt und freuten sich schon sehr auf die zahlreichen Aktivitäten. ...

Eröffnung der Besuchersaison des Förderturms der Grube Georg

Willroth. Mit der Schließung ging eine mehr als zweitausend Jahre alte Tradition der Eisenerzgewinnung im Siegerländer-Westerwälder ...

Weitere Artikel


DGB-Verkehrsgespräch: „Nutzerfinanzierter ÖPNV ist am Ende“

Gebhardshain. Fast 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhielten viele Informationen zum Thema Öffentlicher Personennahverkehr ...

Bei Rewe online bestellen – und nach Hause liefern lassen

Betzdorf. Das Interesse an dem Vortrag von Dr. Robert Zores war groß, als Hartmut Lösch, Inhaber von WW-Lab, zum Innovation-Talk ...

VG-Feuerwehr Kirchen erhält sechs Wärmebildkameras

Kirchen. Bürgermeister Maik Köhler und Wehrleiter Ralf Rötter überreichten anlässlich eines Pressetermins je eine Wärmebildkamera ...

Schießen um Günter-Spahr-Pokal in familiärer Atmosphäre

Altenkirchen. Am Mittwoch (12. Februar) traten rund 28 Schützinnen und Schützen der SG Altenkirchen zum Wettkampf um den ...

Kreismusikschule hat sich für dieses Jahr viel vorgenommen

Altenkirchen/Kreisgebiet. Neues Musical, großes Musikschulkonzert, Kinderkonzert und Infotag – ein Überblick über das Programm ...

„Weltklassik am Klavier“ erweitert kulturelles Angebot im Kreis

Altenkirchen. Am Anfang stand die Begeisterung für die klassische Musik und der Wunsch, jungen und höchst talentierten Pianisten ...

Werbung