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Nachricht vom 18.02.2020    

Nahwärmeverbund Glockenspitze: „Weg von teuren Energieformen“

Er ist ein Erfolgsmodell und trägt zur Reduzierung des C02-Ausstoßes bei: Der Nahwärmeverbund Glockenspitze gehört längst zu Altenkirchen wie das Schul- und Sportzentrum, fällt aber weit weniger auf. Lediglich ein metallener Schornstein und eine große stählerne Abdeckplatte verraten, wo sein Herz schlägt.

Die sichtbaren Zeichen der Heizzentrale sind der silberne Schornstein und die große metallene Abdeckplatte über dem unterirdischen Lager. (Foto: hak)

Altenkirchen. Viele Gebäude im Altenkirchener Schul-, Sport- und Regierungszentrum sind ihrer eigenen Heizungen schon seit Jahren beraubt. Sie werden zentral mit Wärme versorgt, die als temperiertes Wasser durch ein umfangreiches unterirdisches Rohrleitungsnetz mit Vor- und Rücklauf geliefert und wieder an den Ausgangspunkt zurück geführt wird. Der Nahwärmeverbund Glockenspitze hat seine Heizzentrale mit Holzhackschnitzelkessel, die Grundlast abdeckendes Blockheizkraftwerk (Gasbetrieb) und dem Lager für den hölzernen (nachwachsenden) Brennstoff beinahe im Keller des Westerwald-Gymnasiums. Er ist ein bestes Beispiel für eine interkommunale Zusammenarbeit zwischen Kreis und damaliger (noch nicht fusionierter) Verbandsgemeinde Altenkirchen, die in einer extra gegründeten gemeinsamen Anstalt öffentlichen Rechts (gAöR) festgezurrt ist.

Öffnung deutet sich an
War es bislang nur gestattet, "offizielle" Gebäude anzuschließen, deutet sich eine Öffnung an, wie Beate Drumm (Verbandsgemeinde), die gemeinsam mit Stefan Glässner (Kreis) den Vorstand der gAöR bildet, formuliert: "In einer Verwaltungsratssitzung wurde eine Satzungsänderung dahingehend beschlossen, dass der Nahwärmeverbund nicht mehr nur ausschließlich kommunale Liegenschaften an das Nahwärmenetz anschließen darf. Der Ausschluss Dritter musste damals in die Satzung aufgenommen werden, da der Nahwärmeverbund bei der Errichtung der technischen Anlagen eine Förderung in Höhe von 50 Prozent aus dem damaligen ,Konjunkturprogramm 2' erhalten hatte. Gemäß der Förderrichtlinie war die Anbindung Dritter ursprünglich nicht zulässig." Das zuständige Ministerium für Umwelt, Energie, Ernährung und Forsten Rheinland-Pfalz habe der Anbindung Dritter nun schriftlich zugestimmt, ohne dass dadurch die erhaltene Förderung im Nachhinein negativ beeinflusst wird. Ein weiteres Organ ist der Verwaltungsrat, dem Landrat Dr. Peter Enders, Altenkirchens Bürgermeister Fred Jüngerich und jeweils drei Vertreter aus dem Kreistag und dem Verbandsgemeinderat angehören.

Keine Anschlusspflicht
Drumm ergänzt: "Es besteht jedoch seitens des Nahwärmeverbunds keine Anschlusspflicht. Das heißt, dass jedes mögliche Vorhaben individuell geprüft wird. Dabei werden die voraussichtlichen Investitionskosten der Erweiterung ebenso betrachtet wie die mögliche Wärmeabnahmemenge. Die aktuellen Investitionskosten für Nahwärmeleitungen sind derzeit immens, sodass ein Teil der Anschlusskosten von möglichen Interessenten zusätzlich zu einem Grund- und Arbeitspreis getragen werden müssen. Der Anschluss Dritter wird deshalb eine Einzelfallentscheidung bleiben unter Berücksichtigung der Anschlusskosten und der zu erwartenden ökologischen und ökonomischen Vorteile."

Kapazitäten sind frei
Nicht nur das Okay aus Mainz ebnet die Ausdehnung, sondern auch der Stand der Auslastung: "Aufgrund von energetischer Sanierungsmaßnahmen sind in den zurückliegenden Jahren Wärmeerzeugungskapazitäten freigeworden, sodass wir das technische Potenzial haben und ohne Investitionen in neue Wärmeerzeuger weitere Gebäude in das Nahwärmenetz zu integrieren. Von einer möglichen Erweiterung und der damit einhergehenden verbesserten Anlagenauslastung erhoffen wir uns eine positive Klimaschutzwirkung und eine Verringerung des Wärmegrundpreises. Wann die Kapazitätsgrenze erreicht ist, können wir derzeit nicht abschätzen", verdeutlicht Drumm.

Nur einjährige Planung
Inzwischen sind die äußeren Zeichen der Anlage, der silberne Schornstein und die große stählerne Abdeckung (unter ihr befindet sich das Lager für die Holzhackschnitzel) in unmittelbarer Nähe des Gebäudes A des Westerwald-Gymnasiums, in "Fleisch und Blut" übergegangen. Beim Spatenstich am 1. Juni 2010 hatte es nach nur einjähriger Planung viel Lob für die Idee dieser Zentralisierung gegeben. Das sei ein ganz vorbildliches Projekt, das beispielgebend für Rheinland-Pfalz sei, hatte der damalige Referent im Mainzer Umweltministerium, Werner Robrecht, erklärt. Wer so investierte, der meine es ernst mit dem Umweltschutz, "mit dieser Heizanlage kommen sie weg von teuren, umweltschädigenden Energieformen". Vom Zentrum der Anlage (zudem ungefährer Mittelpunkt des Netzes) verbinden unterirdisch verlegte Rohre mit einer Länge von rund 1100 Metern diese Abnehmer: Verbandsgemeinde- und Kreisverwaltung, Musikschule, Erich-Kästner-Grundschule und deren Sporthalle sowie die Hausmeisterwohnung, Westerwald-Gymnasium mit Fachklassentrakt und Außenstelle (ehemalige Realschule), August-Sander-Schule (ehemalige Haupt- und Realschule), Zweifachsporthalle, Sportzentrum mit Schwimmbad, Amtsgericht, Forstamt und Kita Glockenspitze. Insgesamt wurden vor beinahe zehn Jahren in das Projekt 1,75 Millionen Euro (netto) gesteckt.

Verschiedene Preissegmente
Die installierten Leistungen bewegen sich zwischen 15 und 600 Kilowatt (kW) und summieren sich auf 3600 kW. Unter dem Strich ergab sich im Jahr 2018 ein Gesamtverbrauch von 3 870 228 Kilowattstunden (kWh). Der Grundpreis belief sich netto auf 43,30 Euro/kW, der für 2019 ist noch nicht final ermittelt. Der Arbeitspreis betrug netto 0,0481 Euro/kWh. Auch in dieser Sparte liegt der fürs zurückliegende Jahr noch nicht vor. In einem Flyer, der zur "Geburt" der Anlage herausgegeben wurde, ist die CO2-Ersparnis mit 600 Tonnen pro Jahr angegeben. Die Aufsicht über das System liegt in Händen des Gebäudemanagements der Kreisverwaltung.

Schwelbrand im Bunker
Außer Gefecht gesetzt wurde die Anlage auch schon. So beschädigte eine Baggerschaufel die Leitung während der Sanierung der Rathausstraße. Nach einer Woche war das Leck, das während Schulferien entstanden war, wieder geschlossen. Viel länger zog sich die Reparatur nach einem Schwelbrand von Holzhackschnitzeln im unterirdischen Bunker am 1. Juni 2015 hin. Verantwortlich für das verkappte Feuer war, so stellte es sich heraus, ein technischer Defekt. Bis in den November erstreckte sich die Instandsetzung. Selbst der metallene Deckel über der Vorratskammer musste erneuert werden. Die Kosten in Höhe von 60.000 Euro wurden größtenteils von der Versicherung getragen. (hak)


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