Werbung

Nachricht vom 27.02.2020    

Präventionsfachmann Dirk Bernsdorff geht in Ruhestand

Seit fast 30 Jahren ist der Name von Dirk Bernsdorff im Kreis Altenkirchen mit der Suchtprävention und vor allem durch die Arbeit für und mit Kindern aus suchtbelasteten Familien verbunden. Zum 1. März geht der Präventionsfachmann des Diakonischen Werkes in Altenkirchen in den Ruhestand.

Auch im Ruhestand liegt Dirk Bernsdorff sein „Lebenswerk“ weiter am Herzen. (Foto: Petra Stroh)

Kreis Altenkirchen. Als Dirk Bernsdorff – ausgebildet als Gymnasiallehrer und in therapeutischer Gruppenleitung – Ende der achtziger Jahre im Raum Altenkirchen mit der „Suchtprävention in der Provinz“ startete, gab es in diesem Arbeitsbereich noch viel Entwicklungspotential. Da, wo es immerhin Hilfen für suchtkranke Menschen gab, fehlte noch völlig der Blick darauf, dass die Menschen im Umfeld eines Suchtkranken auch dringend Unterstützung brauchten.

Dass die in Altenkirchen durch Dirk Bernsdorff begonnene Arbeit mit Kindern aus suchtmittelbelasteten Familien mal modellhaft für ganz Rheinland-Pfalz werden würde, ließ sich in den Anfangsjahren noch nicht erahnen. „Rund drei Millionen Kinder wachsen bundesweit in Familien mit Suchtproblemen auf“, schätzt Bernsdorff. Wie sehr diese Kinder unter ihrer familiären Situation leiden und in ihrer eigenen Entwicklung gehemmt werden, wurde für Dirk Bernsdorff schon früh in seiner Präventionsarbeit deutlich. „Viele suchtkranke Menschen erzählten, dass sie schon durch ihr Elternhaus in ihrem Suchtverhalten geprägt wurden“.

Auch bei den Suchtpräventions-Angeboten in heimischen Schulen kam der Bedarf immer mehr zum Vorschein und Dirk Bernsdorff enzwickelte stetig Hilfsangebote für Kinder und Jugendliche.

Im Land Rheinland-Pfalz wurde 1996 ein Modellprojekt mit dem sperrigen Namen „Prävention und Frühintervention bei Kindern aus suchtbelasteten Multiproblem-Familien“ gestartet. Und Altenkirchen wurde damit zum „Hotspot“: Das Diakonische Werk bewarb sich für das Modellprojekt, das wissenschaftlich begleitet wurde. Im Kreis Altenkirchen wurden Bestandaufnahmen gemacht und Fachkräfte geschult. Inmitten der Projektphase (1996-2001) kamen 1999 bei einer große Fachtagung in Altenkirchen (Landjugendakademie), zahlreiche Fachleute aus ganz Deutschland zusammen. Deutlich wurde hier, dass es zwar überall in der Republik vereinzelte Projekte gab, aber ein „rote Faden“ und Austausch fehlten.

Durch die wissenschaftlichen Publikationen im Nachgang wurde doch schließlich bundesweit die Politik aufmerksam, allerorten starteten Initiativen und Dirk Bernsdorff wurde mit seinem Fach- und Erfahrungswissen ein gefragter Referent und Ratgeber.

Seine Fortbildungen sorgten dafür, dass zunächst landesweit und später auch bundesweit der Blick jenseits der Hilfsangebote für Suchtkranke auch auf deren Familien und vor allem die Kinder und Jugendlichen gerichtet wurde. „Das Thema ist zwar heute in der Gesellschaft angekommen, aber es fehlt immer noch vielerorts an konsequenter Umsetzung“, bedauert Bernsdorff. Projektförderung geschieht für ihn noch viel zu häufig auf unsicherer finanzieller Basis, gehemmt durch zu kurze Förderphasen und/oder Abhängigkeiten von schwankenden Spendengaben.




Stellenanzeigen | WesterwaldJobs

Gruppenleitung Wohnstätte (m/w/d)

Lebenshilfe im Landkreis Altenkirchen GmbH
57632 Flammersfeld

Gruppenleitung Wohnstätte (m/w/d)

Lebenshilfe im Landkreis Altenkirchen GmbH
57632 Flammersfeld

Examinierte Pflegekraft / Schulbegleitung

DRK-Kinderklinik Siegen gGmbH
57584 Scheuerfeld

Fachkraft für Arbeits- und Gesundheitsschutz (m/w/d)

Lebenshilfe im Landkreis Altenkirchen GmbH
57537 Mittelhof

SPS-Programmierer / Automatisierungstechniker (m/w/d)

Maschinenbau Böhmer GmbH
57520 Steinebach/Sieg

Mehr Westerwald Jobs entdecken    |    ⇒ Stellenanzeige schalten


Vor Ort hat Dirk Bernsdorff die Unterstützung für Kinder aus suchtmittelbelastetsten Familien über Jahrzehnte hinweg ganz praktisch angepackt. Nach-dem schon zu Beginn der neunziger Jahre ihm eine suchtkranke Mutter die Probleme ihres siebenjährigen Sohnes geschildert hatte und auch in der Arbeit mit Pflegefamilien, die Kinder aus suchtkranken Familien betreuten, der Unterstützungsbedarf deutlich wurde, begann sich eine erste Kindergruppe „Das sind wir“ zu formieren.

Zunächst trafen sich die Grundschulkinder im wenig kindgerechten Umfeld des „Haus der Evangelischen Kirche“, zogen dann um in passendere KITA-Räume. Aber ganz häufig waren die Kindergruppen sowieso draußen unterwegs. Das Spielen und Toben in der Natur bereicherte und bescherte den Kindern neue Perspektiven und Freiräume. Immer wieder entstanden so neue Kindergruppen und Dirk Bernsdorff bekommt von ehemaligen Gruppen-Kindern, die teils heute selbst schon Eltern sind, positive Rückmeldungen: „Besonders ist, dass die Kinder gelernt haben, dass man sich bei Problemen Hilfe holen kann und darf“.

Neben den mittlerweile traditionellen Kindergruppen gab es auch 2010 eine Extragruppe innerhalb eines bundesweiten Projektes „Trampolin“. 2008 entstand zudem eine regionale „Angehörigengruppe“ die sich regelmäßig monatlich trifft und mittlerweile um Seminarangebote erweitert wurde; seit Ende 2017 gibt es eine solche Gruppe auch in Hamm (Teehaus).

Außerdem – lange bevor Schulsozialarbeit fest etabliert war-, setzte Dirk Bernsdorff auf Fortbildungsangebote für Lehrer und auch auf Kooperationsprojekte in den Schulen. „Die Kinder mit ihren Bedürfnissen werden immer noch häufig übersehen. Die Suchtkranken stehen im Mittelpunkt, aber ihre Kinder, die manchmal sehr auffällig, aber in der Regel sehr „leise und angepasst“, teils sogar sehr engagiert auftraten, geraten noch zu häufig aus dem Blick!“

„Man muss am Thema dranbleiben“ fordert Bernsdorff von den politischen Handelnden ein. Bei bundesweit geschätzten sechs Millionen Kindern, die aus suchtmittelgefährdeten, aber auch immer stärker aus durch psychische Krankheiten gebeutelten Elternhäuser kommen, sieht er großen Handlungsbedarf. Er selbst will auch im Ruhestand „dranbleiben“. Und ehrenamtlich „seine Kinder“ und sein „einzigartiges Kind“ innerhalb der Suchtprävention begleiten. (PM)


Lokales: Altenkirchen & Umgebung
Feedback: Hinweise an die Redaktion

AK-Kurier Newsletter: Immer bestens informiert

Täglich um 20 Uhr kostenlos die aktuellsten Nachrichten, Veranstaltungen und Stellenangebote der Region bequem ins Postfach.



Aktuelle Artikel aus Region


Alkohol- und Drogenfahrt mit gestohlenen Kennzeichen in Kirchen

In der Nacht zu Samstag (23. Mai 2026) ereignete sich in Kirchen ein aufsehenerregender Vorfall. Bei ...

Familien in der Gemeinde Morsbach kämpfen um Erhalt der Grundschulen in Holpe und Lichtenberg

Den Grundschulen in Lichtenberg und Holpe droht das Aus, der Schulbetrieb könnte am Standort Morsbach ...

E-Bike-Fahrer verursacht Unfall unter Alkoholeinfluss in Wissen

In Wissen kam es am Freitagnachmittag (22. Mai 2026) zu einem Verkehrsunfall, bei dem ein E-Bike-Fahrer ...

Wiedweg Etappe 4: Burgruinen, Bannmühlen und das wildromantische Wiedtal

Die vierte Etappe des Wiedwegs führt auf 16,4 Kilometern von Altenkirchen durch die malerische Landschaft ...

Bracken Open Air wird 2026 zum Zwei-Tage-Festival

Das Bracken Open Air wächst: Am 29. und 30. Mai 2026 gibt es in Ratzert-Brubbach erstmals zwei Tage Musik, ...

Vesakh-Wanderung im Kloster Hassel: Einblick in Buddhas Leben

Am vergangenen Sonntag (17. Mai 2026) fand im Kloster Hassel eine besondere Veranstaltung statt. Im Rahmen ...

Weitere Artikel


Was bleibt von mir, wenn ich einmal nicht mehr bin?

„Was bleibt.“ ist der Titel einer Ausstellung, die in der Passionszeit im evangelischen Kirchenkreis ...

Robert Burkhardt: Ausstellung in der Kreisverwaltung Altenkirchen

Mit bemerkenswerten Werken von Robert Burkhardt (*1893 - †1977), wird ab dem 5. März die Ausstellungsreihe ...

Diebstahlserie auf Friedhof – Polizei bittet um Hinweise

Bei der Polizei wurden in den vergangenen Wochen mehrfach Anzeigen erstattet, nachdem von verschiedenen ...

„Partyfrauen Giesenhausen“ spenden an Hospizverein Altenkirchen

Zehn „Partyfrauen“ aus Giesenhausen treffen sich seit Jahrzehnten regelmäßig. Aus Verkauf von Kaffee ...

Back in Black: Schwarzes Schild bei der LVM-Versicherung abholen

Moped-, Mofa- und Rollerfahrer sollten ihre grünen Kennzeichen aus der vergangenen Saison jetzt schnell ...

Zum 30. Geburtstag der Zooschule Neuwied gibt’s interessante Führungen

Die 50 wissenschaftlich geführten Zoos in Deutschland stützen sich bei ihrer Arbeit auf vier Säulen: ...

Werbung