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Nachricht vom 07.03.2020    

Weltfrauentag: Frauenfrühstück mit Kultur in Weyerbusch

Von Helmi Tischler-Venter

Am Samstag, 7. März, gab es zum Internationalen Frauentag 2020 ein Frauenfrühstück mit Beiträgen von Autorin Sonja Roos und Slam-Poetin Ella Anschein. Veranstalter war der Arbeitskreis der kommunalen Gleichstellungsbeauftragten im Kreis Altenkirchen. Viele Frauen kamen zu Frühstück und Kultur nach Weyerbusch.

Julia Bieler bei der Begrüßung. Fotos: Helmi Tischler-Venter

Weyerbusch. Julia Bieler, die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Altenkirchen freute sich über den regen Besuch. Sie appellierte an die anwesenden Frauen: „Gleichberechtigung muss gelebt werden!“ Zwar habe man schon viel erreicht, aber Frauen seien immer noch nicht gleichberechtigt in allen Berufen und im Ehrenamt. Dazu müssten Frauen sich selbst mehr zutrauen und einfach machen.

Landrat Dr. Peter Enders bekannte einleitend: „Wir Männer sind schuld daran, dass solche Veranstaltungen nötig sind.“ Gleichberechtigung für Frauen habe erst vor hundert Jahren mit dem Wahlrecht begonnen und bis in die 60er Jahre musste die Frau ihren Ehemann um Erlaubnis für eine berufliche Tätigkeit bitten. Der Internationale Frauentag sei wichtig, weil er grundsätzliche Fragen stelle zu den Lebensverhältnissen von Frauen. „Alle haben ein Anrecht, ihre Lebensentwürfe zu realisieren.“ Die Feststellung, dass eine moderne Gesellschaft nur durch Gleichberechtigung funktionieren kann, verband der Landrat mit der Bitte an die Frauen, sich auch politisch zu engagieren. Auch in der Wirtschaft sei noch Luft nach oben für weibliche Karrieren. Entsprechende Überzeugungsarbeit sei ein dauernder Prozess und zeige ich in der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Zumindest große Arbeitgeber müssten große Flexibilität haben wegen der Doppelbelastung.

Auch der Zweite Beigeordnete der VG Altenkirchen-Flammersfeld, Rainer Düngen, bekannte, dass Frauenrechte immer noch ein besonderes Thema seien. 50 Prozent der Frauen gehen ganztags arbeiten, 90 Prozent der Männer. Das ist familiär bedingt. „Frauen werden bestraft mit weniger Rente für ihre wichtige Funktion in der Gesellschaft.“ Frauen seien in den Parteien noch unterrepräsentiert, weil sie spät einsteigen wegen des familiären Handicaps. Dann gebe es keine Führungspositionen mehr, weil diese von den Männern schon besetzt seien. Auch Düngen appellierte: „Es gibt noch viel zu tun! Auch im Ehrenamt sind Frauen zurückhaltender. Aber wir brauchen Sie!“

Nach der Frühstückspause stellte Ella Anschein sich und Poetry Slam vor. Den ersten Text widmete die Poetin der kleinen Lilja, weil sie einen Text will und weil Kinder oft Recht haben und weil Lilja fragt. Kehrreim des Gedichts: „Ich glaube an die Macht von Fragen und an deine feine Antennen, die dich durch das Leben tragen. Wenn mal was nicht geht, stell Fragen!“

Ihr zweiter Text bezog sich auf Liljas Mama, weil sie auch eine ganz tolle Frau ist, eine schöne Frau im Sinne von stark, elegant, klug, aufrichtig, gefühlsstark, souverän und liebend: „Dörthe, du bist schön!“

„Rumficken“ lautete der Titel des dritten, ebenfalls frei vorgetragenen Slams mit der Zielrichtung, das Patriarchat und die verlogene Sexualmoral zu überwinden: „Rumficken – Frauen machen das normaler Weise nicht! …Wir stecken in Strukturen und Regeln, die wir selbst erfinden…. Nichts im Leben ist einfach, schon gar nicht die menschliche Sexualität….In einer Welt, die in Huren und Heiligen denkt, bin ich lieber die Hure!“

Im Folgenden werde es unangenehm, denn es gehe um häusliche Gewalt und Frauenhäuser, warnte die Dichterin. Sie philosophierte über die menschliche Hand, die ein komplexes Organ ist und folgenschwere Bewegungen und Beziehungen ausführt: greifen, halten und zeigen mit aussagekräftigen Wortfamilien: begreifen, zugreifen, vergreifen, angreifen und so weiter. Die Aussagen, die die Hand betrafen, machten betroffen. Fazit: Handeln ist leicht, aber Laufen ist schwer, weil da ein ganzer Körper ist.

„Wut“ war das letzte Thema. Wut auf die Frau in der Opferrolle, Wut auf Armut durch Kinder, Wut auf diese politischen Zustände, die geändert werden müssen. Ella Anschein beeindruckte die Frauen im Saal zutiefst durch ihr souveränes Auftreten und den Mut, Missstände so klar zu erkennen und zu benennen. Das Auditorium hielt fast den Atem an, um kein in rasantem Tempo vorgetragenes pfeilscharfes Wort zu verpassen.

Kontrastprogramm zur Slam-Poetin bot die Autorin Sonja Roos aus Altenkirchen, die ihr Buch „Für immer und ein Vierteljahr“ vorstellte. Die Besonderheit daran: Es ist ein Roman von einer Frau für Frauen geschrieben, aber aus Männersicht. Die Journalistin Roos hatte immer den Traum, Bücher zu schreiben, irgendwann einmal. Zunächst kaufte sie ein Haus, brachte drei Töchter zur Welt und begann durch einen Schicksalsschlag im Freundeskreis nachzudenken, ob sie überhaupt die Zeit haben wird, „irgendwann“ mit dem Schreiben zu beginnen. Bevor sie Auszüge aus dem Roman vorlas, erläuterte die Schriftstellerin die Schwierigkeit, das erste Buch auf den Markt zu bringen. Durch den Erfolg des Romans wird ihr zweites Werk „Die Distelfrauen“ im Sommer bei einem großen Verlag erscheinen.

„Für immer und ein Vierteljahr“ handelt von einem Paar, das sich entfremdet hat. Der Mann hat eine Geliebte und möchte die Scheidung. Seine Frau will, dass er für ein Vierteljahr zu ihr und dem gemeinsamen Sohn zurückkommt. Buchbesprechung hier.

Zum Abschluss der Veranstaltung wies Julia Bieler auf die Veranstaltung am morgigen Frauentag (8. März) in Wissen hin mit dem Slogan: „Wir haben was zu sagen… Musik, Comedy und Poetry zum Weltfrauentag um 18 Uhr im katholischen Pfarrheim. htv


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