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Nachricht vom 26.03.2020    

„Die Reisebürolandschaft wird anders aussehen als vor der Krise“

Reisebüros befinden sich seit Monaten in der Krise: erst die Thomas-Cook-Pleite, nun die Corona-Pandemie. Die öffentlich zugänglichen Geschäftsräume sind geschlossen, das Geschäft ist zusammengebrochen. Wann es wieder in geordneten, alt bekannten Bahnen verlaufen wird, niemand wagt es zu prognostizieren. Auch das First Reisebüro von Hans Nußbaum in Altenkirchen bildet keine Ausnahme.

Ein lapidares Schild an der Eingangstür des First Reisebüros in der Altenkirchener Wilhelmstraße weist auf die Kontaktmöglichkeiten mit dem Inhaber, Hans Nußbaum, hin. (Foto: hak)

Altenkirchen. Die Deutschen reisen gern und viel. Ob die Ziele in Gefilden innerhalb der Republik oder im fernen Ausland liegen, spielt keine Rolle. Über viele Jahre wuchs die Branche, ehe vor einem halben Jahr erste ganz dunkle Wolken am Horizont mit der Thomas-Cook-Pleite aufzogen. Kaum hat sich die Sparte ein wenig erholt, ereilt sie eine Krise, die sie bis ins Mark erschüttert. Die Corona-Pandemie lässt auch beim für den Publikumsverkehr geschlossenen Altenkirchener First Reisebüro von Hans Nußbaum die Frage aufkommen, wie sich die Zukunft der Firma wegen ausbleibender Buchungen darstellt. In einem Interview äußerst sich Nußbaum zur aktuellen Situation:

Wie schwer trifft Sie die erzwungene Schließung?
Grundsätzlich muss man sagen, dass Reisebüros im Zusammenhang mit der wirtschaftlichen Krise leider so gut wie nie erwähnt werden. Dabei treffen die wirtschaftlichen Auswirkungen Reisebüros und damit auch uns in doppeltem Umfang. Erlöse für gebuchte Reisen werden durch die Absagen der Reisen vom Veranstalter zurückgefordert. Dadurch, dass keine Reisen neu gebucht werden, erhalten wir auch keine Provisionen, sprich Mittel zur Deckung der unvermeidbaren laufenden Kosten wie z.B. Miete oder Löhne. Heißt konkret, wir müssen Einnahmen, die wir sozusagen schon ausgeben haben, wieder abgeben und erhalten aber auch keine neuen Einnahmen.

Können Sie wenigstens einen Bruchteil des Geschäfts über Online-Plattformen abwickeln oder sind im Moment gar keine Buchungen möglich oder gewollt?
Wir haben zwar eine sehr gut funktionierende Webseite, da aber die Zurückhaltung bzgl. neuer Reisebuchungen bei nahezu 100 Prozent liegt, werden darüber und auch im Reisebüro keine neuen Reisen gebucht. Wollen würden wir schon sehr, sehr gerne.




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Inwieweit werden Sie aktuell für Kunden tätig, die ihre Reisen stornieren müssen?
Ich habe ein Home-Office eingerichtet, in dem ich Dank bester Digitalisierung durchgängig über alle Kanäle erreichbar bin. So kann ich alle notwendigen Maßnahmen für die Kunden erledigen. Viele Kunden haben dabei viele Fragen zu ihren aktuell anstehenden, aber auch zukünftigen Reisen.

Haben Sie für Ihre Mitarbeiter Kurzarbeit beantragt?
Zur Erhaltung der Arbeitsplätze war diese Maßnahme unumgänglich.

Erwarten Sie nachhaltige Schäden für Ihr Geschäft dank der Krise?
Wie nachhaltig die Schäden sind, lässt sich zur Zeit in keinster Weise absehen. Fest steht nur, dass in den nächsten zwei Jahren mit erheblichen Auswirkungen zu rechnen ist.

Oder gibt es gar einen Zeitpunkt, an dem Sie sagen müssen: So, das war es mit dem First Reisebüro Nußbaum, es ist Geschichte?
Über diese Frage verbieten mir Hoffnung und Optimismus nachzudenken. Mit Sicherheit wird aber nach der Krise die Reisebürolandschaft anders aussehen wie vor der Krise. Wir wollen aber dann immer noch ein zuverlässiger Reisebüro-Partner sein.

Sehen Sie Chancen, entgangene Umsätze nach einer Wiedereröffnung doch noch ausgleichen zu können?
Ein klares "Nein"! Die verlorenen Umsätze lassen sich nicht wieder einholen, und ab welchem Zeitpunkt Kunden wieder bereit sind, Reisen zu buchen, ist auch völlig offen.

Rechnen Sie überhaupt damit, dass Sie, sagen wir bis zu den Sommerferien, den gewohnten Umfang Ihrer Arbeit und mit Publikumsverkehr wieder aufnehmen können?
Wünschen und hoffen würde ich diese sehr im Interesse meiner Mitarbeiterinnen, unser Kunden und einer gesamtwirtschaftlich Stabilisierung. Als gebürtiger Rheinländer hoffe ich mehr denn je auf den Spruch "Et is noch emmer jood jejange" , wenn mit Sicherheit auch mit erheblichen Blessuren. (hak)


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