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Nachricht vom 29.03.2020    

Betzdorfer Unternehmen „Liquisign“ produziert nun Schutzanzüge

Wege aus der Krise finden, um weiterhin Umsatz zu generieren und um Mitarbeiter in Lohn und Brot zu halten: Das ist ein Ziel mit allerhöchster Priorität vieler Unternehmen nicht nur im Kreis Altenkirchen. Auf einem guten Weg ist die Firma "Liquisign" aus Betzdorf, die eigentlich in Sachen Corporate Fashion und Mitarbeiterkleidung unterwegs ist. In wenigen Tagen wird sie sich fast auf komplett neuem Terrain bewegen.

Die Firma Liquisign residiert in Betzdorf: In den kommenden Wochen wird sie dringend benötigte Schutzanzüge produzieren. (Foto: hak)

Betzdorf. Vertausche die angestammte Profession gegen eine neue: Diesen Schritt vollzieht in diesen Tagen die Firma "Liquisign" aus Betzdorf. Zuhause in der Veredlung von Mitarbeitertextilien und Accessoires via Sticken, Drucken oder Nähen, tritt sie in die Produktion von Schutzanzügen ein, die während der Corona-Pandemie so dringend benötigt werden. Florian Baldus, neben Daniel Geldsetzer ebenfalls Inhaber und Geschäftsführer, spricht im Interview über den gelungenen "Spurwechsel":

Von der Veredlung von Textilien und Accessoires zur Produktion von Schutzanzügen: Wie ist diese Idee entstanden?
Wir sind eigentlich eine Großstickerei und beschäftigen uns mit der Beschriftung und Bedruckung von Textilien für Mitarbeiter von Industriebetrieben, für Mitarbeiter von Touristikunternehmen. Wir haben eine große Anzahl von Beschäftigten, die einen Hintergrund im Bereich Textil mitbringen. Wir beschäftigen Näherinnen und Schneiderinnen. Durch den Hersteller unserer Stickmaschinen, die Schweizer Firma Melco, haben wir relativ früh erfahren, dass etwas im Argen liegt. Die Schweizer hatten ihre Sensoren etwas früher auf Corona ausgerichtet, auch wenn die Fallzahlen in der Schweiz eine andere Sprache sprechen. Ende Februar hatten wir eine kleine Vorwarnung und stellten uns die Frage: Warum nimmt die Schweiz das Thema so ernst, während es in Deutschland schien, dass alles auf die leichte Schulter genommen wird.

Die Initialzündung hatten wir letztendlich, als wir Anfang März bei einer Messe München waren, die schließlich abgesagt wurde. Wir haben uns trotz Ausfalls mit der Geschäftsführung von Melco getroffen. Die äußeren Umstände wie Absage der Messe, leere U-Bahnen oder leerer Flughafen haben uns zum Nachdenken gebracht und die Frage aufkommen lassen: Wie bekommen wir unsere 40 Mitarbeiter über die Krise gerettet? Die Antwort: Unser Kapital ist das Know-how unserer Mitarbeiter. Und daraus ableitend die Frage gestellt, was der Markt in den nächsten Wochen benötigt. Da war relativ schnell klar, dass der Markt Schutzanzüge braucht. Dann ist einer unserer Partner, Mailinger Innovative Fiber Solution, an uns herangetreten mit dem Hinweis, dass er zurzeit ein Vlies entwickelt, das auch für Schutzbekleidung genutzt werden kann. Wir haben gemeinsam überlegt, welche Eigenschaft ein solcher Artikel haben muss, und dann entschieden, dass wir uns nicht auf einen Mundschutz, sondern auf ein komplexeres Produkt konzentrieren, das in den Bereichen Krankenhaus oder Fieber-Ambulanz benötigt wird. Wir wollen ein Produkt für Fachleute und nicht für den Privatgebrauch. Unser Fokus liegt auf dem Schutzanzug.

Wie viel Prozent der Produktion nimmt denn dieser Schutzanzug inzwischen ein?
Vorweg: Unser Betrieb gliedert sich in zwei Bereiche: zum einen in Liquisign Werbetechnik mit fünf Mitarbeitern und handwerklich geprägt, zum anderen in den Bereich Corporate Fashion mit Sticker- und Näherei mit 40 Mitarbeitern. Im Bereich Coperate Fashion geht unsere Auftragslage in den nächsten Tagen gegen Null, während es in der Werbetechnik noch einigermaßen läuftt. Bei Coperate Fashion gehen wir von einem Einbruch von auf jeden Fall 90 Prozent aus. Wir haben unsere Produktion schon zum Teil umgebaut und bereits die ersten Vorserienmodelle gefertigt, die Schnitte angepasst, Veränderungen vorgenommen. So etwas ist nicht von heute auf morgen entwickelt. Es ist anderes Material. Jedes Material hat andere Näheigenschaften. Wir sind inzwischen soweit, dass wir Schutzanzüge nähen, die in den Verkauf könnten. Die Umstellung auf die richtige Fertigung erfolgt in der 14. Kalenderwoche (30. März bis 5. April), so dass wir eine Woche später beginnen können, die Ware auszuliefern. Wir binden jetzt Partner, wir binden Nähereien an. Wir müssen klären, was passiert, wenn irgendwo in der Produktion ein Corona-Fall auftritt. Wir schließen gerade eine Stanzerei an, die uns die Zuschnitte liefert. Wir streben mit unseren Partnern an, pro Woche 20.000 Schutzanzüge in Deutschland zu fertigen.

Müssen gewisse Standards für die Schutzanzüge eingehalten werden?
Natürlich gibt es Zertifizierungen. Das ist bei uns gerade ein ganz, ganz heißes Thema. Daran hakt es momentan auch ein bisschen. Unser Produkt weist die Eigenschaften auf, die auch das Dupont-Tyvek-Material besitzt. Die Schutzanzüge aus diesem Material sind aktuell vergriffen. Wir müssen die Eigenschaften unseres Materials nachweisen. In diesem Sektor herrscht gerade Chaos, weil keiner weiß, wer zuständig ist. Es gibt ein beschleunigtes Verfahren, aber jeden Tag ändern sich die Zuständigkeiten, denn mal ist es die Dekra, mal ist es der Tüv. Jetzt gibt es eine Stelle in München, die Zentralstelle der Länder für Sicherheitstechnik, die nun wohl den Hut auf hat, um Materialien schnell zu zertifizieren, die aber wohl völlig überlastet und überfordert ist. Sie hat, so vermuten wir, wohl seitens der Politik keine richtige Handhabe, was freigegeben und nicht freigegeben werden darf. Das ist gerade eine ziemlich große Gemengelage. Der Knoten muss jetzt in den nächsten Tagen platzen. Die Unternehmen wollen Materialien liefern, die einen sinnvollen Schutz bieten, werden aber daran gehindert, weil die Politik nicht hinterherkommt.

Sind die Schutzanzüge für den Mehrfachgebrauch bestimmt?
Gewaschen werden können sie nicht. Man kann sie mehrfach verwenden. Man kann das Material desinfizieren und sterilisieren. Das haben wir getestet. Ein solcher Anzug macht keinen Sinn, wenn er mehrfach verwendbar ist. Er ist wasserdicht und damit nicht atmungsaktiv. Wenn er einen Tag bei der Arbeit getragen wurde, ist er fertig.

Zurück zu Ihrem Unternehmen: Die Umsattelung bedingt, dass Sie keinen Mitarbeiter entlassen oder in Kurzarbeit schicken müssen...
Das kann ich mit dem aktuellen Stand noch nicht sagen. Es ist unser Anliegen, dass wir es schaffen, ohne Anmeldung von Kurzarbeit unsere Belegschaft durch die Krise zu retten. Wenn aber in nächster Zeit keine Zertifizierung für das Material erfolgt, sehe auch ich mich gezwungen, Mitarbeiter in die Kurzarbeit zu schicken.

Überlegen Sie, nach Ende der Krise weiter Schutzanzüge auf Vorrat zu produzieren?
Wir können uns vorstellen, dass sich nach der Krise eine Vorratshaltung von solchen Artikeln ändert. Man muss jedoch auch bedenken, dass unser Artikel einen gewissen Preis hat. Dadurch, dass das Material in Deutschland produziert wird, dadurch, dass die Fertigung in Deutschland erfolgt, können die Artikel vom Preis nicht mit einem asiatischen Artikel verglichen werden. Wenn der Markt wieder offen ist, die Chinesen wieder für den Export produzieren, wird es wieder günstigere Schutzanzüge aus Asien geben. Ich kann natürlich nicht davon ausgehen, dass wir in Zukunft nur noch Schutzanzüge produzieren. Das wäre utopisch. Die Möglichkeit besteht aber, dass sich ein langfristiges Geschäft ergibt.

Wie schnell können sich nach der Krise zu Ihrem ursprünglichen Metier zurückkehren?
Von heute auf morgen. Das ist der Vorteil eines mittelständischen Betriebs, sich schnell auf neue Situationen einstellen zu können. Die Frage ist, wie schnell erholt sich der Markt? Aber: Wie geht es dann unseren Kunden? Wie geht es unseren großen Lieferanten? Wie groß ist dann noch der Markt? Wie schnell berappelt sich die Situation, so dass wir noch Aufträge bekommen? Das ist wie das Lesen in einer Glaskugel. Wir haben treue und langjährige Kunden. So können wir uns vorstellen, dass wir diese Sparte schnell wieder aufgebaut bekommen, sofern sich die gesamte Wirtschaft schnell wieder erholt. Aber auch da sind wir flexibel. Wir haben einen dynamischen Vertrieb, wir können uns schnell auf neue Situationen einstellen. Es wird sicherlich eine Zeit dauern, und ein Tal der Tränen wird es geben. (hak)

Zur Firma Liquisign
Sie wurde im Jahr 2000 von den beiden Inhabern Daniel Geldsetzer und Florian Baldus gegründet. Seit Beginn der Geschäftstätigkeit bedient das Unternehmen die Bereiche Werbetechnik und Textilveredelung unter dem Markennamen Liquisign. Es ist über die Jahre langsam und beständig gewachsen. Ende 2017 wurde entschieden, die beiden Geschäftsfelder auch optisch voneinander zu trennen, um beide Leistungsbereiche besser am Markt zu positionieren. Die Sparte "Liquisign Werbetechnik" tritt seitdem in blau auf und zielt auf den regionalen Markt mit Produkten wie Fahrzeugbeschriftungen, Schildern und Werbeanlagen. Die weitaus größere Sparte tritt nunmehr in rot unter dem Markennamen "Liquisign Corporate Fashion" auf. Bedient werden Kunden in Deutschland und im benachbarten Ausland mit hochwertiger Mitarbeiterkleidung inklusive Veredelung, die auf eigenen Stick- und Druckmaschinen mit eigenem Personal geschieht.


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Kommentare zu: Betzdorfer Unternehmen „Liquisign“ produziert nun Schutzanzüge

1 Kommentar
Dann passt mal gut auf daß Euch nicht irgendein Konzern die Butter vom Brot nimmt.
Ich habe da so meine Erfahrung.
#1 von Heinz Rudolf Bohn, am 03.04.2020 um 09:36 Uhr

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