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Nachricht vom 05.04.2020    

„Massive Verschlechterung“ für Pendler auf der Sieg-Strecke

Längere Wartezeiten beim Umsteigen in den Bahnhöfen Betzdorf und Au (Sieg) und längere Fahrzeiten müssen Bahnreisende auf der Rhein-Sieg-Strecke hinnehmen: Als eine Folge der Corona-Krise war am 21. März der RE9 komplett gestrichen worden. Wenige Tage später kam noch die Vergrößerung des Taktes bei der RB90 (Regionalbahn) auf zwei Stunden und eine Streichung einer der zwei Verbindungen bei der S-Bahn ab Au (Sieg) hinzu. Für Pendler bedeutet dies eine „massive Verschlechterung“.

Die Regionalbahn RB90 im Bahnhof Betzdorf: Beim Umsteigen müssen Reisende längere Wartezeiten hinnehmen – sowohl in Fahrtrichtung Au (Sieg) als auch Siegen. (Foto: tt)

Betzdorf/Au (Sieg). „Es ist eine unglaubliche Zumutung“, meint der Kirchener Wolfram Westphal, der ein überzeugter Bahnfahrer ist. Das macht er auch an den Änderungen und Auswirkungen fest, mit denen die Bahnreisenden inklusive der Pendler plötzlich konfrontiert waren. Sie müssen mehr Zeit und Geduld aufbringen, um über die Schiene zu ihrem Ziel zu kommen. Dass der RE9 gänzlich gestrichen wurde, findet Westphal nicht in Ordnung. Aus seiner Sicht hätte der Regionalexpress wenigstens in den Hauptberufspendlerzeiten, also morgens und nachmittags, weiter zwischen Aachen und Siegen als durchgehende Verbindung rollen sollen. Stattdessen müssen die Reisenden aus Richtung Siegen kommend mit der RB90 (Regionalbahn) bis nach Au (Sieg) fahren und dort in die S-Bahn in Richtung Köln umsteigen – selbstverständlich ist Au (Sieg) auch in entgegengesetzter Fahrtrichtung Umsteigebahnhof.

Der RB90 kommt planmäßig etwa 15 Minuten nach der vollen Stunde in Au (Sieg) an, und ungefähr fünf Minuten später fuhr die S-Bahn los. Nach der Einstellung des RE9 am Samstag, 21. März, wurde diese Linie jedoch gestrichen, berichtete Westphal. Damit fuhr nur die S-Bahn, die bislang auch schon immer 30 Minuten später gestartet ist, also zehn Minuten vor der vollen Stunde. Das bedeutete für die Reisenden, dass sie rund 35 Minuten mehr Aufenthalt in Au (Sieg) hatten. Für Westphal ist es nicht nachvollziehbar, warum ausgerechnet die direkte Anbindung an die RB90, also die S-Bahn, die um 20 Minuten nach los fuhr, gestrichen wurde. Seit Ende März wurde diese Verbindung dann wieder eingerichtet, sodass die Fahrgäste nicht länger eine halbe Stunde zusätzlich warten müssen.

Verstärkt habe sich aber auch das Problem auf dem Rückweg aus Richtung Köln kommend. Denn der Takt der RB90 sei auch noch von einer auf zwei Stunden ausgeweitet worden. „Im schlimmsten Fall“, so Westphal, könne dies für die aus Richtung Köln mit der S-Bahn ankommenden Reisenden in Richtung Siegen bedeuten, dass sie eine Stunde und länger in Au (Sieg) auf die Abfahrt der Regionalbahn warten mussten.

Wartezeit von gut einer halben Stunde in Betzdorf
Westphal berichtet weiter, dass sich durch den Wegfall des RE9 die Wartezeiten am Bahnhof Betzdorf auch für die Bahnreisenden deutlich verlängert haben, die aus dem Daade- oder Hellertal kommen und in Richtung Köln beziehungsweise Siegen weiter fahren möchten. Beim RE9 habe es in beide Fahrtrichtungen einen direkten Anschluss gegeben. Nun müsse man gut eine halbe Stunde warten, bis die RB90 in Richtung Siegen bestiegen werden könne. Ähnlich die Situation bei der RB90 in Richtung Köln. Es sei das gleiche wie in Au (Sieg): Der direkte Anschlusszug, in diesem Fall der RE9, für die aus dem Daade- beziehungsweise Hellertal kommenden Reisenden sei gestrichen worden. Der überzeugte Bahnfahrer Westphal befürchtet, dass niemand 35 Minuten warte, und das noch bei einer so verhältnismäßig kurzen Strecke wie in Richtung Siegen, wenn der Betroffene eine Alternative haben sollte, zum Beispiel das Auto. Mit der RB90, die den Nahverkehr bedient, erhöhe sich die Fahrzeit im Vergleich zum RE9 ohnehin schon. Und dazu, dass die Regionalbahn schon länger unterwegs sei, komme noch die Wartezeit. „Aufgrund der aktuellen Krise ist leider nur ein Bruchteil der RE 9-Triebfahrzeugführer einsatzbereit. Es kann leider kein RE 9-Notfahrplan angeboten werden“, heißt es dazu vom Zweckverband Schienenpersonennahverkehr Rheinland-Pfalz Nord.

Es werde ohnehin nur noch gefahren, wenn man zur Arbeit müsse, meinte der Kirchener. Er könne nicht verstehen, warum den Beschäftigten dann noch der Fahrtweg erschwert werde. Westphal meint, dass „wir“ Rheinland-Pfälzer an der Landesgrenze benachteiligt sind, auch bei Stichworten wie Tarif und Verkehrsverbund: „Wir werden abgehängt.“ Die nordrhein-westfälische Seite habe die längere Strecke, dennoch kann er nicht verstehen, dass die direkte Anbindung in den Landkreis Altenkirchen und weiter nach Siegen gestrichen wurde. Nur wenige Tage nach der kompletten Streichung des RE9 habe es sich „nochmal massiv verschlechtert“ bei den Anbindungen, beklagt er. Bei der Streichung des RE9 sei ja angeführt worden, dass man die Möglichkeit habe mit dem Nahverkehr zu fahren, also mit RB90 und S-Bahn. Aber dann sei noch weiter ausgedünnt worden, spannte er den Bogen zur Änderung auf den Zwei-Stunden-Takt bei der Regionalbahn. Er könne akzeptieren, dass aufgrund der aktuellen Situation nicht alles aufrecht erhalten werden kann. Westphal fragt sich aber dennoch, warum ausgerechnet die Anschluss-S-Bahn gestrichen wurde. „Letztendlich ist die Situation schlimm genug“, unterstrich Westphal, aber es könne nicht sein, dass es denjenigen, die noch pendeln, noch schwerer gemacht werde. (tt)


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Kommentare zu: „Massive Verschlechterung“ für Pendler auf der Sieg-Strecke

4 Kommentare
Es ist auch in den derzeitigen Krisenzeiten - wie auch beim normalen Fahrplan.
Die Verkehrsunternehmen planen sehr oft am realen Bedarf vorbei. Nach dem Motto: Hauptsache unsere Bahnen und Busse bleiben irgendwie am Rollen.
#4 von Werner Ebach , am 07.04.2020 um 12:49 Uhr
Was denkt man sich bei der Bahn? Oder denkt man überhaupt? Das Bahnfahren auf der Siegstrecke ist in den persönlich erlebten, letzten 20 Jahren immer erlebnisreicher geworden, und das im allerschlechtesten Sinne. Böse Zungen behaupten, dass nur noch Ticketkontrollen einigermaßen funktionieren. Und das jetzt zu erlebende schlägt dem Fass den Boden aus. Um in Köln 8 Stunden zu arbeiten, müsste ich täglich durchschnittlich 5,5 Stunden für die Bahnfahrt von und nach Wissen investieren. Vielleicht kann man ja bei einem Monatsticketpreis von 353 Euro nicht mehr verlangen?! Ich fahre dann Auto. Danke Bahn!

#3 von Michael Kunz, am 07.04.2020 um 09:46 Uhr
"vom Auto auf Bus und Bahn umsteigen,..öffentliche Verkehrsmittel nutzen,..Autofrei leben: Öffentliche Verkehrsmittel" usw. .. klingt für mich irgendwie "zynisch"!
#2 von Günther Humpert, am 06.04.2020 um 10:59 Uhr
Weiß irgend jemand, warum nur ein Bruchteil der Lokführer verfügbar ist? Die haben sicherlich nicht alle Corona. Lokführer dürft einer der Berufe sein, bei denen die Ansteckungsgefahr eher gering ist. Also: Warum fahren die Züge nicht?
#1 von Arno Schmidt, am 05.04.2020 um 23:58 Uhr

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