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Nachricht vom 08.04.2020    

Pflegedienst-Mitarbeiter: Die ständige Angst vor der Ansteckung

Die Angst ist allgegenwärtig, die Angst, sich mit dem Corona-Virus bei der Ausübung des Berufes anzustecken: Mit dieser Gefahr ständig konfrontiert sehen sich auch die Mitarbeiter der Pflegedienste aus der Verbandsgemeinde Altenkirchen-Flammersfeld, wenn sie ihre Patienten aufsuchen.

Auch die Kirchliche Sozialstation in Altenkirchen beklagt das Problem der Beschaffung von Schutzausrüstung. (Foto: hak)

Altenkirchen. "Systemrelevant" ist die neu-deutsche Bezeichnung für all die Berufsgruppen, deren Angehörige in Zeiten der Corona-Krise noch zu 100 Prozent tagtäglich ihren Jobs nachgehen müssen. Immer ist die Aussicht, sich das Virus einzufangen, um ein Vielfaches höher als bei denjenigen, die die Kontaktsperre befolgen. Die Mitarbeiter der Pflegedienste der Verbandsgemeinde Altenkirchen-Flammersfeld sehen sich, so ergab eine Umfrage des AK-Kuriers, nicht immer komplett gewappnet, um der Situation gerecht zu werden. Vielfach wird der Mangel an (auch inzwischen überteuerter) Schutzausrüstung beklagt.

Mike Löbel, Geschäftsführer und Pflegedienstleiter des ambulanten Pflegedienstes Fauna in Altenkirchen: Die Verunsicherung in der gesamten Branche ist groß. Wir sind angespannt entspannt, tragen im Büro immer Schutzmasken. Grundsätzlich fehlt es an Schutzausrüstung. Zum Glück sind Ende vergangener Woche 50 FFP2-Schutzmasken eingetroffen. Mundschutz nähen wir selbst nach dem Hongkonger Modell. In die gefalteten Hohlräume werden zusätzlich Papiertaschentücher eingefügt, die nach den Patientenbesuchen in speziellen Tüten, die in den Fahrzeugen vorhanden sind, entsorgt werden. Für jeden Patienten erhalten wir so einen frischen Mundschutz, denn auf dem Markt werden Materialien zu unverschämten Preisen gehandelt. Selbst über eine offizielle Adresse, die vom Sozialministerium in Mainz mitgeteilt wurde, gab es eine wirklich freundliche Mitteilung, dass nichts an Schutzkleidung vorhanden sei. Wir hatten vorübergehend die Hauswirtschaftsleistungen bei Patienten zurück-, haben sie aber wieder hochgefahren. Rund ein Drittel dieser Klienten verzichtet aktuell auf dieses Angebot, nachdem wir bei ihnen das Bewusstsein geweckt hatten, dass wir als Infektionsüberträger angesehen werden müssen. Auch in der Pflege ist die Arbeit deutlich reduziert. Ich muss mir bald einen Zeitpunkt überlegen, an dem ich temporär und personenbezogen Kurzarbeit beantragen muss. Pandemiepläne liegen schon fertig in der Schublade.

Kerstin Enders-Becker, Geschäftsführerin der Kirchlichen Sozialstation in Altenkirchen: Wir arbeiten alle, niemand ist krank. Treten Erkältungssymptome auf, bleibt der Mitarbeiter natürlich zu Hause. Das Problem ist die Beschaffung von Schutzausrüstung, die teilweise zu horrenden Preisen angeboten wird. Aber wir sind der Diakonie Rheinland-Pfalz angeschlossen und erhalten sehr viele Informationen, wo die Dinge bestellt werden können. Vergangene Woche haben wird 700 FFP2-Schutzmaksen erhalten, 2000 weitere sind bestellt. Das geht nur über Vorkasse. Und dank der sehr guten Zusammenarbeit mit der Diakonie hoffen wir, dass es kein Fake-Anbieter ist. Bei unseren Mitarbeitern fährt natürlich immer die Angst mit, wenn sie einen Patienten aufsuchen. Pflege und Hauswirtschaft sind zu einem ganz, ganz geringen Teil zurückgefahren. Im Büro tragen wir keine Schutzmasken. Wir haben die Arbeit ein wenig gegliedert, zwei arbeiten vor-, zwei nachmittags, so gehen wir uns ein wenig aus dem Weg. Kommunikation mit der Außenwelt führt hin und wieder auch über ein geöffnetes Fenster hier in unserem Büro.

Klaus Weller, Inhaber ambulanter Alten- und Krankenpflegedienst Weller in Helmenzen: An Schutzausrüstung mangelt es uns zurzeit nicht. Wir hatten einen großen Vorrat, weil wir dem MRE-Netzwerk angehören. Der Verbrauch an Desinfektionsmittel ist exorbitant gestiegen. Alle Mitarbeiter sind gesund, auch unter den Patienten ist momentan niemand, der an Corona erkrankt ist. Zurückgefahren wurden nicht notwendige Pflege- und Hauswirtschaftsaufträge, für einen Teil der Mitarbeiter wurde Kurzarbeit beantragt. Im Büro werden Schutzmasken getragen, wenn Besuch kommt. Die Arbeitsplätze sind so weit auseinandergestellt, um den Vorgaben zu entsprechen. Alle unsere Mitarbeiter, die auch teils für unsere Kunden einkaufen, arbeiten sehr professionell und bleiben auch in ihrer Freizeit zuhause. Wir tun unser Bestes. Ich hoffe, dass sich die Situation nach Ostern ein wenig verbessert.

Karsten Weber, Geschäftsführer Konfido-Ambulant in Altenkirchen: Die Situation hält sich in Grenzen. Patienten wollen inzwischen auf eigenen Wunsch nicht mehr versorgt werden. Das betrifft mehr den hauswirtschaften als den reinen Pflegebereich, wobei ich das nicht ganz verstehe. Denn beim hauswirtschaftlichen Aspekt kommt einer unserer Mitarbeiter nur einmal in der Woche ins Haus, bei der Pflege täglich. Bei meiner Arbeit schwingt ein wenig Unmut mit. Wir sind nur Erfüllungsgehilfen, denn wir machen die Arbeit draußen. Der Schutzauftrag liegt eigentlich beim Staat und den Kommunen. Es ist sehr schwer, Desinfektionsmittel zu erhalten. Gerade haben wir mithilfe des Landes eine Lieferung bekommen, die Vorrat für rund drei Wochen sein sollte. Ich denke auch, dass wir momentan die Ruhe vor dem Sturm erleben. Wenn die Krankenhäuser nicht mehr alle Patienten aufnehmen können, bleibt die Arbeit an den Pflegediensten hängen. Wenn der Run kommt, werden Patienten bei einfachen Hilfestellungen wie das Anziehen von Kompressionstrümpfen auf sich alleine gestellt sein. Kurzarbeit haben wir nicht beantragt, wir kommen gut durch. Im Büro wird der Abstand gewahrt, das klappt gut. Alle Mitarbeiter im Außenbereich tragen Schutzmasken, und, wenn nötig, auch Schutzkittel.

Meike Ridder, Geschäftsführerin und Pflegedienstleiterin Pflegeteam Regenbogen in Horhausen: Es ist schwer, an Schutzkleidung zu kommen. Zusagen werden nicht eingehalten. Zurzeit haben wir noch wenige Schutzmasken. Auf Schutzhandschuhe warten wir ewig. Desinfektionsmittel musste teuer eingekauft werden. Rückgänge der Aufträge gibt es sowohl bei der Pflege als auch bei der Hauswirtschaft. Wir fahren weiterhin zum Einkauf, aber die betreuten Menschen dürfen nicht mehr mitfahren. Anschließend stellen wir die Ware vor die Tür. Zudem haben wir alle Patienten angeschrieben und darum gebeten, dass sich unsere Mitarbeiter vor Ort die Hände waschen und desinfizieren dürfen. Das klappt super. Die Arbeit im Büro ist problemlos, da die Arbeitsplätze weit genug voneinander entfernt stehen. Aktuell ist niemand unserer Mitarbeiter krank. Zwei hatten lediglich jeweils eine Erkältung, sind inzwischen genesen und wieder im Einsatz. (hak)


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Kommentare zu: Pflegedienst-Mitarbeiter: Die ständige Angst vor der Ansteckung

1 Kommentar
Diese Angst haben alle pflegenden,
auch um unsere Familien.
Arbeite in der Hilfe für Menschen mit Behinderungen,
dort haben wir die selbe Angst.

#1 von Frank Sp, am 08.04.2020 um 23:02 Uhr

Westerwälder Online-Schaufenster


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