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Nachricht vom 12.04.2020    

Rainer Jung vom BVMW: Keine Denkverbote zu „Nach-Corona“

GASTKOMMENTAR | Um es vorauszuschicken: Ja, die Regierung musste so handeln, musste uns viele Einschränkungen und Unannehmlichkeiten zumuten, um das Gesundheitswesen auf Schlimmeres vorzubereiten und Reserven vorzuhalten, wenn viele Coronakranke die Krankenhäuser brauchen. Der Niedergang der Wirtschaft fordert viel Opfer. Aber damit sollte – und kann – nun Schluss sein. Gerade in unserer Region mit „rekordverdächtig“ niedrigen Zahlen der Covid-19-Erkrankungen wäre es an der Zeit, die Restriktionen zu lockern. Ein Gastkommentar.

Rainer Jung (Foto: privat)

Region. Wenn sich jemand aus der Wirtschaft zur Coronakrise äußert, wird ihm gleich die Lobby für die ach so gierigen Unternehmer unterstellt. Doch darum geht es gerade nicht, es geht allerdings nicht nur um das Sterben von vielen Menschen an Corvit 19, sondern auch um das mögliche Sterben von vielen kleinen und mittleren Unternehmen und in deren Folge die vielen Probleme, welche die Arbeitslosigkeit deren Mitarbeiter nach sich zieht, wenn der Stillstand der Weltwirtschaft nicht bald beendet wird. Stichwort Weltwirtschaft in diesem Zusammenhang: auch in der 3. Welt werden dann mehr Menschen an Hunger sterben als an dem Coronavirus. Machen wir uns nichts vor: uns steht die schlimmste Wirtschaftskrise ins Haus, die die jetzt lebenden Generationen erlebt haben – nur vergleichbar mit der aus den 1930er Jahren.

Falls die Wirtschaft in unserem Land nicht sehr schnell wieder in Gang kommt, werden wir uns von dem Leben, wie wir es gewohnt sind, verabschieden müssen, weil es das Eiscafè um die Ecke, unseren Frisör, unsere Boutiquen zum Shoppen und unser Lieblingsrestaurant schlicht und einfach nicht mehr gibt. Wollen wir das wirklich? Was bleibt sind die Großen der verschiedenen Branchen, Google, Amazon & Co, die allesamt fast keine Steuern zahlen und damit unseren Staat eben nicht in die Lage versetzen, Schulen, Bahnen, Krankenhäuser und Straßen zu bauen sowie seine Sozialleistungen zu realisieren. Ganz nebenbei liegen chinesische Investoren massenhaft auf der Lauer, insolvent gehende Mittelständler zu kaufen. Wollen wir das: weitere Abhängigkeit von den Chinesen?

Einmal von den zu erwartenden Unternehmens-Insolvenzen abgesehen, sind in deren Folge viele Privatinsolvenzen absehbar. Aber über diese Fälle berichtet keine Presse, weil nicht bekannt oder nicht spektakulär genug. Sie erscheinen auch in keiner Statistik: Herzinfarkte, nicht behandelte Krankheiten (z. B. „zurückgestellte“ Krebs-Behandlungen, Operationen), Depressionen, Suizide, verursacht durch Stress in den Familien, besonders der Stress mit den Kindern, die mit sich selbst nichts mehr anfangen können, aggressiv werden (oder schlimmeres). Katastrophenzahlen lassen sich besser verkaufen. Über die Folgen eines fortgesetzten Shut-downs wird später zu berichten sein.

Nun wird es Zeit, dass nicht die Virologen (haben die je über bereits Geheilte berichtet?) unser Land regieren, sondern der soziale und ökonomische Sachverstand. Auch die Bundeskanzlerin und ihr Kanzleramtsminister müssen dazu übergehen, die „Nach-Corona-Zeit“ anzugehen, statt den Querdenkern einen Maulkorb zu verpassen, wenn sie laut darüber nachdenken. Es geht nicht nur um den Schutz gefährdeter Gruppen, sondern auch um die Mehrzahl der übrigen Bundesbürger. Mit Einschränkungen und Unannehmlichkeiten werden weiterhin alle leben müssen, aber bitte mit einer offenen Diskussion über welche, für wen und bitte nur so lange, wie unbedingt nötig. Kreative Ideen gibt es genug. Die augenblickliche Geheimnistuerei darüber ist wieder einmal geeignet, die in der Sache bisher gute Arbeit der Regierung in den Schatten zu stellen und die Politikverdrossenheit wieder zu fördern.

Rainer Jung
Bundesverband mittelständische Wirtschaft BVMW
Geschäftsstelle Siegen (für Südwestfalen/LDK-Nord/Westerwald)


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Kommentare zu: Rainer Jung vom BVMW: Keine Denkverbote zu „Nach-Corona“

5 Kommentare
Sehr geehrter Herr Jung,

in IHrer gesamten Polemik mit sich nur ein Teilsatz, der ein Körnchen Wahrheit enthält.

Ja, es muss einen Plan geben, wie die Pandemie-bedingten Einschränkungen schrittweise irgendwann mal wieder schrittweise aufgehoben werden können. Das steht außer Frage und wird von niemandem bezweifelt und niemand bekommt dafür einen Maulkorb verpasst. Das ist schlicht und einfach dummes, populistisches Geschwafel auf BILD-Zeitung Niveau im Geiste der AfD.

Solange es keinen Impfstoff und/oder wirksame Medikamente gegen Covid-19 gibt, wäre eine Aufhebung der Maßnahmen höchst fahrlässig. Das Deutschland - und gerade unsere Region - im Verhältnis zu anderen Ländern noch gut dasteht, haben wir diesen Maßnahmen zu verdanken und nicht der Profitgier einiger "Wirtschaftsexperten".

In der jetzigen Situation werde ich lieber von Virologen und Experten regiert, die Wissen, wovon sie reden, als von Menschen wie Herrn Lindner oder mit Ihrem Weltbild.

Ich kann nur hoffen, dass die jetzt Menschen erkennen, dass das von Ihnen zitierte "gewohnte Leben" keine Selbstverständlichkeit ist und man auf viele nutzlose Dinge im Sinne der Nachhaltigkeit gut verzichten kann.
#5 von M. Burbach, am 14.04.2020 um 15:40 Uhr
Sie sprechen, bzw. schreiben mir aus der Seele, Herr Jung!
Auch ich hoffe auf ein Umdenken und den Erfindergeist der Unternehmen, besonders für den EU- Binnenmarkt.
Produkte aus dem eigenen Land machen unabhängig von Billiglohnländern und Fälscherregimen. Wir bräuchten keine Schutzausrüstung aus China, keine Elektronik, keine Tomaten und auch keine gefälschten Produkte wenn nicht zu oft die Gier den Geist fressn würde!
Es wird sich zeigen ob vor diesem Hintergrund ein konsequentes Umdenken, auch und besonders in der Politik, stattfindet. Ich habe dabei große Bedenken. Denn die Raffgier: "Ich zuerst, ich am meisten, ich am schnellsten, ich am stärsten, ..." ist leider in unseren Breitengraden zur Tugend geworden.
#4 von Jörgen Christmann, am 13.04.2020 um 22:23 Uhr
Die Art der wichtigen Diskussion ist nicht zielführend. Wenn jemand Opfer ((z. B. „zurückgestellte“ Krebs-Behandlungen, Operationen), Depressionen, Suizide,…) vorschiebt, um eigene Interessen zu vertreten, finde ich das abstoßend und man verliert mich als Zuhörer.
Für keines der Opfergruppen gibt es aktuelle Zahlen. Es wird sie geben, keine Frage. Die Zahl der Genesenen (übrigens ein Schätzwert) wird täglich in den Nachrichten erwähnt.
Herr Laschet (MP von NRW) versucht Ähnliches, absurderweise jetzt auch über den „Kinderschutz“! Was noch bedenklicher ist.
Sehr geehrter Herr Jung, mit Ihrem Ziel haben sie recht, allerdings wiegt das aktuelle Menschenwohl höher und Ihre Art, Ihr Ziel zu thematisieren, ist milde gesagt mehr als fragwürdig!

#3 von Christof Laupert, am 13.04.2020 um 22:22 Uhr
Sehr geehrter Herr Jung, bei aller Verständnis für ihre Position ... eine weniger populistische Tonlage hätte dem Artikel besser getan. Der "Maulkorb" für Querdenker, gar "Geheimnistuerei" der Regierung oder sogar das zurückhalten von Berichten über Geheilte ... das sind eskalierende Behauptungen für die man gerne die Beweise und Belege sehen möchte.

Ich verstehe die Probleme des Einzelhandels und die Existenzängste jedes Einzelnen,jedoch in dieser Situation eine Verschwörung der Regierung zu wittern, das hätte ich jetzt nur von der FDP (siehe Interview von Herrn Lindner) oder der AFD erwartet, und nicht von einem solchen Verband wie der BVMW.

Vor allem lässt sich gut reden, wenn man nicht in der Verantwortung (wie die Regierungsvertreter zurzeit) steckt. Nachher weiß man es immer besser ..!

Eine Lockerung, wenn möglich, in kleinen Schritten, aber mit richtigem Augenmaß. Und bitte keine unnötige Panikmache in einer sowieso panischen Zeit.
#2 von Jörg Dasbach , am 13.04.2020 um 18:54 Uhr
Meiner Meinung nach ist es noch zu früh, die Kontaktbeschränkungen aufzuheben. Mir ist bewußt, daß die Anzahl der Infizierten in unserer Region sehr niedrig ist, aber das soll auch so bleiben! Man sieht ja, was in anderen Ländern dabei raus gekommen ist.
Ich verstehe auch den Einzelhandel. Aber ich kann nicht akzeptieren, daß Profit über Menschenleben stehen soll.
Mein Appell an die Regierung und an die Landesoberhäupter wäre:
Laßt bitte die Kontaktsperren noch weiterhin für einen gewissen Zeitraum bestehen, bevor alles erneut aufflammt und getane Arbeit zunichte gemacht wird!!!

Liebe Grüße und allen ein schönes Osterfest!
#1 von Sabine Wildner, am 12.04.2020 um 19:01 Uhr

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