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Nachricht vom 23.04.2020    

Die Tage des Rewe-Centers in Altenkirchen sind gezählt

Das Ende nähert sich langsam, aber sicher, und es ist nicht mehr aufzuhalten. Mit der Schließung des Rewe-Centers in Altenkirchen endet nach über 40 Jahren die Geschichte einer großflächigen Einkaufsmöglichkeit auf dem Altenkirchener Weyerdamm, die unter verschiedenen Bezeichnungen firmiert(e).

Text zu Foto: Türen zu (und das für immer!) heißt es am Donnerstag, 30. April, Punkt 18 Uhr, im Rewe-Center in Altenkirchen. (Foto: Archiv hak)

Altenkirchen. Wer zählt die Tage, wer die Stunden, und wer sagt beim Abschied leise "Servus"? Das Rewe-Center auf dem Altenkirchener Weyerdamm macht Ende April "dicht". Als Grund wurde im vergangenen Jahr die nicht mehr vorhandene Wirtschaftlichkeit genannt. "Die offizielle Schließung ist am Donnerstag, 30. April, um 18 Uhr", sagt Christiane Preisen als Pressesprecherin Region West der Rewe-Group. Zuvor, von Montag, 27. April, an finde ein Ausverkauf statt. "Kunden erhalten während dieser Zeit 30 Prozent auf Produkte, davon ausgeschlossen sind Obst und Gemüse, Tchibo-Artikel, Telefon- und Geschenkgutscheinkarten, Pfand, Zeitungen, Bücher, Tabakwaren und die Treuepunktaktion", ergänzt Preisen.

Die Situation der ehemals 68 Mitarbeiter schildert sie ebenfalls auf Anfrage des AK-Kuriers: "Derzeit finden noch Vorstellungsgespräche mit den Mitarbeitern aus dem Rewe-Center statt. Nach aktuellem Stand haben 20 Mitarbeiter - teilweise bereits seit dem 1. Januar des Jahres - jeweils eine andere Tätigkeit innerhalb der Rewe-Group gefunden." Viele weitere Mitarbeiter seien in andere Unternehmen der Region gewechselt. Auf Grund der offenen Bewerberverfahren und der fehlenden Information zu persönlichen Entscheidungen könnten weitere Details nicht genannt werden.

Nur noch ein Rewe-Markt
Mit dem Schlussstrich im Weyerdamm endet für einen wohl längeren Zeitraum in Altenkirchen die parallele Existenz zweier Märkte unter dem Dach der Rewe. Der "Petz" in der Nähe des Bahnhofs wird also vorerst alleiniges Standbein des Unternehmens. Inwieweit Rewe bereit ist, einen Vollsortimenter nach Überplanung und Umgestaltung des Geländes auf dem Weyerdamm zu betreiben, lässt Preisen offen: "Wir stehen selbstverständlich mit unserem Vermieter in Kontakt, können aber derzeit nicht beantworten, wie es nach Beendigung des Mietvertrages an diesem Standort weiter geht."

Der Besitzer der Immobilien (inklusive Gebäude des Elektromarktes Expert Klein und vormals Pro-Markt und Toom-Baumarkt), die Widerker-Unternehmensgruppe aus Stuttgart, hatte Anfang März gemeinsam mit der Stadt Altenkirchen erklärt, an die Stelle der in diesem Fall dann abzureißenden beiden Gebäude und noch darüber hinaus in Richtung Dieperzberg ein Fachmarktzentrum mit einem Discounter, einem Vollsortimenter und zwei Fachmärkten bauen zu wollen. Die Gesamtnutzfläche soll 7000 Quadratmeter betragen, 270 Parkplätze sollen das Ensemble ergänzen. So ganz harmonisch waren die Geschäftsbeziehungen zwischen Rewe und Widerker nach der Bekanntgabe der Schließung vorübergehend womöglich nicht gewesen. Aus Stuttgart hieß es: Rewe habe diese Entscheidung deshalb getroffen, weil das Unternehmen irrtümlich der Meinung war, so Widerkehr, dass eine "komplette Neuentwicklung für uns nicht in Frage kommt. Wir haben eine solche aber im Vorfeld nicht geprüft, da eine Neuentwicklung eine viel größere wirtschaftliche Herausforderung unter Berücksichtigung des Bestandes ist als eine Modernisierung. Hätte uns Rewe auch nur mit einem Wort wissen lassen, dass nur eine Neuentwicklung in Frage käme, hätten wir schon längst die aktuellen Maßnahmen eingeleitet. Ungeachtet dessen pflegen wir bis zum heutigen Tage (Anm. der Red.: Das Datum bezieht sich auf den 6. März) einen sehr guten Kontakt zur Rewe-Group".



Eröffnung im Oktober 1978
Die Geschichte eines großen Supermarktes auf dem Weyerdamm reicht bis in die 1970er-Jahre zurück. Unter der Bezeichnung "Interkaufpark" wurde das Städtebild prägende Objekt als Vollsortimenter am 26. Oktober 1978 eröffnet. Es steht auf einer Fläche, auf der sich bis zum Jahr 1945 ein kleiner Weiher befand. Als Folge des Zweiten Weltkriegs wurde der Tümpel mit Bauschutt nach dem Bombardement der alliierten Luftstreitkräfte eingeebnet. Das Areal diente in den folgenden Jahren unter anderem als Teilstandort des Schützenfestes (Vergnügungspark), als Austragungsort der Reitturniere des ZRFV Altenkirchen und auch des Simon-Juda-Marktes.

Sensation für die Region
Die Größe des Warenhauses war damals eine Sensation für die Region. Im Laufe der Jahre wechselten Namen und Betreiber mehrfach, die Immobilie übernahm 2005 die Widerker-Unternehmensgruppe. Im Jahr 2012 wurde die Einheit mit ihren rund 5000 Quadratmetern Verkaufsfläche (4500 Quadratmeter Markt und 540 Quadratmeter Getränkemarkt) für rund sechs Millionen Euro bei laufendem Betrieb aufwendig saniert. Nach Abschluss der Arbeiten waren nur noch die Außenmauern, die Zwischendecken und das Dach von (ganz) alter Prägung.

Neue Rollsteige aus China
Noch einmal deutlich sichtbar ins Blickfeld rückte das Gebäude im Frühjahr 2017, als vier Rollsteige- und -treppen, die das Unter- mit dem Erd- und das Erd- mit dem Obergeschoss verbinden, unter der Leitung von Architekt Franz-Arnold Geimer (Selbach) ausgetauscht wurden. Deswegen musste sogar extra die Innerortsumgehung einen Tag lang komplett gesperrt werden. Die neuen Fortbewegungsmittel waren in China produziert und in Containern bis nach Rotterdam geliefert worden, wo sie zusammengebaut und dann über die Straße nach Altenkirchen gebracht wurden. Rund 500.000 Euro hatte das Facelifting verschlungen, das zu Lasten des Besitzers gegangen war. Parallel hatte die Rewe-Group die Möglichkeit genutzt, den Vollsortimenter "konzeptionell neu auszurichten". Über mehrere Tage war er geschlossen, nur der Getränkeshop auf Parkhaus-Niveau geöffnet gewesen. Im Jahr 2015 waren unter Geimers Aufsicht schon die beiden Rollsteige zwischen der Fußgängerunterführung unter der B 8 hindurch und dem Eingang zum Komplex von der Quengelstraße aus erneuert worden. (hak)

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Kommentare zu: Die Tage des Rewe-Centers in Altenkirchen sind gezählt

1 Kommentar
Vor vielen Jahren bin ich gerne in den damaligen "Jumbo" in die dortige Cafeteria/Restaurant zum Essen oder Kaffee trinken gegangen. Eines mittags habe ich die dort aus dem Großraum Düsseldorf/Neuss anwesende Delegation von Managern der Jumbo-Warenhaus-Gruppe angesprochen, was Sie denn hier mehrfach in Altenkirchen vor Ort in diesem Markt inspizierten. Daraufhin erklärte mir einige dieser Manager, dass hier in nächster Zeit erhebliche Veränderungen in diesem Markt eintreten würden. Das erste, was schließen musste, war die Cafeteria/Restaurant. Das war für mich und viele Kunden damals der Anfang vom jetzigen Ende. Die Cafeteria hatte enorme Sogwirkung und wurde von sehr vielen Kunden angenommen. Nun ist der "Jumbo" quasi tot. Ein Stück Altenkirchen geht für immer.
#1 von werner ebach, am 26.04.2020 um 11:47 Uhr

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