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Nachricht vom 27.04.2020    

Wenn Orgelmusik über den Schlossplatz in Altenkirchen schallt

Was ist ein christlicher Gottesdienst in einer Kirche ohne live vorgetragene Musik auf der angestammten Orgel wert? Wahrscheinlich nur die Hälfte! Dieser Fakt begleitet die Besucher der evangelischen Christuskirche am Altenkirchener Schlossplatz bereits seit geraumer Zeit und bis zum Beginn der Corona-Pandemie, als die Zusammenkünfte der Gläubigen eingestellt werden mussten.

Die große Walcker-Orgel in der Altenkirchener Christuskirche wird in den kommenden Wochen und Monaten aufwendig saniert und erweitert. (Foto: privat)

Altenkirchen. Schon lange steht fest: Die Orgel in der Altenkirchener Christuskirche muss dringend saniert werden. Vor diesem Hintergrund ist sie aus sicherheitstechnischen Gründen seit rund zweieinhalb Jahren außer Dienst gestellt. Das Ende der Phase, in der die Gläubigen auf live gespielte Weisen des Musikinstruments der Firma Walcker noch verzichten müssen, zeichnet sich vage ab. Das Vorhaben „Erweiterung der Christuskirche Altenkirchen zur Konzertkirche", mit dem eine Orgelsanierung und -erweiterung, etliche zusätzliche Installationen in Licht, Ton und Video sowie die Anschaffung von Musikinstrumenten einhergehen werden, ist unter Dach und Fach. Damit wird der bei vielen Musik- und Chorensembles der Region schon bisher genutzte sakrale Klangraum einen noch philharmonischeren Charakter erhalten.

Die Kosten belaufen sich auf einen "kleineren, sechsstelligen Betrag". Gefördert wird das Projekt durch EULLE (Entwicklungsprogramm Umweltmaßnahmen, Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft, Ernährung) unter Beteiligung der Europäischen Union und des Landes Rheinland-Pfalz (Ministerium für Wirtschaft, Verkehr. Landwirtschaft und Weinbau). Die Umsetzung soll schon Anfang Mai beginnen und sich bis weit ins nächste Jahr erstrecken. Als Ersatz ist eine kleine Chororgel im Einsatz, die vom Altarraum aus erklingt.

Zweiter Spieltisch ist mobil
Herausragendes Merkmal des Plans ist der Einbau eines zweiten, aber mobilen Spieltisches (zusätzlich zu dem auf der Empore vorhandenen) im Bereich Chor-/Altarraum. "Nach meinem Kenntnisstand - zumindest im deutschen Sprachraum - ist das ein einmaliges Element, mit dem zu besonderen Anlässen vom Schlossplatz aus die Orgel in der Kirche bespielt und der Ton auf den Schlossplatz übertragen werden kann", erklärt Pfarrer im Ruhestand, Werner-Christian Jung, nachdem neben der staatlichen auch die kirchenaufsichtliche Genehmigung für die Maßnahme vorliegt, und ergänzt: "Wir sind glücklich, dass wir mit diesem Projekt auch in Pandemie-Zeiten den Blick auf eine Zukunft richten können, in der Musik und Kultur wieder als ,Lebensmittel', auch in unserer Kirche, wahrgenommen werden können." Darüber hinaus sind Bildungsangebote zum Thema Weltkulturerbe Orgelbau und Orgelspiel geplant.

Auch ferne Ensembles sind Gäste
"Schon heute wird die Christuskirche als konzertant genutzter Kristallisationspunkt durch Stadt und Region genutzt, hat aber auch ferne Ensembles zu Gast - vom Chor Vocal Line aus Dänemark bis zur Kölner Kammerphilharmonie", führt die eingereichte Beschreibung des Vorhabens beispielhaft zwei von vielen Gastspielen auf. Das exponierte und stadtbildprägende Kirchengebäude berge eine helle Saalkirche, die fünfte an gleicher Stelle. Der 1953 eingeweihte Bau biete mit seinem Tonnengewölbe und wandständigen Pilastern einen akustisch ansprechenden Resonanzraum für bis zu 600 Menschen. Dieser werde regional und überregional von Musizierenden und vom Publikum geschätzt und genutzt. Dies gelte nicht nur für Auftritte der Kantorei und für Sakralmusiken, sondern auch für konfessionsungebundene Chöre und für Instrumentalensembles.

Projektion auf den Schlossplatz
"Dem folgend soll ausgebaut und profiliert werden, was die Bevölkerung bereits in Ansätzen praktiziert: Die Christuskirche soll zu einer musikalisch-kulturellen Konzertkirche weiterentwickelt werden und mit diversen Bildungsangeboten den Charakter eines philharmonischen Begegnungszentrums für Stadt und Region bekommen", heißt es weiter. Als Konzertkirche könne sie auch durch die Installation flexibler audio-visueller Technik aufgewertet werden: durch verbesserte konzertgeeignete Beleuchtung und Akustik sowie durch Projektion des Musikgeschehens in das hintere Kirchenschiff sowie – bei besonderen Anlässen – auch outdoor auf den angrenzenden Schlossplatz. Somit lasse sich die Attraktivität des Zentrums für Chöre, Orchester, Ensembles, Bands oder Jazz-Formationen und Organisten noch steigern. "Regionale, überregionale und internationale Musiker - auch die europäischen Partner der Region, insbesondere aus Polen und Frankreich - können hier Konzerte anbieten und unterstreichen somit die Bedeutung des ,Klangraums Christuskirche'", machen die Ausführungen deutlich.



Aus dem Jahr 1955
Im Zentrum der künftigen Konzertkirche als philharmonischem Begegnungszentrum steht die Orgel der Firma Walcker (Ludwigsburg) aus dem Jahr 1955 mit 33 Registern, 3 Manualen, Pedal und über 2500 Pfeifen. Sie war bereits einmal, im Jahr 1982 von der Firma Kleuker (Bielefeld), renoviert worden. Parallel wurde die Disposition geringfügig geändert, so dass auf dem Instrument die Orgelliteratur aller Epochen und Stilrichtungen wiedergegeben werden kann. Aus Gründen des Brandschutzes darf sie derzeit nicht bespielt werden, dominiert jedoch den Saal. Sie solle zudem um ein 16-Fuß-Register (Prinzipal) ausgebaut sowie um spieltechnische und weitere audiovisuelle Elemente ergänzt werden. "Die bedeutendste Neuerung wird jedoch durch die Installation eines zweiten, mobilen Spieltischs im erhöhten Chor-/Altarraum erreicht. Während nämlich in Konzertsälen und Philharmonien die Orgeln und ihre Organisten zumeist sichtbar sind und ihr Musizieren auch visuell mit verfolgt werden kann, gilt dies nicht für die Mehrzahl der Kirchengebäude", ist in der Erläuterung dargestellt.

Instrument im Rücken des Publikums
Auch in der Christuskirche sei das große Instrument samt Spieltisch im Rücken des Auditoriums positioniert. Dabei umfasse das Orgelspiel auch kunstvollste Bewegung an Manualen und Pedal - „mit Händen und Füßen“! Bei Orgelkonzerten sowie bei Orchesterwerken mit Orgel oder bei Oratorien habe dies zur Folge, dass die Organisten während ihres Spiels unsichtbar blieben und das Chor- und Orchesterdirigat für die Orgelspielenden auf die Empore übertragen werden müsse. Dieser gravierende Nachteil für die philharmonische Praxis könne durch den Einbau eines zweiten, mobilen Spieltisches aufgehoben werden.

Impulse für Bildung
"Der Erweiterungs- und Umbau kann zugleich als Prozess kultureller und philharmonischer Begegnung und Bildung auch für junge Menschen gefasst werden, der in der Konzertkirche Impulse für die schulische wie außerschulische Bildung setzt, ferner Anregungen für die berufliche Qualifizierung gibt und auf die Binnen- und Regionalentwicklung ausstrahlt", vermerkt die Beschreibung weiter. Aber auch mit erwachsenbildnerischen Impulsen solle der Orgelbau sowie das Orgelspiel als nationales „immaterielles Kulturerbe der Bundesrepublik Deutschland“ (seit 2014) und als „immaterielles Kulturerbe der Menschheit“(UNESCO 2017) thematisiert werden. Dazu gehörten Führungen, Erkundungen und Einblicke in diese seit 1250 Jahren in Deutschland praktizierten handwerklich-technischen Leistungen. Sie könnten die Akzeptanz oder gar Begeisterung für das künstlerisch-musikalische Erbe dieses einzigartigen Instrumentenbaus und -spiels befördern. (hak)


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