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Nachricht vom 28.04.2020    

„Westerwälder Mitfahrerbänke“ als Ergänzung zum ÖPNV

Die Tatsache, dass es in ländlichen Regionen vielfach mit dem Öffentlichen Personennahverkehr hapert, ist hinlänglich bekannt. Da ist jede Idee willkommen, die Menschen hilft, parallel zu Bus und Bahn von A nach B und wieder zurückzukommen. Genau diesen Ansatz verfolgt das Projekt "Westerwälder Mitfahrerbänke", das aber zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt, nämlich mitten in der Corona-Krise, vorgestellt wurde.

Probesitzen auf der Mitfahrerbank in der Hochstraße in Altenkirchen (sitzend, von links) Carina Schäfer von der Agentur Glückskind in Steinebach und Cornelia Obenauer von der Verbandsgemeindeverwaltung Altenkirchen-Flammersfeld sowie (stehend von links) Thomas Pfeiffer von der Firma Gebrüder Pfeiffer in Nister, Lars Kober als Projektverantwortlicher der Kreisverwaltung, Landrat Dr. Peter Enders und Leader-Regionalmanager Sebastian Dürr. (Foto: Kreisverwaltung Altenkirchen)

Altenkirchen. Wer konnte das im April 2017 ahnen? Gut drei Jahre später strebt das Projekt "Westerwälder Mitfahrerbänke" mit Riesenschritten dem Ende der Verwirklichung entgegen, aber die Verantwortlichen raten aktuell dringend davon ab, es während der Covid-19-Pandemie zu nutzen. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass momentan jemand jemanden mitnimmt", sagte Lars Kober als Projektverantwortlicher der Altenkirchener Kreisverwaltung bei der Präsentation am Dienstag (28. April), "es gibt keinen ungünstigeren Zeitpunkt der Vorstellung als jetzt." Um diesen weiteren und kostenlosen Baustein des Mobilitätsangebots zu nutzen, muss sich der Fahrgast in das Auto eines Bekannten oder auch Fremden setzen, womit die aktuell gültige Abstandsregelung nicht mehr erfüllt wird. Der Grund, warum dennoch der Weg in die Öffentlichkeit gesucht wurde: In einer ersten Presseveröffentlichung sei über das Aufstellen einer Bank in einer Ortsgemeinde berichtet worden, so dass sich die Zuständigen entschlossen hätten, das Konzept umgehend zu präsentieren.

Ländlichen Raum stärken
Die "Westerwälder Mitfahrerbänke" sind ein Vorhaben, das in der Leader-Region Westerwald-Sieg umgesetzt wird. Zu ihr gehören die Verbandsgemeinden des AK-Landes außer der Alt-VG-Gebhardshain und der Alt-VG-Flammersfeld (beide sind in anderen Leader-Regionen zuhause). Landrat Dr. Peter Enders sagte, dass der Leader-Prozess, der den ländlichen Raum stärken soll, im Jahr 2014 gestartet sei. Die Anerkennung als Fördergebiet erfolgte ein Jahr später. "Inzwischen ist eine Vielzahl von Projekten umgesetzt, die Größe ist sehr flexibel, beginnt bei Bürgerprojekten mit bis zu 2000 Euro Zuschuss", berichtete er. Die Mitfahrerbänke schlugen unter dem Strich mit rund 134.000 Euro zu Buche. Der Regionalmanager im Kreishaus, Sebastian Dürr, informierte über umfangreiche Vorarbeiten, ehe im Juli 2018 der Förderantrag bei der ADD Trier eingereicht wurde. 13 Monate später lag der Bewilligungsbescheid über 100.000 Euro als Zuzahlung aus dem Leader-Topf vor.

Keine Konkurrenz zum ÖPNV
Die Idee, die hinter der Transportmöglichkeit steckt, ist simpel angesichts der Tatsache, dass der ÖPNV, also Bus und Bahn, in vielen Teilen des Kreises ein nur begrenztes Angebot vorhält. In Städten und Gemeinden wurden auf Wunsch der Kommunen Bänke aufgestellt, denen jeweils ein unterschiedliches Zielleitsystem zugeordnet ist. Der Fahrgast zieht eine Tafel mit der Endstation aus dem je nach Standort differenziert gestalteten Vorgabefundus und wartet, dass er mitgenommen wird. Als "Joker" fungiert, so die Idee von Cornelia Obenauer (VGV Altenkirchen-Flammersfeld), ein nicht beschrifteter schwarzer Wegweiser, auf den per Kreide individuell der Ort des Aussteigens geschrieben werden kann. So werde eine Verbesserung der Mobilität erreicht, führte Kober aus. Zudem sei es eine Identifikation stiftende Maßnahme für Bürger und Touristen, die auf die gesamte Region, also auch auf Nachbarkreise, ausgedehnt werden kann. "Wir verstehen uns nicht als Konkurrenz zum bestehenden ÖPNV-Netz, im ÖPNV gibt es verbindliche Abfahrtzeiten, bei den Mitfahrerbänken nicht", legte Kober dar.




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Viele Hürden gemeistert
Während des langwierigen Verfahrens der Verwirklichung mussten immens viele Hürden aus dem Weg geräumt werden. Beantwortet wurden beispielsweise versicherungs- und vertragsrechtliche Fragen. Die wichtigste: Der Mitfahrer ist über den Fahrer versichert. Über das Gefährdungspotenzial mit dem Stichwort Gewaltdelikte wurde ausgiebig diskutiert. "Es bleibt ein Restrisiko", erläuterte Kober, "Horrorvisionen à la Hollywood sind nicht zu erwarten." Für jeden Bankstandort wurde ein Vertrag geschlossen. Die lokalen Gremien bestimmten Aufstellung und Platz ihrer neuen Sitzgelegenheiten, die alle aus einem Guss sind und mit dem Schriftzug "Westerwälder Mitfahrerbank" daherkommen. Hin und wieder galt es, Alternativen zur üblichen Befestigung im Erdreich zu entwickeln und umzusetzen. Infomaterial wie Flyer und Homepage (www.mitfahrerbank-ww.de) inklusive Erklärfilm und grafischer Darstellung der Standorte soll in der Nach-Corana-Zeit für eine breite Akzeptanz sorgen.

Altenkirchen "Bänke-Hauptstadt"
In der Summe wurden und werden 65 Mitfahrerbänke in 6 Verbandsgemeinden und 60 Ortsgemeinden installiert. "Hauptstadt" ist Altenkirchen mit 4 Standorten, 26 sind es insgesamt in der Alt-VG Altenkirchen. Die weiteren Bänke stehen in: Alt-VG Betzdorf 5, VG Daaden-Herdorf 10, VG Hamm 12, VG Kirchen 6 und VG Wissen 6. Die Sitzmöbel wurden aus FSC-zertifiziertem Holz von den Westeifel Werken mit Sitz unter anderem in Gerolstein produziert. Das Marketing liegt in Händen der Firma Glückskind in Steinebach. Das Zielleitsystem wurde bei der Firma Gebrüder Pfeiffer in Nister entwickelt und produziert. (hak)


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