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Nachricht vom 02.05.2020    

Tourismus in der VG Wissen: Enorme Umsatzeinbußen durch Corona-Krise

Der Tourismus- und Heilbäderverband Rheinland-Pfalz e.V. (THV) will sich in der Corona-Krise verstärkt für die Belange seiner Mitglieder einsetzen. Das geht unter anderem aus einem Schreiben an den rheinland-pfälzischen Wirtschaftsminister Wissing hervor. Wissens Bürgermeister Berno Neuhoff macht in dem Zusammenhang auf die Lage in der Stadt und der Verbandsgemeinde Wissen aufmerksam.

Der sonst bei gutem Wetter prall gefüllte Biergarten und Parkplatz des Hotels Germania ist leer und abgesperrt. Auch hier ist die Lage angesichts der Krise kritisch. (Fotos: KathaBe)

Wissen. Am 8. Mai wird eine Sondersitzung der Enquete-Kommission Tourismus zur Corona-Pandemie stattfinden. Als beratendes Mitglied der Enquete-Kommission wird sich der THV in der Sitzung für die Belange seiner Mitglieder einsetzen und insbesondere auf folgende Themen eingehen:
Maßnahmen zur Abmilderung der für die Kommunen zu erwartenden finanziellen Auswirkungen
Phasenweise Wiederaufnahme des touristischen Reiseverkehrs bei Betriebsarten die besonders geeignet sind, hohe Sicherheitsanforderungen zur Reduzierung von Ansteckung zu erfüllen (Campingplätze, Feri-enhäuser- u. Wohnungen)
Sicherstellung des Weiterbetriebs der Jugendherbergen in Rheinland-Pfalz
Die grundsätzliche Bedeutung des Hotelgewerbes und die Notwendigkeit unterstützender Maßnahmen für eine bald mögliche Wiederaufnahme der Betriebe.

Auch die Stadt Wissen (8.400 Einwohner) und die VG Wissen sind im Bereich Hotellerie, Restaurants und Tourismus mit 36.634 Übernachtungen (2019) und 16.512 Gästen (2019) durch den „Lock down“ seit dem 19. März von der Corona-Krise massiv betroffen – mit fatalen Folgen für die Wirtschaft, Arbeitsplätze und Gewerbesteuer im Dienstleistungsbereich vor Ort. Darauf weist Stadtbürgermeister Berno Neuhoff in einer Stellungnahme der Stadt Wissen vor der Sondersitzung der Enquete-Kommission Tourismus hin und nimmt dies zum Anlass, so dem Wirtschaftsministerium die konkrete Situation in Wissen zu schildern und die Folgen der Corona-Krise am Beispiel dreier Großbetriebe aus der Verbandsgemeinde aufzuzeigen.

Umsatzeinbrüche am Beispiel dreier Großbetriebe
In der Verbandsgemeinde Wissen sorgen drei Großbetriebe – das Familienferien- und Tagungshaus Arche Noah Marienberge, das Hotel Germania sowie der Campingplatz Im Eichenwald/Mobilheimpark Mittelhof –für die mit Abstand größte Wertschöpfung und größten Anteil an Gästen, so Neuhoff in seiner Stellungnahme. Grob summiert spreche man laut Neuhoff allein bei diesen drei Betrieben von Umsatzeinbrüchen über 280.000 Euro pro Monat mit allem was dort „dran hängt“ (Arbeitsplätze, Gewerbesteuer, Sozialversicherung), wobei Nachfrage für Konsumverhalten für den Einzelhandel und weitere nicht mit gerechnet seien.

In den Stellungnahmen der drei Betriebe berichtet das Hotel Germania (33 Mitarbeiter), es habe sich bereits von vier Mitarbeitern trennen müssen. Alle anderen, bis auf drei, seien in Kurzarbeit und wissen nun kaum noch, wie sie Mieten, Telefon und Grundbedürfnisse decken sollen. Weitere Arbeitsplätze seien aufgrund der nicht vorhersehbaren Entwicklung in Gefahr. Dankbar für die Hilfe von nur noch sieben Prozent Mehrwertsteuer, die ein erster Schritt sei, weist Michaela Halbe (Geschäftsführerin) eindringlich drauf hin, dass die zwölf Prozent weniger Steuern den Umsatzverlust in der Gastronomie nicht kompensieren und dies allein im Hinblick auf das fehlende Eventgeschäft (Hochzeiten, Firmenfeiern usw.) nur ein Tropfen auf den heißen Stein sei.

Hans-Georg Rieth (Leiter und Geschäftsführer Arche Noah, 30 Mitarbeiter, 13 Vollzeitstellen) erläutert in seinem Bericht die Misere, dass es derzeit für gemeinnützige Häuser wie es seine Arche ist, keine Hilfsprogramme gebe, zumal die Zielgruppe seines Angebotes in hohem Maße der Risikogruppen angehöre. Auch wenn angedeutet werde, es solle auch Hilfen für solche Einrichtungen geben, ohne die „wir nicht werden überleben können“, würde dies einen Verlust von mehr als 10.000 Übernachtungen bedeuten, wenn das Haus noch bis Ende Juli geschlossen bleibe. Ein „Nachholen“ sei in der Hotellerie aufgrund festgelegter Bettenzahlen nicht möglich. Dabei hebt Rieth hervor, dass Häuser wie seines wichtiger denn je seien, da die Überforderungen in vielen Familien durch die stark belastende Lebenssituationen mit den Einschränkungen der Pandemie größer denn je seien.



Der Campingplatz Im Eichwald/Mobilheimpark Mittelhof, einer der größten in Rheinland-Pfalz, sei zu 99 Prozent im touristischen Camping und Dauercamping als auch der Mietunterkünfte seit März betroffen, so Matthias Weber in seinem Bericht. Es wäre schon sehr geholfen, wenn erlaubt würde, den Dauercampern den Zugang zu ihren Parzellen zu ermöglichen.

Sorgfältige Abwägung von Gesundheitsschutz und wirtschaftlichen Faktoren
Allein aus den Schilderungen lassen sich die gravierenden und fatalen Folgen für die gesamte Region im Bereich Tourismus, Hotellerie und Gastronomie ablesen.

In seinem Schreiben, das auch an das Wirtschaftsministerium direkt gehen soll, fordert Neuhoff dazu auf, pandemische und wirtschaftliche Faktoren sorgsam abzuwägen und den Kommunen ab sofort im Rahmen der Vorgaben der Gesundheitsämter mehr Freiräume zu geben und fragt: „Wo bleibt da die Selbstverwaltung auch in Zeiten des Gesundheitsschutzes?“. Er bemängelt, dass z.B. Kleinstädte wie Wissen mit Oberzentren wie das benachbarte Köln „uniform“, also Stadt und Land, gleich, behandelt werden. Die Vorgaben zu Hygiene und Abstandshaltungen müssten überall gleich, aber anhand der Zahlen des Robert Koch Institutes gewichtet und mit Spielräumen versehen sein.

Der ländliche Raum bietet Platz und Chancen
Der ländliche Raum biete gerade in diesen Zeiten Raum, Platz und Chancen, die es auch für die seelische Gesundheit der Menschen zu nutzen gelte. Man wolle aktiv werden, brauche aber finanzielle und auch logistische Unterstützung. Wenn in der Rede der Ministerpräsidentin davon gesprochen würde, Urlaub in Deutschland oder Rheinland Pfalz zu machen (das betrifft rund 36. Millionen Menschen in diesem Jahr), sei es vernünftig auf strukturelle Probleme einzugehen, die im Westerwald eine besondere Herausforderung darstellen. Hierbei bedürfe es Aktivitäten vor Ort und kurzfristig ein Bündel von Maßnahmen in der Gesamtstrategie der rheinland-pfälzischen Wirtschaftspolitik allein für die Sommerferien (Direkthilfen für die Gastronomie, Unterstützung der Kommunen u.a.).

Angesichts der Nähe zu Nordrhein-Westfalen, auch dem Großraum Köln, erkennt Neuhoff für die Region Wissen im nördlichen Teil des Westerwaldes und die Naturregion Sieg durchaus gute Chancen, sieht allerdings die rheinland-pfälzische Wirtschaftspolitik aktiv gefordert und bittet den THV um Unterstützung.

Hilfsmaßnahmen laufen derzeit nicht ideal
Als ein weiteres Problem stelle sich die Abwicklung bei den Direkthilfen dar. So erhielt Neuhoff die Information von Gastronomen im Stadtgebiet, dass zwar Anträge für Hilfen schon vor Wochen gestellt wurden, diese aber bisher noch nicht zur Auszahlung gelangt seien. Hier wolle man sich allerdings erst noch einmal unmittelbar mit der Investitions- und Strukturbank RP in Verbindung setzten.

Insgesamt hoffen Neuhoff und die betroffenen Betriebe auf schnelle Hilfe und Unterstützung in dieser schwierigen Zeit und begrüßen die Unterstützung des Tourismus- und Heilbäderverband Rheinland-Pfalz e.V.. (KathaBe/PM)


Mehr zum Thema:    Coronavirus   
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