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Nachricht vom 14.05.2020    

Kolumne „Themenwechsel“: Kaufen, kaufen, kaufen

Von Rabea Weller

GASTBEITRAG | Die Coronakrise ist allgegenwärtig, derzeit bleibt kein Bereich unseres Alltags davon unberührt. Jeden Tag gibt es neue Schlagzeilen, und das überall. Das ist gut so, denn Information ist wichtig. In unserer Kolumne wollen wir jedoch auch einen Blick auf die Themen werfen, die trotz Corona gerade aktuell sind, oder solche, die unsere Leser bewegen. Ein Gastbeitrag von Rabea Weller.

(Symbolbild: Pixabay)

Wir haben alles, aber eigentlich brauchen wir nichts davon. Unsere Kleiderschränke quellen über, unsere Badezimmer sind vollgestopft mit Kosmetik – und was passiert, wenn ich den Schrank mit der Tupperware öffne, davon will ich gar nicht erst anfangen.

Wofür brauchen wir all das? Warum ist uns der Konsum so wichtig geworden? Es ist überhaupt nicht notwendig, dass wir zehn Brotdosen in verschiedenen Farben oder fünf Bodylotions mit unterschiedlichem Duft besitzen. Es ist überhaupt nicht notwendig, ein riesiges Paket voller Kleidung zu bestellen, obwohl wir mit unserer Garderobe doch eigentlich recht zufrieden sind – und doch tun wir es immer wieder. Wir kaufen, kaufen, kaufen. Ich selbst kann mich davon wohl kaum freisprechen, denn wer mich kennt, der weiß: Mein Bücherregal quillt über, obwohl ich immer wieder aussortiere, und mich in eine Buchhandlung zu schicken reicht, um mich arm zu machen. Warum also scheint es so, als seien wir dazu verpflichtet, ständig Neues zu kaufen – obwohl wir es nicht brauchen?

Minimalismus ist kein Ding der Unmöglichkeit
Wo Kritik am Konsum aufkommt, ist der Gedanke an Minimalismus nicht weit. Laut dem Statistik-Portal Statista sind 51 Prozent der Deutschen im Jahr 2020 der Meinung, mehr Verzicht und weniger Konsum seien der beste Weg zur Nachhaltigkeit. Im gleichen Jahr hören wir von einer unglaublichen Welle des Online-Shoppings – doch tatsächlich ist der Umsatz von Amazon im ersten Quartal noch deutlich niedriger als in drei von vier Quartalen 2019. Scheinbar kommt dieser Gedanke der Nachhaltigkeit langsam bei uns an.



Nun ist der Begriff Minimalismus vielleicht etwas vorbelastet, aber es geht hier keinesfalls darum, sämtliche Kleidungsstücke zu entsorgen und mit einer Hose und einem Hemd zu leben – es sei denn, das macht Sie glücklich, dann habe ich nichts gesagt. Aber ein bisschen Minimalismus tut jedem gut. Wer sich mit Unmengen von unnötigen Konsumgütern umgibt, dessen Kopf wird ungefähr so aufgeräumt sein wie die Abstellkammer, in der die einmal genutzte Heißluftfritteuse und die zwanzig Tupperdosen neben unzähligen Paaren von nie getragenen Schuhen lagern.

Nachhaltiger Konsum wird immer wichtiger
Die Themen Minimalismus und Nachhaltigkeit gehen oft Hand in Hand. Würde die ganze Weltbevölkerung so leben wie wir in Deutschland, würden wir drei Erden benötigen, um das aufzufangen. Drei Erden! Und wir liegen auf Platz vier, mehr als deutlich über den Werten von zum Beispiel China. Kurzum: Es ist Zeit, unseren Konsum wirklich zu überdenken. Bei sehr vielen Produkten lautet die häufigste Antwort, auf die Frage, wie oft Konsumenten beim Kauf dieser auf Nachhaltigkeit achten, „gelegentlich“. Ein gelegentliches Nachdenken über Nachhaltigkeit wird uns wohl kaum zwei weitere Erden verschaffen, auf denen wir unseren ökologischen Fußabdruck balancieren können.

In diesem Sinne: Die Geschäfte öffnen wieder. Wenn Sie doch mal eine nicht ganz minimalistische Shoppinglust verspüren, unterstützen Sie doch die kleine Boutique oder den Buchladen in der Fußgängerzone direkt um die Ecke, anstatt das Handy zu zücken und stundenlang zu scrollen. Wir lesen uns am Montag!


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