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Nachricht vom 22.07.2010 - 12:37 Uhr    

FDP: Kein schneller Abzug aus Afghanistan

Die FDP will im Gegensatz zur Mehrheit der Deutschen keinen schnellen Abzug aus Afghanistan. Das machten die Liberalen in einer Veranstaltung zu militärischen und politischen Fragen in Altenkirchen klar.

Altenkirchen. Das Thema Afghanistan beherrscht nach wie vor die Medien. Die Menschen sind unsicher, ob der Einsatz der Bundeswehr dort nun sinnvoll ist oder ob die Truppen, die eigentlich den friedlichen Übergang zu Selbstverwaltung und Wiederaufbau unterstützen sollten, sich nicht doch eher in einem Kriegseinsatz befinden (?-die Redaktion) und abgezogen werden sollten. Denn verteidigen wir wirklich unseren Frieden am Hindukusch?
Um diese und andere Themen rund um das von Krieg und Krisen seit Jahrzehnten erschütterte Land ging es beim Themenabend "Afghanistan", den der Altenkirchener Orts- und Kreisverband im Hotel "Glockenspitze" veranstaltete. Trotz Hitze war die Veranstaltung gut besucht, was zeigt, wie sehr das Thema den Menschen unter den Nägeln brennt. Hinzu kam, dass die FDP mit Generalmajor a.D. Ernst Lutz, Elke Hoff (Sicherheitspolitische Sprecherin der FDP im Bundestag) und Doktor Akbar Ayas hochkarätige Experten auf dem Gebiet gewinnen konnte. Generalmajor Lutz stieg in das Thema aus militärischer Sicht ein. Mit deutlichen Worten beschrieb er die für die Soldaten zum Teil unbefriedigende Lage: Unklare Ziele, unklare Rechtslagen, vernachlässigte Streitkräfte. Hier nahm er vor allem die Politik ins Gebet, denn, so Lutz, ein militärischer Einsatz gehe nur in absoluter Verbindung mit der Politik. Ziel des Einsatzes sei aber nach wie vor, den Afghanen zu helfen, das Land wieder selbst zu stabilisieren. Dafür müssten und würden auch vermehrt afghanische Sicherheitskräfte ausgebildet.
Akbar Ayas entwarf danach das menschliche Bild seines zerstörten Heimatlandes. Armut, hohes Analphabetentum, Unterdrückung der Frauen - gegen diese Geißeln kämpften er und seine Frau Sima mit ihrer Stiftung. Beide haben schon unzähligen Kindern und ihren Familien mit Nahrung, Kleidung und Bildung in ihren Waisenhäusern und Schulen geholfen. Ayas beendete seinen Vortrag damit, dass er sehr deutlich jeglichen militärischen Einsatz in Afghanistan verurteilte. "Ein durchs Militär getöteter Afghani mit 50 Familienangehörigen schafft 50 neue Feinde."
Hoff hingegen ließ keinen Zweifel daran, dass ein baldiger Truppenabzug derzeit kein Thema sei. Sie sagte, dass man das Land nicht in schlechterem Zustand verlassen könnte, als es die ISAF 2001 vorgefunden habe. Es gebe entgegen der herrschenden Berichterstattung auch Fortschritte im Land. In Entgegnung des bekannten Zitats der ehemaligen evangelischen Bischöfin Käßmann sagte sie: "Es ist nicht alles schlecht in Afghanistan." Bis 2015 müsse aber die Militärpräsenz zurückgefahren werden, so Hoff.
Der interessante Abend wurde mit einer anschließenden lebhaften Diskussion unter Moderation des FDP Kreisvorsitzenden Dr. Axel Bittersohl durch die Zuhörer abgerundet.
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Foto (von links): Dr. Axel Bittersohl, Elke Hoff, Dr. Akbar Ayas, Ernst Lutz.



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