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Nachricht vom 28.05.2020    

Wenn das Kind nicht in die Kita kommt, kommt die Kita zum Kind

Die Corona-Pandemie hat große Auswirkungen auf die Arbeit der Dienste und Einrichtungen des Bereiches der Hilfen für Kinder der Lebenshilfe im Landkreis Altenkirchen. Diese lebt normalerweise von direkten face-to-face-Kontakten in den jeweiligen Einrichtungen. Angesichts der starken Einschränkungen des Betriebes von KiTas und Schulen, mag sich manch einer fragen, was denn eigentlich die Erzieherinnen und Erzieher aktuell so tun. Weniger Kinder = weniger Arbeit? Ein Irrglauben!

(Fotos: Lebenshilfe)

Kreis Altenkirchen. „Wenn der Berg nicht zum Propheten kommt, muss der Prophet eben zum Berg kommen“ – so heißt es schon in einem Essay von Francis Bacon aus dem Jahre 1655. Heute – fast 400 Jahre nach dessen Entstehen – weist dieses Zitat eine immense Aktualität auf. Im Hinblick auf die Auswirkungen der Corona-Pandemie könnte man Bacon selbst einen Propheten nennen. So ist der Betrieb in Schulen und Kindertagesstätten seit geraumer Zeit arg beeinträchtigt. Dies stellt die pädagogischen Fachkräfte der Lebenshilfe vor große Herausforderungen.

Während sie die Kinder im Normalfall innerhalb der Einrichtung begleiten, müssen sie nun kreative und flexible Lösungen finden, um die Angebote weiterhin durchführen zu können. In den Einrichtungen selbst werden aktuell deutlich weniger Kinder betreut. Viele Kinder befinden sich derzeit Zuhause. Ein Umstand, der mehr und mehr zu erheblichen Überlastungen der Familien führt. Um die Kinder und Familien trotz der räumlichen Distanz bestmöglich unterstützen zu können, haben sich die Dienste und Einrichtungen innovative Alternativen überlegt.

Fachdienst für Integrationspädagogik und Schulintegration
Die üblichen Aufgaben der Pädagoginnen und Pädagogen der ambulanten Hilfen besteht im Regelfall darin, Schülerinnen und Schüler während des Schulalltags zu unterstützen oder die heilpädagogische Förderung in Kindertagesstätten übernehmen. In Zeiten von COVID-19 machen die ambulanten Dienste ihrem Namen umso mehr alle Ehre. So findet die Förderung nun im häuslichen Umfeld – auf Balkonen, in Bauwagen oder im Garten – statt. Darüber hinaus kommen auch digitale Medien wie Skype zum Einsatz. Ebenso werden Aufgabenmaterialien an der Haustüre übergeben. Die Beratung von Eltern findet per Telefon oder Email statt.

Förderkindergarten Weyerbusch
Auch im Förderkindergarten Weyerbusch lässt man sich so einiges einfallen. Die Vorschulkinder erhalten ein wöchentliches Aufgabenpaket, welches sich am Vorschulkonzept der Einrichtung orientiert. Ebenso bekommen alle Kinder ein wöchentliches Kreativpaket per KiTa-Lieferservice nach Hause. Da die Familien derzeit alle an- oder über der Belastungsgrenze sind, ist die Beratung zurzeit mehr als gewünscht. Um für alle Eltern ansprechbar zu sein, findet auch hier ein sehr intensiver Telefon- und Mailkontakt statt.

Integrative Kindertagesstätte Alsdorf
Die Mitarbeiterinnen der Integrativen Kindertagesstätte Hand in Hand sind ebenso bemüht, auf mehreren Ebenen mit den Kindern und Familien in Kontakt zu bleiben. Da in der Einrichtung sehr viele Familien mit Migrationshintergrund sind, ist ein telefonischer oder schriftlicher Kontakt aufgrund der Sprachbarriere oftmals recht schwer umsetzbar. Daher führt die interkulturelle Fachkraft schwerpunktmäßig Hausbesuche durch. Insgesamt erhalten aber auch alle übrigen Kinder regelmäßige Materialien nach Hause. Vor allem die Vorschulkinder werden dabei mit vielfältigen Materialien versorgt, damit die Vorbereitung auf die Schule nicht vollends stagniert. Beispielsweise können so auch die Einheiten des Landessprachförderprogramms, das im letzten Jahr vor der Einschulung stattfinden, Zuhause durchgeführt werden. Ansonsten hält die Kindertagesstätte alle Familien mittels Mail oder Briefen über die aktuellen Entwicklungen zur Kindertagesbetreuung auf dem Laufenden.



Integrative Kindertagesstätte Wissen
In der Kindertagesstätte Kleine Hände in Wissen/Schönstein können sich die Kinder seit einigen Wochen ein Stückweit des KiTa-Alltags ins Kinderzimmer holen. Neben einer eigenen KiTa Cloud, gibt es nun auch interaktive digitale Angebote. Täglich findet jeweils ein Morgenkreis der drei Gruppen via Skype statt. Dort werden bekannte Rituale wie Lieder und Fingerspiele reaktiviert. Teilweise müssen bekannte Regeln umfunktioniert werden, damit die Spiele auch auf digitalem Wege durchgeführt werden können. Außerdem gibt es zusätzlich noch einmal täglich eine gruppenübergreifende Vorlesezeit. Dabei werden die Lieblingsbücher der Kinder vorgelesen, weswegen häufig gar kein Ende mehr zu finden ist.

Die Kinder sind sichtlich erfreut, ihre bekannten Bezugspersonen und die anderen Kinder wieder regelmäßig sehen zu können– auch wenn es derzeit nur über digitale Wege möglich ist. Daher möchte Team der KiTa die digitalen Angebote noch ausweiten. So sollen die Kinder bald die Möglichkeit erhalten, in Kleingruppen zu experimentieren oder zu basteln.
Um die Beziehungs- und Bildungsarbeit weiterhin aufrecht zu erhalten, haben die Dienste und Einrichtungen der Lebenshilfe im Landkreis Altenkirchen aus der Not eine Tugend gemacht. Frei nach Bacons Wahlspruch finden die pädagogischen Fachkräfte nun vielfältige Wege zu den Kindern und Familien. Sicherlich wünschen sich alle Akteure wieder den Urzustand zurück, doch gleichzeitig sind die Familien über die Angebote sichtlich erfreut. Zwar sind diese kein dauerhafter Ersatz für die sonst übliche Bildung, Erziehung und Betreuung der Kinder in den Einrichtungen, aber sie können zu mindestens temporär für eine Entlastung sorgen. (PM)


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